Im Test: Palm Pre – innovatives WebOS, aber kein iPhone-Killer

von Bonnie Cha, Daniel Schraeder und Stefan Möllenhoff am , 21:09 Uhr

Pro
  • hervorragendes Multitouch-Display
  • ordentlicher Web-Browser
  • guter Multimedia-Player
  • Vollausstattung mit GPS, UMTS, WLAN und Bluetooth
  • beispielloses Multitasking
Con
  • zu kleine Tastatur
  • kurze Akkulaufzeit
  • teilweise langsame Reaktionen des Handys
  • keine Flash-Unterstützung
  • zeichnet keine Videos auf
  • kein Speicherkartenslot
  • keine Onscreen-Tastatur
Hersteller: Palm Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,3 von 10 Punkte
Fazit:

Abgesehen von ein paar fehlenden Funktionen und Geschwindigkeitsproblemen ist der Palm Pre ein solides Smartphone, das sich mehr für Multimedia- und Gadgetfans eignet als für den professionellen Einsatz unterwegs. Die Hardware könnte besser sein, aber mit dem eigenentwickelten Betriebssystem beweist der Hersteller, dass er mit der Konkurrenz nicht nur mithalten kann. Palm setzt sogar neue Standards in Bezug auf die Art, wie Smartphones mit Aufgaben und Informationen künftig umgehen.

Zumindest in den USA hat der Palm Pre schon eine gigantische Fangemeinde, bevor er überhaupt erhältlich ist. Wie alle iPhone-Nachzügler ist das Smartphone mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt. Doch ein tolles Datenblatt reicht lange nicht, um das Apple-Handy vom Thron zu schmeißen – auf die Software kommt es an. Hier geht Palm mit seinem selbstentwickelten WebOS einen mutigen Eigenweg. Der könnte Erfolg haben, denn der erste Eindruck ist gut – immerhin setzt der amerikanische Smartphone-Hersteller Maßstäbe, wenn es um den Umgang mit Informationen und Aufgaben geht. Alle Details gibt’s im ausführlichen Testbericht.

Ruhig ist es geworden um den ehemaligen PDA-Großmeister Palm – bis zur CES [1] im Januar dieses Jahres in Las Vegas. Auf der Consumer Electronics Show sorgte der Hersteller mit der Vorstellung seines Smartphones Pre für Furore. Zumindest in den USA ist der Hype schon fast auf dem Niveau der Vorfreude auf das iPhone – schließlich soll der Palm alles können, was das Apple [2]-Handy kann und dem noch eins oben drauf setzen. Multitouch gibt es wie beim iPhone auch, dazu gesellt sich aber eine mechanische Tastatur, die Vieltipper beim iPhone [3] vermissen. Außerdem soll das Palm-eigene Betriebssystem Maßstäbe setzen, wenn es um die Verarbeitung von Informationen, Nachrichten und Aufgaben geht.

Seit unserer ersten Bekanntschaft mit dem Pre bei seiner Vorstellung sind sechs Monate vergangen. Unsere Kollegen von CNET in den USA haben sich bereits ein Testgerät organisiert und in den letzten Tagen alles aus dem Palm herausgekitzelt, was er zu bieten hat. Wir sind also bereit, DIE Frage zu beantworten: Wird der Pre seinen Vorschusslorbeeren denn überhaupt gerecht? Kurz und knapp – jein. Bei einigen Punkten der Hardware und der Arbeitsgeschwindigkeit gibt es durchaus Anlass zur Kritik, aber das WebOS-Betriebssystem [4] setzt wahrlich Maßstäbe.

Zu den Nervfaktoren gehört etwa die winzige QWERTZ-Tastatur. Außerdem hat Palm das iPhone ausgerechnet in Bereichen kopiert, die man hätte besser machen können – weder das eine noch das andere verfügt über einen Slot für Speicherkarten. Außerdem gibt es weder eine Videoaufnahmefunktion noch Sprachwahl; Dinge, die jedes bessere Prepaid-Handy beherrscht. Immerhin, die letzten beiden Punkte könnte man per Software-Update nachliefern. Sagt zumindest der Hersteller. Ebenfalls Anlass zur Kritik gibt der schlappe Akku. Bei typischer Nutzung der umfangreichen Funktionen und Ausstattungsmerkmale hält der Energiespeicher gerade einmal einen Tag durch. Faiererweise sagen wir aber dazu, dass das für alle aktuellen Smartphones mit Vollausstattung gilt – sei es das iPhone 3G [3] oder ein Android [6]-Handy wie das T-Mobile G1 [7] oder das HTC Magic [8].

Unabhängig davon hat der Pre auch Highlights zu bieten, die ihn zu etwas Besonderem machen. Dazu gehört die Deck of Cards (Kartendeck) genannte Multitasking-Technik oder das neuartige Hinweissystem. Darüber hinaus revolutioniert Synergy den Umgang mit persönlichen Informationen wie Nachrichten oder Kontakten – speziell in diesen Bereichen setzt das Palm-Handy tatsächlich Maßstäbe und übertrumpft die Marktbegleiter, egal ob diese iPhone, Magic oder Touch Diamond 2 heißen.

Der Pre hat also einiges zu bieten. Dennoch wird er nicht jeden glücklich machen. Trotz seiner hervorragenden Synchronisationsfunktionen dürften sich eher Early Adopter sowie Gadget- und Multimediafreunde über das Gerät freuen als die Business-Zielgruppe. Wer unterwegs auf seine beruflichen E-Mails angewiesen ist, kann mit einem teilweise trägen Smartphone [9], dessen Akku nach einem Tag schlapp macht, einfach nicht sonderlich viel anfangen.

Unterm Strich hat Palm also ein Smartphone gebaut, das nicht nur an seine Mitbewerber heranreicht, sondern sie in einigen Bereichen sogar übertrumpft. Ein echter iPhone-Killer, der in puncto Verkaufszahlen das Apple-Handy abhängen wird, ist er – realistisch betrachtet – nicht. Doch mit dem Pre beweist Palm, dass der Hersteller noch nicht aus dem Rennen ist. Die Amerikaner fahren jetzt im Feld wieder vorne mit. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, welche anderen Geräte künftig mit WebOS auf den Markt kommen.

In den USA startet der Verkauf des Pres morgen, am 6. Juni. Mit einem Zweijahresvertrag inklusive Flatrate soll das Handy 199 Dollar kosten. Es ist in den USA exklusiv beim Netzbetreiber Sprint [10] zu haben. Zur Markteinführung in Deutschland äußert sich das Unternehmen bislang nicht.

Design

Seit Apple das iPhone auf den Markt gebracht hat, sehen typische Smartphones aus wie mehr oder weniger gute Kopien des Apple-Handys. Beim Palm Pre ist das nicht so – am ehesten lässt er sich vielleicht noch mit dem HTC Touch [11] vergleichen. Er ist eher rundlich und erinnert damit etwas an einen Kieselstein. Die eher weiche, schwarze Oberfläche mit abgerundeten Ecken trägt ihren Teil dazu bei. Ansonsten versucht Palm wie Apple, die Anzahl der nötigen Steuerelemente und Tasten auf das Notwendigste zu reduzieren.

Die Vorderseite verfügt über einen einzigen Knopf – er bringt den Nutzer zurück zur Deck-of-Cards-Ansicht. Etwas verwirrend ist, dass die eine Taste aussieht wie eine Mischung aus Trackball und Joystick. Der eine oder andere wird also versuchen, Webseiten mit dem Knopf zu verschieben oder mit ihm durch die Menüs zu navigieren. Das klappt aber nicht, schließlich ist es nur ein einfacher Druckknopf.

Auf der Oberseite des Pres sitzen Einschalter, 3,5-mm-Klinkenbuchse sowie ein Stummschalter für den Klingelton. Wie üblich findet sich am linken Gehäuserand ein Wippschalter zur Regulierung der Lautstärke; rechts sitzt die Micro-USB-Buchse. Auf der Rückseite liegen Kamera mit zugehörigem LED-Blitz sowie Lautsprecher und austauschbarer Akku.

HTC Magic, Palm Pre & Apple iPhone 3G
Palm Pre zwischen HTC [12] Magic und Apple iPhone: Er ist kleiner, rundlicher und etwas dicker.

Zusammengeschoben misst der Pre 9,9 mal 5,8 Zentimeter und ist 1,5 Zentimeter dick. Er bringt 135 Gramm auf die Waage. Damit liegt er gut in der Hand und ist hosentaschenfreundlicher als das vergleichsweise lange iPhone – obwohl er vier Millimeter dicker ist.

Manch einer macht sich Gedanken über die Haltbarkeit des Pres, dessen Gehäuse aus Plastik gefertigt ist – denn ein teures Smartphone sollte auf jeden Fall die zwei Jahre durchhalten, die man sich vertraglich bindet. Länger wäre natürlich noch besser. Aber – ohne es getestet zu haben – wir können hier beruhigen. Natürlich haben wir den Pre weder benutzt, um einen Nagel in die Wand zu schlagen noch haben wir ihn aus dem sechsten Stock georfen, aber er fühlt sich angenehm solide und stabil an. Und vor allem wirkt er nicht billig oder gar wie ein Spielzeug. Zu bemängeln haben wir hier höchstens die üblichen Punkte: Das Smartphone zieht schmierige Fingerabdrücke an wie ein Magnet, und die Mechanik des Sliders wirkt ein wenig klapperig. Unabhängig davon gleiten die beiden Gehäusehälften sanft auseinander, und an den Endpunkten rastet die Mechanik vertrauenserweckend ein.

Touchscreen

Zu allererst fällt auf: Das Display ist eines der Highlights dieses Smartphones. Es misst 3,1 Zoll, ist somit eine Nuance kleiner als die Anzeige des HTC Magic (3,2 Zoll) und ein gutes Stück kleiner als das Display des iPhones (3,5 Zoll). Aber es kommt nicht auf die Größe an, wenn die Qualität das Manko ausgleicht – und das ist hier definitiv der Fall.

Das HVGA-Display (320 mal 480 Pixel) zeigt Farben mit einer Tiefe von 24 Bit. Somit sehen Bilder, Texte und Webseiten erstklassig aus. Es ist auf jeden Fall so gut wie das Display des iPhones; ja, wirkt vielleicht sogar noch ein bisschen schärfer. In den Einstellungen lassen sich die Helligkeit der Hinterleuchtung sowie die Zeit bis zum Ausschalten einstellen. Selbstverständlich ist es möglich, zwischen vorinstallierten Hintergrundbildern zu wechseln oder eigene Fotos hinzuzufügen.

Palm Pre Display
Das 3,1-Zoll-Display zeigt 320 mal 480 Pixel bei einer Farbtiefe von 24 Bit.

Selbstverständlich verfügt der Pre über einen Beschleunigungssensor. Die Ausrichtung der Anzeige passt sich also an Hoch- oder Querformat an, je nachdem, wie man das Handy hält. Das klappt bei der Anzeige von Bildern, Videos und Webseiten, und zwar schön schnell und ohne nervige Verzögerung. Außerdem gibt es nach Vorbild des iPhones einen Näherungssensor, der das Display abschaltet, wenn man das Handy ans Ohr hält.

Beim Touchscreen setzt Palm wie Apple auf die kapazitive Sensortechnik – also die, die sich mit dem Finger, aber nicht mit einem Stift bedienen lässt. Die Anzeige reagiert extrem gut auf die Berührungen des Anwenders. Haptisches Feedback durch Vibration oder Ähnliches gibt es nicht. Stattdessen erscheinen weiße Ringe um Menüpunkte oder Icons, wenn man sie berührt – damit weiß man, dass das Gerät den Finger an der richtigen Stelle erkannt hat. Um durch lange Listen zu scrollen, reicht ein schnelles Anschieben – die Liste scrollt dann selbsttätig weiter. Natürlich lassen sich Kontakte, E-Mails & Co. auch langsam und kontrolliert mit dem Finger verschieben. Die virtuelle Telefontastatur verfügt über große Tasten und Verknüpfungen zur Mailbox oder zur Anrufliste. Selbstverständlich gibt es auch eine Suchfunktion: Tippt man im Telefonmenü ein paar Buchstaben eines Namens, erscheinen alle Kontakte, auf die die Anfrage zutrifft.

Das Display des Pres ist multitouchfähig. Vergrößern und Verkleinern klappt wie beim iPhone durch Auseinanderziehen oder Zusammenschieben von zwei Fingern. Das Zoomen ist auch mit einem Doppeltipp auf das Display möglich. Darüber hinaus gibt es beim Pre eine Gestensteuerung – wer beispielsweise von links nach rechts mit dem Finger über eine E-Mail oder eine Rufnummer in der Anrufliste fährt, löscht den entsprechenden Eintrag.

Darüber hinaus unterstützt der Pre auch Copy & Paste. Dazu platziert man den Cursor durch Antippen der entsprechenden Textpassage, drückt auf die orangene Taste der Tastatur und fährt mit dem Finger über den zu kopierenden Bereich. Wer dann in die obere rechte Ecke des Displays tippt, sieht ein Drop-Down-Menü, in dem sich die Optionen Copy, Cut und Paste befinden – also Kopieren, Ausschneiden und Einfügen.

Oberfläche und Steuerung

Wir sagen es, wie es ist: Der Palm Pre ist nicht das intuitivste Smartphone, was wir jemals in den Fingern hatten. Vor allem am Anfang muss man sich an die Eigenheiten des WebOS-Systems gewöhnen. Beim ersten Einschalten öffnet sich ein Wizard, der die grundlegenden Funktionen und deren Bedienung erklärt. Wer etwa eine Seite zurück blättern möchte, schiebt seinen Finger in einem berührungssensitiven Bereich unterhalb der Anzeige von rechts nach links. Das funktioniert zwar gut, aber man muss die ganzen Befehle eben zunächst erlernen.

Der Home Screen ist logisch aufgebaut. Es gibt eine Leiste im unteren Bereich, die Verknüpfungen zur Telefonapplikation, zu Kontakten, E-Mails, Kalender und zum Hauptmenü namens Launcher enthält. Wer auf das Launcher-Icon tippt, sieht alle installieren Programme und Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt drei nach Kategorien unterteilte Panels, die sich durch das Überstreifen von rechts nach links und entgegengesetzt durchwechseln. Auf der ersten Seite finden sich die Grundfunktionen wie Messaging, Internet, Multimedia, Google [13] Maps und so weiter. Auf der zweiten Seite gibt es Services des Netzbetreibers und die Verknüpfung zum Appstore und die letzte Seite beherbergt alle Einstellungsmöglichkeiten. Die Oberfläche wirkt angenehm geschmeidig und frisch – und wirkt vielleicht sogar etwas attraktiver als das Menü von Android.

Um ein Programm zu starten, tippt man einfach auf das entsprechende Icon. Optionen innerhalb von Applikationen zeigt ein Drop-Down-Menü, das durch das Antippen der oberen linken Ecke ausklappt. Die Multitask-Fähigkeit des Pres ist hervorragend gelungen. Im Gegensatz zu iPhone und Android laufen hier mehrere Programme gleichzeitig. Um von einem zum anderen zu wechseln, fährt man mit dem Finger aus dem Gestenbereich unterhalb der Anzeige ins Display. Mit einer cool aussehenden Wellenbewegung taucht dann das Hauptmenü auf.

Ein Druck auf den Knopf unterhalb des Displays zeigt dann das Deck of Cards. Alle laufenden Applikationen tauchen hier verkleinert auf und wirken wie Spielkarten, durch die der Nutzer blättern kann. Hier ist das Wechseln in andere Anwendungen möglich, aber auch das Sortieren der Reihenfolge der Karten. Dreht man eine Karte um, wird das entsprechende Programm beendet.

Auch das ist ein Beispiel dafür, wie viel es beim Palm Pre zu lernen gibt. Nach ein paar Stunden klappt die Bedienung aber wirklich ganz gut. Nach ein paar Tagen muss man schon nicht mehr darüber nachdenken, welche Geste jetzt die richtige ist. Im Vergleich zum iPhone ist das WebOS aber längst nicht so intuitiv. Ein Lob hat sich Palm allerdings noch für seinen Verbindungsmanager verdient: Wer die obere rechte Ecke des Displays berührt, erhält sofort Zugriff auf die Verbindungseinstellungen – WLAN, Bluetooth, Flugzeugmodus und so weiter. Beim iPhone muss man sich für diese Optionen erst durch verschiedene Einstellungsmenüs kämpfen.

Tastatur

Das Fehlen einer mechanischen Tastatur ist für viele potentielle iPhone-Käufer ein Grund, das Apple-Handy eben doch nicht zu kaufen. Um so mehr war die Vorstellung des Pres im Januar ein Grund zur Freude für all jene, die sich mit der virtuellen iPhone-Tastatur auch nach zwei Jahren noch nicht anfreunden konnten. Nun endlich halten wir einen Palm Pre in der Hand – und um es auf den Punkt zu bringen: Wir sind in dieser Hinsicht etwas enttäuscht.

Die Tasten sind klein, schmal und drängen sich eng aneinander. Ihre Konsistenz erinnert mehr an Wackelpudding als an knallharte Knöpfe zum Tippen von E-Mails, Web-Adressen und SMS-Nachrichten. Darüber hinaus ist die obere Tastenreihe sehr nah an der Kante des Slider-Mechnismusses – beim Tippen stößt man häufig an.

Palm Pre Tastatur
Das Gegenteil von perfekt: Die Tasten sind klein, wabbelig und wirken gequetscht.

Unabhängig davon klappt das Tippen auf der Pre-Tastatur immer noch schneller als das Schreiben auf den virtuellen Knöpfen des iPhones. Je kleiner die eigenen Finger sind, um so Pre-kompatibler sind sie. Vor allem dicke Daumen sind eher kontraproduktiv. Leider gibt es derzeit keine optionale Onscreen-Tastatur – man muss das Gerät also immer auseinander ziehen, selbst wenn man nur kurz ein Wort in die Google-Suchanfrage tippen möchte.

Zur Verteidigung des Pres sagen wir dazu, dass seine Tastatur nicht völlig unbrauchbar ist. Sicherlich tippt es sich auf diversen Blackberry- oder Nokia-Smartphones besser, aber beim Pre ist es wie beim iPhone: Man kann und muss sich an die Tasten gewöhnen. Dann klappt auch schnelleres Schreiben.

Explizite Ziffern oder Sonderzeichen gibt es nicht – die Tastatur ist mehrfach belegt. Umgeschaltet wird mit der orangenen Taste links beziehungsweise mit dem Sym-Knopf rechts unten.

Einrichten und Daten übertragen

Beim ersten Hochfahren – das im Übrigen seine Zeit dauert – muss der Nutzer sein sogenanntes Palm Profile aufsetzen. Das dauert nicht lang und ist die Mühe wert, denn es ermöglicht den Zugriff auf diverse wichtige Merkmale des Pres – etwa Backup & Restore, Löschen per Fernzugriff im Falle eines Diebstahls oder Softwareupdates über das Handynetz. Vor allem Letzteres ist wichtig, da Palm Firmware-Updates verspricht, die Funktionen nachliefern und eventuelle Probleme beheben.

Außerdem gibt es die Mäglichkeit, Daten von PCs und Notebooks oder einem alten Smartphone auf den Pre zu übertragen. Besonders einfach klappt das, wenn man ohnehin schon Microsoft [15] Exchange, Google, Facebook oder einen anderen Dienst nutzt, den Synergy unterstützt. Die Sync-Software holt nach Eingabe der Zugangs- und Konfigurationsdaten automatisch alle Daten wie Kontakte, Termine oder E-Mails auf das Smartphone. Wer sein Handy derzeit mit dem Computer synchronisiert – mit Outlook oder iCal auf dem Mac – hat etwas mehr Arbeit an dieser Stelle. Dafür ist ein Google-Account nötig, der mit optionalen Programmen dritter Anbieter – etwa Google Sync oder CompanionLink – abgeglichen wird. Den Palm synchronisiert man dann wiederum mit dem Google-Account. Wer seinen Pre über WLAN abgleichen möchte, benötigt ein Programm wie Chapura PocketMirror for Outlook.

Für Umsteiger von früheren Palm-Geräten wie den Treos gibt es ein Programm namens DTA (Data Transfer Assistant), das Daten wie Kontakte, Termine und E-Mails einmal vom Computer auf den Pre überträgt – etwa aus Programmen wie Palm Desktop, iCal oder Exchange. DTA steht kostenlos auf der Palm-Webseite zum Download bereit.

Telefonfunktionen und Kontakte

Der Pre erledigt hunderte von Aufgaben. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Gerät in erster Linie ein Telefon ist – und ohne seine Sprachfunktionen lediglich ein PDA wäre. Unter den Telefonmerkmalen des Pres finden sich eine Freisprechoption, Kurzwahlen, Konferenzgespräche, Flugzeugmodus und ein Stummschalter. Leider fehlen der ersten WebOS-Software-Version noch einige Punkte – es mangelt an der Sprachwahl sowie an Visual Voice Mail, jener grafischen Benutzeroberfläche für die Mailbox, die auch das iPhone zu bieten hat.

Die Anzahl der möglichen Kontakte ist nur durch den Gerätespeicher begrenzt. Die 7 GByte sollten also problemlos ausreichen. Neben Namen und Telefonnummern speichert der Pre auch mehrere Nummern je Kontakt, E-Mail- und Instant-Messaging-Adressen, Anschriften, Geburtsdatum und mehr. Die Synergy-Funktion holt sich alle möglichen Kontaktdetails dabei aus unterschiedlichen Quellen wie Facebook, Outlook oder Google Mail – man muss die Daten also nicht von Hand eingeben. Wer das nicht möchte, kann die Kontakte auch getrennt halten und so beispielsweise zwischen beruflichen und privaten Daten unterscheiden. Vorsicht: Wer viele Kontakte hat, muss dem Pre bei der ersten Synchronisation Zeit geben – denn das Abgleichen der Informationen mit verschiedenen Dienstleistern, Quellen und Anbietern dauert nun mal.

Messaging und Kalender

Der Palm Pre kommt mit diversen E-Mail-Accounts zurecht, unter Anderem POP/IMAP und Microsoft Exchange. Wir haben verschiedene E-Mail-Accounts mit dem Testgerät abgeglichen, darunter Google Mail, Yahoo und Exchange. Das Einrichten der Accounts klappt wie am Schnürchen – man tippt Benutzernamen und Passwort ein, und das Smartphone holt alle Informationen inklusive E-Mails mit Unterordnern. Exchange verlangt systembedingt mehr Informationen, nämlich E-Mail-Adresse und Server, aber auch die Konfiguration klappt binnen Sekunden.

Nach der Konfiguration finden sich alle Accounts in der E-Mail-Karte, von der aus der Zugriff in die verschiedenen Posteingangsboxen möglich ist. Synergy erlaubt auch das Anzeigen aller neuen Nachrichten auf einen Blick, unabhängig von ihren Quellen. Aber in der Praxis dürften die meisten Nutzer berufliche und private E-Mails auf dem Pre trennen. Die E-Mails schlagen ohne nennenswerte Zeitverzögerung auf dem Smartphone auf, und Aktionen wie das Löschen oder Markieren von Mitteilungen werden zurück synchronisiert – wer auf dem Pre eine Nachricht löscht, hat sie auch auf dem PC nicht mehr.

Zusätzlich gibt es ein Messaging-Programm, in dem alle Nachrichten einlaufen – wieder unabhängig von ihrer Quelle. Hier finden sich also Instant-Messages, SMS und MMS. Clients für Google Talk und AIM (AOL) sind auf der US-Version des Pres standardmäßig installiert. In der Kontaktliste ist übrigens auch ersichtlich, welche Buddys gerade online sind – ihre Namen sind mit einem grünen Punkt markiert.

Sobald die E-Mail-Konten eingerichtet sind, synchronisiert das Smartphone auch alle relevanten Kalender und bringt sie in eine Ansicht. Termine sind dabei farblich markiert – so lassen sich beispielsweise berufliche Termine aus Exchange rot hinterlegen und private aus dem Google-Account grün. Wie auch bei den E-Mails gibt es darüber hinaus eine seperate Ansicht je nach Account.

Übergreifende Suche

Da der Pre mit so vielen Daten zugleich umgeht, könnte das Suchen von konkreten Informationen, etwa aus E-Mails, der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleich kommen. Um das zu umgehen, hat Palm Universal Search integriert. Wer die Suchfunktion nutzt und Texte, Namen oder Bestandteile von Kommunikation per SMS, Messenger oder E-Mail eintippt, bekommt sofort alle Treffer angezeigt – unabhängig davon, ob es sich dabei um Twitter-Meldungen, kürzlich abgerufene Webseiten, berufliche oder private E-Mails oder Termine handelt. Allerdings gäbe es hier noch Verbesserungsmöglichkeiten: Derzeit lässt die Suche E-Mail-Header, Kalender-Beiträge, Notizen und die Musikbibliothek aus.

Multitasking und Hinweise

Wenn es einen Punkt gibt, bei dem der Palm Pre die aktuellen Überflieger iPhone, G1 und Magic wirklich überholt, dann ist es seine Multitasking-Fähigkeit. Das bereits erwähnte Deck-of-Cards funkioniert hervorragend und erlaubt es, mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen zu lassen. Wie bei einem Desktop-Computer lassen sich Tasks einfach minimieren und wieder maximieren. Das Starten neuer Applikationen klappt problemlos über die Quick-Launch-Bar.

Palm Pre Center Button
Der Center-Button ist der einzige Knopf auf der Oberseite. Er erlaubt das Wechseln zwischen aktiven Anwendungen – ein Zeichen dafür, wie wichtig Multitasking für den Palm Pre ist.

Eine weitere Leiste informiert über eingehende und verpasste Anrufe, neue Nachrichten, Termine und so weiter. Die Hinweise sind unaufdringlich und nützlich. Bei neuen E-Mails zeigt die Leiste den Betreff an, bei SMS- und IM-Nachrichten einen kurzen Ausschnitt aus dem Text.

Geht ein Anruf ein, während man gerade in einem Programm arbeitet oder spielt, blendet das Smartphone im unteren Drittel des Bildschirms ein Hinweis ein. Der Nutzer kann den Anruf ohne Unterbrechung annehmen oder ablehnen – man wird also nicht aus der aktiven Anwendung geworfen. Das klappt alles hervorragend und gehört zu den absoluten Stärken des neuen Palm-Betriebssystems.

Die maximale Anzahl gleichzeitig laufender Programme hängt von den Apps selbst ab. Welche, die viel Arbeitsspeicher benötigen – etwa riesengroße, aufwändige Webseiten – nehmen mehr Ressourcen ein als Browser-Fenster, die eine leere Google-Suchmaske zeigen. Wenn eine gewisse Grenze erreicht ist, warnt der Pre – man hat die Möglichkeit, nicht mehr benötigte Karten zu schließen. Während unserer Tests sind wir zweimal an diesen Punkt gestoßen. In beiden Fällen waren mehrere umfangreiche Webseiten geöffnet. Auf der anderen Seite schafften wir es aber auch, zwölf Programme (und somit Karten) gleichzeitig laufen zu lassen.

Im Übrigen arbeitet der Pre auch mit so vielen gleichzeitig laufenden Apps noch anständig schnell. Beim Starten von Programmen hakt es zwar manchmal etwas – aber ein Windows-Mobile-Device hätte schon deutlich früher die Grätsche gemacht.

Zugang ins Internet

Die GSM-Version des Palm Pre wird mit einem Quad-Band-Empfänger ausgerüstet sein und sowohl über UMTS als auch über den Datenturbo HSDPA verfügen, der Downloads mit bis zu 3,6 MBit/s möglich machen soll. Wir rechnen mit einem Erscheinen des Europa-Modells im Sommer.

Darüber hinaus funkt der Pre selbstverständlich auch per WLAN nach 802.11 b und g. Die Netze können dabei mit WPA, WPA2, WEP und 802.1x verschlüsselt sein.

Für Kurzstreckenfunk steht Bluetooth 2.1 zur Verfügung. Angeblich ist auch A2DP integriert, das die kabellose Übertragung von Audio-Signalen in Stereo zu Kopfhörern und Headsets ermöglicht.

GPS

Selbstverständlich ist ein Satellitenempfänger an Bord, der die Position des Pres über GPS ermittelt. Google Maps ist wie bei Geräten dieser Klasse üblich vorinstalliert und zeigt Straßenkarten, Verkehrsinformationen und Satellitenfotos, berechnet Routen und erlaubt das Suchen von POIs.

Eine echte Turn-by-Turn-Navigationslösung mit Sprachanweisungen ist zumindest beim US-Modell ebenfalls vorhanden: Der amerikanische Netzbetreiber Sprint stellt eine entsprechende Offboard-Lösung mit Routenberechnung auf den Servern des Anbieters zur Verfügung. Bei den höherwertigen Tarifen ist die Navigation im Übrigen im Preis enthalten – bleibt zu hoffen, dass sich die deutschen Provider das zum Vorbild nehmen.

Der Empfang ist übrigens hervorragend. In weniger als einer Minute findet der Palm seine Position. Das Berechnen der Route durch Sprint klappt ebenfalls angenehm schnell. Auch die Routenneuberechnung ist kein Problem: Binnen Sekunden gibt es neue Anweisungen, wenn man mal eine Kreuzung verpasst hat. Allerdings ist die Audio-Qualität der Sprachausgaben allenfalls mittelmäßig.

Webbrowser

Am Browser des Pres haben wir nichts auszusetzen. Er basiert wie der Browser auf Android-Handys oder auf dem iPhone auf WebKit. Dementsprechend sehen Seiten auf dem Smartphone genauso aus wie auf dem Computer – abgesehen von Flash. Der Aufbau von Inhalten klappt erstaunlich schnell und die Bedienung ist hervorragend. Schließlich erfolgt das Navigieren und Zoomen wie beim iPhone mit Fingergesten und Multitouch.

Wer eine neue Seite aufrufen möchte, tippt einfach die Adresse ein. Sobald die erste Taste gedrückt ist, erscheint die entsprechende Leiste im Browser. Wer Bookmarks anlegt, bekommt die Seiten beim Öffnen eines neuen, leeren Browserfensters wie eine kleine Vorschau angezeigt – auch das kennen wir von Desktop-Computern. Wer bestimmte Webseiten mehrmals täglich aufruft, kann auch entsprechende Verknüpfungen auf dem Home-Screen ablegen. Möchte man ein neues Browserfenster öffnen, klappt man das Drop-Down-Menü durch einen Druck in die obere linke Ecke des Displays auf und wählt die entsprechende Option.

Unterm Strich ist der Browser auf dem Pre hervorragend. In der Praxis vermisst man aber hier und da ein paar Funktionen. Dazu gehört beispielsweise eine virtuelle Tastatur. Wer also Webseiten im Querformat ansieht und bei einem Formular nur ein paar Buchstaben eintippen möchte oder eine neue Seite abrufen will, muss das Gerät ins Hochformat drehen und die Tastatur ausziehen. Das nervt! Außerdem gibt es – wie bei WebKit-Browsern leider üblich – keine Flash-Unterstützung. Man kann also keine Videos im Browser sehen, und auf manchen Webseiten fehlen entscheidende Elemente. Allerdings hat Palm angekündigt, eine Unterstützung von Flash 10 bis zum Ende des Jahres nachzuliefern.

Multimedia

Der Palm Pre ist mit einem ordentlichen Mediaplayer ausgestattet, der diverse Formate unterstützt: MP3, AAC, AAC+, WAV und AMR darf es bei Musik sein, bei Videos MPEG-4, H.263 und H.264. Die Einstellungsmöglichkeiten und Optionen sind rudimentär – es gibt Play und Pause, Vorwärts und Zurück sowie Shuffle- und Wiederhol-Modi. Der Player zeigt auch die Alben-Cover an, über die man durch die Musiksammlung springen kann. Das sieht nicht ganz so sexy aus wie Cover Flow beim iPhone, aber es funktioniert.

Es gibt verschiedene Wege, Inhalte wie Musik, Fotos und Videos auf das Handy zu übertragen. Zunächst meldet sich das Smartphone als Speichermedium am Computer, wenn man es via USB verbindet. So wandern Dateien einfach per Drag & Drop auf das Gerät.

Alternativ synchronisiert sich der Pre auch wie ein iPod mit iTunes. Selbst die neueste iTunes-Version 8.2 funktioniert – das Handy gibt sich einfach als iPod aus. Ist der entsprechende Modus eingestellt, öffnet sich beim Anschließen an einen PC oder Mac das Apple-Musikprogramm. Eine Unterstützung für DRM-geschützte Musik- und Filmdateien gibt es allerdings nicht. Im Übrigen hat Palm diese Funktion nicht in Zusammenarbeit mit Apple entwickelt – stellt sich also die Frage, ob das dauerhaft funktioniert.

Allerdings ist die Beschränkung auf 8 GByte Speicher unserer Meinung nach nicht zeitgemäß. Wer ein ordentlich gefülltes iPhone mit 16 GByte gegen einen Pre tauschen möchte, kommt hier schnell an die Grenzen der tragbaren Musiksammlung. Schade, dass es keinen Micro-SD-Speicherkartenslot gibt. Laut Palm hätte dieser nicht in das Design des Pre gepasst. Der Hersteller schließt allerdings nicht aus, das künftige Smartphones über einen Erweiterungsplatz verfügen.

Wer unterwegs Musik kaufen möchte, kann allerdings nicht den iTunes-Store verwenden. Stattdessen verweist der Pre auf den Amazon-MP3-Store. Bei der derzeitigen US-Version klappt das allerdings nur über WLAN und nicht über das Handynetz. Immerhin landen die auf dem Pre gekauften Songs in einem entsprechend markierten Ordner – wer sein Handy per USB an den Computer ansteckt, kann die Neuerwerbungen direkt kopieren.

Selbstverständlich gibt ist ein Videoplayer für Youtube-Clips vorinstalliert. Darüber hinaus gibt es weitere Video-Angebote, teilweise gegen Gebühr, die allerdings der amerikanische Netzbetreiber Sprint zuliefert. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich in dieser Hinsicht keine weiteren Aussagen für Deutschland treffen.

Die Audioqualität ist im Übrigen vergleichsweise gut. Wir freuen uns über die integrierte 3,5-mm-Klinkenbuchse, die den Anschluss von Standard-Kopfhörern ohne Adapter ermöglicht. Im Test haben wir verschiedene hochwertige Ohrhörer eingesetzt. Obwohl es keinen Equalizer und keine Soundprofile gibt, klingen die Lieder ordentlich und verfügen über die richtige Prise Bass. Bei eingehenden Anrufen schaltet der MP3-Player stumm.

Die Wiedergabe von Videos sorgt für gemischte Gefühle. YouTube- und MPEG-4-Clips spielt das Smartphone flüssig ab. Insbesondere die Qualität der YouTube-Videos überrascht positiv. Allerdings gilt das nicht für den TV-Service des amerikanischen Mobilfunkproviders Sprint. Es gibt ständig Probleme mit der Verbindung – von Filmgenuss kann hier beim besten Willen keine Rede sein. Wir sind gespannt, ob sich die deutschen Anbieter besser schlagen.

Kamera

Auf der Rückseite des Pres befindet sich eine 3-Megapixel-Kamera mit dazugehörigem LED-Blitz. Bei der Fotografie verzichtet Palm auf jegliche Einstellungsmöglichkeiten. Für den Blitz stehen die Optionen Ein, Aus und Auto zur Verfügung. Um ein Foto zu schießen, betätigt man entweder die grüne Schaltfläche auf dem Display oder die Leertaste auf dem Keyboard. Das war’s auch schon. Es gibt keine schmückenden Effekte und keine zahllosen verschiedenen Auflösungen. Nicht einmal Videos zeichnet die Kamera auf. Dieses Feature will Palm allerdings noch per Software-Update nachliefern. Immerhin: Der integrierte GPS-Receiver versieht mit dem Smartphone geschossene Fotos mit Geotags [16].


Der Palm Pre bringt eine 3-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz mit.

Die geschossenen Fotos lassen sich per E-Mail oder als MMS verschicken. Alternativ lädt der Pre die Aufnahmen auch auf Online-Fotoalben wie Photobucket oder Social-Networking-Sites à la Facebook hoch. Auf Wunsch halten die Bilder auch als Desktop-Hintergrund oder Kontaktfoto her.


Die Bildqualität ist – jedenfalls für eine Handykamera – außerordentlich gut.

Obwohl die Kamerafunktion so spartanisch ausgestattet ist, überrascht uns die Bildqualität. Es dauert einen Moment, bis die gerade geschossenen Fotos auf dem Display ausgerendert sind. Doch dann sehen sie wirklich ansprechend aus. Die Farben wirken lebendig und warm und weisen weder nervige Grau- noch Orangetöne auf, wie sie andere Handykameras häufig liefern. Die Auslöseverzögerung ist erstaunlich gering.

Programme

Dass die für ein Handy verfügbare Software mindestens so wichtig wie das Hardwaregerüst selbst ist, hat der Erfolg des iPhone mit seinem App Store eindrucksvoll gezeigt. Google Android, BlackBerry sowie Nokia bieten inzwischen alle ihre eigenen Marktplätze – und Palm zieht mit.

Der Palm Pre App Catalog befindet sich derzeit noch in der Betaphase und stellt zum Start des Smartphones lediglich rund ein Dutzend Anwendungen bereit. Sowohl das Herunterladen als auch das Installieren der Programme geht schnell und problemlos vonstatten.

Die mobile Pandora-Version bietet die wichtigsten Features des Desktop-Clients. Anwender bewerten Songs, legen Bookmarks an und kaufen einzelne Titel oder ganze Alben über den MP3-Store von Amazon. Das Einloggen mit einem bestehenden Account funktioniert reibungslos.

Fandango und CitySearch greifen auf den integrierten GPS-Receiver zu. Die Anwendungen zeigen beispielsweise Geschäfte und Kinos in der Nähe an. Fandango bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, Kinotrailer anzusehen und anschließend gleich Karten für eine Vorstellung zu bestellen. Sehr clever: Direkt nach dem Kauf legt die Software einen entsprechenden Kalendereintrag an.

Dennoch enttäuscht die magere Auswahl an Anwendungen. Im April stellte Palm das Mojo Software Development Kit nur einer Handvoll von Entwicklern zur Verfügung. Wer Software für den Pre schreiben möchte, muss sich auf der Website des Herstellers für das SDK bewerben. Ein Datum, wann die Entwicklungsumgebung für die Öffentlichkeit verfügbar ist, verrät Palm noch nicht. Eines dagegen ist sicher: Jede Anwendung, die im App Catalog verfügbar sein wird, will Palm einzeln prüfen und freigeben.

Als Code für die Anwendungen kommen sowohl Standard-HTML als auch CSS und JavaScript in Frage. Das Betriebssystem WebOS ermöglicht Programmierern also großzügige Freiräume. Außerdem sollen Enwickler einen Zugriff auf die tieferen Ebenen des Betriebssystems erhalten, beispielsweise die Benachrichtigungsleiste. Sicherlich wird sich der App Catalog bald füllen, doch im Moment herrscht hier noch gähnende Leere.

Software vergangener Tage

Wer bereits einen Palm mit einem ganzen Haufen gekaufter Anwendungen besitzt, soll diese dank Classic von MotionApps größtenteils auch auf dem Pre nutzen können. Die Softwareschmiede hat angekündigt, in den nächsten Tagen eine Liste zu ihrem Emulator kompatibler Applikationen zu veröffentlichen. Einen Preis für das Tool nannte der Hersteller bislang nicht. Fest steht lediglich, dass es eine kostenlose Sieben-Tage-Version geben wird.

Bereits vorinstalliert auf dem Palm Pre sind Google Maps, PDF-Viewer, YouTube-Client, Notizbuch, Aufgabenliste, Taschenrechner, Uhr und etliche Programme des amerikanischen Mobilfunkproviders Sprint. Das mitgelieferte DocView von Dataviz zeigt Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien an. Es ist zu erwarten, dass die deutsche Version des Smartphones ein anderes Softwarepaket mitbringt.

Sprachqualität

Wir haben den Palm Pre in San Francisco im Mobilfunknetz von Sprint getestet. Die Qualität der Verbindung ist ausgezeichnet: wenig Rauschen sowie klare und dennoch volle Stimmen. Mehr als einmal bekommen wir von unseren Gesprächspartnern ein „Ich bin beeindruckt!“ über den Klang zu hören. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Maschinen verstehen uns: Ein Sprachroboter unserer Airline rückt die von uns per Stimme angeforderten Informationen auf Anhieb heraus. Bei keinem einzigen Telefonat treten Verbindungsprobleme auf.

Bei Verwendung des Lautsprechers lässt die Qualität nach. Die Stimmen hören sich sehr entfernt an. Sobald ein wenig Umgebungslärm auftritt, muss der Lautstärkeregler definitiv auf Maximum stehen. Dabei übersteuert der Klang allerdings etwas. Dennoch, das Telefonieren funktioniert immer noch. Die Qualität des Mikrofons erstaunt: Unsere Gesprächspartner merken nicht, dass wir das Telefon nicht ans Ohr halten. Das Koppeln des Palm Pre mit dem Bluetooth-Headset Logitech Mobile Traveller klappt auf Anhieb. Ebenso verhält es sich mit den S9 Bluetooth Active Headphones von Motorola.

Leistung

Was die Performance angeht sorgt der Pre für gemischte Gefühle. Der OMAP3430-Prozessor von TI meistert die Navigation durch die Menüs zwar problemlos, kommt aber gelegentlich beim Starten von Anwendungen kurz ins Stocken. Schlimmer als die eines Windows-Mobile-Handys sind diese Einbrüche allerdings beileibe nicht. Während des gesamten Tests gibt es keinerlei Abstürze oder Aufhänger.

Die Akkulaufzeit dagegen stellt tatsächlich ein Problem dar. Laut Palm hält der 1150-mAh-Akku im Standby zwölf Tage durch und macht erst nach fünf Stunden dauerhaften Telefonierens schlapp. Im Test meistert die Batterie die versprochene Gesprächszeit. Wir sind gerade dabei, die Standby-Zeit zu überprüfen. Sobald unser Labor Ergebnisse liefert, werden wir den Artikel an dieser Stelle aktualisieren. Eines ist allerdings sicher: Der Pre stellt hier keine Weltrekorde auf. Nach einem Tag heftiger Benutzung verlangt das Smartphone nach der Strippe.

Palm scheint sich über die eher durchschnittliche Laufleistung im Klaren zu sein – während des Tests schickt uns der Hersteller eine Nachricht mit Tipps zur Verlängerung der Akkulaufzeit. Darunter befinden sich die üblichen Hinweise, etwa Dimmen der Displaybeleuchtung und Abschalten von WLAN, wenn es nicht benötigt wird. Laut Palm kostet ein Bug im AIM-Client außerdem ordentlich Saft – insbesondere bei Nutzern mit einem großen Freundeskreis. Ein Update soll das Problem zeitnah lösen.

Zubehör

Der Verpackungsinhalt des Pre gleicht dem des Palm Treo Pro. Im Lieferumfang befinden sich Netzteil, Micro-USB-Kabel, Stereo-Headset und eine Tasche. Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe optionales Zubehör. Das Touchstone Charging Kit beispielsweise kostet 69,99 Dollar und ermöglicht ein drahtloses Aufladen des Akkus per Induktion. Außerdem stehen im Zubehörshop noch ein Ladekabel fürs Auto (29,99 Dollar) und zwei verschiedene Ledertäschchen bereit.


Im Lieferumfang des Palm Pre befindet sich ein klassisches Ladegerät. Das hier abgebildete Touchstone Charging Dock lädt das Smartphone, ohne Kabelsalat auf dem Schreibtisch zu verursachen.

Fazit

Bei uns in Deutschland hypet noch nichts, doch vor allem in Amerika sorgt das neue Palm-Smartphone für Furore. Dabei überrascht es fast, dass der Hersteller mit seinem eigenen Betriebssystem scheinbar eine Punktlandung hinlegt. Die Bedienung mag nicht ganz so intuitiv sein wie beim iPhone, doch hat man sich erst einmal an die Gestensteuerung und an die etwas schwammige Tastatur gewöhnt, kommt man mit dem Pre gut zurecht. Am Browser gibt es nichts zu meckern, das Display setzt Maßstäbe, es gibt Multitouch – und vor allem eine hervorragende Synchronisation, die die diversen E-Mail- und Social-Network-Konten miteinander abgleicht. Was will man mehr?

Derzeit mangelt es noch an Zusatzprogrammen im App Catalog – mit ihnen steht und fällt der Erfolg des Gerätes. Darüber hinaus könnte man die schwache Akkulaufzeit und die fummelige Tastatur kritisieren – doch da ist die Konkurrenz auch nicht besser aufgestellt. Softwareseitig gibt es noch einiges zu tun, aber der Hersteller hat ja Besserung gelobt:
Es soll eine Videokamerafunktion geben, Unterstützung von Flash und vielleicht auch mal eine virtuelle Tastatur. Bis zur Markteinführung in Deutschland hat Palm ja auch noch etwas Zeit. Und wenn der Pre dann etwas schneller läuft und es eine überzeugende Software-Auswahl gibt, könnte sogar hier ein Hype entstehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] CES: http://www.cnet.de/themen/ces-2014/

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/39193346/endlich+da+und+schon+getestet+iphone+3g.htm

[4] WebOS-Betriebssystem: https://www.cnet.de/themen/archiv/39001539/artikel+zum+thema+webos.htm

[5] Palm Pre auf dem Prüfstand: Ist das Smartphone ein iPhone-Killer?: https://www.cnet.de/41004994/palm-pre-auf-dem-pruefstand-ist-das-smartphone-ein-iphone-killer/?pid=1#sid=41004971

[6] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[7] T-Mobile G1: https://www.cnet.de/tests/handy/39197626/schon+getestet+htc+touch+t_mobile+g1+mit+android.htm

[8] HTC Magic: https://www.cnet.de/tests/handy/41003354/htc+magic+android_smartphone+von+vodafone+mit+vollausstattung.htm

[9] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[10] Sprint: http://www.sprint.com/

[11] HTC Touch: https://www.cnet.de/tests/handy/39190609/testbericht/schon+getestet+xda+htc+touch+diamond+designhandy+mit+gps.htm

[12] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[13] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[14] Palm Pre mit Web-OS: die ersten Screenshots: https://www.cnet.de/39201421/palm-pre-mit-web-os-die-ersten-screenshots/?pid=1#sid=41004971

[15] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[16] Geotags: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/39198547/geotagging+fotos+mit+ortskenntnissen.htm