Sony Handycam HDR-XR500VE: geniale Videos, hakeliges Interface

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 16:11 Uhr

Pro
  • herausragende Videoqualität
  • Geotagging-Funktion
  • ausgezeichneter Bildstabilisator
Con
  • nerviges Menü
  • wenig manuelle Einstellungen
  • kein Windfilter
  • unhandlich und teuer
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,9 von 10 Punkte
Fazit:

Auch wenn die Geotagging-Fähigkeiten keinen revolutionären Durchbruch darstellen und das Menüsystem eine komplette Überarbeitung vertragen könnte, überzeugt der XR500 dennoch durch eine absolut herausragende Bildqualität und Leistung. Verglichen mit dem Camcorder XR520 bietet der günstigere XR500 mit 120 GByte Festplattenspeicher das bessere Preisleistungsverhältnis. Denn bereits der "Kleine" fasst über 14 Stunden Videomaterial in bester Qualität.

Mit der HDR-XR500-Serie bringt Sony die interessantesten Camcorder dieses Jahres auf den Markt. Die AVCHD-Modelle XR500 und XR520 unterscheiden sich lediglich durch ihre Speicherkapazität. Beide bringen den gut funktionierenden SteadyShot-Bildstabilisator, eine ausgezeichnete Kombination aus G-Series-Linse und Exmor-R-Bildsensor sowie ein GPS-Modul zum Geotagging mit. Leider setzt der Hersteller allerdings wieder auf die hakelige Touchscreen-Bedienung. Wir haben den HDR-XR500VE unter die Lupe genommen.

Mit der XR500 weicht Sony [1] schon fast von der Consumer-Schiene ab: Anschaffungskosten im vierstelligen Bereich dürften das Budget der Gelegenheitsfilmer deutlich übersteigen. Zudem ist der Camcorder zu sperrig für die Jackentasche und bringt selbst ohne Akku bereits ein halbes Kilogramm auf die Waage. Immerhin: Schon das „kleinere“ Modell bietet mit seiner 120-GByte-Festplatte Platz für 14,5 Stunden Video in höchster Qualität.

Design

Trotz ihrer Größe macht die Handycam ihrem Namen alle Ehre: Sie liegt gut in der Hand. Auf der Oberseite des sehr solide wirkenden Gehäuses bietet eine Vertiefung den Fingerspitzen Halt. Sämtliche Abdeckungen und Klappmechanismen machen einen robusten Eindruck.

Der Zoomschieber befindet sich exakt unter dem rechten Zeigefinger. Noch weiter hinten sitzt der nur schwer ertastbare, winzige Fotoauslöser. Die Aufnahme-Taste liegt unter dem Daumen und lässt sich bequem betätigen. Das gilt leider nicht für den Modus-Knopf: Für den Daumen ist er zu hoch und für den Zeigefinger zu weit hinten positioniert.

Vorne auf der Oberseite des Camcorders sitzt ein Fünf-Kanal-Mikrofon. Dahinter verbaut Sony einen Zubehörschuh, der sich unter einem raffinierten Slide-Mechanismus versteckt. Noch weiter hinten befindet sich ein auszieh- und nach oben schwenkbarer, elektronischer Sucher.


Die Rille auf der Oberseite sorgt dafür, dass der Camcorder sicher in der Hand liegt.

Unter der Trageschlaufe befinden sich rechts und links von der Festplatte eine Reihe von Anschlüssen, die von Kunststoffklappen verborgen sind. Vorne liegen ein proprietärer Anschluss für einen Composite- und Component-Anschluss sowie ein USB- und ein mini-HDMI-Port. An der Hinterseite sitzen Kopfhörer- und Mikrofonbuchse.

Das große Objektiv dominiert die Frontansicht der XR500. Eine elektronische Iris schützt die Optik, wenn der Camcorder ausgeschaltet ist. Links von der Linse sitzt ein Blitz, rechts unterhalb befindet sich ein Drehregler, dessen Funktion sich im Menü konfigurieren lässt. Zur Auswahl stehen beispielsweise Fokus, Belichtung und Weißabgleich. Wer noch nie einen Prosumer-Camcorder von Sony in der Hand hatte, wird mit dem Bedienelement nicht auf Anhieb zurechtkommen. Zum Treffen von Einstellungen muss der Kameramann den Knopf in der Mitte des Reglers gedrückt halten. Immerhin: Die Bedienung funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ausgezeichnet. Enttäuschend ist allerdings, dass der Camcorder keine manuellen Einstellungen zu Verschlusszeit, Blende oder Mikrofonpegel bietet. Das kann die Konkurrenz besser.

Die XR500 bringt ein 3,2 Zoll großes, hochauflösendes Touchscreen-Display mit. Auf dem Rahmen befinden sich Home-, Zoom– und Aufnahme-Tasten. Unter ihm verbergen sich eine Reihe weiterer Bedienelemente sowie ein Memory-Stick-Duo/Pro-Slot.


Klappt man das Display aus, kommen eine Reihe weiterer Bedienelemente zum Vorschein.

Ausstattung

Unterhalb des Bildschirms sitzt ein Schieber, der den GPS-Empfänger aktiviert. Der Camcorder versieht nicht nur Fotos, sondern auch Videos mit Ortsinformationen. Das Feature ist ein nettes Gimmick, funktioniert in der Praxis aber nicht immer einwandfrei. In der Innenstadt hat der Receiver beispielsweise Orientierungsprobleme. Dedizierte Navigationsgeräte finden sich hier im Gegensatz zur XR500 einwandfrei zurecht. Ist die Sicht auf den Satelliten frei, zeigt der Sony zu jedem aufgenommenem Film oder Bild die Position auf einer Karte an.

Im Gegensatz zu Fotos gibt es bei Videos keinen Standard zur Speicherung von Metadaten. Der Camcorder legt die Ortsinformationen der Clips als separate Datei ab. Wer am Computer die Positionen zu seinen Aufzeichnungen sehen möchte, kommt um die nervige Software Sony Picture Motion Browser nicht herum.

Tabelle anzeigen: Aktuelle Prosumer-Camcorder im Vergleich [2]

Tabelle anzeigen: Aktuelle Prosumer-Camcorder im Vergleich [2]

Hersteller Sony Panasonic Canon
Modell Handycam HDR-XR500 HDC-HS300 Legria HF S10 [3]
Preis 1000 Euro 1200 Euro 1160 Euro
Bildsensor CMOS; 1/2,88 Zoll 3 x 3MOS; 1/4,1 Zoll CMOS; 1/2,6 Zoll
Auflösung 6 Megapixel 3 x 2 Megapixel 6 Megapixel
Optischer Zoom 12-fach 12-fach 10-fach
Brennweitenbereich 43 – 516 mm 44,9 – 539 mm 43,5 – 435 mm
Lichstärke F1,8 – F3,4 F1,8 – F2,8 F1,8 – F3,0
Elektronischer Sucher ja ja nein
Display 3,2 Zoll 2,7 Zoll 2,7 Zoll
Touchscreen ja ja nein
Integrierter Speicher 120 GByte, Festplatte 120 GByte, Festplatte 32 GByte, Flash
Maximale Datenrate 16 MBit/s 17 MBit/s 24 MBit/s
Verschlusszeit und Blende manuell konfigurierbar nein ja ja
Geotagging ja nein nein
Zubehörschuh ja ja ja
Mikrofonanschluss ja ja ja
Kopfhöreranschluss ja ja ja
Abmessungen 13,4 x 7,5 x 7,1 cm 14,1 x 7,3 x 7,0 cm 13,6 x 7,0 x 6,9 cm
Gewicht (ohne Akku) 500 g 460 g 450 g

Mit einer Bilddiagonale von 3,2 Zoll und einer Auflösung von knapp einem Megapixel muss sich das Display nicht vor der Konkurrenz verstecken. Allerdings ist das Touchscreen-Menü – wie die der letzten Sony-Camcorder auch – unintuitiv und verwirrend aufgebaut. Es teilt sich in zwei Bereiche auf: Home und Optionen. In Home verbergen sich alle Einstellungen, die der Benutzer während dem Drehen nicht verändern kann, etwa Videoqualität, HD- oder SD-Aufnahme und Anzahl der Tonspuren.

In den Optionen-Dialog packt der Hersteller die restlichen Parameter, beispielsweise Messmethode, Belichtungsabgleich, Szenenmodi und Blitz. Klingt logisch? Gegenbeispiel: Wo verstecken sich Lächel- und Gesichtserkennung? Wir hätten auf Optionen getippt und liegen falsch. Das gilt auch für viele andere der Myriaden an Einstellungen, die der Camcorder bietet. Eine volle Übersicht über den Menüaufbau bietet die Anleitung [4].

Leistung

Die Abbildungsqualität der Linse und die Leistung des Sensors suchen bei Prosumer-Camcordern nach ihresgleichen. Die G-Series-Optik basiert auf Sonys DSLR-Objektiven und liefert noch bessere Ergebnisse als die beschichteten Zeiss-T*-Linsen der Vorgängermodelle. Die Videos sehen gestochen scharf aus und weisen keinerlei Farbsäume auf. Außerdem liegt die Naheinstellgrenze der Optik erstaunlich niedrig – damit sind auch Makroaufnahmen kein Problem.

Der Autofokus- und der Belichtungssensor arbeiten recht zügig. Allerdings hat die XR500 gelegentlich Probleme, beim Scharfstellen Vorder- und Hintergrund auseinanderzuhalten und springt mit dem Fokus hin und her. Hier schaffen die verschiedenen Messmethoden Abhilfe.

Wie gewohnt leistet der SteadyShot-Bildstabilisator ganze Arbeit. Der neu hinzugekommene Active-Modus kompensiert niederfrequentere Bewegungen als koffeininduziertes Händezittern, also beispielsweise durchs Laufen verursachte Schwankungen. Der Zuschauer bewegt sich auf den aufgezeichneten Szenen zwar immer noch nicht wie auf Schienen durch die Landschaft, aber das Feature macht einen großen Unterschied. Die Funktion lässt sich abschalten, da sie laut Sony an den Bildecken für eine abnehmende Qualität sorgen kann. Im Test stellen wir keine Verschlechterung fest.

Die Farben wirken kräftig, gesättigt und präzise. Außerdem bietet der Camcorder einen guten Dynamikbereich. Er erhält mehr Details in hellen und dunklen Bereichen als die Konkurrenz. Aufgrund der maximalen Datenrate von 16 MBit pro Sekunde gehen allerdings bei extrem detailreichen Szenen, etwa einem Springbrunnen, etliche Feinheiten verloren. Bei sehr schnell bewegten Objekten, beispielsweise einer Fahne in starkem Wind, tritt ein leichtes Flimmern auf.

Auch wenn das Prinzip der Exmor-Sensoren nicht neu ist, so halten wir mit der XR500 doch erstmals ein Serienmodell in den Händen, in dem diese Technologie zum Einsatz kommt. Laut Sony soll die neue Aufbauform des Chips die Lichtempfindlichkeit drastisch verbessern. Und tatsächlich, verglichen mit seinen Konkurrenten liefert der Sony-Camcorder bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich bessere Ergebnisse. Im Halbdunkel produziert die Videokamera noch erstaunlich scharfe Clips mit satten Farben und wenig Bildrauschen.


Beim Exmor-Sensor von Sony (rechts) liegt die Elektronik zum Auslesen der Daten unter- und nicht oberhalb der lichtempfindlichen Elemente.

Der Nachtmodus der Sony-Kamera macht außerdem einen intelligenteren Eindruck als die Pendants der Rivalen. Er hellt das Bild nur auf, wenn es tatsächlich erforderlich ist. Die Aufnahmen wirken dann ein ganzes Stück besser ausgeleuchtet, weisen aber nicht allzu viel Bildrauschen auf. Auch mit durch niedrige Verschlusszeiten ausgelösten Artefakten hat die Handycam nicht zu kämpfen. Im direkten Vergleich zu den Canon-Modellen liefert die XR500 schönere Ergebnisse im Halbdunkel. Die Nachtvideos der Sony rauschen zwar etwas stärker, glänzen aber durch bessere Farben und mehr Schärfe. Allerdings kommt der automatische Weißabgleich beider Camcorder-Hersteller mit Zwielicht nicht zurecht.

Auch der Bildschirm liegt über dem Durchschnitt. Er ist ordentlich groß und lässt sich sogar bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesen. Dank der hohen Pixelzahl funktioniert das manuelle Fokussieren ebenfalls zuverlässig. Der elektronische Sucher macht allerdings einen etwas kleinen und körnigen Eindruck. Immerhin: Auch wenn die Auflösung nicht optimal ist, sehen Farben auf dem Mini-Display dennoch sehr ordentlich aus.

Neben der Video- macht auch die Audioqualität einen guten Eindruck. Das 5.1-Mikrofon ist empfindlich, könnte aber einen Windfilter vertragen. Standbilder sehen akzeptabel aus, kommen aber trotz 12 Megapixeln bei weitem nicht an die Fotos von aktuellen Kompaktkameras heran. Die native Auflösung des Bildsensors beträgt lediglich sechs Millionen Bildpunkte. Durch die Interpolation entstehen gelegentlich hässliche Artefakte auf den Schnappschüssen.

Die einzige wirkliche Schwäche bei der Leistung zeigt die Sony Handycam im Punkt Akkulaufzeit. Nach ungefähr einer Stunde geht dem Camcorder der Saft aus.

Fazit

Beide Sony-Prosumer-Modelle – sowohl der XR500 als auch der XR520 – leiden unter einem wirren Touchscreen-Interface und dem hohen Preis. Bei einem rund 1000 Euro teuren Camcorder wünschen wir uns außerdem mehr manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Dennoch, in puncto Bildqualität haben die beiden 500er derzeit eindeutig die Nase vorne. Allerdings hält der Markt für 300 Euro weniger bereits Videokameras bereit, die den meisten Hobbykameramännern ebenfalls genügen sollten. Ein gutes Beispiel ist die Sony Handycam HDR-CX11E [5].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41006245/sony-handycam-hdr-xr500ve-geniale-videos-hakeliges-interface/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Tabelle anzeigen: Aktuelle Prosumer-Camcorder im Vergleich: #

[3] Legria HF S10: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41003075/testbericht/canon+legria+hfs100+genialer+full_hd_camcorder+mit+profifunktionen.htm

[4] Anleitung: http://pdf.crse.com/manuals/4131473311.pdf

[5] Sony Handycam HDR-CX11E: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41001584/sony+hdr_cx11e+full_hd_camcorder+mit+toller+videoqualitaet.htm