HTC Magic: Android-Smartphone von Vodafone mit Vollausstattung

von Daniel Schraeder am , 13:37 Uhr

Pro
  • erstklassige Ausstattung inklusive HSPA, WLAN, Bluetooth und GPS
  • tolles Softwareangebot
  • reaktionsfreudige Oberfläche
Con
  • bei intensiver Nutzung kurze Akkulaufzeit
  • Gehäuse wird schnell schmierig
  • keine Foto-LED
Hersteller: HTC Listenpreis: 570
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das HTC Magic überzeugt im Vergleich zum ersten Android-Handy G1 mit einem deutlich schmaleren Formfaktor. Die Vollausstattung haben beide Smartphones gemein, bis auf eine Foto-LED vermisst man höchstens noch eine Klinkenbuchse für den Kopfhörer. Schön ist das gute Betriebssystem und ein umfangreicher Softwaremarkt. Wenn es nicht stört, dass der Akku bei intensiver Nutzung bereits nach einem guten Tag schlapp macht, ist das Magic ein guter Kauf.

Vodafone hat am vergangenen Freitag das HTC Magic vorgestellt. Wir haben das Wochenende für einen ausführlichen Test des Android-Smartphones mit GPS, WLAN und HSPA genutzt. Wie sich das Google-Betriebssystem in der Praxis schlägt, wie lang der Akku hält und wie das Fazit nach zweieinhalb Tagen Magic lautet, verrät der Test.

Am Freitag war es endlich so weit: Mit dem Magic stellte Vodafone nach dem G1 [1] das zweite Smartphone [2] mit dem Google [3]-Betriebssystem Android [4] vor. Bis auf die QWERTZ-Tastatur des bei T-Mobile erhältlichen großen Bruders ist das neue HTC [5]-Smartphone nahezu identisch ausgestattet. Es soll noch in dieser Woche in den Vodafone-Shops ab einem Euro zu haben sein – mit Vertrag, versteht sich. Ohne Vertrag verlangt Vodafone 569,90 Euro für den neuen Androiden.

Design

Ah, ein Lichtblick: Im Gegensatz zum G1 [1] scheint das Magic nicht auf den ersten Blick ein Einbruchswerkzeug zu sein. Ihm fehlt die unter dem Display verborgene QWERTZ-Tastatur, und damit ist es deutlich flacher und attraktiver als das Gerät von T-Mobile. Es sieht mehr aus wie ein schlankes Handy als wie ein Ziegelstein. Wie sein Bruder ist er in Weiß und Schwarz erhältlich. In beiden Farben ist der Kunststoff glänzend, zumindest, wenn man das Smartphone aus seiner Verpackung nimmt. Denn binnen kürzester Zeit ist es übersät von Fingerabdrücken und wirkt schmierig und klebrig. Immerhin liegt eine Kunststoffhülle in Lederoptik bei, die das Gerät schützen soll. Sie ist aber eine reine Transporthülle – Bedienen und Telefonieren ist nicht möglich, solange der Magic in ihr steckt.

Am Rand gibt es bei beiden Farbvarianten einen silbergrauen, etwa einen halben Zentimeter dicken Streifen. Er wirkt, als wäre er aus Metall – ein erster kleiner Kratzer, der offensichtlich durch intensiven Kontakt mit einem Schlüssel oder Kleingeld in der Hosentasche entstanden ist, verrät aber: Das ist lackierter Kunststoff. Immerhin: Der Kratzer fällt nicht auf – man muss ihn suchen und sieht ihn nur, wenn man weiß, dass er da ist. In der weißen Ausführung wertet der Streifen das Design des Geräts etwas auf.

Die Rückseite ist völlig glatt. Es gibt lediglich einen in grau gehaltenen Aufdruck „with Google“ sowie die Linse der Kamera, die wie beim aktuellen HTC Touch Diamond 2 [6] in einem Bereich aus geschliffenem Aluminium sitzt. Einen Blitz oder eine Foto-LED gibt es nicht, doch dazu später mehr. Oberhalb der Kamera befindet sich eine dünne Aussparung. Unter ihr sitzt der Lautsprecher des Smartphones.

Das zentrale Element auf der Oberseite ist der 3,2 Zoll große Touchscreen. Er löst 320 mal 480 Pixel auf – das ist zwar kein neuer Rekord, aber ordentlich. Inhalte wirken gestochen scharf, Farben realistisch und auch beim Blickwinkel gibt es nichts zu bemängeln. Wie iPhone und G1 setzt auch das Magic auf einen kapazitiven Touchscreen. Es geht doch, HTC! Dadurch kommt anstelle einer billig wirkenden und empfindlichen Oberfläche aus Kunststoff eine Glasscheibe zum Einsatz. Eine etwas bessere Antireflexionsschicht wäre ihr zwar gut bekommen, doch wenn die Sonne nicht direkt in die Anzeige spiegelt, ist sie auch im Freien problemlos ablesbar.

Unterhalb der Anzeige gibt es sechs mechanische Tasten. Darunter sind – klassisch – der grüne und der rote Telefonhörer. Etwas gewöhnungsbedürftig an dieser Stelle ist die Tatsache, dass ein Druck auf die rote Taste das Gerät in den Standby-Modus versetzt beziehungsweise wieder aufweckt – zurück ins Hauptmenü, wie bei anderen Handys, kommt man so nicht. Android-Neulinge werden ihr Smartphone also in den ersten Tagen diverse Male unbeabsichtigt abschalten, bis sie sich an die explizite Home-Taste oben rechts gewöhnt haben. Direkt daneben befindet sich eine Menü-Taste, die die aktuell verfügbaren Optionen einblendet. Im Home-Screen ermöglicht ein Druck etwa das Hinzufügen von Widgets oder das Austauschen das Hintergrundbildes, wer hingegen bei Google Maps auf Menü drückt, kann die Kartenansicht wählen, Verkehr ein- und ausblenden oder eine Routenberechnung starten. Dazu kommen noch zwei weitere Tasten: Zurück und Suche. Die Zurück-Funktion ist vorbildlich implementiert und funktioniert anwendungsübergreifend. Wer sich also beispielsweise von Qype ein Restaurant in seiner Umgebung empfehlen lässt, aus dem Programm heraus die aktuelle Umgebungskarte in Google Maps abruft und von Google Maps aus in den Browser auf die Webseite des Lokals wechselt, kommt mit dem Zurück-Button immer den richtigen Schritt zurück. Das ist nicht selbstverständlich. Die letzte Taste – die Suche – ist nicht ganz so intuitiv. Im Android-Marketplace ermöglicht sie das Recherchieren nach Software. Im Browser hingegen öffnet sie die Navigationszeile zum Eintippen von Internet-Adressen.

Ausstattung

In diesem Kapitel punktet der Magic – es gibt fast nichts, was er nicht hat. Ins Internet verbindet er sich über Quad-Band-GSM oder über UMTS samt Datenturbo HSPA für schnelle Up- und Downloads. Alternativ nutzt er das integrierte WLAN nach 802.11b und g. Wer surfen möchte, nutzt den vorinstallierten Browser. Er basiert, wie der Safari auf dem iPhone, auf Webkit und stellt Seiten entsprechend gut und zügig dar. Lediglich bei der Anzeige von Flash hapert es wie gewöhnlich: Das geht schlicht nicht.

Darüber hinaus verfügt das Smartphone über GPS zur Positionsbestimmung. Der Empfänger ist schnell, genau und offensichtlich hochempfindlich: Selbst in Gebäuden klappt die Ortung erstaunlich oft. Schlägt sie fehl, greift die Software auf die ungenauere Ortsbestimmung über das Handynetz zurück.

Außerdem ist Bluetooth 2.0 an Bord. Im Gegensatz zum iPhone unterstützt das Magic auch den Stereo-Audio-Standard A2DP und funkt Musik so kabellos an entsprechende Kopfhörer.

Als Modem dient das Gerät übrigens nicht. Eine Internet-Verbindungsfreigabe, wie sie Windows Mobile zu bieten hat, ist nicht vorhanden. Technisch sollte das kein Problem sein. Es ist vielmehr so, dass das Magic – wie auch das G1 – mit eine speziellen Tarif zu haben ist, der eine Flatrate beinhaltet. Das fehlende Tethering – so heißt die Funktion – soll wohl den Traffic in Grenzen halten. Es gibt aber Applikationen im Android Market, die – ein „gerootetes“ Smartphone vorausgesetzt – einen WLAN-Accesspoint aus dem G1 und somit vermutlich auch aus dem Magic machen. Ob sich auch das Magic für Admin-Zugriff freischalten lässt, haben wir allerdings noch nicht ausprobiert.

Software

Beim erst zweiten Smartphone mit Android-Betriebssystem legen wir natürlich beim Test einen besonderen Wert auf das Betriebssystem und optionale Software. Im Vergleich zu Windows Mobile überzeugt Googles Handy-Betriebssystem auf Anhieb: Es ist schnell, hat eine attraktive Oberfläche und reagiert ohne nennenswerte Verzögerungen. Soll heißen: Das Scrollen durch Listen, das Verschieben von Menüs oder das Navigieren auf großen Webseiten funktioniert so, wie wir es uns wünschen. Ohne Hakeln und Ruckeln eben.

Was uns fehlt, ist allerdings Multitouch-Unterstützung. iPhone-Nutzer versuchen verzweifelt im Browser, in Google Maps und bei der Ansicht von Fotos, mit der bekannten Zwei-Finger-Geste an mehr Details zu gelangen. Doch das klappt nicht – stattdessen blendet das System einfach zwei Buttons ein: Plus und Minus. Schade. Immerhin, im Browser gibt es eine Art Lupenfunktion. Die sieht gut aus und funktioniert komplett intuitiv. Darüber würden wir uns auch in den anderen Programmen freuen.

Vorinstalliert sind nur Basisprogramme – darunter Browser, Maps, Kalender und Wecker. Wer mehr möchte, kann auf den Android Market zurückgreifen – den App Store von Google. Hier gibt es hunderte Programme für alle Lebenslagen, die meisten davon sind sogar kostenlos. Darunter befinden sich simple Tools wie eine „Taschenlampe“, die einfach ein weißes Bild zeigt und die Helligkeit der Anzeige hochregelt. Einfach, aber beim Suchen eines Schlüssels besser als nichts. Es gibt Qype, eine ortsbezogene Suche nach Restaurants, Bars und dergleichen in der näheren Umgebung, KlickTel, das einem beim Auffinden von Adressen, Telefonnummern und Burgerbuden wie KFC, Subway oder McDonald’s weiterhilft, oder einen CarFinder, der auf Tastendruck den Parkplatz des Autos markiert, um ihn später wieder zu finden.

Auch Spiele sind im Angebot zu finden. Hier reicht die Palette vom guten, alten Snake über Labyrinth, in dem man eine virtuelle Metallkugel durch Bewegen des Smartphones um Hindernisse steuert, bis hin zu einer Umsetzung von Doom. Einige wenige Programme funktionieren allerdings (noch) nicht auf dem Magic – ein Gehirntrainer zum Beispiel blendet beim Abfragen des Namens die Bildschirmtastatur nicht ein. Das bislang einzige Android-Handy G1 hat ja schließlich auch ein mechanisches Tastenfeld. Doch hier geht es mit dem Magic schlicht nicht weiter.

Apropos Tastatur: Das Tippen mit dem virtuellen Tastenfeld klappt erstaunlich gut. Es gibt ein Wörterbuch, das hilfreiche Vorschläge findet und neue Wörter wie Nachnamen auf Knopfdruck hinzufügt. Außerdem ist das Tippen in allen Applikationen auch im Querformat möglich.

Leistung

In diesem Kapitel zittern Windows-Mobile-Smartphones traditionell vor Angst. Sie sind gut ausgestattet und können viel, aber ruckeln nur so vor sich hin. Aktuelles Beispiel: das HTC Touch Diamond 2 [6]. Anders das Magic: Es arbeitet stets flüssig, scrollt fast so smooth wie das iPhone [7], und auch viele gleichzeitig geöffnete Anwendungen bringen es nicht an seine Grenzen. Perfekt ist auch das Magic allerdings nicht: Im Test stürzen diverse Anwendungen, darunter auch der Browser und Google Maps, mehrmals ab. Tritt dieser Fall ein, kommt eine Meldung, und einen Tastendruck später ist das Programm wieder am Start. Wir hoffen, dass HTC und Google das Problem noch in den Griff bekommen.

Bei der Telefonie haben wir ebenfalls nichts zu bemängeln. Die Applikation ist logisch aufgebaut, startet sofort beim Druck auf den grünen Hörer, und die Gesprächspartner verstehen sich problemlos. Wer beruflich auf Exchange angewiesen ist, dürfte sich allerdings über die mangelnde Unterstützung ärgern: Von Haus aus synchronisiert sich das Magic nicht mit Microsofts Messaginglösung. Es gibt aber Zusatzprogramme, die diese Aufgabe mehr oder weniger gut erledigen. So gut wie beim iPhone oder bei Windows-Mobile-Smartphones klappt das aber nicht – dafür holt sich Android natürlich sehr bereitwillig alle Informationen inklusive E-Mails und Kontaktliste aus dem Google-Account. Übrigens: Das Handy funktioniert zwar auch ohne Konto beim Suchgiganten, doch für die Nutzung der meisten Funktionen – wie Market oder Mail – ist es nötig.

Lediglich ein Problem gibt es. Nutzer von vollausgestatteten Smartphones ahnen es schon: Der Akku ist bei intensiver Nutzung schneller leer, als man gucken kann. Wer Android und die verfügbaren Applikationen voll nutzen möchte, muss GPS nahezu permanent eingeschaltet lassen. Der Internetzugang funkt gerne über UMTS und HSDPA oder sogar über WLAN, und große Farbdisplays nehmen per se ordentlich Strom auf. Wer sein Android-Handy also für alles nutzt, was es bietet, muss es mindestens täglich laden. Aber das ist ja bei anderen Smartphones dieses Kalibers nicht anders.

Die 3,2-Megapixel-Kamera nimmt übrigens schöne Bilder auf – eine helle Umgebung vorausgesetzt. Im Dunkeln und selbst im Dämmerlicht geht nichts. Es gibt weder einen Blitz noch eine Foto-LED. Bei abgedunkelten Fenstern oder in gemütlichen Bars, in denen das menschliche Auge noch alles problemlos erkennt, sieht das Auge des Android-Smartphones schon gar nichts mehr. Dementsprechend funktionieren auch Applikationen, die auf die Kamera zurückgreifen, nicht. Dazu gehören etwa Preisvergleichsanwendungen, die den Barcode des Produktes per Kamera scannen.

Kosten

Ein Euro für so ein Smartphone? Na klar, aber nur mit Vertrag. Der ist auch sinnvoll, denn was nützt einem ein Google-Handy ohne Internet-Zugang? Dementsprechend hat Vodafone vier Tarife im Angebot, von denen drei eine Datenflat enthalten. Der Preis dafür sind Grundgebühren von 45 bis 120 Euro im Monat – und die entsprechen genau den Kosten, die bei T-Mobile für das iPhone 3G [8] anfallen.

Wer den Magic bei einem anderen Provider nutzen möchte, kann das Gerät ohne SIM-Lock für knapp 570 Euro in den Vodafone-Stores erwerben.

Tarifname Weekend Festnetz / Mobile Internet Allnet
Laufzeit 24 Monate 24 Monate 24 Monate 24 Monate
Monatlicher Grundpreis 24,95 Euro 44,95 Euro 59,95 Euro 119,95 Euro
Grundpreis in den ersten 3 Monaten 24,95 Euro 39,95 Euro 49,95 Euro 99,95 Euro
Enthaltenes Datenvolumen 200 MByte unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Preis für jedes weitere MByte 0,49 Euro
Telefonflatrate ja ja ja
Freie SMS und MMS in alle Netze 40 SMS 3000 SMS
Freie SMS und MMS ins Vodafone-Netz am Wochenende 3000 SMS, 1500 MMS 1500 MMS
Preis HTC Magic 59,90 Euro 1 Euro 1 Euro 1 Euro

Fazit

Holla die Waldfee, das Magic kann einiges. Über sein Aussehen kann man diskutieren. Einhellige Meinung in der Redaktion: An das iPhone kommt das Gerät rein optisch nicht heran, aber Android dürfte die Zukunft gehören. Definitiv ist dieses Smartphone das schönste Google-Handy, das es derzeit gibt – kein Wunder, das andere (das G1 [1]) ist ein Klotz.

Die Ausstattung und die umfangreiche Softwareauswahl überzeugen ebenfalls. Wir würden uns lediglich über eine längere Akkulaufzeit freuen, über eine Foto-LED auf der Rückseite und über eine Klinkenbuchse zum Kopfhöreranschluss anstelle der HTC-typischen USB-Kombinationsbuchse.

Alternativen zum Magic sind neben dem Bruder G1 [1] das iPhone 3G [7], der Blackberry Storm [9] sowie der Touch Diamond 2 [6] und das LG Arena [10].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41003354/htc-magic-android-smartphone-von-vodafone-mit-vollausstattung/

URLs in this post:

[1] G1: https://www.cnet.de/tests/handy/39197626/schon+getestet+htc+touch+t_mobile+g1+mit+android.htm

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[6] HTC Touch Diamond 2: https://www.cnet.de/tests/handy/41003008/htc+touch+diamond+2+windows_smartphone+mit+vollausstattung.htm

[7] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/39193346/endlich+da+und+schon+getestet+iphone+3g.htm

[8] entsprechen genau den Kosten, die bei T-Mobile für das iPhone 3G: http://cgi.cnet.de/alpha/artikel/allgemein/200904/htc-magic-vs-iphone-3g-technische-daten-und-tarife.htm

[9] Blackberry Storm: https://www.cnet.de/tests/handy/39197345/endlich+verfuegbar+blackberry+storm+das+ueber_iphone.htm

[10] LG Arena: https://www.cnet.de/tests/handy/41002190/endlich+da+lg+km900+arena+smartphone+mit+vollausstattung.htm