Lenovo IdeaPad U350: klein, leicht, aber schwacher Akku

von Joachim Kaufmann am , 11:20 Uhr

Pro
  • schickes Design
  • guter Sound
  • Helligkeitssensor
  • Schutz des Schreib-/Lesekopfes der Festplatte
Con
  • Akku mit zu geringer Kapazität
  • spiegelndes Display
  • RAM kann nicht voll genutzt werden
Hersteller: Lenovo Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,2 von 10 Punkte
Fazit:

Lenovo hat mit dem IdeaPad U350 ein schickes 13,3-Zoll-Notebook entwickelt, das trotz Single-Core-CPU für Aufgaben wie Surfen und Textverarbeitung genügend Leistung bietet. Leider liefert der Hersteller einen relativ schwachen Akku mit nur 2700 mAh Kapazität mit. Die für diese Geräteklasse wichtigen Dauerläufer-Qualitäten hat das U350 daher nicht.

Mit dem IdeaPad U350 bringt Lenovo ein schickes 13,3-Zoll-Notebook auf den Markt, das sich aufgrund des niedrigen Gewichts von 1,65 Kilogramm eigentlich gut für den Einsatz unterwegs eignet. Allerdings hapert es an der Akkuleistung. Wir haben das Gerät bereits ausführlich getestet.

Notebooks mit kompakten Abmessungen, langer Akkulaufzeit zu bezahlbaren Preisen sind derzeit sehr gefragt. Abstriche bei der Performance nehmen viele in Kauf. So ist es zu erklären, warum im von Intel und anderen IT-Größen ausgerufenen Multi-Core-Zeitalter Single-Core-Maschinen wie das Acer [1] Aspire Timeline 3810T ein Comeback feiern. Auch Lenovo will mit dem für September angekündigten Ideapad U350 in dieser Klasse mitspielen.

Äußerlich macht das U350 eine gute Figur: Der Deckel ist aus geriffeltem Kunststoff. Der Handballenauflage sowie dem Bereich um die Tastatur hat Lenovo eine Optik in gebürstetem Aluminium verpasst. Aber auch hier handelt es sich um Kunststoff. Erfreulicherweise sind fast alle Flächen bis auf den hochglanzlackierten Displayrahmen unempfindlich gegen Fingerabdrücke.

Die Tastatur erinnert ein wenig an die Thinkpads, erreicht aber nicht deren Stabilität: Sie biegt sich beim Tippen in der Mitte leicht durch. Trotzdem geht der Komfort in Ordnung. Am Touchpad haben wir nichts zu beanstanden. Die darunter positionierten Tasten sind aber zu leichtgängig.

Display, Sound und Schnittstellen

Das 13,3-Zoll-Display des U350 (16:9) löst 1366 mal 768 Pixel auf und wird von stromsparenden LEDs hinterleuchtet. Damit kann man im Gegensatz zu einem klassischen Netbook-Display mit 1024 mal 600 Bildpunkten vernünftig arbeiten und surfen. Lenovo integriert eine 1,3-Megapixel-Webcam, die gute Bildqualität liefert.

Wie bei vielen anderen Geräten ist der Screen mit einer Hochglanzbeschichtung versehen, die wie üblich Reflexionen verursacht. Das fällt besonders bei stromsparend heruntergedimmter Hintergrundbeleuchtung ins Gewicht. Ein Sensor, der leider über der Tastatur und nicht oben im Displayrahmen sitzt, regelt die Hintergrundbeleuchtung automatisch abhängig von der Umgebungshelligkeit. Aufgrund der Positionierung geht das Instrument manchmal aber von weniger Helligkeit aus, als in Wirklichkeit vorhanden ist. Trotzdem ist das Feature ganz praktisch und normalerweise nur in teureren Geräten zu finden.

Das IdeaPad bietet drei USB-Schnittstellen, einen VGA- und einen HDMI-Port. Externe Displays mit DVI-Eingang lassen sich mit einem Adapter digital, also verlustfrei, mit Bild versorgen. Der integrierte Kartenleser unterstützt die Formate SD, MMC, Memory Stick und Memory Stick PRO.

Ein Expresscard-Slot ist im U350 ebensowenig vorhanden wie ein optisches Laufwerk. Wer häufig CDs oder DVDs einsetzt, sollte daher ein anderes Notebook [2] kaufen.

Das U350 gibt Sound mit Dolby Sound Room [3] wieder. Dabei handelt es sich um simulierten Surround-Sound. Im Vergleich zu anderen Geräten stellt sich tatsächlich ein leicht räumliches Hörerlebnis ein. Die Unterschiede sind aber nicht sehr groß.

CPU

Das Lenovo IdeaPad wird in der getesteten Variante von einem Core 2 Solo SU3500 angetrieben. Dabei handelt es sich um einen stromsparenden Single-Core-Chip mit 1,4 GHz, 800-MHz-FSB und 3 MByte L2-Cache. Die CPU hat eine TDP [4] von nur 5,5 Watt. Zum Vergleich: Für Standard-CPUs aus der Core-2-Serie weist Intel eine TDP von 25 Watt aus.

Benchmarks mit Everest 4.6

Intel Core 2 Solo SU3500 (1,4 GHz) AMD Athlon Neo (1,6 GHz) Intel Atom (1,6 GHz) Via Nano (1,5 GHz) Intel Core 2 Duo SU9500 (1,4 GHz)
CPU Queen 2959 2771 3758 2360 5871
CPU PhotoWorxx 3565 3368 2200 1753 5876
CPU Zlib (KB/s) 8972 8724 8321 6890 17820
CPU AES 2568 2048 1825 33735 5168
FPU Julia 1285 656 773 754 2571
FPU Mandel 667 378 142 471 1319
FPU SinJulia 343 344 283 169 676

Die oben stehende Tabelle zeigt, dass der Core 2 Solo aufgrund seiner effizienteren Core-2-Architektur in vielen Disziplinen schneller ist als der höher getaktete Atom. Letzterer kann aber mit Hyperthreading aufwarten, was ihn in der Disziplin CPU Queen sogar vor den Core 2 Solo katapultiert. Interessant in diesem Zusammenhang: Der im HP Pavilion dv2 verbaute Athlon Neo (Single Core) ist dem Core 2 Solo leistungsmäßig dicht auf den Fersen.

Welche Leistungseinbußen ergeben sich durch den Single-Core-Prozessor in der Praxis? Beim Surfen merken Anwender, dass die CPU mit meist über 50 Prozent deutlich stärker belastet wird, als dies bei einem Dual-Core der Fall ist. Zudem zeigt die Maschine ein etwas schlechteres Antwortverhalten. Anstatt des äußerst trägen Internet Explorer sollte man einen anderen Browser wählen. Das Öffnen von Tabs und das Navigieren im Netz klappt mit dem Google [5] Chrome beispielsweise spürbar flüssiger.

Grafik, Festplatte und Akkulaufzeit

Als Grafik kommt die im Chipsatz integrierte Einheit GMA 4500 MHD zum Einsatz. Sie schafft im 3D Mark 06 619 Punkte, was für aufwändige 3D-Spiele deutlich zu langsam ist. Notebooks mit schnellerem Dual-Core-Chip erreichen mit dem 4500 MHD gut 1000 Punkte.

Dem IdeaPad stehen 4 GByte DDR3-RAM mit 1066 MHz Taktfrequenz zur Verfügung. Da Windows Vista Home Premium nur als 32-Bit-Version installiert ist, können vom Arbeitsspeicher lediglich 3,2 GByte genutzt werden. Programme und Daten speichert das Notebook auf einer 320 GByte großen Festplatte von Fujitsu, die im Crystal Diskmark gute Leistungswerte erreicht. Der Thinkpad-Familie ist das Active Protection System entliehen, das den Schreib-/Lesekopf der Festplatte bei abrupten Bewegungsänderungen parkt, um eine Beschädigung des Laufwerks zu vermeiden. Das Resultat dürfte ein längere Lebensdauer sein.

An Bord sind wie bei Centrino-2-Notebooks üblich Gigabit-Ethernet und WLAN nach 802.11b/g/n (Draft 2.0). Zudem verbaut der Hersteller Bluetooth 2.0 mit EDR.

Relativ leichte und kleine Notebooks ohne optisches Laufwerk werden häufig unterwegs genutzt. Im Gegensatz zu Desktop-Replacements spielt die Akkulaufzeit eine große Rolle. Hier leistet sich Lenovo die größte Schwäche. Obwohl es sich um das 666 Euro teure Topmodell handelt, ist im Lieferumfang nur ein 4-Zellen-Akku mit mageren 2700 mAh Kapazität verbaut. Zum Vergleich: Der Akku des fast identisch konfigurierten Acer Aspire Timeline 3810T bietet 5600 mAh. Die Acer-Maschine hält beim Surfen per WLAN bei weitmöglichst gedimmter Hintergrundbeleuchtung rund sechs Stunden durch. Beim Lenovo wird dagegen schon nach weniger als vier Stunden der Bildschirm schwarz.

Das U350 bietet zwar einige Features (Deaktivierung von Ethernet, Soundkarte, Netzwerkkarte und anderen Komponenten), um die Akkulaufzeit zu verlängern, die zu geringe Kapazität wiegt das aber nicht auf. Im Lenovo-Datenblatt ist auch ein 5400-mAh-Akku aufgeführt. Den hätte der Hersteller standardmäßig mitliefern müssen.

Da die CPU vergleichsweise niedrig getaktet ist und nur einen Rechenkern hat, wird sie beim Surfen im Netz stark beansprucht. Das treibt den Stromverbrauch nach oben. Wenn man längere Pausen einlegt – beispielsweise zum Lesen – oder nur einen Text schreibt, rücken 4,5 Stunden in greifbare Nähe. Das U350 arbeitet meistens sehr leise, ab und zu dreht der Lüfter aber deutlich hörbar hoch. Das stört ein wenig. Die Wärmeentwicklung gibt keinen Anlass zur Kritik.

Software

Das Lenovo IdeaPad U350 kommt mit Vista Home Premium in der 32-Bit-Version. Vorinstalliert sind außerdem VeriFace 3.5 (Software zum Login per Webcam), EasyCapture 3.5 (Aufnahme von Bildern), Lenovo Energy Management, OneKey Recoverey (Backup-Software), Norton Internet Security 2009, Adobe Reader 9.0, Lenovo ReadyComm (zum Auffinden von WLANs und Bluetooth-Geräten) sowie eine Demo von Microsoft [6] Office Professional 2007. Das Image bedient sich insgesamt eher zäh, ist aber deutlich schneller als das des 3810T.

Lenovo bietet ein kostenloses Upgrade auf Windows 7 [7] an. Von dieser Option sollte man bei Verfügbarkeit Gebrauch machen, da der Vista-Nachfolger auf einem Gerät mit vergleichsweise schwacher Hardware deutlich flüssiger läuft.

In der getesteten Konfiguration kostet das Notebook 666 Euro. Es soll im September auf den Markt kommen.

Fazit

Lenovo hat mit dem IdeaPad U350 ein schickes 13,3-Zoll-Notebook entwickelt, das trotz Single-Core-CPU für Aufgaben wie Surfen und Textverarbeitung genügend Leistung bietet. Leider liefert der Hersteller auch beim getesteten Topmodell einen relativ schwachen Akku mit nur 2700 mAh Kapazität mit. Langläufer-Qualitäten hat das U350 daher nicht.

Eine Alternative ist das ähnlich ausgerüstete Acer Aspire Timeline 3810T, das deutlich länger fernab der Steckdose genutzt werden kann. Zudem ist es mit 599 Euro etwas günstiger als das 666 Euro teure U350.

Wer häufiger mit CDs oder DVDs arbeitet und eher einen Desktop-Ersatz mit höherer Performance benötigt, sollte sich nach einem anderen Gerät umsehen. CPU und Grafikeinheit sind für anspruchsvollere Aufgaben wie Videoschnitt zu langsam.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41501424/lenovo-ideapad-u350-klein-leicht-aber-schwacher-akku/

URLs in this post:

[1] Acer: http://www.cnet.de/unternehmen/acer/

[2] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[3] Dolby Sound Room: http://www.dolby.de/consumer/pc/pcee2.html

[4] TDP: http://de.wikipedia.org/wiki/Thermal_Design_Power

[5] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[6] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[7] kostenloses Upgrade auf Windows 7: http://www.lenovo.com/windows7/de/