Canon HF200: Prosumer-Camcorder mit toller Ausstattung

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 10:47 Uhr

Pro
  • viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten
  • tolle Videoqualität
  • hübsches, funktionelles Design
Con
  • verhältnismäßig teuer
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Deutlich teurer als die Konkurrenz, deutlich mehr Features als die Konkurrenz: Wer einen Camcorder mit tonnenweise manuellen Einstellungsmöglichkeiten sucht, ist beim HF200 goldrichtig aufgehoben. Noch mehr Funktionen bieten bei Canon nur die Prosumer-Modelle HF S10 und HF S100.

Auch wenn der Canon HF200 kompakter und günstiger als seine Schwestern HF S10 und HF S100 ist, bringt er einen längeren Brennweitenbereich mit. Während die HF-S-Serie nur 10-fach zoomt, schafft er eine 15-fache Vergrößerung. Dafür ist der Sensor geschrumpft – sowohl was Abmessungen, als auch Auflösung angeht. Doch selbst wenn der Camcorder eine sehr ähnliche Ausstattung wie die beiden Großen mitbringt, so fehlen ihm doch einige High-End-Features. Manuelles Einstellrad, Zebra-Funktion, Farbbalken, Ausklappblitz? Fehlanzeige.

Canon hat sich mit dem nahezu identischen AVCHD-Trio HF10 [1]/HF11/HF100 [2] bereits letztes Jahr sehr gut auf dem Markt plaziert. Die Modelle HF20 und HF200 treten nun das Erbe an. Die beiden Camcorder unterscheiden sich nur in der Farbe und dem internen Speicher. Während der HF20 32 GByte Flash-Memory bietet, speichert der HF200 ausschließlich auf Speicherkarten. CNET hat den HF200 getestet.

Design

Ein Federgewicht ist etwas anderes – dennoch, mit 340 Gramm ist der HF200 für seinen Funktionsumfang erstaunlich leicht. Er misst 12,4 mal 7,0 mal 6,2 Zentimeter und passt bequem in die Jackentasche. Der Camcorder sitzt sicher in der Hand. Unter dem Zeigefinger liegen – leicht erhöht – Zoom-Schieber und Fotoauslöser. Dennoch, der Großteil der Bedienelemente befindet sich auf der Einfassung des ausklappbaren Displays. Eine Funktionstaste bringt die wichtigsten Einstellungen auf den Bildschirm. Ganz unten in dem aufgeklappten Dialog führt ein Punkt ins Hauptmenü.

Der Großteil der Bedienelemente des HF200 befindet sich auf dem Rahmen des ausklappbaren Displays.

Ausstattung

Im Schnellmenü konfiguriert der Anwender Weißabgleich, Bildeffekte, digitale Effekte, Videoqualität, Standbildgröße, Programm und eine Handvoll von Szenenmodi. Daneben gibt es auch echte Verschluss- und Blendenautomatik. Für die Belichtungszeit stehen Werte zwischen 1/8 und 1/2000 Sekunde zur Verfügung, die Blendenöffnung wählt der Kameramann zwischen F1,8 und F8. Derartige manuelle Einstellungen bieten nur wenige Camcorder in dieser Preisklasse.

Wie beim HF S10 und S100 [3] ist auch bei den Modellen HF20 und HF200 Canons Kinomodus an Bord. Er passt Farben und Helligkeit automatisch an und soll den Filmchen einen professionellen Look verpassen. Der Camcorder zeichnet wahlweise in 25 oder 50 Bildern pro Sekunde auf. Bei der Einstellung mit 50 fps handelt es sich allerdings nur um Halbbilder. Der optische Zoom lässt sich entweder auf eine von drei festgelegten oder auf variable Geschwindigkeit einstellen. Ein weiteres High-End-Feature ist der x.v.Color Mode, der ein breiteres Farbspektrum als die gewöhnliche Einstellung bietet.

Während die Aufnahme läuft, ruft eine Betätigung des Joysticks nach oben oder unten ein Schnellmenü auf. Es listet Einstellungen wie Videoleuchte, Digitaleffekte, Drei-Sekunden-Voraufnahme, Belichtungsabgleich, manueller Fokus, Mikrofonlevel und Gesichtserkennung auf. Im Fotomodus ersetzt ein Menüpunkt Blitz die Voraufnahme-Option.

Das 2,7-Zoll-Display löst lediglich 211.000 Pixel auf. Praktischerweise ist die Schriftgröße einstellbar. Bei direkter Sonneneinstrahlung macht der Bildschirm eine gute Figur. Allerdings sehen die Farben auf der Anzeige deutlich kontrastreicher und greller aus als auf dem Video selbst. In Sachen Weißabgleich und Belichtung sollte man dem Display also nicht zu viel Vertrauen schenken.

Wie die HF-S-Modelle bringt auch der HF200 eine Video-Snapshot-Funktion mit. Dabei zeichnet der Camcorder vier Sekunden lange Clips auf. Ein blauer Rahmen, der das Display umgibt, zeigt die verstrichene Zeit an. Allerdings ist die Umsetzung etwas gewöhnungsbedürftig. Die Taste für das Feature verbirgt sich in der Displaymulde und fühlt sich etwas schwergängig an. Außerdem verbleibt die Kamera in diesem Modus bis zum manuellen Wechsel. So landet von dem einen oder anderen Motiv unter Umständen nur ein kurzer Schnipsel auf dem virtuellen Band, wenn man nicht aufpasst.

Leistung

Die Bildqualität bei 24 und 17 MBit pro Sekunde ist absolute Spitzenklasse. Allerdings reicht ein Gigabyte bei diesen Einstellungen gerade mal für 5,5 beziehungsweise 7,8 Minuten. Der Autofokus findet sein Ziel flott und exakt – sogar bei schlechten Lichtverhältnissen. Mit eineinhalb Stunden geht auch die Akkulaufzeit absolut in Ordnung. Im Zubehör bietet Canon Batterien an, die eine doppelte oder gar vierfache kontinuierliche Aufnahmedauer schaffen. Im Gegensatz zu den HF-S-Modellen bietet die HF200 keine Schnellladefunktion. Der optische Bildstabilisator leistet durch den gesamten Brennweitenbereich ausgezeichnete Arbeit.

Die Videos sehen großartig aus, besonders für diese winzige Linse. Sie sind überraschend scharf und strotzen nur so vor gesättigten Farben. Die Belichtung ist ebenfalls erste Sahne: Überbelichtete Bereiche treten nur selten auf. Auch Innenaufnahmen sehen gut aus. Ohne ein bisschen Rauschen und Weichzeichnung geht es allerdings in dieser Klasse nicht. Standbilder machen trotz niedrigerer Auflösung sogar einen etwas besseren Eindruck als die der Modelle HF S10 und HF S100 [3].

Ein paar Punkte gibt es allerdings auch zu bemängeln. Die Tonqualität macht zwar einen soliden Eindruck, allerdings stören aufgrund der Platzierung der Mikrofone Windgeräusche öfters die Aufnahme. Während es bei hohen Kontrasten kaum Farbsäume gibt, scheint über hell ausgeleuchteten Objekten häufiger ein Schleier zu liegen. Bei schnell bewegten Motiven tritt außerdem Ghosting auf.

Fazit

Der Canon Vixia HF200 ist ein ausgezeichneter Camcorder, der die Konkurrenz in vielerlei Hinsicht hinter sich lässt – allerdings auch, was den Preis angeht. Trotzdem – er kostet weniger als die High-End-Ausführungen HF S10 und S100 und bringt einen Großteil von deren genialen Features mit.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41003209/canon-hf200-prosumer-camcorder-mit-toller-ausstattung/

URLs in this post:

[1] HF10: https://www.cnet.de/tests/camcorder/39191531/testbericht/hd_camcorder+mit+dual_flash_speicher+canon+hf10.htm

[2] HF100: https://www.cnet.de/tests/camcorder/39191536/testbericht/silbergrauer+avchd_bruder+canon+hf100.htm

[3] S100: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41003075/testbericht/canon+legria+hfs100+genialer+full_hd_camcorder+mit+profifunktionen.htm