Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Unterstützung von Multitouch. Ja – es gibt nun echtes, sanftes Multitouch außerhalb der Apple-Welt. Die berühmte Zwei-Finger-Geste funktioniert im Browser und bei E-Mails, aber auch bei anderen Programmen. Wer Daumen und Zeigefinger auseinanderzieht, vergrößert die Ansicht. Der Vorgang läuft – im Gegensatz zum LG Arena oder den gehackten Multitouch-Firmwareversionen der ersten beiden Android-Smartphones – relativ schnell und smooth ab. Es gibt also nicht nach Beendigung der Geste eine kurze Wartezeit, bis dann ruckartig die nächste Zoomstufe aktiv ist, sondern die Vergrößerung läuft sanft ab. Leider zieht sich das aber nicht durch. Google Maps will, Android-typisch, per Fingertipp auf die virtuellen Plus- und Minustasten vergrößern und verkleinern. Das ist schade, zumal sich der Nutzer von Applikation zu Applikation umgewöhnen muss.

Beim Browser verhält sich der Zoom übrigens anders als beim iPhone. Während Apple die Webseiten einmal berechnet und ein Zoom an eine beliebige Stelle eben diesen Bildausschnitt vergrößert, berechnet der Hero-Browser die Seite neu. Somit entfällt das horizontale Scrollen, was bei Apple aber in der Regel auch nicht nötig ist: Immerhin vergrößert der dort zum Einsatz kommende Safari per Doppeltipp spaltenweise und holt so komplette Texte in den Vordergrund. Wir legen uns nicht fest, welches Konzept besser oder schlechter ist – beides hat seine Vor- und Nachteile, funktioniert in der Praxis aber hervorragend.

Außerdem ist das Hero das erste Android-Smartphone mit Flash-Unterstützung. Dabei soll der Browser etwa 80 Prozent aller Applets und Videos darstellen können. Das klappt weitgehend problemlos, übrigens auch mit Videos außerhalb des Youtube-Universums. Ein Doppeltipp mit dem Finger auf einen in einer Webseite integrierten Videoplayer aktiviert eine Vollbildansicht. Apple, jetzt seid ihr am Zug.

Apropos: Bislang hatte Apple hier und da noch ein paar Vorteile, was die Usability angeht. So stellen Nutzer den Wecker des iPhones über die cool aussehenden und praktischen virtuellen Drehräder ein. Bei den ersten Android-Smartphones und dem Hero-Prototypen geschah das noch über Plus- und Minustasten oder alternativ über die virtuelle Tastatur. Die finale Software auf dem neuen HTC-Smartphone bietet aber jetzt auch hier die Drehräder – sehr gut!

Leistung

Der Akku des Heros speichert 1350 mAh und damit so viel wie der Stromspeicher des Magic. Der Hersteller gibt 470 Minuten Dauertelefonie respektive 440 Stunden Standby an. In der Praxis dürften diese Werte allerdings weit daneben liegen, denn das Magic hält bei intensiver Nutzung lediglich einen Tag durch. Wenn überhaupt. Der Hero scheint hier etwas mehr zu schaffen. Bei aktiviertem Exchange-Abgleich, einem einstündigen Telefonat und etwas Surfen ist der Akku nach einem Tag in etwa halb leer. Wer zusätzlich noch GPS oder WLAN nutzt, belastet den Stromspeicher – je nach Nutzung sind also ein bis zwei Tage drin. Gelegenheitstelefonierer und -surfer schaffen es vielleicht, diesen Wert zu übertreffen.

Was die Performance angeht, gab schon der Prototyp keinen Anlass zur Kritik – und nicht anders sieht es beim Seriengerät aus. Die Bedienung klappt so, wie wir es von iPhone und Android gewöhnt sind – und es uns von so manchem Windows-Mobile-Handy wünschen würden. Zoomen und Browsen klappt schnell und problemlos.

Obwohl das Hero eine Surf-, Message- und Multimediamaschine ist, bleibt es ein Handy. Die Telefonanwendung ist intuitiv bedienbar, baut Gespräche schnell auf und die Sprachqualität bietet keinen Anlass zu Kritik.

Fazit

Ein Glück: Es sieht wirklich besser aus, als es die ersten Bilder vermuten lassen. Spätestens, wenn man mit der tollen Sense-Oberfläche vertraut ist, den Browser mit Flash-Support und Multitouch-Unterstützung wie im Schlaf nutzt und aus dem umfangreichen Android Market Programme, Spiele und Tools für alle Lebenslagen installiert hat, kommt das Haben-Will-Gefühl auf. Eigentlich ist es sogar eher ein Muss-Ich-Haben-Gefühl – denn das Hero liegt gut in der Hand, fühlt sich gut an und funktioniert erstklassig. Da ist der Retro-Look fast nebensächlich.

Damit ist das 499 Euro teure Smartphone auf Augenhöhe mit dem iPhone. Hier und da gibt es noch Potential für Nachbesserungen, aber das gilt für beide Geräte. Beim nächsten Android-Smartphone wünschen wir uns eine schnelle Kamera, einen Näherungssensor und komplette Multitouch-Unterstützung.

Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Im Test: Android-Smartphone HTC Hero (T-Mobile G2 Touch) mit Sense-Oberfläche

  • Am 29. Juni 2009 um 11:24 von Günter Frickel

    Gut? Mag sein, aber…
    …solange die Android-Smartphones allesamt so hässlich sind, kommen die mir nicht in die Tüte. Das Samsung hat zu viele Knöpfe und die HTC-Geräte sind unten abgeknickt. Was soll denn das – das ist doch nicht schön?!

  • Am 19. Juli 2009 um 23:41 von gnarf

    Sooo schlecht sieht er doch nicht aus
    Hallo,

    okay, das Design wirkt nicht ganz vollendet. Aber so schlimm ist es nun auch wieder nicht, und wenn der Hero technisch überzeugt, nehme ich das gern in Kauf. Und er überzeugt. Besser als das iPhone würde ich sagen, gut, hier und da vielleicht noch nicht auf der Höhe. Aber beim iPhone fehlen ja allein schon die Widgets. Beim Homescreen hat HTC die Zeichen der Zeit erkannt.

    Zumal es ja von Haus aus Twitter, Facebook, Flickr und so weiter gibt. Man richtet es mit ein beim ersten Einschalten, wie Google und Xchange, und kann es auf Anhieb nutzen. Das ist cool!

  • Am 21. Juli 2009 um 16:11 von life_is_pleach

    Gutes Design
    also ich finde das Design besser als das des iPhone und Co. Endlich mal etwas anderes als dieses MID Design. Gerade der Knick macht das optisch sehr gelungene Design meiner Meinung nach aus.

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