Canon Legria HFS100: genialer Full-HD-Camcorder mit Profifunktionen

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 14:30 Uhr

Pro
  • tolle Videoqualität und Leistung
  • schön designtes Interface
  • schnell ladender Akku
Con
  • kein Sucher
  • teuer
  • Linsenabdeckung klappert im abgeschalteten Zustand
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der Legria HF S100 ist ein exzellenter Prosumer-Camcorder, der allerdings leider keinen elektronischen oder optischen Sucher mitbringt. Er ist mit dem teureren HF S10 identisch - abgesehen von dessen 32 GByte integriertem Flash-Speicher. Wem das Auswechseln der SDHC-Karten nichts ausmacht, der sollte den HF S100 wählen.

Die Camcorder-Zwillinge Canon Legria HF S10 und HF S100 zeichnen Videos in 1920 mal 1080 Pixeln auf, bringen eine Linse mit einer maximalen Blendenöffnung von F1,8 und zehnfachem Zoom mit und verfügen über einen relativ großen 1/1,26-Zoll-CMOS-Sensor, der 8 Megapixel auflöst. Außerdem bringt der Hersteller in den Gehäusen eine Reihe von Profi-Werkzeugen unter: Farbbalken, manuelle Gain-Kontrolle sowie eine Zebrafunktion mit 70 und 100 Prozent, die überbelichtete Bereiche kennzeichnet. Die beiden Modelle unterscheiden sich nur durch ihren internen Speicher. Während das HF S10 32 GByte mitbringt, steckt im HF S100 kein Flash-Memory.

Auch wenn er nahezu ein halbes Kilo wiegt, fühlt sich der HF S100 ziemlich leicht an. Trotzdem, mit Abmessungen von 7,0 mal 6,9 mal 13,6 Zentimetern macht er sich in der Jackentasche schon bemerkbar. Abgesehen von ein paar Ausnahmen ist das Design des Camcorders gleichzeitig ansprechend und absolut praxistauglich. Er liegt ausgezeichnet in der Hand und lässt sich gut bedienen.

Design

Wenn man von vorne auf den HF S100 blickt, fällt zuerst die seltsame Linsenabdeckung auf. Sie erinnert mehr an ein schließendes Auge als an den typischen flachen Verschluss. Leider klappert die Abdeckung, wenn sie geschlossen ist. Nachdem dieses Problem nur im abgeschalteten Zustand auftritt, beeinträchtigt es jedoch zumindest die Ergebnisse des Filmens nicht. Die Videoleuchte befindet sich nicht wie üblich neben der Linse, sondern im Aufklapp-Blitz. Die Stereomikrofone liegen auf der rechten und linken Seite der Optik. Das ermöglicht eine bessere räumliche Differenzierung des aufgezeichneten Tons – Probleme mit stärkeren Windgeräuschen gibt es dennoch nicht. Wem die integrierten Mikrofone nicht ausreichen, der steckt einfach eine externe Version in den Mini-Zubehörschuh auf der Oberseite des Camcorders. Außerdem liegt auf der Griffseite des Gehäuses eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, um ein weiteres Aufnahmegerät anzustecken. Etwas weiter hinten liegen ein USB-, ein Komponenten- und ein miniHDMI-Anschluss. Leider ist die Griffschlaufe im Weg, wenn man hier etwas anstecken möchte.

Auf der anderen Seite der Optik sitzt ein neues Rädchen, das dem Bedienelement von Sonys Prosumer-Modellen sehr ähnelt, was Design, Optik und Funktion angeht. Dahinter befindet sich ein kleiner Knopf, um das Drehrad zu aktivieren. Die Funktion ist dabei frei programmierbar – Belichtung, Fokus, 70-/100-Prozent-Zebra, Mikrofonlevel und Gain Control Limit (0 bis 18 dB).

Die Fototaste und der Zoomschieber liegen auf der Oberseite des Gehäuses und lassen sich bequem mit dem Zeigefinger bedienen. Direkt dahinter befindet sich ein Modus-Rädchen. Eigentlich sollte hier jedoch ein Sucher sitzen – womit wir beim größten Nachteil des HF S100 wären. Rechts und links vom Drehelement sitzen Netzteilanschluss und 3,5-Millimeter-Kopfhörerbuchse. Eine der beiden Aufnahmetasten befindet sich unter dem Daumen. Links von dem Zoom-Schieber bringt Canon den Ein-Aus-Schalter ein, der mit der rechten Hand nur mit Mühe zu erreichen ist.

Der Großteil der aufnahmerelevanten Bedienelemente sitzt auf dem Rahmen des Displays. Eine Funktionstaste ruft die wichtigsten Einstellungen auf. Neben den gewöhnlichen Punkten wie Weißabgleich, Effekte, Videoqualität, Fotoauflösung und eine Handvoll Szeneprogramme bietet der HF S100 echte Modi für Belichtungs- und Blendenöffnungspriorität. Dabei stehen Verschlusszeiten von 1/8 bis 1/2000 Sekunde und Blenden von F1,8 bis F8 zur Verfügung. Das gibt mehr Möglichkeiten, mit Tiefenschärfe zu arbeiten, als es in dieser Klasse üblicherweise möglich ist.

Die wichtigsten Bedienelemente sitzen auf dem Rahmen, der das Display umgibt.

Ausstattung

Außerdem gibt es einen Kino-Modus, der Farbe und Gamma automatisch anpasst, sowie die Auswahl zwischen 25p und 50i. Im Fotomodus lassen sich sowohl Belichtungszeit als auch Blende manuell festlegen. Weitere für die Klasse eher außergewöhnliche Funktionen sind drei feste oder variable Zoomgeschwindigkeiten, x.v.Farbmodus, Farbbalken und Testton.

Das Menüsystem hat ebenfalls eine Überarbeitung verpasst bekommen. Es macht einen flüssigeren Eindruck, und zudem lässt sich auch die Schriftgröße festlegen. Die Auslösung des 2,7-Zoll-Displays ist mit gut 200.000 Pixeln nicht überragend. In der niedrigsten Einstellung sieht die Schrift verpixelt aus. Im direkten Sonnenlicht bleibt der Bildschirminhalt jedoch erstaunlich gut erkennbar.

Das Hauptmenü ist übersichtlich und einfach strukturiert.

Während die Aufnahme läuft, ruft der Joystick auf dem Display ein Schnellmenü auf. Es öffnet die Videoleuchte und gewährt Zugriff auf Digitaleffekte, Pre-Recording, Umgebungslicht- und Belichtungsausgleich, manuellen Fokus, Mikrofonlevel, Gesichtserkennung sowie digitalen Telekonverter. Im Fotomodus sehen die Optionen etwas anders aus: Anstelle der Mikrofon- und Telekonverteroptionen gibt es nun einen Menüpunkt für den Blitz. Es ist sehr angenehm, so direkt einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen zu haben.

Praktisch: Mit diesem einfachen Menü ändern Kameramänner auch während des Filmens die Einstellungen.

Die diesjährigen Camcorder-Modelle von Canon bringen eine Video-Snapshot-Funktion mit. Dabei schießt der HF S100 einen Vier-Sekunden-Clip. Mit dem Feature sollen Anwender schnell und einfach Best-of-Clips vom Badeurlaub zusammenstellen, ohne langwierig ihre Filmchen zusammenschneiden zu müssen. Der Modus ist über einen Knopf zugänglich, der in der Displaymulde liegt. Ein Druck auf ihn bringt einen blauen Rahmen auf dem Bildschirm, den eine Zeitmarkierung in vier Sekunden umläuft. Erst eine erneute Betätigung der Video-Snapshot-Taste wechselt zurück zur normalen Aufnahme.

Leistung

Die Videoqualität ist bei den maximalen Datenraten von 24 und 17 MBit pro Sekunde absolute Spitze. In den beiden Einstellungen füllt sich ein Gigabyte allerdings bereits nach 5,5 beziehungsweise 7,8 Minuten. Canon empfielt, mindestens eine Klasse-4-SDHC-Karte einzusetzen. Der Autofokus arbeitet flott und präzise, selbst bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Akkulaufzeit ist eher durchschnittlich – dennoch, die Batterie lädt sehr schnell. Laut Hersteller reichen zehn Minuten am Ladegeräte für eine halbe Stunde Betriebsdauer.

Die optische Bildstabilisierung arbeitet bis zum Ende des Brennweitenbereichs sehr akkurat. Die Filmchen selbst sehen fantastisch aus: scharf, gesättigte Farben und schöne Ausleuchtung. Überbelichtete Bereiche treten nur sehr selten auf. Der neue DigicDV-3-Bildprozessor sorgt für einen besseren Dynamikbereich als bei den Vorgängern. Selbst Innenaufnahmen in eher dunklerer Umgebung wirken ausgezeichnet – lediglich etwas weich und verrauscht. Das ist allerdings keine große Überraschung. Auch die Qualität der Tonaufnahmen geht absolut in Ordnung.

Dennoch, der HF S100 ist nicht perfekt. Bei Außenaufnahmen mit hohen Kontrasten treten violette Farbsäume auf. Außerdem gibt der Canon Rot- und Blautöne nicht präzise wieder. Standbilder machen einen etwas verwaschenen Eindruck – wie die der meisten Camcorder. Trotzdem, im Großen und Ganzen gehen sie schwer in Ordnung.

Fazit

Anspruchsvolle Amateurfilmer, die einen günstigen und handlichen Prosumer-Camcorder suchen, erhalten mit den Zwillingen Legria HF S10 und S100 deutlich bessere Ergebnisse als mit aktuellen 600-Euro-Camcordern. Das Fehlen eines elektronischen Suchers ist allerdings ein deftiges Manko – besonders bei diesen Anschaffungskosten. Wer zwischen HF S10 und HF S100 schwankt, sollte sich für das Modell ohne integriertem Speicher entscheiden: Für die Preisdifferenz von knapp 100 Euro gibt es mehr als das doppelte der eingebauten 32 GByte in Form von Flashkarten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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