Subwoofer aufstellen: Diese Tricks sorgen für perfekten Klang

von Stefan Möllenhoff und Steve Guttenberg am , 16:55 Uhr

Erst, wenn bei jeder Explosion und jedem dumpfen Schlag die inneren Organe im Takt tanzen, wird aus dem Video- ein Kinoabend. Oft heißt es, dass sich Bass ja nicht orten lässt, dass die Position des Subwoofers im Raum keine Rolle spielt. Doch wer die Basskiste hinter dem Riesenficus von der Schwiegermutter stehen hat, verpasst die Hälfte. Wir zeigen, was es noch alles zu beachten gibt, damit das Wohnzimmer zum Kino wird – ohne klebrigen Boden und Popkorn im Nacken.

Vor dem Loslegen sollte natürlich bereits ein AV-Receiver sowie ein Lautsprechersystem inklusive Subwoofer vorhanden sein. Ungünstigerweise ist im Lieferumfang mit den meisten Bassboxen nur eine kurze Strippe enthalten. Das ist schlecht, da wir verschiedene Positionen im Raum ausprobieren müssen. Ein gutes Kabel, etwa das MonsterCable Bass 300 Subwoofer, belastet das Konto mit 40 Euro für acht Meter Länge. Je nach Anspruch tun es natürlich auch billigere Strippen oder nur tausende Euro teure Wunderkabel à la Inca Red [1].


Der REL T2 ist ein fantastischer Subwoofer, der gegenwärtig recht günstig im Internet erhältlich ist.

Acht Meter klingen sehr viel? Wie wär’s mit einem Beispiel: Ein Zimmer misst fünf mal drei Meter – auf der einen Seite befindet sich der AV-Receiver samt Projektor, auf der anderen die Leinwand. Soll der Subwoofer jetzt genau vor den Zuschauern stehen und die Strippe versteckt an den Wänden entlang laufen, haben wir mit 1,5 + 5,0 + 1,5 Metern diese Länge schnell erreicht. Ist keine Tür im Weg, die zusätzlich umgangen werden muss, reicht ein Kabel, das Länge plus Breite des Zimmers misst, in jedem Fall aus.

Was brauchen wir sonst noch? Die Lieblingsmusik, einen Stapel Actionfilme und einen Freund oder Verwandten, denn eine zweite Meinung ist bei subjektiven Hörtests immer von Vorteil.

Tipp: Vor dem Loslegen empfielt sich ein Blick in die Handbücher von Subwoofer und AV-Receiver. Die Bedienungsanleitungen bieten teils modellspezifische Informationen, die über unsere allgemeinen Tipps hinausgehen. Widersprechen sich die Empfehlungen, so sind die Hinweise des Herstellers vorzuziehen.

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Schritt eins: die richtige Verbindung zwischen Subwoofer und Receiver

Die Anschlüsse von Subwoofern unterscheiden sich – manche haben nur eine Cinchbuchse, andere wiederrum besitzen einen Stereo-Eingang. Gleiches gilt auch für die AV-Receiver. Praktisch alle aktuellen Geräte verfügen über einen dedizierten Ausgang zum Anschluss einer Bassbox. Dann reicht ein einfaches Kabel, und die Verbindung steht.


Im Idealfall besitzt der AV-Receiver einen dedizierten Subwoofer-Ausgang (links). So gestaltet sich das Anschließen an den Subwoofer (rechts) als sehr einfach.

Älteren Receivern fehlt dieser Ausgang häufig. In diesem Fall hilft nur ein Subwoofer, der über einen Stereo-Eingang verfügt. Dieser wird mit den Front-Left- und Front-Right-Buchsen des Receivers verbunden. Manche Bassboxen verfügen über die Möglichkeit, das Signal direkt an die Lautsprecher links und rechts vorne durchzuschleifen. Andernfalls schließen Heimkinofans die beiden Kabel zum Subwoofer zusätzlich an die Boxenausgänge des Verstärkers an. Sprich: In den beiden Buchsen sitzen je zwei Strippen.


Manche Subwoofer (links) besitzen sowohl Stereoein- als auch Ausgang zum Durchschleifen des Audiosignals. In diesem Fall müssen Heimkinofans nicht zwei Kabel in die Front-Speaker-Anschlüsse ihres alten Receivers (rechts) quetschen.

Alternativ besitzen manche Receiver auch Ausgänge für den Anschluss von zwei vorderen Lautsprecherpaaren. Hier lässt sich selbstverständlich das zweite Steckerpaar für den Subwoofer nutzen. Der direkte Weg mit nur einem Kabel ist diesen beiden Varianten allerdings immer vorzuziehen.

Tipp: Hängt der Subwoofer mittels Front-Speaker-Anschlüssen am Receiver, sollte der Bandpassfilter des Subwoofers auf der höchsten Einstellung stehen – typischerweise irgendwo zwischen 150 und 200 Hz.

Schritt zwei: korrekte Einstellungen am Receiver

AV-Receiver bieten eine ganze Reihe von Einstellungen für die angeschlossenen Lautsprecher. Bei günstigen Modellen läuft das Setup auf dem integrierten Display ab, teurere Ausführungen besitzen ein Onscreen-Menü für angeschlossene Fernseher oder Projektoren. Die Konfiguration des Subwoofers findet sich meistens unter dem Menüpunkt Lautsprecher. Hier gilt es zunächst, falls nicht ab Werk bereits so eingestellt, den dedizierten Ausgang zu aktivieren.


Bei günstigen Receivern (links) gibt es in der Regel nur die Möglichkeit zur Konfiguration auf dem kleinen Display. Teure Modelle (rechts) bieten ein Onscreen-Menü auf einem angeschlossenen Fernseher.

Für die Satelliten stehen meistens ebenfalls diverse Optionen zur Verfügung, etwa die Größe. Boxen mit Mittel- oder Tieftönern unterhalb von 15 Zentimetern klingen mit der Einstellung „klein“ meistens besser. Insbesondere bei hohen Lautstärken sind schwachbrüstige Lautsprecher ansonsten mit den Tiefen überfordert und beginnen, den Ton zu verzerren.

Fast alle aktuellen Receiver besitzen eine Tiefbandfilter-Einstellung (Low Pass Filter) für den Subwoofer. Die Option legt fest, unterhalb welcher Schwelle Frequenzen an den Subwoofer weitergeleitet werden. Bei großen Satelliten empfehlen sich Werte zwischen 80 und 100 Hz, bei kleinen Lautsprechern zwischen 120 und 150 Hz. Am sinnvollsten ist es, sowohl mit Musik als auch mit Filmen den am besten klingenden Wert zu ermitteln.

Tipp: Ist der Subwoofer an den Lautsprecherausgängen angeschlossen, sollten die vorderen Boxen im Receiver auf „groß“ festgelegt sein. Denn ist der Verstärker für kleine Front-Boxen konfiguriert, sitzt der Basslautsprecher in punto Tiefton auf dem Trockenen. Der Nachteil ist allerdings, dass zusätzlich angeschlossene kleine Lautsprecher dann bei hohen Lautstärken mit dem Bass überfordert sind und übersteuern.

Schritt drei: die optimale Lautstärke des Subwoofers

Die richtige Lautstärke für den Subwoofer zu finden, braucht Zeit. Am meisten Sinn ergibt es, mit basslastigem Material zu beginnen, etwa mit Actionfilmen und Hip-Hop-Musik. Hier eignen sich etwa die Hubschrauberszene des ersten Teils von Matrix sowie Candy Shop von 50 Cent. Es ist keine Seltenheit, dass in den ersten Wochen immer noch kleine Anpassungen nötig sind, um den eigenen Geschmack genau zu treffen. Mit DVDs fällt es allgemein leichter, die richtige Lautstärke herauszufinden, da sie von Scheibe zu Scheibe einen weitgehend konsistenten Bass mitbringen.


Am besten lässt sich die optimale Lautstärke des Subwoofers (rechts) bei großzügig aufgedrehtem Receiver (links) ermitteln.

Auf den Einsatz von Schalldruckmessgeräten wie dem RadioShack 33-4050 sollte man verzichten. Die Hilfen eignen sich zum allergrößten Teil nicht für die tiefen Frequenzen von Subwoofern. Gleiches gilt für die automatischen Kalibrierungsprogramme von AV-Receivern.

Tipp: Die Lautstärke des Subwoofers ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Wer Blockbuster lieber mit etwas mehr Bass anguckt, dreht vor dem Filmgenuss den Regler einfach nach oben. Hier ergibt es Sinn, sich die mühsam herausgefundene Einstellung aufzuschreiben oder zu markieren.

Schritt vier: perfekte Zusammenarbeit zwischen Satelliten und Subwoofer

Wenn sich die Membranen der Satelliten und des Subwoofers synchron bewegen, ist das System in Phase. Im Falle einer Asynchronität löschen sich die Schallwellen in dem Frequenzbereich, in dem sich Bassbox und Lautsprecher überschneiden, durch destruktive Interferenz teilweise aus. Das resultiert in einem schwächeren Bass im betroffenen Bereich.


Die meisten Subwoofer besitzen einen Schalter, der die Phase umdreht. Bei dem STF-1 von HSU sitzt er rechts oben unter dem An/Aus-Knopf.

Die meisten Subwoofer verfügen praktischerweise über einen Phasen-Umschalter. Um die richtige Stellung zu ermitteln, empfiehlt sich ein sehr basslastiger Titel. Ein paar Minuten in der einen und in der anderen Konfiguration sollten auch ungeübte Hörer die korrekte Position schnell herausfinden lassen. Sind Subwoofer und Boxen nicht in Phase, klingt der Bass deutlich schwächer.

Schritt fünf: die beste Position für die Bassbox

Selbst der beste Subwoofer der Welt liefert keinen überzeugenden Bass, wenn er ungünstig positioniert ist. Es fällt leider sehr schwer, die Akustik eines Raums objektiv zu bestimmen. Wirkliche Regeln für den besten Standort gibt es daher nicht.

In den Ecken des Zimmers liefern Subwoofer allerdings grundsätzlich mehr Bass. Doch dafür leidet dann häufig der Klang darunter, und die tiefen und hohen Töne wirken nicht ganz stimmig. Oftmals befindet sich die ideale Position in der Nähe des vorderen rechten oder linken Lautsprechers. Besonders bei kleinen Satelliten sollte der Abstand nicht zu groß ausfallen. Zwischen Zuhörern und Tieftöner sollten sich keine massiven Gegenstände befinden.

Tipp: Auch wenn es die Nachbarn anders sehen – das Ziel ist es, einen möglichst kraftvollen, voluminösen Bass zu erreichen, ohne die Satelliten zu übertönen. Mit der richtigen Einstellung fällt es nicht auf, dass ein Subwoofer anstelle der Satelliten für das flaue Gefühl in der Magengegend sorgt.

Lust auf mehr? Natürlich könnten Heimkinofans jetzt den Subwoofer in jede mögliche Position des Raums stellen und anschließend von der Couch aus probehören. Wir haben eine bessere Idee. Dafür muss das Sofa temporär der Bassbox weichen. Genau – der Subwoofer kommt dorthin, wo später einmal die Kinogäste sitzen.

Jetzt ist noch ein Lied erforderlich, das eine Vielzahl von verschiedenen Basstönen bietet. Wir setzen dafür auf das Album Temptation von Holly Cole. Sofern es das Wiedergabegerät unterstützt, sorgt eine 10- bis 20-sekündige Schleife für am besten vergleichbare Ergebnisse.

Anschließend heißt es: auf alle Viere. Beim Krabbeln rund um den Subwoofer werden unsere Leser eine Vielzahl verschiedener klanglicher Ausprägungen erleben. An manchen Stellen ist der Bass extrem schwach, an anderen hingegen übermäßig dröhnend. An der idealen Position klingen alle Bassnoten gleich laut. Genau hier befindet sich – sofern ästhetisch akzeptabel – der perfekte Platz für den Subwoofer.

Tipp: Die meisten Bassboxen besitzen keine magnetische Schirmung. Stehen sie sehr nahe an einem Röhrenfernseher oder -monitor, so verzerren sie das Bild und können das Gerät auf Dauer beschädigen. In diesem Fall muss sich entweder das Display oder der Subwoofer einen neuen Platz suchen.

Klingt der Bass jetzt immer noch unsauber, hilft es häufig, den Subwoofer näher ans Sofa zu bewegen. Damit lässt sich allerdings kein so gewaltiges Volumen wie mit einer Positionierung in Wandnähe erzeugen. In manchen Zimmern ist es sehr einfach, den optimalen Platz zu finden, andere „Problemräume“ hingegen scheinen sich regelrecht gegen einen ordentlich Klang zu wehren.

Letzter Schritt: Zurück zu Schritt zwei

Jetzt wo die ideale Position für den Sub ermittelt ist, müssen Heimkinoenthusiasten die Schritte zwei und drei wiederholen, um Tiefbandfilter und Lautstärke erneut zu verifizieren. Anschließend steht dem optimalen Heimkinogenuss mit garantiertem flauen Gefühl im Magen nichts mehr im Wege.

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