Toshiba TG01: schneller Prozessor, tolles Display, Windows Mobile

von Daniel Schraeder am , 18:17 Uhr

Pro
  • hochauflösendes, großes Display
  • flaches Design
  • Vollausstattung mit HSPA, GPS, WLAN und Bluetooth
Con
  • umständliche, überfrachtete Oberfläche
  • hakelige Bedienung
  • resistiver Touchscreen
  • weder Blitz noch Foto-LED
Hersteller: Toshiba Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das TG01 sieht aus wie ein iPhone in Übergröße. Sein hochauflösendes Display überzeugt ebenso wie die gute Ausstattung, aber das hakelige Windows Mobile, die überfrachtete und verspielte Oberfläche sowie weitere Macken lassen das Gerät wirken, als käme es aus einer Zeit, in der es noch kein iPhone gab.

Wer das iPhone düngt, bekommt ein TG01 – so sieht das erste Toshiba-Smartphone seit langem zumindest aus. Es kommt mit einem riesigen, 4,1-Zoll-Display und dem schnellsten Prozessor, der jemals in einem Handy verbaut war: Die Snapdragon-CPU im Inneren werkelt mit 1 GHz. Dennoch ruckelt Windows Mobile. Wir haben das TG01 bereits ausführlich getestet.

Smartphones von Toshiba? In den Köpfen der meisten Handykäufer kommt der japanische Hersteller gar nicht vor – zu lange ist es her, dass in Deutschland Massen von Toshiba-Mobiltelefonen verkauft wurden. Das hindert die Japaner aber nicht, Vollgas zu geben und Maßstäbe setzen zu wollen, zeigten sie doch auf dem Mobile World Congress [1]im Februar dieses Jahres Prototypen ihres neuen Smartphones TG01 [2]. Die Highlights standen schon fest – es gibt eine schnelle CPU und ein riesiges Display.

Design

Auf den ersten Blick sieht das TG01 aus wie jedes aktuelle Touchscreen-Smartphone [3] der „Generation iPhone“: Das dominante Merkmal auf der Oberseite ist das Display. Im Falle des TG01 misst das gleich 4,1 Zoll – 0,6 Zoll mehr als die Anzeige des iPhones. Dazu kommt eine gigantische Auflösung von 800 mal 480 Pixeln – Webseiten, Fotos und Videos sehen hier wirklich gut aus. Die Display selbst fasst ein glänzender Kunststoffrahmen ein, der an den beiden Seiten knapp fünf Millimeter breit ist, oben und unten ist es ein guter Zentimeter. Die Kunststofffolie des resistiven Touchscreens liegt über diesem Rahmen.

Direkt unterhalb des Displays gibt es zwei drucksensitive Sensortasten für Homescreen und zurück. Dazwischen liegt eine silberne Scrollbar, die das Zoomen von Webseiten und Fotos per Fingergeste ermöglicht.

Außerhalb der Anzeige mitsamt ihrer glänzenden Umrahmung kommt das Gehäuse des TG01 zum Vorschein. Es ist aus weißem, mattem Kunststoff gefertigt – so zieht es keine Fingerabdrücke an. Dennoch sammeln sich schnell Schmutzstellen auf dem Plastik, die sich aber einfach mit dem Finger entfernen lassen. Für einen gewissen Kontrast sorgt ein silberner Streifen, der einmal außen um das TG01 läuft.

Mit seinen Abmessungen von knapp 7 mal 13,9 Zentimetern überragt es das iPhone deutlich. Allerdings ist es mit seiner Bauhöhe von einem knappen Zentimeter deutlich flacher. Auf den ersten Blick wirkt es fast zerbrechlich – man hat Angst, es in seine Hosentasche zu stecken, um es beim Hinsetzen nicht durchzubrechen. Wer das TG01 in die Hand nimmt, wird aber beruhigt – es ist angenehm stabil und fühlt sich wertig an. Nicht einmal der große Akkudeckel knarzt.

Am rechten Gehäuserahmen sitzen der Auslöser der 3,2-Megapixel-Kamera sowie die Micro-USB-Buchse, die von einer Kunststoffabdeckung geschützt wird. Oben und unten gibt es keine Elemente. Auf der linken Seite des Rahmens finden sich die Windows-Mobile-typische Ein-Aus-Standby-Taste sowie ein Wippschalter zur Regelung der Lautstärke. Was fehlt, ist eine Klinkenbuchse zum Anschluss von Standard-Kopfhörern. Hierfür liefert Toshiba aber einen Adapter mit.

Ausstattung

In diesem Kapitel punktet das TG01, wenn man von der fehlenden Foto-LED absieht. Auffällig sind hier vor allem die gehobenen inneren Werten – immerhin arbeitet eine 1 GHz (!) schnelle CPU im Gehäuse. Dazu gesellen sich 256 MByte RAM und 512 MByte ROM. Damit der Speicher nicht zur Neige geht, verbirgt sich unterm Akkudeckel ein Slot für MicroSD-Karten, die bis zu 32 GByte groß sein können. Der Tausch der Speicherkarte ist aber nur bei ausgeschaltetem Handy möglich.

Zur Verbindung ins Internet steht alles zur Verfügung, was die Technik derzeit hergibt. Für Telefonate rund um die Welt gibt es Quad-Band-GSM, für Datenverbindungen übers Handynetz EDGE, und UMTS samt Up- und Downloadturbo HSPA. Zu Hause, im Büro oder im Coffeeshop verbindet sich das TG01 per WLAN nach 802.11b und g mit dem Netz. Darüber hinaus verfügt es über Bluetooth zur Kurzstreckenkommunikation.

Außerdem ist ein GPS- und A-GPS-Empfänger integriert. Er dient nicht nur zur Positionsbestimmung mit Google [4] Maps, sondern auch als echtes Navi. Auf unserem Testgerät ist eine Vollversion von CoPilot installiert, auf der Verkaufsversion wird es wohl nur eine Demo-Version geben. Immerhin: Dank Windows Mobile ist die Auswahl an zur Verfügung stehenden Navi-Lösungen schier unendlich.

Apropos: Derzeit läuft Windows Mobile 6.1 auf dem Toshiba-Smartphone. Später soll es ein Update auf die Version 6.5 geben. Die Japaner haben eine eigene Oberfläche gebastelt, die sich über das Microsoft [5]-Handybetriebssystem legt – das erinnert an die TouchFLO-Idee von HTC [6]. Allerdings wirkt das User-Interface des TG01 irgendwie verspielt, überfrachtet und nicht fertig. Der Nutzer sieht drei knallbunte Balken, die er mit dem Finger verschieben kann – etwa Internet, Nachrichten und Telefon. In diesen Balken finden sich Verknüpfungen auf Programme und Webseiten, die sich beliebig anpassen lassen. Die Idee dahinter ist gut – in der Praxis aber leider sehr verwirrend. Zum einen reagiert die Software teilweise langsam und ruckelig auf Nutzereingaben. Der im Ruhezustand über den drei wichtigsten Verknüpfungen eingeblendete Kalender verschwindet beim Hochziehen der Icons teilweise nur wiederwillig – das ganze wirkt einfach nicht so sauber, smooth und intuitiv wie beispielsweise beim iPhone. Darüber hinaus sind viele der voreingestellten Verknüpfungen merkwürdig. Im Nachrichten-Balken bietet das TG01 beispielsweise Verknüpfungen zu E-Mail-Fächern bei O2, GMX, Web.de, Google Mail und weiteren – die sind aber nicht konfiguriert. Wer auf Google Mail tippt, kann zwar eine E-Mail schreiben, doch die wird mangels Accounteinstellungen nicht verschickt.

Wer Spaß am Basteln hat, kann aber auch eine alternative Oberfläche auf seinem Windows-Mobile-Smartphone installieren.

Leistung

Wer auf das Datenblatt schaut, weiß: In diesem Kapitel sollte das TG01 abräumen. Das gilt für das Display, das nicht nur groß, sondern auch gestochen scharf ist, tolle Farben zeigt und ordentliche Blickwinkel zulässt. Schade nur, dass Toshiba hier auf einen resistiven Touchscreen setzt – der technisch dafür nötige Kunststoffüberzug wirkt einfach billig. Noch dazu spiegelt er stark. Doch wer im Zug einen Film oder eine Serie sieht, vergisst diese Negativpunkte schnell.

Auch, was die Rechenleistung angeht, setzt Toshiba Maßstäbe – zumindest in der Theorie. Denn trotz 1-GHz-CPU dauert es beim Drehen des Smartphones gefühlte ein bis zwei Sekunden, bis sich der Displayinhalt dreht. Die Anzeige wird zwar sofort schwarz, doch es dauert einfach viel zu lang, bis wieder ein Bild erscheint. Man fühlt sich schon fast genötigt, erneut auf den Einschalter zu drücken. Interessanterweise gilt das für das Hauptmenü – der ansonsten so langsame Internet Explorer dreht sich deutlich schneller.

Ähnlich behäbig zeigt sich das Smartphone beim Surfen. Es steht lediglich der Pocket-Internet-Explorer zur Verfügung – immerhin in der Version 6, doch das nützt im Vergleich zu den Browsern auf iPhone, Magic oder Idou nichts. Zwar zeigt er im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewerber Flash-Inhalte an – aber wenn das Berechnen einer größeren Webseite Minuten dauert, verzichten wir gern darauf. Wehe, man scrollt, wenn noch nicht alle Inhalte geladen sind. Ist eine Seite einmal aufgebaut, navigiert es sich aber schön schnell auf ihr – warum ist das nicht immer so? Außerdem sieht die Darstellung auf dem hochauflösenden Display einfach extrem gut aus. Alternativ ließe sich der Opera-Browser installieren.

Die 3,2-Megapixel-Kamera schießt gute Bilder. Selbst in dunkleren Umgebungen rauscht es noch nicht übertrieben im Foto, obwohl es weder eine Foto-LED noch einen echten Xenon-Blitz gibt.

Im Vergleich zum iPhone verdient Toshiba ein Lob für den austauschbaren Akku. Nicht so toll ist allerdings dessen Kapazität – er speichert 1000 mAh. Das sind fast 50 Prozent weniger, als andere aktuelle Smartphone-Akkus aufnehmen können. Dementsprechend verspricht der Hersteller auch nur eine Gesprächszeit von bis zu vier Stunden. Wer das Gerät häufig zum Navigieren oder Surfen einsetzt, sollte also immer ein Netzteil oder einen zweiten Akku parat haben.

Da auf unserem Testgerät noch nicht die finale Software installiert ist, gibt es vor allem in den Punkten der Geschwindigkeit bis zur Markteinführung noch etwas Hoffnung.

Fazit

Schade eigentlich. Das TG01 sieht attraktiv aus, ist extrem gut ausgestattet und verfügt über ein gigantisches, tolles Display. Aber das hakelige Windows Mobile sieht im Vergleich zu Android [7] oder dem iPhone-OS einfach alt aus. Es ist etwas für Fans, für Leute, die schon gekaufte Windows-Mobile-Programme haben und sie weiternutzen wollen, für welche, die ihre bekannte Desktop-Oberfläche auch auf dem Smartphone haben wollen und für jeden, der Exchange nutzen möchte oder eine der vielen anderen Möglichkeiten, die Windows Mobile bietet. Aber im Vergleich zu den Multimedia-Smartphones wie dem i8910 von Samsung [8], dem neuen iPhone [9] oder einem Android-Handy [10] wirkt das TG01 wie ein Dinosaurier.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41005210/toshiba-tg01-schneller-prozessor-tolles-display-windows-mobile/

URLs in this post:

[1] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/

[2] Prototypen ihres neuen Smartphones TG01: http://cgi.cnet.de/alpha/artikel/handys/200902/toshiba-tg01-flaches-touchscreen-handy-mit-gigaherz-prozessor.htm

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[6] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[7] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[8] i8910 von Samsung: https://www.cnet.de/tests/handy/41005143/samsung+i8910+hd+tolles+amoled_smartphone+mit+symbian.htm

[9] neuen iPhone: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41005146/daten_+bilder+tarife+alles+zum+neuen+iphone+3g+s.htm

[10] Android-Handy: https://www.cnet.de/tests/handy/41003354/htc+magic+android_smartphone+von+vodafone+mit+vollausstattung.htm