Kino für die Hosentasche: Mini-Beamer im Vergleich

von Pascal Poschenrieder am , 17:00 Uhr

Wer zu Hause echtes Kinofeeling erleben möchte, kauft sich einen Beamer. Jetzt soll das ganze auch unterwegs funktionieren. Mini-Projektoren werfen Videos von Handys oder Speicherkarten mobil mit Bilddiagonalen von bis zu 1,5 Metern an die Wand. Wir haben die verfügbaren Geräte verglichen.

Wer sich während der langen Zufahrt in den Urlaub langweilt, holt sein Handy [1] aus der Tasche und sieht sich Casino Royale an. Doch auf dem winzigen Handydisplay kommt auch keine Spannung auf. Dazu bedarf es schon Bilddiagonalen von über einem Meter. Diese passen aber nicht in die Hosentasche – zumindest nicht als Display.

Ein Beamer [2] wäre nun die Lösung. Allerdings sind Heimkinoprojektoren schwer, klobig und echte Stromfresser. Das gilt aber nicht für alle Beamer: Die LED-Technologie ermöglicht Geräte, die gerade mal so groß sind wie ein Handy und damit in jede Hosentasche passen. Zwar erreichen sie nicht die Helligkeitswerte und Bildgrößen ihrer ausgewachsenen Brüder fürs Heimkino [3], dafür kommen sie mit Akku und somit ohne Steckdose aus. Wer so ein Gerät besitzt, wirft das nächste mal einfach den neusten Kinofilm an die Trennwand im Zugabteil. Damit vertreibt er nicht nur seine eigene Langeweile, sondern gewinnt auch noch neue Freunde.

Geräteauswahl

Momentan sind sieben Projektoren erhältlich, die klein genug für die Hosentasche sind. Alle bringen einen eingebauten Akku für die Stromversorgung mit. Preislich bewegen sich die kleinen Beamer zwischen 200 und 350 Euro. 3M verkauft mit seinem MPro110 ein 315 Euro teures Gerät. Der Hersteller Aitpek hat gleich drei Modelle im Angebot, den PocketCinema T10 für 200 Euro, den PocketCinema v10 für 250 Euro und den PocketCinema v10 PLUS für 310 Euro. Der PX50 von Easypix wechselt ab einem Preis von 250 Euro den Besitzer. Optomas Pico PK101 ist ab 240 Euro erhältlich. Das teuerste Modell kommt von Samsung [4]. Dafür bietet der MBP200 auch die reichhaltigste Ausstattung und hat sogar ein LC-Display für die Bedienung an Bord. Eine ausführliche Übersicht über die Ausstattung aller Geräte findet sich in der Tabelle am Ende des Artikels [5].

Bild

Mini-Beamer sollen für mehr Kinofeeling beim mobilen Ansehen von Filmen sorgen. Aus diesem Grund ist ein gutes Bild das wichtigste Kriterium bei der Kaufentscheidung.

Das größte Problem der Mini-Beamer ist ihre geringe Helligkeit. Bei der LCoS-Technologie [6] kommt eine LED [7] zum Einsatz, bei DLP [6]-Modellen sind es in der Regel drei. Sie erzeugen das gesamte Licht, das auf der Leinwand oder der Trennwand im Zug landet. Dementsprechend niedrig sind die Helligkeitswerte. Sie liegen zwischen 6 und 10 ANSI-Lumen. Heimkinoprojektoren schaffen etwa 1200 ANSI-Lumen. Die Folge: Wer bei Tageslicht ein Bild mit einer Diagonalen von einem Meter an die Wand projiziert, sieht, dass er nichts sieht. Entweder muss der Projektionsabstand und somit auch die Bildgröße reduziert werden, oder Filmfans müssen auf den Sonnenuntergang warten – oder sich zumindest ein sehr schattiges Plätzchen suchen.

Da die Helligkeit der Geräte so gering ist, fällt auch der Kontast eher mager aus. Zwar geben einige Hersteller hier Werte von sagenhaften 1000:1 an, diese sind aber unrealistisch. In der Regel schaffen die Geräte eher einen Kontrast von 100:1 – wenn überhaupt. Dennoch, bei wenig Umgebungslicht genügt das, um einen Film anzusehen.


Der PX50 von Easypix löst ordentliche 640 mal 480 Pixel auf.

Neben Helligkeit und Kontrast spielt auch die Auflösung eine Rolle bei der Bildqualität. Gerade ein Beamer, der recht große Bilddiagonalen erreicht, sollte eine hohe Auflösung schaffen. Andernfalls sieht das projizierte Bild eher nach einer Pixelwüste aus als nach einem Kinofilm. Die verglichenen Geräte schaffen maximal 640 mal 480 Pixel, also nicht einmal die Fernsehauflösung PAL [8]. Trotzdem sieht das Bild bei Diagonalen von bis zu einem Meter noch ordentlich aus. Das ist bei der niedrigsten Auflösung der Vergleichsmodelle, 480 mal 320 Pixel, nicht mehr der Fall. Hier sind einzelne Bildpunkte auch bei großem Abstand zum Bild noch auszumachen.

Natürlich verbessert sich die Qualität bei geringerem Projektionsabstand – und somit bei kleinerer Bildgröße. Die minimale Bildgröße der Beamer im Vergleich liegt bei 12,7 Zentimetern. Das ist kaum größer als ein Handydisplay. Der Screen des iPhone misst beispielsweise auch schon 8,9 Zentimeter. Maximal schaffen sie 1,5 Meter Diagonale. Allerdings ist dazu ein Projektionsabstand von 2,6 Metern notwendig. Dadurch nimmt die Helligkeit so stark ab, dass das Bild nur noch bei einer Nachtfahrt im Schlafabteil sichtbar ist.

Quellen

Da der Beamer Handyvideos anzeigen soll, muss er sich auch mit dem Mobiltelefon verbinden. Alle Geräte im Vergleich bringen hierfür einen Composite-Video [9]-Eingang mit. Die meisten Smartphones mit Videoplayer verfügen über diesen Ausgang. Allerdings ist ein spezielles Kabel notwendig. Ist es nicht im Lieferumfang des Handys enthalten, muss es nachgekauft werden. Derartige Kabel kosten zwischen 10 und 30 Euro. Einige der Mini-Projektoren verfügen zudem über einen VGA [10]-Anschluss. So ist auch das Verbinden mit dem Notebook [11] möglich.


Samsungs MBP200 hat ein Display an Bord, mit dem Anwender auf seinen integrierten Mediaplayer zugreifen.

Einige der Beamer bringen das Videomaterial sogar selbst mit. Sie verfügen über integrierten Speicher oder einen Speicherkartenslot. Ein eingebauter Mediaplayer spielt die dort lagernden Multimediadateien dann direkt ab. Allerdings ist die Formatunterstützung bei den meisten Mini-Beamern sehr begrenzt: Sie zeigen lediglich JPEG-Fotos an, spielen MP3-Musik und beherrschen einige wenige Videoformate. Zwar legen die Hersteller eine Software zum Umwandeln vorhandener Filme bei, das ist aber umständlich und kostet Zeit. Lediglich Käufer des Samsung-Modells können sich das lästige Umwandeln sparen. Der MBP200 gibt fast jedes Format wieder. Er öffnet sogar Office-Dokumente und PDF-Dateien. So eignet er sich auch für mobile Präsentationen. Zur Auswahl der Dateien integriert der Hersteller ein LC-Display in seinem Gerät. Allerdings ist der MBP200 dafür mit einem Preis von 350 Euro auch der teuerste im Vergleich.

Sound

Da selbst der beste Horrorfilm ohne Ton nicht einmal das größte Weichei erschreckt, verbauen viele Hersteller Lautsprecher in ihre Hosentaschenbeamer. Die sind aber mit einer Gesamtleistung von maximal 1 Watt bei allen Geräten zu schwach, um für Gruselstimmung zu sorgen. Dennoch, für Dialoge genügt die Leistung – vorausgesetzt, es ist sonst ruhig. Für lärmende Umgebung bringt das Samsung-Gerät einen Kopfhörerausgang mit. Käufer anderer Modelle benötigen hierfür einen zusätzlichen Adapter.

Strom

Um Videos mobil und kabellos an die Wand zu werfen, besitzen alle Mini-Beamer einen integrierten Akku. Allerdings hat die Mobilität Grenzen: Selbst das Modell mit der längsten vom Hersteller angegebenen Laufzeit macht bereits nach zwei Stunden schlapp. In der Praxis dürfte der Stromspeicher bei hellen Bildern sogar noch deutlich schneller leer sein. Wer also einen ganzen Spielfilm am Stück genießen möchte, braucht kein Gerät zu kaufen, bei dem die Herstellerangabge schon bei unter einer Stunde liegt. Und selbst bei einer angegebenen Laufzeit von 2 Stunden könnte es bei einem Spielfilm knapp werden. Deshalb sind die Mini-Beamer eher etwas für Serien.

Zum Aufladen der Akkus liefern die Hersteller Netzteile mit, die die Stromspeicher mittels USB-Port am Beamer mit Energie befüllen. Das ist praktisch, da sich die Projektoren so auch über den USB-Port des Notebooks laden lassen. Wer also sein Netbook als Filmquelle nützt, versorgt auch gleich den Beamer mit Strom. Allerdings passt es nicht in die Hosentasche. Daher eigenen sie sich eher weniger als portable Stromversorgung. Bessere Alternativen sind ein zweiter Akku oder Zusatzakkus [12] für Handys. Diese verfügen häufig über einen USB-Anschluss. Manche haben sogar eine Solarzelle an Bord [13].


Glaubt man der Herstellerangabe, so hält Optomas Mini-Beamer Pico PK101 mit einer Akkulaufzeit von 120 Minuten am längsten durch.

Fazit

Die Mini-Beamer sind noch weit davon entfernt, mobil für echtes Kinofeeling zu sorgen. Dennoch macht das Ansehen von Ice Age 3 so deutlich mehr Spaß, als auf dem Handydisplay. So erkennt man immerhin, das Scrat in Ice Age eine Eichel jagt. Auf dem Bildschirm des Mobiltelefons ist das deutlich schwerer. Zwar wird das in einem hellen Zugabteil bei großer Bilddiagonale auch nicht leicht, hier müssen Filmfans aber einfach nur den Beamer etwas näher an die Trennwand des Abteils bewegen.

Trotzdem, um einen echten Nutzwert zu haben, müssen die Geräte noch heller werden. Außerdem sollten die Hersteller an den Laufzeiten der integrierten Akkus arbeiten. Wenn die Preise für die Projektoren dann noch unter 200 Euro fallen, finden sie sich bestimmt in vielen Hosentaschen wieder.

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Wir haben nachgefragt, was die Verbraucher von den Mini-Beamern halten.

Mini-Beamer im Vergleich

Tabelle anzeigen: Mini-Beamer im Vergleich [14]

Mini-Beamer im Vergleich [14]

Hersteller 3M Aiptek Aiptek Aiptek Easypix Optoma Samsung Hersteller
Produkt MPro110 PocketCinema T10 PocketCinema v10 PocketCinema v10 PLUS PX50 Pico PK101 MBP200 Produkt
Preis 315 Euro 200 Euro 250 Euro 310 Euro 250 Euro 240 Euro 350 Euro Preis
Technologie LCoS LCoS LCoS LCoS LCoS DLP DLP Technologie
Auflösung 640 x 480 Pixel 640 x 360 Pixel 640 x 480 Pixel 640 x 480 Pixel 640 x 480 Pixel 480 x 320 Pixel 480 x 320 Pixel Auflösung
Helligkeit 7 Lumen 6 Lumen 10 Lumen 10 Lumen 10 Lumen 10 Lumen 8 Lumen Helligkeit
Kontrast 1000:1 k. A. k. A. k. A. k. A. 1000:1 1000:1 Kontrast
Bildformat 4:3 16:9 4:3 4:3 4:3 4:3 4:3 Bildformat
Bildgröße 12,7 – 127 cm 15 – 127 cm 15 – 127 cm 15 – 127 cm 15 – 127 cm 15 – 150 cm bis 127 cm Bildgröße
Projektionsenfernung 21 – 230 cm 25 – 180 cm 21 – 180 cm 21 – 180 cm 25 – 180 cm 25 – 260 cm k. A. Projektionsenfernung
Schnittstellen 1 x Composite-Video, 1 x VGA 1 x Composite-AV, 1 x USB (nur Laden des Akkus) 1 x Composite-AV, 1 x Kartenslot (SD, SDHC, MMC, MS Pro), 1 x USB 1 x Composite-AV, 1 x Kartenslot (SD, SDHC, MMC, MS Pro), 1 x USB 1 x Composite-AV, 1 x Kartenslot (SD, MMC, MS Pro) 1 x Composite-AV, 1 x USB 1 x Composite-AV, 1 x USB, 1 x Kartenslot (MicroSD), 1 x Audioausgang Schnittstellen
Integrierter Speicher 1 GByte 2 GByte 1 GByte 200 MByte Integrierter Speicher
Integrierter Mediaplayer JPEG, MP3, MPEG-4 (ASF), MJPEG (AVI) JPEG, MP3, MPEG-4 (ASF), MJPEG (AVI) JPEG, MPEG-4 (ASF), MJPEG (AVI) Microsoft [15]-Office, PDF, HTML, TXT, JPEG, GIF, PNG, BMP, WBMP, TIF, MP3, AAC, WMA, OGG, WAV, AC3, AVI, ASF, MPG, MP4, WMV, SVI, MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, DivX, Xvid, WMV Integrierter Mediaplayer
Integrierte Lautsprecher 2 x 0,5 W 2 x 0,5 W 2 x 0,5 W 2 x 0,5 W 1 x 0,5 W 1 x 1 W Integrierte Lautsprecher
Akku Li-Ion, 1050 mAh Li-Ion, 1600 mAh Li-Ion, 1800 mAh Li-Ion, 1800 mAh Li-Ion, 1800 mAh k. A. Li-Ion, 1480 mAh Akku
Akkulaufzeit 40 – 60 Minuten 60 – 100 Minuten k. A. k. A. 60 Minuten 120 Minuten 80 Minuten Akkulaufzeit
Abmessungen 11,5 x 5,0 x 2,2 cm 12,5 x 5,9 x 2,5 cm 12,5 x 5,5 x 2,3 cm 12,5 x 5,5 x 2,3 cm 12,5 x 5,5 x 2,3 cm 10,3 x 5,0 x 1,5 cm 10,7 x 4,9 x 1,9 cm Abmessungen
Gewicht 160 g 160 g 160 g 160 g k. A. 115 g 160 g Gewicht
Lieferumfang Akku, Netzteil, Ladekabel, Video-Kabel, VGA-Kabel, RCA-Adapter Akku, Netzteil, AV-Kabel, Stativ, Tasche, Kurzanleitung Fernbedienung, Akku, Netzteil, USB-Kabel, AV-Kabel, Stativ, Tasche, Software CD, Kurzanleitung Fernbedienung, Akku, Netzteil, USB-Kabel, AV-Kabel, Stativ, Tasche, Software CD, Kurzanleitung Akku, Netzteil, AV-Kabel, USB-Kabel, Kurzanleitung, Stativ, Tasche, Trageschlaufe, Treiber-CD, AV Media Convertor 2 x Akku, Netzteil, USB-Kabel, AV-Kabel, Ledertasche, Stativadapter Akku, Netzteil, Ladekabel, Ladebox, AV-Kabel, VGA-Kabel, USB-Kabel, 4-GByte-MicroSD-Karte, Stereo-Headset, Leinwandständer, Aufbewahrungsbeutel Lieferumfang
Garantie 2 Jahre 1 Jahr 1 Jahr 1 Jahr 2 Jahre 2 Jahre 2 Jahre Garantie

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41500226/kino-fuer-die-hosentasche-mini-beamer-im-vergleich/

URLs in this post:

[1] Handy: https://www.cnet.de/tests/handy/

[2] Beamer: https://www.cnet.de/tests/display/archiv/i3T1/

[3] Heimkino: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41005014/elf+full_hd_beamer+unter+2000+euro+grosses+heimkino+zum+kleinen+preis.htm

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] Tabelle am Ende des Artikels: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41500226/page/3/kino+fuer+die+hosentasche+mini_beamer+im+vergleich.htm

[6] LCoS-Technologie: https://www.cnet.de/praxis/specials/39189858/von+lcd+bis+dlp+wie+heimkino_projektoren+funktionieren.htm

[7] LED: http://de.wikipedia.org/wiki/LED

[8] PAL: http://de.wikipedia.org/wiki/PAL

[9] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[10] VGA: http://de.wikipedia.org/wiki/Video_Graphics_Array

[11] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[12] Zusatzakkus: http://cgi.cnet.de/alpha/artikel/handys/200906/mophie-juice-pack-bringt-eine-bessere-akkuleistung-furs-iphone.htm

[13] Solarzelle an Bord: http://cgi.cnet.de/alpha/artikel/solar/200812/solar-keychain-handy-mit-dem-schlusselanhanger-aufladen.htm

[14] Tabelle anzeigen: Mini-Beamer im Vergleich: #

[15] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/