AKG K390NC exklusiv getestet: Ohrhörer mit Noise Cancellation

von Stefan Möllenhoff am , 17:26 Uhr

Pro
  • solides Design
  • aktive Umgebungslärmreduzierung
  • guter Klang, sowohl mit als auch ohne Geräuschunterdrückung
  • integriertes Mikrofon und Annahmetaste
Con
  • sperriger Batteriekasten
  • etwas flacherer Bass mit aktivierter Noise Reduction
  • teuer
Hersteller: AKG Listenpreis: 129 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Der AKG K390NC überzeugt mit einem fantastischen, sehr ausgewogenen Klang und bietet als erster Ohrkanalhörer eine aktive Geräuschreduzierung. Allerdings ist das Gehäuse für die dafür notwendige Batterie recht sperrig, und bei abgeschalteter Klangquelle sorgt die Noise Reduction für ein deutliches Rauschen. Wer auf das Feature zur Dämpfung des Umgebungslärms verzichten kann, ist mit einem anderen Modell besser beraten.

Harman Kardons Tochter AKG ist seit den 40er Jahren im Audiogeschäft und produziert Soundequipment für professionelle Nutzer und Privatpersonen mit hohen Ansprüchen. Jetzt bringt der Hersteller Inner-Ear-Ohrhörer auf den Markt, die über eine aktive Geräuschunterdrückung verfügen. Der K390NC soll im September zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 129 Euro in den Regalen stehen. Wir hatten bereits jetzt die Möglichkeit, einen Prototypen exklusiv zu testen.

Wer viel unterwegs ist, hat nicht nur mit Stress, sondern auch ständig mit Lärm zu kämpfen. Ob dröhnende Flugzeugturbinen, ratternde Züge oder rauschende Autos – ruhige Momente gibt es kaum. Da sind Kopfhörer, die nicht nur durch einen besonders festen Sitz, sondern auch mittels aktiver Geräuschreduzierung für Ruhe sorgen, Balsam für die Seele.

Design

Der AKG K390NC sieht schlicht aus – so gar nicht nach einem 129 Euro teuren Ohrhörer. Allerdings fällt das Design eher in die Sparte „Understatement“ als in die Billig-Ecke. Als Materialien kommen sowohl matter und glänzender schwarzer als auch dunkelsilberner Kunststoff zum Einsatz. Dort wo das Kabel in die verhältnismäßig großen Gehäuse mündet, befindet sich eine etwa zwei Zentimeter lange, sehr robust wirkende Verstärkung.

Knapp 20 Zentimeter unterhalb des linken Ohrhörers sitzt eine kleine Fernbedienung mit einer einzelnen Taste und einem integriertem Mikrofon. Rund 25 Zentimeter weiter unten münden die Kabel schließlich in ein gut einwegfeuerzeuggroßes Kästchen. Auf diesem finden sich an der einen Seite Ein/Aus-Schalter für die Geräuschreduzierung und ein Mute-Knopf. Gegenüber sitzt das Batteriefach für eine AAA-Zelle. Auf der Oberseite verbaut AKG einen Clip, mit dessen Hilfe sich das Gehäuse an der Kleidung festhält. Die Mechaniken von Clips und Batterieklappe wirken solide.


AKGs neueste Schöpfung, die K390NC sehen für 129 Euro teure Kopfhörer sehr dezent aus.

Durch die Kabellänge bedingt hält sich das Kästchen irgendwo am Oberteil fest, sei es am Hemdkragen oder an einer Pullifalte. Für die Befestigung am Gürtel ist die Strippe leider zu kurz. Die Verbindung zwischen Gehäuse und MP3-Player oder Handy mit Standard-Klinkenbuchse gelingt mittels 2,5-auf-3,5-Millimeter-Kabel. Dank der absteckbaren Strippe lässt sich der Kabelverhau minimieren, setzt man den AKG K390NC nur zur Geräuschminimierung ein – etwa auf Interkontinentalflügen.

Ausstattung

Wie bereits erwähnt handelt es sich beim AKG K390NC um die ersten Inner-Ear-Kopfhörer mit aktiver Geräuschreduzierung. Der An/Aus-Schalter auf dem Kästchen aktiviert beziehungsweise deaktiviert das Feature. Bei laufender Noise Reduction schaltet der Mute-Knopf den Ton stumm. Erfreulicherweise funktionieren die Kopfhörer auch, wenn keine AAA-Batterie eingelegt ist. Lediglich die Geräuschunterdrückung steht dann nicht zur Verfügung. Mit der Telefontaste an der Fernbedienung lassen sich Gespräche annehmen und beenden. Vorsicht: Während Telefonaten deaktiviert der Mute-Knopf das Mikrofon nicht. Eine doppelte Betätigung springt bei angeschlossenem iPhone einen Titel nach vorne, ein dreifacher Druck ein Lied zurück.


Diese Aufbewahrungstasche ist im Lieferumfang des AKG K390NC enthalten.

Im Lieferumfang mit dem K390NC befinden sich zwei Verbindungskabel für MP3-Player, iPhone und Blackberry. Außerdem liegen den Ohrkanalhörern ein Flugzeugadapter und drei verschiedene Gehörgang-Adapter bei. Leider ist bei unserem Prototypen nur ein Satz der Ohrstücke dabei, so dass wir über den Sitz keine zuverlässige Aussage treffen können. Allerdings handelt es sich um Gummi-Adapter, die in puncto Tragekomfort nicht mit ihren Pendants aus formbarem Schaumstoff mithalten können, wie sie beispielsweise die Phonac Audéo PFE 122 bieten.

Leistung

Aufgrund der langen Tradition sind unsere Erwartungen an die klanglichen Fähigkeiten von AKG-Produkten stets hoch. Und wir werden auch dieses Mal nicht enttäuscht. Als erstes fällt angenehm auf, dass sich der Sound kaum verändert, wenn die Geräuschunterdrückung aktiviert ist. Die Ohrhörer bieten eine volle, ausgewogene Wiedergabe mit vielen klar aufgelösten Details durch das gesamte Frequenzband.

Die Höhen bleiben auch bei extrem hohen Lautstärken kristallklar, ohne Schmerzen im Ohr zu verursachen und unangenehm zu kreischen. Bei dem Titel Diva Dance aus dem Soundtrack von Das fünfte Element beeindrucken die AKG K390NC durch erstaunliche Details in der Stimme.

Das mittlere Frequenzband knüpft ohne Einbrüche und Schwächen an die hohen Töne an. Der Sound klingt in diesem Bereich zwar angenehm, wirkt aber nicht ganz so warm und satt wie wir es uns wünschen würden. Das fällt etwa beim Titel Disko Partizani von Shantel auf, wo die Mitten die Verbindung zwischen Treble und Bass zwar solide herstellen, aber im Großen und Ganzen etwas unspektakulär daherkommen.

Tiefe Frequenzen wummern die Ohrhörer ohne Dröhnen in den Gehörgang. Bei I Can See Clearly Now von Holly Cole wirken die Anschläge auf dem Contrabass sehr ausgewogen und voll. Die Auflösung beeindruckt hier: Jedes kleine Knarren des Saiteninstruments ist deutlich wahrnehmbar. Auch bei tinnistusverdächtigen Lautstärken verzerren die Bässe nicht.

Bei basslastigen Hiphop-Titeln à la Candy Shop von 50 Cent oder Chingys He’s Herre erreichen die K390NC nicht den Bums von teilweise deutlich günstigeren Konkurrenten. Die etwa ein Drittel so teuren UHP306 von Altec Lansing beispielsweise hämmern den Bass gnadenlos ins Gehörzentrum. Bei Titeln mit sehr differenzierten Bässen wie dem erwähnten Holly-Cole-Song dagegen haben sie keine Chance gegen die AKG-Ohrhörer.

Die Geräuschunterdrückung leistet recht gute Dienste, kommt aber in puncto Wirkung nicht an Around-Ear- oder On-Ear-Kopfhörer à la Bose Quiet Comfort 3 heran. Das Rauschen unserer Server oder eines Ventilators schluckt die Noise Reduction recht gut weg, insbesondere bei tieferen Frequenzen ist der Effekt deutlich. Bei dem Lärm vorbeifahrender Autos oder Sprache ist die Wirkung weit weniger ausgeprägt.

Wie bereits erwähnt lassen sich die K390NC auch ohne angesteckter Musikquelle zur Lärmbekämpfung einsetzen. Hier tritt leider ein recht deutliches Rauschen auf, das uns erst auffällt, wenn keine Musik aus den Ohrhörern kommt.

Erfreulicherweise dringen Berührungen an Kabel und Kästchen des AKG K390NC kaum ins Ohr weiter. Bei etlichen Konkurrenten gelangt ein lautes Scharren in den Gehörgang, wenn beispielsweise die Strippe an der Kleidung reibt. Die Qualität bei Telefonaten über das Headset ist bei beiden Gesprächspartnern ordentlich.

Fazit

Die schicken, vielleicht einen Tick zu unauffälligen K390NC liefern, wie wir es von AKG gewohnt sind, einen absolut grundsoliden Klang, der im gesamten Frequenzband keinerlei Einbrüche aufweist. Lediglich bei extrem basslastigen Hiphop- oder Elektrotiteln vermissen das gewisse gänsehautinduzierende „Extra“ im niederfrequenten Bereich. Die aktive Umgebungslärmreduzierung funktioniert gut, aber nicht spektakulär.

Wer ab September 129 Euro auf den Tisch legt, erhält ein exzellent klingendes Headset mit Ohrkanalhörern und aktiver Noise Reduction. Wer das Feature zur Lärmunterdrückung nicht nutzt, wird sich allerdings über das sperrige Kästchen ärgern, das am Hemdkragen baumelt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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