Sigma DP2 im Test: Foveon-Spezialist für Fotoenthusiasten

von Rod Lawton und Stefan Möllenhoff am , 15:10 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Detailwiedergabe
  • solides und ansprechendes Design
  • gute Software im Lieferumfang
Con
  • bei hohen ISO-Empfindlichkeiten stark nachlassende Bildqualität
  • mäßiges Display
  • teuer
Hersteller: Sigma Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Die Sigma DP2 ist eine Kamera für Könner und Kenner, die mit einer Vielzahl manueller Bedienelemente, tollem Design und genialer Detailschärfe überzeugt. Schnappschussfotografen sollten sich allerdings besser nach einem anderen Modell umsehen.

Mit der DP2 bringt Sigma eine Digitalkamera auf den Markt, die an analoge Fotoapparate des letzten Jahrtausends erinnert. Der Foveon-X3-Sensor ähnelt vom Aufbau her eher traditionellen Filmen als aktuellen CMOS- und CCD-Chips. Auf Spielereien wie Lächelerkennung und HD-Videomodus verzichtet der Hersteller komplett. Dieser Testbericht zeigt, ob sich die Investition von rund 540 Euro lohnt.

RAW-Bilder mit 4,7 Megapixeln klingt nach wenig. Fast nach letztem Jahrtausend? Nicht, wenn ein Foveon-Sensor dahintersteckt. Denn bei diesem Chip stammt die Information für jeden Pixel aus drei verschiedenen lichtempfindlichen Elementen, die sich in unterschiedlichen Schichten übereinander befinden – wie bei analogen Filmen. Damit entfällt eine Interpolation, wie sie bei der CCD- und CMOS-Technologie stattfindet.

Stärken

In puncto Bildqualität lässt die Sigma DP2 sämtliche Kompaktkameras mühelos hinter sich. Sie bewegt sich auf dem Niveau von digitalen Spiegelreflexkameras mit einer Auflösung von 10 bis 12 Megapixeln. Sowohl Schärfe als auch Farben überzeugen auf der ganzen Linie.

Beim Design kann die DP2 ebenfalls punkten. Sie verzichtet auf Schnörkel und Spielereien. Stattdessen ist das Gehäuse der Kamera schlicht, viereckig und bietet genau die Bedienelemente, die die gute alte analoge SLR auch mitbrachte. Es gibt Programmfunktion und manuellen Modus sowie Blenden- und Belichtungspriorität. Szenenprogramme, Gesichtserkennung, intelligente Automatik? Fehlanzeige – nicht einmal einen Zoom bietet die Sigma.

Sigma DP2 Testfoto [1]

Das Testfoto weist eine leichte tonnenförmige Verzerrung auf. Außerdem wirkt die Aufnahme etwas grünlich. Im Freien liefert die Kamera allerdings tolle Farben und erstaunlich scharfe Details (zum Vergrößern auf das Bild klicken, 2,3 MByte – Originalfoto).

Die DP2 verfügt über einen Autofokus. Daneben gibt es auch die Option zum manuellen Scharfstellen. Dies erfolgt allerdings nicht via vergrößertem Bildausschnitt auf dem Display, sondern mittels eines überstehenden Rädchens auf der Oberseite der Kamera. Das Drehelement beschriftet der Hersteller mit Entfernungsangaben. Damit lässt sich in Zusammenhang mit der gewählten Blende und der damit verbundenen Tiefenschärfe auch „blind“ aus der Hüfte schießen. Praktisch, wenn es schnell gehen muss.

Die mitgelieferte Software Sigma Photo Pro ist ebenfalls erwähnenswert. Sie ist darauf ausgerichtet, aus den RAW-Bildern, die der Foveon-X3-Sensor liefert, die bestmöglichen Ergebnisse hervorzubringen. Zwar schießt die DP2 auch JPEG-Aufnahmen, doch mit RAW-Material lassen sich deutlich bessere Resultate erzielen.


Praktisch: Auf dem Fokusrädchen befinden sich Entfernungsangaben.

Schwächen

Ein paar Nachteile gibt es allerdings auch bei der Sigma. Wie die Vorgängerin DP1 kämpft die Kompaktkamera mit einer langsamen Bildverarbeitung. Der Puffer fasst außerdem lediglich drei RAW- oder vier JPEG-Aufnahmen.


Während die DP2 erfreulich klar strukturierte Bedienelemente mitbringt, kann das 2,5 Zoll große Display nicht überzeugen.

Das 2,5-Zoll-Display lässt zu wünschen übrig. Selbst extrem günstige Kompaktkameras wie die Nikon Coolpix S220 [2] bringen bessere Bildschirme mit. Trotz der Auflösung von 230.000 Pixeln wirkt die Anzeige körnig und leblos.

Immerhin: Der Hersteller bietet einen optischen Sucher für den Zubehörschuh an. Der Sigma VF-21 kostet zwar knapp 140 Euro, ist dafür aber sehr hell und gut zu erkennen.

Der Foveon-Sensor übertrifft bei guten Lichtverhältnissen zwar die Konkurrenz, muss sich bei Empfindlichkeiten oberhalb von ISO 800 allerdings zumindest Einsteiger-DSLRs geschlagen geben. Mit den winzigen Chips von Kompaktkameras hält die Sigma immer noch mit.

Sigma DP2 Testfoto [3]

Der Foveon-X3-Sensor löst Details bis auf Pixelebene klar und deutlich auf. Das ist auch der Grund, warum auf dem Testbild stellenweise Interferenzmuster auftreten. In puncto Auflösung steht der Chip mit 10- bis 12-Megapixel-DSLRs auf einer Stufe (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Ach ja, die beinahe obligatorische Videofunktion bringt die DP2 ebenfalls mit. Bei einer Auflösung von 320 mal 212 Pixeln ist diese allerdings kaum erwähnenswert.

Fazit

Bei der Sigma DP2 handelt es sich um einen teuren Spezialisten, der einiges an Know-How voraussetzt. Fotografen der alten Schule werden die Kamera für ihr Retro-Design und die manuellen Bedienelemente lieben. Hightech-Junkies dagegen werden sich über fehlende Funktionen wie HD-Videomodus, Lächel- und Gesichtserkennung oder intelligente Automatik ärgern. Das Wichtigste, nämlich die Bildqualität, überzeugt auf der ganzen Linie. Man muss sich nur über die veraltet klingenden 4,7 Megapixel hinwegsetzen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41500334/sigma-dp2-im-test-foveon-spezialist-fuer-fotoenthusiasten/

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[1] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2009/07/0907_sigma_dp2_testfoto_gr.jpg

[2] Nikon Coolpix S220: https://www.cnet.de/tests/digicam/41500223/testbericht/nikon+coolpix+s220+gut+ausgestattete+schnappschusskamera.htm

[3] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2009/07/0907_sigma_dp2_sensor_gr.jpg