Android-Navigation CoPilot Live vs. Navigon für iPhone

von Daniel Schraeder am , 17:24 Uhr

Richtige Navi-Programme mit gesprochenen Fahranweisungen für Smartphones gibt es schon seit Jahren. Um so erstaunlicher ist es, dass gerade das Über-Handy iPhone die ersten zwei Jahre seines Lebens darauf verzichten musste. Inzwischen sind erste Lösungen verfügbar – quasi zeitglich mit den ersten Navis für das Google-Handybetriebssystem Android. Wir lassen Navigon auf einem iPhone 3G S gegen CoPilot Live auf einem HTC Magic antreten.

Im letzten Jahr konnten die Hersteller mobiler Navigationssysteme (PNDs, Portable Navigation Devices) weltweit rund 50 Millionen Geräte absetzen – kein Wunder, schließlich sind die Preise für einfache Modelle bereits auf unter 100 Euro [1] gefallen. Vielfahrer investieren durchaus etwas mehr, um zusätzliche Extras wie ein umfangreicheres Kartenmaterial, einen TMC-Empfänger zum Umfahren von Staus, Radarwarner oder eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung zu bekommen. Doch vor allem Wenignavigierer, die über ein Smartphone [2] mit großem Display verfügen, können sich den Gerätekauf sparen: Schließlich gibt es die Naviprogramme von Navigon, TomTom & Co. im gleichen Look-and-Feel fürs Handy.

Ausgerechnet das iPhone war aber bis zur Vorstellung der Betriebssystem-Version 3.0 im Juni eine Ausnahme. Die Bedingungen von Apple [3] haben es den Software-Entwicklern untersagt, entsprechende Programme bereitzustellen. Doch das ist Geschichte – und inzwischen gibt es von Navigon eine „echte On-Board-Navigation“. Auf Deutsch: Das Kartenmaterial befindet sich nicht auf den Servern des Anbieters, sondern im Gerätespeicher, und das Handy selbst übernimmt die Berechnung der Route. Somit eignet sich das entsprechend ausgestattete iPhone auch für Fahrten in den Urlaub am Gardasee – würde das Kartenmaterial nämlich auf den Servern des Anbieters liegen, wären die Kosten für die Datenübertragung im Ausland immens.

Passend zu dieser Neuvorstellung bietet ALK mit seinem CoPilot Live nun auch eine On-Board-Navi-Software samt Kartenmaterial für Smartphones mit dem Android [4]-Betriebssystem von Google [5] an, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Somit ist es der richtige Zeitpunkt, die Navigationsfähigkeiten des iPhone 3G S mit Navigon gegen die des HTC [6] Magic mit CoPilot Live antreten zu lassen. Der Kampf in 11 Runden beginnt.

Kosten

Wenn ein komplettes Navigationsgerät inklusive Kartenmaterial, Halterung und allem Drum-und-Dran bereits für unter 100 Euro zu haben ist, müssen die Programme für Handys deutlich günstiger sein. Zumindest im Falle des CoPilot Live stimmt das auch: Die Regionalversion mit Kartenmaterial von Österreich, Deutschland und der Schweiz ist für knapp 30 Euro zu haben. Wer durch ganz Europa navigieren möchte, zahlt gute 60 Euro.

Navigon langt da schon deutlich tiefer in die Tasche. Die regionale Ausführung des Mobile Navigator kostet 70 Euro, die Europakarte ist mit 99 Euro gar teurer als günstige Komplett-Geräte – die teilweise sogar mit Kartendaten von ganz Europa kommen. Ohne Aufpreis.

CoPilot 1:0 Mobile Navigator

Installation

In diesem Kapitel schlagen sich beide Anbieter tapfer. Nerviges Downloaden gibt es ebensowenig wie eine fummelige Datenübertragung oder Einrichtung per PC. CoPilot Live findet sich im Android Market auf dem HTC Magic, der Mobile Navigator von Navigon ist im App Store des iPhones verzeichnet. Das Kartenmaterial wird im Anschluss über WLAN installiert.

CoPilot 1:1 Mobile Navigator

Programmstart

Hier fällt zum ersten Mal auf, dass die Programme aus den Smartphones deutlich mehr herauskitzeln als die üblichen Market- und App-Store-Spielchen und Tools. Beim Start müssen Nutzer beider Angebote vergleichsweise lang warten. Auf dem iPhone 3G S startet der Mobile Navigator in gut acht Sekunden, der CoPilot braucht mit 12 Sekunden fast ein Drittel länger. Allerdings hat das neue iPhone auch einen schnelleren Prozessor.

CoPilot 0:1 Mobile Navigator

Menüführung

Hier treffen zwei Welten aufeinander. Während Navigon bei seinem Mobile Navigator den Stil der typischen nüchtern-strukturierten iPhone-Anwendungen beibehält, bringt ALK bei Android die Optik klassischer PND-Oberflächen mit. Beides hat Vor- und Nachteile – so finden sich beispielsweise im Hauptmenü der Navigon-Software vier mit Text beschriftete Menüpunkte (Adresse eingeben, Sonderziel suchen, Nach Hause und Karte anzeigen). Auf dem Android-Gerät gibt es deutlich größere Buttons mit bunten Bildern – insgesamt 14 Stück, verteilt auf drei Seiten. Neben Ziel, Meine Ziele oder Nahe POI verschiedene Einstellungsmöglichkeiten wie Ansichtsoptionen oder Updates. Das ist vor allem am Anfang nicht ganz so intuitiv – der Nutzer muss den Aufbau des Menüs erst verstehen. Dafür ist es beim Mobile Navigator unlogisch, dass der Anwender erst ein Ziel eingeben und die Route berechnen lassen muss, bevor er auf Optionen wie Geschwindigkeitswarunung zugreifen kann.


Die Optik des CoPilot auf dem Android-Smartphone orientiert sich an der Darstellung klassischer PNDs. Der Mobile Navigator sieht hingegen eher aus wie ein typisches iPhone-Programm.

In diesem Kapitel gewinnt der Mobile Navigator knapp. Zwar bietet er längst nicht so viele Optionen wie der CoPilot, dafür ist das Programm intuitiver in der Bedienung und bereits auf den ersten Blick hübscher anzusehen.

CoPilot 0:1 Mobile Navigator

Zieleingabe

In diesem Punkt gibt es wieder Einheit unter den Konkurrenten. Wer navigieren möchte, tippt beim iPhone auf Adresse eingeben, beim Magic auf Ziel und dann auf Adresse. Es folgen Ort, Straße und Hausnummer – fertig. In beiden Fällen taucht eine virtuelle Tastatur auf dem Touchscreen auf. Bereits beim Tippen zeigen beide Programme mögliche Suchtreffer an. Der Android-Navigator reagiert hier zwar etwas zäher als das iPhone – nach jedem getippten Buchstaben gibt es eine gefühlte Wartezeit, die das flüssige Eingeben unterbricht. Doch unterm Strich dauert das Suchen nach München auch nur ein oder zwei Sekunden länger als beim iPhone. Das ist zwar nervig, aber zu verzeihen. Apropos nervig: Welcher Entwickler hat sich beim CoPilot Live dafür entschieden, das Tastenfeld in alphabetischer Reihenfolge anstelle der Standard-QWERTZ-Tastatur einzublenden?!


Schlau: Der CoPilot Live hat bereits nach drei Buchstaben erkannt, dass wir nach München wollen. Aber die alphabetisch sortierte Tastatur ist eine Zumutung.

Auch hier gibt es einen äußerst knappen Sieg für die Navigon-Software auf dem iPhone.

CoPilot 0:1 Mobile Navigator

Routenberechnung

Direkt nach der Eingabe des Ziels passiert beim iPhone nichts. Wenn kein GPS-Empfang zur Verfügung steht, macht es zunächst nicht weiter. Es bietet nur an, eine Demonstration der Route anzuzeigen. Der CoPilot von ALK auf dem iPhone berechnet sofort den Weg zum Ziel. Steht GPS nicht zur Verfügung, nimmt das Programm die letzte bekannte Position als Ausgangspunkt.


Es kann losgehen: Die Berechnung der Strecke klappt bei beiden Programmen angenehm schnell.

Die Berechnung klappt bei beiden Geräten schnell. Wege innerhalb des Stadtgebietes und kürzere Strecken über Land sind in Sekunden durchgerechnet und es kann losgehen. Einen merklichen Unterschied zwischen den beiden Systemen können wir nicht feststellen.

Auch Neuberechnungen gehen flott von der Hand – wer eine Abfahrt verpasst oder aufgrund einer Umleitung nicht fahren kann oder will, wie es das Navi vorschlägt, bekommt nach Sekunden eine neue Fahranweisung präsentiert. Die Android-Software verhält sich dabei allerdings sturer als die auf dem iPhone: Sie versucht länger, den Fahrer über Umwege auf die ursprünglich berechnete Strecke zurückzulotsen. Der Mobile Navigator berechnet flugs eine ganz neue Route – das ist angenehmer.


Es kann losgehen: Die Berechnung der Strecke klappt bei beiden Programmen angenehm schnell. Los geht es beim iPhone aber erst, wenn GPS-Empfang zur Verfügung steht.

Unterm Strich gibt es in diesem Kapitel ein unentschieden – denn beide Lösungen haben ihre jeweiligen Stärken und Schwächen, machen ihre Arbeit aber gut.

CoPilot 1:1 Mobile Navigator

Darstellung

Beim iPhone gibt es was fürs Auge – das gilt für das Gerät wie für die Navisoftware. Es gibt die attraktive 3D-Ansicht mit Straßennetz unter blauem Himmel mit weißen Wölkchen, grüne Wälder und Orte mit Namen. Wer auf das Display tippt, bekommt sofort die 2D-Karte zu sehen und kann sie – iPhone-typisch – mit zwei Fingern vergrößern oder verkleinern und mit einem Finger verschieben. Das klappt sanft und ruckelfrei.

Die Android-Software wirkt weniger hübsch. Sie stellt die Karte auch in der sogenannten Bird-View da, also in 3D – aber es gibt keinen Himmel. Klar, das ist kein Unterschied in der Funktionalität, sieht aber einfach nicht so gut aus. Dafür sind hier – im Gegensatz zur Navigon-Lösung – auch in der dreidimensionalen Ansicht Straßennamen eingeblendet. Gelegentlich zwar nicht vollständig, aber immerhin. Außerdem erlaubt es der CoPilot, die Karte auch in der 3D-Ansicht zu verschieben. Das ist praktisch, wenn man nur kurz „hinter eine Kreuzung“ blicken möchte, denn beim Umschalten in die zweidimensionale Ansicht muss sich der Fahrer erst neu orientieren. Das lenkt ab und kostet wertvolle Hundertstel.


Blauer Himmel und weiße Wölkchen: Die iPhone-Navigation wirkt attraktiver als die auf dem Android-Smartphone – aber beide navigieren einen erfolgreich zum Ziel.

Die zusätzliche Pfeildarstellung sieht bei beiden Navi-Programmen nahezu identisch aus. Auf den ersten Blick ist klar ersichtlich, wann, wo und wohin der Fahrer das nächste Mal abbiegen soll.

Beide Lösungen verfügen darüber hinaus über Lane Assist. Dabei handelt es sich um eine Spuranzeige auf der Autobahn. Wer in die Nähe eines Autobahndreiecks oder -Kreuzes kommt, sieht auf den ersten Blick, welche Spuren er nutzen kann. Auch hier gilt wieder: Die Darstellung sieht bei der Navigon-Lösung einfach besser aus. Fast Fotorealistisch zeigt das Programm ein Bild vom Autobahndreieck an, zu sehen sind die blauen Autobahnschilder mit Beschriftung und darunter weisen Pfeile den Weg auf die richtige Spur. Nicht weniger praktisch, aber deutlich weniger attraktiv ist diese Funktion beim CoPilot: Oben zeigt das Handy alle Spuren an, farblich markiert sind die richtigen.


Kurz vor Autobahnabfahrten taucht dieser Spurassistent beim Navigon auf. Eine ähnliche Funktion hat auch der CoPilot – da erscheinen aber „nur“ simple Pfeile auf der Kartendarstellung.

Auch diesen Beitrag gewinnt der Mobile Navigator – er sieht einfach besser aus. Die Darstellung auf dem Android-Smartphone ist aber genauso funktionell.

CoPilot 0:1 Mobile Navigator

Sprachausgabe

Der Fahrer sollte aber ohnehin so selten wie nur irgend möglich auf das Display gucken müssen. Die Sprachausgaben sind somit das A-und-O der Naviprogramme – und sie sind es ja eigentlich auch erst, die den wahren Unterschied zur Routenberechnung von Google Maps & Co. machen. Denn wenn ein Beifahrer an Bord ist, ist kann er auch einfach vorlesen, was Google Maps ausspuckt.

Auf Anhieb fällt auf: Das Android-Handy spricht etwas lauter als das iPhone – sowohl direkt nach der Installation als auch bei voll aufgedrehtem Lautsprecher. Bis zur Landstraßengeschwindigkeit sind die Ansagen der leicht blechern klingenden, digitalisierten Damen problemlos zu verstehen. Auf der Autobahn kommen aber vor allem Schnellfahrer an akustische Grenzen – ab 160 km/h ist spätestens Schluss mit der perfekten Verständlichkeit, wer mit noch mehr Speed unterwegs ist, bekommt unter Umständen nicht einmal mehr mit, dass die Geräte etwas zu sagen haben.

Die Stimmen sind beide sympatisch. Häufig kommen die Ansagen während der Fahrt sogar nahezu gleichzeitig. Im Detail fällt aber auf, dass das iPhone öfters spricht – manchmal ist das nervig („in zwei Kilometern rechts und dann nach links abbiegen“), manchmal praktisch („jetzt rechts“). Beim CoPilot würden wir uns gelegentlich einen exakteren Hinweis wünschen, wo genau es jetzt lang geht. Dann hilft nur ein Blick auf das Display.

Zusammen ergibt das einen weiteren Punkt für die Navigon-Software.

CoPilot 0:1 Mobile Navigator

Praktikabilität

Doch was bedeutet es eigentlich, ein Handy als Navi zu benutzen? Etwas Stress. Denn weder der App Store noch der Android Market erlaubt den Download einer KFZ-Halterung oder eines Ladekabels für den Zigarettenanzünder – logischerweise. Aber wer sich wirklich ernsthaft von A nach B lotsen lassen möchte und nicht nur gelegentlich darauf aus ist, sich die letzten paar Querstraßen durch die Stadt führen zu lassen, kommt um dieses Zubehör nicht herum. Die Programme sind wahre Akku-Sauger – auf längeren Strecken geht Magic und iPhone ansonsten garantiert der Saft aus. Und schließlich möchte man ja auch noch telefonieren können, wenn man aus dem Auto steigt. Immerhin: Entsprechende No-Name-Adapter aus dem Zubehör kosten nur wenige Euros.


Zu schnell: Beide Naviprogramme warnen auf Wunsch bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Allerdings scheint das Kartenmaterial von Navigon hier mehr herzugeben – auch auf Landstraßen und Autobahnen tauchen die kleinen Schilder in der Ecke auf.

Das gleiche gilt auch für eine anständige Halterung. Zum Einen müsste man ansonsten sein Handy nach einer flotten Kurvenfahrt aus dem Beifahrerfußraum fischen – und das ist mindestens so ablenkend wie ein Blick in den Falk-Plan. Und zum anderen tut sich vor allem das iPhone sehr schwer mit dem GPS-Empfang, wenn es nicht direkt unter der Windschutzscheibe liegt. Aber auch hier gibt es Noname-Universalhalter für wenig Geld.

Apropos GPS-Empfang: Auf einer Autobahnauffahrt im Osten von München und kurze Zeit später auch auf der Strecke forderte der Mobile Navigator den Fahrer auf, zu wenden. Da Folgeschäden durch die Betriebshaftpflichtversicherung auch beim Test der Geräte nicht erstattet werden, hat er die Anweisung natürlich ignoriert. Doch das ist ein schönes Beispiel für die Empfangsprobleme des iPhones – denn nicht die Software macht hier Probleme. Der GPS-Empfänger hat schlicht nicht mitbekommen, dass der Fahrer schon abgebogen ist.

Dafür gibt es einen Punkteabzug für das iPhone.

CoPilot 1:0 Mobile Navigator

Fazit

Vielnavigierer sollten das Geld lieber direkt in ein richtiges PND investieren – denn die Handys haben im Vergleich kleinere und stärker spiegelnde Displays, leisere Lautsprecher, keine Halterungen und keinen Ladeadapter. Doch für Gelegentliche Wegfindungsaufgaben eignen sie sich wunderbar. Um so interessanter ist somit der Preis. Der 30 Euro teure CoPilot live für Android ist ein Schnäppchen, dass man sich durchaus leisten sollte. Wer hingegen die Europa-Version des Mobile Navigators für das iPhone kauft, bekommt für das gleiche Geld bereits ein echtes Navi.

Sicherlich wird auch kaum jemand die Kaufentscheidung für ein Smartphone von der Funktionalität der verfügbaren Naviprogramme abhängig machen. Dennoch ist dieser Vergleich ein interessanter Blick auf den Stand der Technik, der sich fast schon verallgemeinern lässt: Das iPhone sieht samt Navi besser aus, doch die Android-Konkurrenz ist praxistauglicher.

CoPilot 4:7 Mobile Navigator

Der Shoot-Out geht nach Punkten zwar auf den ersten Blick eindeutig für den Mobile Navigator auf dem iPhone aus. Doch die perfekte Lösung ist er dennoch nicht. Wir wünschten uns die Navigon-Software zum Preis des CoPilot auf dem Android-Handy, eine lautere Sprachausgabe und das nötige Zubehör gleich im Paket.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41006492/android-navigation-copilot-live-vs-navigon-fuer-iphone/

URLs in this post:

[1] bereits auf unter 100 Euro: http://www.evendi.de/preisvergleich/Navigation/ob/price/1260.html

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[4] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/