Multitouch-Handy mit durchsichtiger Tastatur: LG Crystal GD900

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 12:46 Uhr

Pro
  • cooles, durchsichtiges Tastenfeld
  • schnelle Internetverbindung über WLAN und HSDPA
  • unterstützt Multitouch
Con
  • unspektakuläre Widgets
  • schwache Fotos für eine 8-Megapixel-Kamera
  • reagiert teilweise zäh
  • häufige Fehleingaben, da alles auf Berührungen reagiert
Hersteller: LG Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das transparente Tastenfeld unterhalb des Touchscreen-Displays des LG GD900 Crystal sieht cool aus, ist aber eigentlich wenig sinnvoll. Und gleich zwei berührungssensitive Bereiche - Anzeige und Tastatur - provozieren ungewollte Fehleingaben geradezu. Ansonsten überzeugt das Gerät mit seiner guten Aussstattung. Leider sind einige der Funktionen aber nicht sonderlich gut implementiert.

LG prescht mit einer neuen Design-Idee vor: Das GD900 Crystal verfügt über ein durchsichtiges Tastenfeld unterhalb seines Multitouch-Displays. Auch die übrige Ausstattung kann sich sehen lassen: Es gibt eine 8-Megapixel-Kamera, WLAN, UMTS und die schnelle Internet-Verbindung HSDPA. Wir haben getestet, ob das Handy auch in der Praxis überzeugt.

Wir stehen auf Sachen, die einfach nur cool aussehen – auch, wenn sie ansonsten vielleicht nichts können. Oder zumindest nicht sonderlich viel. Das LG [1] GD900 Crystal geht ein Stück in diese Richtung: Es ist bis zum Anschlag ausgestattet mit Hightech, Gimmicks und Gadgets. Doch einige dieser Punkte und deren Implementierung stehen einer guten Bedienbarkeit im Weg. So reicht selbst das durchsichtige Tastenfeld nicht aus, um dieses Handy auf die Liste unserer Lieblingsgadgets zu setzen. Obwohl es wirklich cool aussieht.

Durchsichtige Tastatur

Allein für den Versuch, etwas wirklich Neues auszuprobieren, verdient der koreanische Hersteller die ersten Respektspunkte. Das durchsichtige Tastenfeld besteht aus Sicherheitsglas und leuchtet an den Ecken in einem bläulich-weißen Licht. Das sieht einfach klasse aus und fühlt sich richtig hochwertig an. Zumindest von oben – denn von unten ist es leider aus dünnem, durchsichtigen Kunststoff gefertigt.

Das Tastenfeld ist nicht nur eine Zifferntastatur, sondern auch ein berührungsempfindliches Steuerfeld. Wer beispielsweise mit dem Finger über den durchsichtigen Slider fährt, scrollt durch Elemente auf dem Display. Selbst Multitouch-Gesten zum Vergrößern von Webseiten und Bildern funktionieren auf dem durchsichtigen Bereich. Wer möchte, kann seine zwei Finger aber auch auf dem Display selbst aufsetzen. Sauberkeitsfetischisten dürften sich besonders darüber freuen, können sie doch die Anzeige frei von Fingerabdrücken und Fettspuren nach dem McDonalds-Besuch halten. Und wenn man das Tastenfeld gerade mal nicht braucht, schiebt man es einfach aus dem Sichtfeld. Ganz auf die Nutzung des eigentlichen Touchscreens verzichten wir aber nicht: Es ist beispielsweise sehr schwer, einen bestimmten Link auf einer mit Verweisen übersäten Webseite anzutippen, wenn man nicht sieht, wohin der Finger trifft.

Einige der berührungssensitiven Funktionen sind wirklich praktisch. Beispielsweise gibt es Gesten – beispielsweise das Zeichnen eines Kreises – die ein frei wählbares Programm starten oder die Kontakte anzeigen. Da aber jede Oberfläche berührungssensitiv ist, wirkt das GD900 ganz schön kitzelig: Die Geste könnte zusätzlich zum Öffnen der Kontakte ein paar Icons verschieben und den Homescreen drehen.

Da das Gerät mit zwei Touchscreens und ein paar mechanischen Tasten ausgestattet ist, gibt es kaum eine Oberfläche, deren Berührung keine Aktion auslöst. Beim Test mussten wir aufpassen, wo wir das Crystal berühren und dass wir es nur dann antippen, wenn wir das auch wirklich so meinen – und das ist nicht einfach mit den drei flachen Sensortasten auf der Oberseite.

Unabhängig davon arbeiten die Zifferntasten auf dem gläsernen Slider so, wie wir es von einer Handytastatur erwarten. Wählen und Tippen von SMS klappen hervorragend. Ein Glück, denn die virtuelle Tastatur ist keine Glanzleistung des koreanischen Mischkonzerns. Sie reagiert nicht sonderlich gut auf Fingertipps und braucht ihre Zeit – alle Tasten, die man während der Verzögerung nach einem Druck antippt, verschluckt das Crystal. Unterm Strich kommt beim Tippen von Nachrichten oft nur Kauderwelsch an. Auch die Texteingabehilfe überzeugt nur ansatzweise und ist vergleichsweise aggressiv: Wenn sie der Meinung ist, ein Wort würde anders geschrieben als es der Nutzer getippt hat, verharrt sie auf ihrer Empfehlung. Eine simple Möglichkeit, die eigene Schreibweise zu übernehmen – wie sie etwa das HTC Hero [2] bietet – vermissen wir hier.

Pixel sind nicht alles

Das GD900 leidet unter dem gleichen Problem wie sein Bruder, das LG Viewty Smart GC900: Obwohl eine 8-Megapixel-Kamera vorhanden ist, nimmt es keine besonders guten Fotos auf.

In hellen Umgebungen sind die Bilder durchaus in Ordnung – allerdings wirken die Farben ausgewaschen und es mangelt an Details. Wird es etwas dunkler, sind die Ergebnisse stark verrauscht. Das LED-Fotolicht soll für Besserung sorgen, doch dafür haben die Bilder dann einen pinken Farbstich. Immerhin knipst das Crystal angenehm schnell: Zwei Sekunden nach dem ersten Druck auf den Auslöser ist das Bild im Kasten. Unabhängig davon würde das Handy jeden Vergleich mit jeder noch so billigen Kompaktkamera verlieren.

Die große Auswahl an simplen Bildbearbeitungsfunktionen hat das Crystal ebenfalls vom Viewty Smart geerbt. Fotografen können etwa Bilder beschneiden oder Farben tauschen. Wir haben ein bisschen damit gespielt: Die Bearbeitung ist einfach und geht schnell vonstatten, außerdem überzeugt die Bedienung mit dem Touchscreen. Nur das Abspeichern der Bilder nimmt etwas Zeit in Anspruch. Das ist nichts für Ungeduldige.

Das GD900 nimmt außerdem Videos auf und verfügt über ein simples Schnittprogramm. UKW-Radio und MP3-Player sind ebenfalls an Bord. Damit einem der Platz nicht zu früh ausgeht, stehen 1,5 GByte Speicherplatz zur Verfügung. Reicht das nicht, nimmt ein MicroSD-Kartenslot eine Erweiterung auf.

S-Class wirkt wie A-Klasse

Auch das Crystal setzt auf die bereits vom Arena bekannte S-Class-Oberfläche. Immerhin versucht LG damit, die Nutzbarkeit seiner Handys zu verbessern. Allerdings scheinen die Koreaner damit etwas über das Ziel hinauszuschießen. Der drehbare Würfel mit eigener Taste wirkt irgendwie sinnlos.

Die unterschiedlichen Homescreens sind gut, vor allem, da man sie an seine Bedürfnisse anpassen und Kontakte, Bilder oder Musik ablegen kann. Doch leider sind die Widgets nicht so gut gemacht, wie wir es uns wünschen – und von Android [3]-Smartphones bereits kennen. So zeigt beispielsweise das Wetter-Widget immer die gleiche strahlende Sonne, egal, wie das Wetter wirklich ist. Es handelt es sich dabei also nur um eine Verknüpfung zur echten Wettervorhersage. Das Derivat auf dem HTC [4] Hero hingegen zeigt grafisch an, wie das Wetter wirklich ist. Warum kann LG das nicht?

Darüber hinaus ist es zwar toll, dass sich Bilder auf dem Homescreen ablegen lassen. Aber warum kann man sie nicht direkt in der Galerie-Ansicht öffnen, um sie beispielsweise per E-Mail oder MMS zu verschicken? Noch dazu reagiert das Gerät gelegentlich sehr zäh auf Nutzereingaben. So brauchen etwa die Widgets ihre Zeit, bis sie auf dem Homescreen auftauchen. Das macht es nicht besser.

Unterm Strich sind die berührungssensitiven Oberflächen, das Interface im Würfeldesign und die Masse der Widgets hervorragende Ideen. Aber leider nur in der Theorie. Je mehr wir uns damit auseinandersetzen, um so nerviger finden wir sie.

Der Weg in die Online-Welt

Der vorinstallierte Webbrowser erledigt seine Aufgaben hervorragend. Er stellt auch komplexe Webseiten ordentlich dar, und uns gefällt die Bedienung über das zusätzliche, durchsichtige Tastenfeld unterhalb des eigentlichen Touchscreens. Auch Multitouch trägt seinen Teil dazu bei – ganz so sanft, wie wir die Zweifinger-Bedienung beispielsweise vom iPhone kennen, funktioniert sie hier allerdings nicht.

Für schnelles Surfen hat der Hersteller WLAN und UMTS samt Datenturbo HSDPA für Downloads mit bis zu 7,2 MBit/s integriert. Selbst umfangreiche Seiten wie CNET laden angenehm schnell. Die Darstellung auf dem 3-Zoll-Display ist gut, auch wenn die Anzeige für ausführliche Surfsessions durchaus etwas größer sein dürfte.

Fazit

Auf den ersten Blick ist das LG GD900 Crystal ein echter Hingucker. Auch ein Blick aufs Datenblatt lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen. Leider ist der erste Wow-Effekt nur von kurzer Dauer. Denn ganz so cool wie auf den ersten Blick ist das Handy bei näherer Betrachtung dann doch nicht. Die Bedienung mit zwei Touchscreens führt zu häufigen Fehleingaben, die virtuelle Tastatur überzeugt in der Praxis ebensowenig wie das S-Class-Interface, und die wenig funktionalen Widgets sind längst nicht auf dem Stand von Android-Smartphones. Das alles verhagelt dem innovativen Handy die Bewertung – wenngleich es unterm Strich immer noch so cool aussieht, dass es seine Käufer finden wird. Und das durchsichtige Touchfeld ist einfach etwas außergewöhnliches.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[2] HTC Hero: https://www.cnet.de/tests/handy/41005822/im+test+android_smartphone+htc+hero+_t_mobile+g2+touch_+mit+sense_oberflaeche.htm

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/