JVC Everio GZ-X900: innovativer Zeitlupen-Camcorder für tolle Fotos

von Jonathan Parkyn und Stefan Möllenhoff am , 13:12 Uhr

Pro
  • fantastische Bildqualität
  • Zeitlupenmodus
  • toller Bildstabilisator
  • ungewöhnliches Design
Con
  • hakeliges Menüsystem
  • nur 5-facher optischer Zoom
  • teuer
Hersteller: JVC Listenpreis: 800 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der JVC Everio GZ-X900 ist ein kleiner, handlicher Camcorder, der nicht nur schöne Videos dreht, sondern auch tolle Fotos knipst. Sein 500-fps-Zeitlupenmodus ist eine nette Dreingabe auf die ohnehin schon üppige Ausstattung. Allerdings gibt es nicht nur Positives zu berichten: Besitzer der Full-HD-Kamera kämpfen zunächst mit hohen Anschaffungskosten und danach mit einer stellenweise zähen Bedienung.

Ganz im Gegensatz zu vielen seiner JVC-Kollegen ist der Everio GZ-X900 ein leichtgewichtiger, handlicher Flash-Camcorder. Neben hochauflösenden Videos mit 1080i im AVCHD-Format nimmt er auch 9-Megapixel-Standbilder auf. Doch nicht nur seine einzigartigen Features lassen ihn aus der grauen Masse hervorstechen: Auch der Preis ist außergewöhnlich hoch. Wir haben getestet, ob der rund 800 Euro teure Winzling sein Geld wert ist.

Dafür, dass JVC sich lange Zeit voller Stolz als „Erfinder von VHS“ betitelt hat, hat der Hersteller den Absprung von dem gestorbenen Format erstaunlich schnell geschafft. Der Wechsel von Band zu Festplatten als Medium ist inzwischen komplett vollzogen. Mit dem Everio GZ-X900 macht sich JVC jetzt auch im Lager der SD-Speicherkarten-Camcorder breit. Doch das stellt bei Weitem nicht die einzige Innovation dar.

Stärken

Beim Bildstabilisator beispielsweise setzt JVC auf ein außergewöhnliches Konzept. Er sitzt nicht wie gewöhnlich hinter, sondern vor der Linse. Beim Schwenken mit dem Camcorder kann man dem Verwacklungsschutz bei der Arbeit zusehen. Der Gedanke dahinter ist, dass das System unabhängig von der aktuellen Brennweite seinen Job erledigt – und das macht es tatsächlich außergewöhnlich gut.

Ein weiteres spannendes Ausstattungsmerkmal ist der Hochgeschwindigkeitsmodus [1]. Es gibt drei verschiedene Bildraten – 100, 250 und 500 fps -, die für eine zwei-, fünf- oder zehnfache Zeitlupe sorgen. Leider geht das hohe Tempo auf Kosten der Auflösung. Sie reduziert sich auf 480 mal 270, 480 mal 116 beziehungsweise 640 mal 72 Pixel. Außerdem ist die maximale Aufnahmedauer eingeschränkt – bei Vollgas ist bereits nach 2,8 Sekunden Schluss.


JVC bringt die Zeitlupenfunktion auf dem Modusrädchen auf der Rückseite des Camcorders unter: H1, H2 und H3 stehen für die drei unterschiedlichen Aufnahmegeschwindigkeiten.

Bei normalem Tempo (50 Halbbilder/s) und maximaler Auflösung (1080i) sowie Qualität (24 MBit/s) sehen die Videos ausgezeichnet aus. Die Farben wirken realitätsgetreu, tief und lebendig. Details erhält der GZ-X900 sehr gut, und auch Ecken und Ränder machen einen sauberen Eindruck.

Dazu gesellt sich ein Foto-Modus mit einer ganzen Reihe von zusätzlichen Features: Dazu gehört etwa ein Highspeed-Serienbildmodus [1], der mit 15 fps bei vollen 9,0 und mit 50 fps bei 5,3 Megapixeln schießt. Eine Gesichtserkennung und eine Belichtungsreihenfunktion sind ebenfalls an Bord.

Das Gehäuse selbst sieht ungewöhnlich, aber nicht hässlich aus. Es ist schlank, schlicht und in mattem schwarz gehalten. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten steht keine Linse aus dem Camcorder heraus. Das Gerät sitzt sicher in der Hand und lässt sich bequem bedienen.

Mittels Mini-HDMI-Buchse verbindet sich die Videokamera zu einem HD-Fernseher. So lassen sich eben am Strand gedrehte Videos gleich auf dem großen Plasma-Fernseher im Hotelzimmer bewundern. Im Lieferumfang ist außerdem eine Docking-Station enthalten, die auch zum Aufladen des Camcorders dient.

Schwächen

Doch nicht bei allen Innovationen gelingt der Höhenflug. Mit dem Laser-Touch-Menüsystem fällt JVC auf die Schnauze. Zur Navigation durch die Menüs gibt es weder einen Touchscreen noch einen Joystick. Anstelle der klassischen Bedienelemente befindet sich ein berührungsempfindlicher Slider auf der linken Seite des 2,8-Zoll-Displays. Das Treffen von Einstellungen funktioniert selbst nach einer längeren Eingewöhnungsphase noch immer nicht zuverlässig. Immerhin: Unterhalb des Bildschirms befinden sich noch fünf mechanische Tasten.

Von dem lediglich fünffachen optischen Zoom sind wir ebenfalls etwas enttäuscht. In dieser Preisklasse hätten wir uns einen größeren Brennweitenbereich gewünscht. Dass der Camcorder in Halb- und nicht in Vollbildern aufzeichnet, stört ebenfalls. So treten bei der späteren Betrachtung an Wiedergabegeräten, die über einen schlechten De-Interlacer [2] verfügen, Kamm-Artefakte [3] an bewegten Objekten auf.

Fazit

Mit dem Everio GZ-X900 kombiniert JVC Camcorder und Digicam in einem sehr kompakten Gehäuse. Sowohl die Video- als auch die Fotoperformance kann sich wirklich sehen lassen. Dennoch: Für 800 Euro bekommt man auch einen ordentlichen HD-Camcorder plus Bridgekamera, etwa den Samsung VP-HMX20C [4] und die Sony Cybershot H20 [5].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41005182/jvc-everio-gz-x900-innovativer-zeitlupen-camcorder-fuer-tolle-fotos/

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[1] Hochgeschwindigkeitsmodus: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41003703/casios+highspeed_knipsen+da+fliegt+dir_s+blech+weg_+aber+gaaanz+langsam.htm

[2] De-Interlacer: http://de.wikipedia.org/wiki/Deinterlacing

[3] Kamm-Artefakte: http://www.lenz-online.de/interlace/

[4] Samsung VP-HMX20C: https://www.cnet.de/tests/camcorder/39199779/samsung+vp_hmx20c+zeitlupen_camcorder+fuer+250+bilder+pro+sekunde.htm

[5] Sony Cybershot H20: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003936/sony+cybershot+h20+guenstige+bridgekamera+fuer+anspruchsvolle.htm