LCD-Fernseher richtig einstellen: So sieht das Bild auch zu Hause gut aus

von Pascal Poschenrieder am , 17:01 Uhr

Damit sich ein teurer HD-Fernseher im Elektronikfachgeschäft gut verkauft, muss er Kunden trotz greller Raumbeleuchtung beeindrucken. Deshalb sind die Werkseinstellungen der Geräte viel zu hell und aggressiv für den Heimeinsatz mit abgedunkelter Beleuchtung. Wir erklären, wie Käufer ihren LCD-TV richtig kalibrieren.

Der Durschnittsdeutsche [1] sieht pro Tag rund 3,5 Stunden fern. Allerdings sind die TV-Geräte meistens viel zu grell eingestellt – und zwar ab Werk. Dadurch sieht nicht nur das Bild schlecht aus. Es ist zudem kein Wunder, dass viele Zuseher über Kopfschmerzen [2] klagen. Da stellt sich die Frage, warum die Hersteller ihre Geräte nicht gleich richtig kalibrieren und so Käufern ein lästiges und kompliziertes Einstellen ersparen. Der Grund: Die Fernsehabteilungen bei Mediamarkt & Co. sind, wie auch der Rest der Elektronikmärkte, grell beleuchtet. Schließlich führt viel Licht zu guter Stimmung bei den Kunden und somit zu einem hohen Absatz. Allerding hat es auch eine andere Folge: Damit das Bild der großen und teueren HD-Fernseher richtig beeindruckt und sich die Geräte gut verkaufen, bedarf es einer sehr hellen und übertriebenen Abstimmung.

Wer so einen HD-TV dann mit nach Hause nimmt und einschaltet, hat ein für die dort eher düstere Umgebung zu blendendes Bild. Noch schlimmer wird es beim Ansehen eines Films bei abgedunkeltem Raum. Die Folge sind müde Augen und schlechte Laune. Die Bildeinstellungen im Onscreen-Menü des Fernsehers schaffen hier abhilfe.

Notwendige Komponenten

Für die Bildspeisung sollte möglichst das Gerät zum Einsatz kommen, das die beste Qualität liefert. Ideal ist ein Blu-ray-Player [3], der via HDMI [4] am TV hängt. Wer kein Wiedergabegerät für Full-HD [5]-Medien besitzt, schließt einen DVD-Player [6] an. Allerdings sollte dieser nicht mittels einfachem Composite-Video [7]-Kabel mit dem Fernseher verbunden sein. S-Video [8] oder – noch besser – Component-Video [9] sorgen für eine deutlich höhere Übertragungsqualität.

Natürlich nützt ein Blu-ray- oder DVD-Player alleine wenig. Es bedarf auch eines passenden Mediums. Filmfans sollten möglichst die Scheibe wählen, die die höhste Qualität der Sammlung bietet und gleichzeitig sowohl dunkle als auch helle und kontrastreiche Szenen aufweist.

Zusätzlich empfiehlt es sich, eine Tageslicht-Glühbirne oder -Energiesparlampe mit einer Farbtemperatur von 6500 Kelvin [10] zu kaufen. Dabei handelt es sich um die Standard-Farbtemperatur, die die meisten Produzenten beim Filmen verwenden. Sie verbessert den Eindruck des Bildes und ist im Baumarkt an der Aufschrift 6500K, D65 oder Tageslicht zu erkennen.

Einstellen der Raumbeleuchtung

Vor dem Kalibrieren des Fernsehers sollten Filmfans die Beleuchtung des Raums ideal für den Filmgenuss einstellen. Sie hat einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung von Helligkeit und Farben. Ein völliges Abdunkeln ist nicht empfehlenswert, da der Fernseher sonst selbst mit niedriger Helligkeit blendet und die Augen ermüdet. Ideal ist gedimmtes Licht. Dazu sollte eine Lichtquelle direkt hinter dem Fernseher angebracht werden. Hierfür kommt die Glühbirne mit 6500 Kelvin zum Einsatz. Tageslicht sollte beim Ansehen von Filmen möglichst nicht in den Raum gelangen, das sonst Reflexionen des Panels auftreten. Wer mittags nur eine Talkshow ansieht, kann sich die spezielle Beleuchtung und das Abdunkeln natürlich sparen.

Ebenso wichtig wie die richtige Beleuchtung sind korrekter Abstand und richtige Position zum Fernseher. Da LCD-Fernseher meist eher geringe maximale Blickwinkel aufweisen, sollten sich Filmfans einen Platz mittig vor dem Gerät suchen. Die Augenhöhe sollte auf Höhe des TVs liegen. Wer nah vorm TV sitzt, kann sich die Investition in ein großes Gerät sparen. Allerdings sollte der Abstand auch nicht zu gering sein, da sonst die wahrgenommene Bildqualität abnimmt. Wer zu weit vom Bildschirm weg sitzt, büßt Kinofeeling ein. Die Tabelle zeigt die empfohlenen Abstände für unterschiedliche Panelgrößen.

Bildschirmdiagonale 16:9-TV Minimaler Abstand (in Metern) Maximaler Abstand (in Metern)
26 Zoll (66 cm) 1 2
30 Zoll (76 cm) 1,2 2,3
34 Zoll (86 cm) 1,3 2,6
42 Zoll (106 cm) 1,6 3,2
47 Zoll (120 cm) 1,8 3,6

Bevor es an das Justieren geht, sollten Anwender alle Bildverarbeitungsfunktionen wie Auto-Farbe, Automatische Hintergrundbeleuchtung, Auto-Kontrast oder Rauschunterdrückung im Menü von Fernseher und Wiedergabegerät abschalten.

Regeln der Hintergrundbeleuchtung

LCDs haben eine Hintergrundbeleuchtung an Bord. Sie besteht in der Regel aus Kaltkathodenröhren, die hinter dem Panel sitzen. Die strahlen Licht ab, das durch das LC-Panel fällt und von ihm eingefärbt und abgedunkelt wird. So entsteht ein buntes Bild mit Kontrast. Bei modernen Geräten kommen stattdessen teilweise auch LEDs oder Heißkathodenröhren zum Einsatz. Das Prinzip bleibt aber das gleiche.

Viele moderne HD-TVs besitzen einen Menüpunkt zum Justieren dieser Hintergrundbeleuchtung. Bei einem abgedunkelten Raum sollten Filmfans diese vor der eigentlichen Anpassung des Bildes etwas dimmen. Sie ist ab Werk meist zu hell und für den Einsatz im Elektronikmarkt kalibriert. Ein anschließendes Heraufregeln ist kein Problem.

Kalibrieren der Helligkeit

Der Menüpunkt Helligkeit bestimmt, wie dunkel schwarze Bereiche erscheinen. Ist er zu hoch eingestellt, wirkt das Bild zweidimensional und ausgewaschen. Auch die Farbsättigung nimmt ab. Wer die Helligkeit zu weit herabregelt, verliert Details in schattigen Bereichen. Zudem gehen Farbunterschiede von dunklen Flächen verloren.


Sobald die schwarzen Balken beim Herunterregeln der Helligkeit nicht mehr dunkler werden, ist die Einstellung perfekt – vorausgesetzt die Details in dunklen Bereichen sind noch zu sehen.

Zum Justieren der Helligkeit sollte im DVD- oder Blu-ray-Player eine Disc mit schwarzen Balken laufen – also etwa ein aktueller Blockbuster im Cinemascope-Format. Dann ist eine Stelle im Film zu suchen, in der sowohl dunkle als auch helle Elemente mit möglichst vielen Details vorhanden sind. Nun ist die Helligkeit ganz hochzuregeln und anschließend so lange zu verringern, bis die schwarzen Balken nicht mehr dunkler werden. Tritt ein Detailverlust in dunklen Bildbereichen auf, ist die Helligkeit zu niedrig. Allerdings haben auch Hintergrundbeleuchtung und Kontrast Einfluss auf die Details. Deshalb sollten Filmfans einem leichten Detailverlust vorerst nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken und zunächst den Kontrast anpassen. Wenn anschließend immer noch Details fehlen, korrigieren sie dies mittels Hintergrundbeleuchtung oder justieren die Helligkeit nach.

Einpegeln des Kontrastes

Nun ist der Kontrast an der Reihe. Er legt das Weißlevel fest, also die Intensität von hellen und weißen Bereichen. Bei Displays ohne regelbare Hintergrundbeleuchtung bestimmt er zudem die Leuchtstärke. Ein zu hoher Kontrast hat einen Verlust von Details in hellen Bereichen zur Folge. Ist er zu gering, wirkt das Bild fahl.


Sind alle Details in hellen Bildbereichen zu sehen, ist die Einstellung für den Kontrast korrekt.

Zum Anpassen des Kontrastes suchen sich Anwender eine Szene mit einem hellen Objekt mit vielen Details und Schattierungen. Ideal wären beispielsweise eine weiße Bluse oder ein Vorhang. Jetzt ist der Kontrastregler auf die maximale Einstellung zu schieben. Anschließend regeln Filmfans ihn so weit herunter, bis gerade alle Details des hellen Objektes zu sehen sind.

Justieren der Farben

Das Regeln der Farbeinstellungen oder der -sättigung hat gravierende Auswirkungen auf die Darstellungsqualität. Bei zu hoher Sättigung wirkt das Bild unrealistisch und grell. Am besten ist die Farbverzerrung bei Rottönen zu sehen, da viele TV-Dekoder diese betonen. Bei zu geringer Sättigung macht das Bild einen düsteren und eintönigen Eindruck. Bei komplett herabgeregelter Sättigung ist es schwarzweiß.


Ein Gesicht eignet sich ausgezeichnet zum Justieren der Farbsättigung.

Bevor es an die Farbjustierung geht, ist die richtige Farbtemperatur zu wählen. Diese wichtige Einstellung hat auf die gesamte Farbpalette des Bildes Einfluss. Hier ist sind die Optionen Warm oder Niedrig zu empfehlen. Sie kommen am nächsten an den D65-Standard [10] mit 6500 Kelvin Farbtemperatur heran. Wem die Rottöne zu grell wirken, der sollte eine mittlere Einstellung wählen. Allerdings sind hier oft die Blautöne zu stark betont. Jetzt geht es auf die Suche nach einem Bild, in dem das Gesicht einer Person als Nahaufnahme zu sehen ist. Nun ist der Regler für die Sättigung so weit hochzuschieben, bis die Person aussieht, als hätte sie einen grauenvollen Sonnenbrand. Anschließend justieren Anwender den Schieber soweit zurück, bis das Gesicht natürlich aussieht. Bei vorhandenen, separaten Farbreglern sind nun noch übersteuernde Farben wie Rot oder Blau zurückzunehmen. Falls der Rest des Bildes dann zu verwaschen aussieht, ist ein leichtes Hochregeln der Sättigung auf Kosten von akkuraten Gesichtsfarben möglich.

Feintuning

Für die Kalibrierung sollte die Menüoption Farbton auf Null stehen. Die Einstellung verändert Farben. Bei extremer Farbton-Anpassung erscheint Rot beispielsweise bläulich oder gelblich. Anwender sollten erst mit dieser Funktion herumspielen, wenn die Justierung des Fernsehers abgeschlossen ist.

Eine weitere Option ist die Bildschärfe. Diese Funktion verstärkt Kanten im Bild, indem sie den Kontrast zwischen unterschiedlich, farbigen Flächen erhöht. Die Schärfeeinstellung hilft, das weiche Bild des Fernsehsignals zu verbessern. Allerdings hat sie auf das bereits scharfe Bild von Blu-rays oder DVDs negative Auswirkungen. Es bilden sich Artefakte und Farbsäume. Daher empfiehlt es sich, die Bildschärfe für den Genuss von Filmen auf Null herunterzuregeln. Falls dann der Text im Vorspann unscharf erscheint, ist sie wieder leicht anzuheben, bis die Schrift scharf ist.

Fazit

Mit der richtigen Technik und Vorgehensweise ist die Kalibrierung eines Fernsehers kein kompliziertes Mysterium. Sie ist einfach zu bewerkstelligen und nach etwa einer halben Stunde entspricht das Bild perfekt dem eigenen Geschmack. Wer eine noch exaktere Justierung wünscht, sollte sich eine spezielle Heimkino-Kalibrierungs-Disc besorgen. Die Blu-ray-Testdisc DVE HD Basics [11] kostet beispielsweise rund 20 Euro. Sie führt Anwender durch die Einstellung und bieten speziell optimiertes Bildmaterial. So ist sichergestellt, dass der nächste Filmabend mit Begeisterung anstelle von Kopfschmerzen endet.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41005817/lcd-fernseher-richtig-einstellen-so-sieht-das-bild-auch-zu-hause-gut-aus/

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[1] Durschnittsdeutsche: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1525/umfrage/durchschnittliche-fernsehdauer-pro-tag/

[2] Kopfschmerzen: http://de.wikipedia.org/wiki/Beleuchtung

[3] Blu-ray-Player: https://www.cnet.de/tests/dvd/archiv/a3T3/

[4] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[5] Full-HD: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[6] DVD-Player: https://www.cnet.de/tests/dvd/archiv/a3T0/

[7] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[8] S-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/S-video

[9] Component-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Component_Video

[10] 6500 Kelvin: http://de.wikipedia.org/wiki/Normlicht

[11] DVE HD Basics: http://www.videoessentials.de/index.php?cat=c1_Blu-ray-Testdiscs.html