Endlich ein iPod-Ersatz? Sony Ericsson W995 Walkman

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 12:17 Uhr

Pro
  • Klinkenbuchse für den Kopfhörer
  • Kamera schießt ordentliche Bilder
  • gute Qualität bei Musikwiedergabe
  • hochwertige Stereo-Lautsprecher
  • WLAN
  • UKW-Radio
Con
  • Kamera reagiert zu langsam
  • Podcast-Verwaltung ist kompliziert
  • Youtube-Videos ruckeln
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis: 380 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Beim W995 Walkman macht Sony Ericsson, was der Hersteller am besten kann: Er baut ein attraktives, einfach zu benutzendes MP3-Handy mit hervorragenden musikalischen Qualitäten, einer überdurchschnittlichen Kamera und einer Standard-Buchse zum Anschluss von Kopfhörern. Wer nicht unbedingt einen iPod von Apple haben möchte, kann also endlich auf ein Gerät verzichten - und seinen MP3-Player aus der Hosentasche verbannen.

Walkman-Handys sollen MP3-Player ersetzen – das zumindest ist der Plan der Musikhandys von Sony Ericsson. Bislang klappte das aber nur mit Einschränkungen: So war beispielsweise zum Anstecken eines hochwertigen Kopfhörers ein Adapter nötig. Das neue W995 ist das erste Walkman-Handy mit Klinkenbuchse. Wir haben getestet, ob der zusätzliche Anschluss reicht, um wirklich auf den iPod verzichten zu können.

Mit dem W995 Walkman-Handy ist Sony [1] Ericsson ein Meisterstück gelungen. Der Hersteller hat zwar mit seinem Satio (früher: Idou) bereits einen All-In-One-iPhone-Killer angekündigt, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll – doch bereits das Walkman-Handy W995 haut uns schier vom Hocker. Dieses Gerät hält tatsächlich, was der Name Walkman verspricht – inklusive Standard-Anschluss für Kopfhörer. Dazu gesellt sich dann noch eine 8,1-Megapixel-Kamera, die auch noch ordentliche Schnappschüsse macht.

Paradies für Kopfhörer

Wir sind schon seit langer Zeit große Fans der Walkman-Handys von Sony Ericsson, doch bislang gab es immer einen großen Haken: den proprietären Kopfhöreranschluss. Zwar legt der Hersteller häufig – etwa bei seinem W705 Walkman – einen Adapter mit in den Karton, doch der ist eigentlich nur beim Telefonieren wirklich zu gebrauchen. Schließlich ist sein Verbindungskabel schon einen Meter lang – wer dann noch Kopfhörer mit langer Schnur anschließt, muss aufpassen, sich damit nicht ausversehen zu erwürgen. Darüber hinaus belegt der Adapter den USB-Anschluss des Handys. Wer also neue Songs aufspielen möchte, muss die Kopfhörer abstecken. Das nervt.

Schon vor Monaten gab es erste Gerüchte, die uns den Atem anhalten ließen: Das W995 soll das erste Walkman-Handy mit Klinkenbuchse sein. Wir haben den Atem angehalten – und wurden nicht enttäuscht. Der unscheinbare 3,5-Millimeter-Anschluss befindet sich in der Mitte der Oberseite. Den proprietären USB-Anschluss gibt es immer noch und sogar der Adapter auf Klinke ist noch dabei – somit können Käufer des W995 zwei Kopfhörer zugleich anstecken.

Wir haben den Sound des Walkman-Handys mit dem von hochwertigen, dedizierten MP3-Playern verglichen. Selbstverständlich kamen dabei qualitativ hochwertige Musikdateien mit hoher Bitrate und sehr gute Kopfhörer von Audio Technica zum Einsatz. Das Ergebnis ist ordentlich: Selbst empfindliche Ohren nehmen kaum Unterschiede wahr.

Neben einem UKW-Radio bringt das W995 noch ein paar weitere Musikfunktionen mit. TrackID beispielsweise ermittelt Interpreten und Titel eines Songs, wenn der Nutzer wenige Sekunden eines Liedes aufzeichnet, das beispielsweise in einer Bar oder im Radio läuft. Und SenseMe ordnet die Musik des Nutzers grafisch ein – zwischen fröhlich und traurig sowie schnell und langsam.

Stereo-Lautsprecher on Board

Sony Ericsson hat anstelle eines kleinen Lautsprecherchens, das seinen Namen nicht verdient, zwei richtige Stereoboxen eingebaut. Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass sie größer sind als die der meisten Handys. Das macht sich bemerkbar, denn sie geben bei überraschend hoher Lautstärke noch einen ordentlichen Klang wieder. Um die Party wirklich durchstarten zu können, klappt der stolze Handybesitzer den Standfuß des W995 aus. Er wirkt zwar etwas billig, doch das Sounderlebnis nimmt noch einmal ein gutes Stück zu, wenn der Walkman nicht flach auf dem Tisch legt. Außerdem ist eine Radioantenne integriert. So hören Fans ihren Lieblingssender, ohne einen Kopfhörer anstecken zu müssen.

Die Steuerung des MP3-Players ist auch im zusammengeschobenen Zustand des Sliders möglich. Dafür gibt es explizite Tasten auf der rechten Seite. Die sind allerdings so klein, dass sie sich mit dem Daumen kaum erfühlen lassen. Beim nächsten Walkman-Handy mit Kopfhörerbuchse hätten wir die Knöpfe lieber auf der Vorderseite.

Auch der Walkman-Button ist von der Front auf die Seite gewandert. Doch das ist sogar eine gute Sache, denn er lässt sich besser erfühlen und drücken als bei früheren Modellen. Wer ihn gedrückt hält und das Handy schüttelt, aktiviert den Shuffle-Modus, beim Kippen nach rechts oder links überspringt der Player Songs und Bewegungen nach oben oder unten regeln die Lautstärke. Diese Art der Steuerung macht Spaß und ist, nach kurzer Eingewöhnung, auch wirklich praktisch. Außerdem reagiert das Handy auf kleine Bewegungen – man muss also nicht wie wild in der Gegend herumfuchteln.

Media Go überzeugt

Neben der Klinkenbuchse gibt es eine zweite Premiere beim W995: Endlich ist die neue Media-Go-Software dabei. Das Programm überträgt Musik, Videos und Fotos vom und zum Handy – und zwar über USB oder Bluetooth. Bereits auf den ersten Blick erinnert das Programm an iTunes. Auch unabhängig von der Optik ist es eine gigantische Weiterentwicklung im Vergleich zur früheren Version. Allerdings gibt es hier keinen integrierten Musikshop.

Neben der Übertragung von Musik hatten wir auch keine Probleme beim Senden von Videodateien in den Formaten AVI, MP4 und WMV. Unsere testweise in den 8 GByte großen Gerätespeicher übertragenen Clips sehen auf dem Handydisplay wirklich gut aus. Dank des integrierten Beschleunigungssensors dreht sich der Inhalt des Players automatisch vom Hoch- ins Querformat mit.

Wer sich von Programmen zur Verwaltung von Musik & Co. auf einem Handy mehr genervt als unterstützt fühlt, darf sich freuen: Das W995 arbeitet auch mit Standard-Tools wie Media Monkey zusammen. Pech haben Nutzer von Mac OS X: Den Media Manager gibt es derzeit lediglich für Windows.

Lahme, scharfe Knipse

Der Hersteller hat an der Kamera nicht gespart. Sie nimmt Fotos mit beeindruckenden 8,1 Megapixeln auf und arbeitet dank LED-Fotolicht auch noch im Dunkeln zufriedenstellend. Wer es schafft, das Handy beim Knipsen still zu halten, bekommt beeindruckend scharfe Bilder mit geringem Rauschen. Allerdings ist die Cam offensichtlich ziemlich lahm: Wer die Hand nicht völlig ruhig hält, sieht nur verwackelte Ergebnisse. Außerdem gibt es eine erschreckende Auslöseverzögerung von etwa zwei Sekunden. Nach dem Knipsen dauert es dann noch ein paar Sekunden, bis die Bilddaten auf der Speicherkarte abgelegt sind – spontane Schnellschüsse sind also Glückssache.

Gadget-Fans freuen sich über eine simple Bildbearbeitungsfunktion namens PhotoDJ. Hier lassen sich grundlegende Einstellungen setzen – etwa zu Helligkeit und Kontrast. Allerdings reagiert auch diese Software vergleichsweise lahm.

Youtube ist keine Stärke

Bereits der erste Blick auf das Datenblatt sorgt für ein verschmitztes Lächeln in den Gesichtern von Youtube-Fans. WLAN und UMTS? Alles da, was für kurze Wartezeiten beim Streamen von Web-Clips nötig ist. Doch der Youtube-Player enttäuscht leider ebenso wie der RSS-Reader. Das Programm ist zwar leicht zu bedienen, doch die Videoqualität ist speziell bei Nutzung der UMTS-Verbindung maximal mittelmäßig. Der Stream wirkt schlicht viel zu stark komprimiert. Besserung ist nur bei der Nutzung von WLAN zu erwarten.

Das Hinzufügen von neuen RSS-Abonnements klappt übrigens intuitiv über den Webbrowser des Walkman-Handys. Nervig ist jedoch das spätere Bearbeiten der Abos.

Fazit

Endlich ist die letzte große Hürde genommen: Das W995 von Sony Ericsson ist das erste Musik-Handy, das den dedizierten MP3-Player ersetzt. Die Audio-Wiedergabe ist hervorragend, die Kopfhörerbuchse sollte schon längst Standard sein und inzwischen gibt es eine ordentliche Software zur Übertragung von Musik. Somit bietet dieses Handy nun alles, was Musik-Fans wirklich brauchen. Einige der vorinstallierten Programme sind zwar nur mittelmäßig, doch das kann die Bilanz des Walkman-Phones nicht verhageln. Schließlich sieht es gut aus und ist leicht zu bedienen.

Die 8,1-Megapixel-Kamera ist das Tüpfelchen auf dem „i“ – gerne verzeiht man ihr die langsame Reaktion. Schließlich ist das W995 ein MP3-Player.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/