Nikon D3000: günstige Einsteiger-DSLR im Praxistest

von Alexandra Savvides und Stefan Möllenhoff am , 16:38 Uhr

Pro
  • tolle Bildqualität bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten
  • für eine Einsteiger-DSLR ordentlich schnell
  • sehr leicht und handlich
Con
  • kein Live-View
  • mittelprächtiges Display
  • ISO-Bereich endet bei 1600
  • wackelige Kartenslot-Abdeckung
Hersteller: Nikon Listenpreis: 450 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Nikon D3000 stellt eine schöne DSLR für Einsteiger dar. Wer nicht die Leistung eines Highend-Modells erwartet, wird mit der neuen Kamera des japanischen Herstellers keine Enttäuschung erleben. Für Besitzer der D40 oder D60 lohnt sich das Upgrade allerdings nicht.

Endlich: Nikon erlöst seine Einsteiger-DSLRs vom alten Drei-Punkte-Messfeld-System. Stattdessen gibt es jetzt die elf Autofokuspunkte, die auch Nikons Prosumer-Modell D90 mitbringt. Abgesehen davon hat sich – jedenfalls beim ersten Blick aufs Datenblatt – nicht viel verändert: 10,2 Megapixel Auflösung, CCD-Sensor im DX-Format und ein 3 Zoll großes LC-Display. Wir hatten bereits die Gelegenheit, die digitale Spiegelreflexkamera auf Herz und Nieren zu testen.

Nikon wird vierstellig. Nach der D5000, die ein direktes Konkurrenzprodukt für Canons EOS 500D [1] darstellt, kommt mit der D3000 nun eine DSLR in den Handel, die eher Sonys neues Spiegelreflex-Trio [2] angreift. Damit verschwinden die D40 und D60 im Nirvana.

Design

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Nikon D3000 nicht sonderlich von ihren Vorgängerinnen D40 und D60. Sie liegt gut in der Hand und bietet dieselbe Kunststoffbeschichtung wie ihre älteren Schwestern. Wie gewohnt ist die Verarbeitungsqualität für dieses Preissegment ausgezeichnet.


Von vorne ist die Nikon D3000 kaum von ihren Vorgängerinnen zu unterscheiden.

Einen kleinen Tick größer als die D40 fühlt sich die D3000 schon an – mit 485 Gramm ist sie schlappe 10 Gramm schwerer. Das Layout der Bedienelemente ist praktisch identisch. Betrachtet man die DSLR von vorne, so ist kaum ein Unterschied festzustellen.

Links des 3 Zoll großen Displays auf der Rückseite sitzen wie gewohnt vier Tasten. Rechts befindet sich ein Vier-Wege-Pad. Unter dem Zeigefinger der rechten Hand verbaut Nikon ein Rädchen, das zum Ändern der Belichtungs- und Verschlusszeiten dient. Des Weiteren gibt es noch Knöpfe für die Fokus- und Belichtungsarretierung. Spartanisch, aber effektiv.

Wer kleine Hände hat, kommt mit dem Layout einwandfrei zurecht. Lediglich Menschen mit dicken Pranken dürften sich mit den größeren Nikon-Modellen wohler fühlen. Die Klappe, die den SD/SDHC-Kartenslot beherbergt macht einen etwas windigen Eindruck. Sie könnte bei einer Überbelastung leicht abbrechen.

Ausstattung

Fotografen, die auf tonnenweise Features und Extras stehen, werden von der D3000 enttäuscht sein. Hier bieten D5000 [4] und D90 [5] mehr Schnickschnack. Die Einsteiger-DSLR bringt dafür jetzt endlich einen 11-Punkte-Autofokus und das 3D-Tracking-System der D5000 mit. Darüber hinaus gibt es einen 10,2-Megapixel-CCD-Sensor und einen 3 Zoll großen LCD-Bildschirm.


Auf dem Modus-Rädchen befindet sich neben den üblichen Aufnahme- und Wiedergabemodi eine Guide-Funktion.

Für den Preis von 450 Euro hätten wir uns allerdings Live-View gewünscht. Wer den Schritt von seiner Standard-Kompaktkamera zu den DSLRs wagt, sollte sich also vorher überlegen, ob er ohne Vorschau auf dem Display zurechtkommt. Eine HD-Videofunktion gibt es ebenfalls nicht. Wie bei der D5000 und der D90 verbaut Nikon auf der rechten Seite der Kamera einen Kartenslot, der SD- und SDHC-Speichermedien liest.

D-Lighting und Active D-Lighting sind ebenfalls an Bord. Die beiden Funktionen sollen den Dynamikbereich vergrößern und für mehr Details in sehr hellen und dunklen Bereichen sorgen.

Auf das Bajonett der D3000 passen alle Linsen mit dem F-System. Allerdings funktioniert nur bei AF-S-Objektiven der Autofokus. Einen Bildstabilisator bringt die DSLR übrigens nicht mit – wer sich das Feature wünscht, muss auf eine VR-Optik zurückgreifen. Erfreulich: Im 18-55mm-Kit ist ein bildstabilisiertes Objektiv enthalten.


Der Guide-Modus bietet Anfängern zahlreiche Hilfestellungen bei der Bedienung der Kamera.

Auf dem Modusrädchen steht ein spezieller Anfängermodus zur Verfügung, der Einsteigern die wichtigsten Features der Kamera erklärt. Darüber hinaus gibt es die üblichen Punkte wie Wiedergabe, Vollautomatik, Szenenprogramme und die PASM-Modi. Dazu gesellt sich eine erweiterte Automatik, die die Einstellungen weicher Hintergrund und Bewegung einfrieren bietet. Hinter den Anfängerfreundlichen Optionen verbergen sich allerdings auch nur Blenden- und Belichtungspriorität.

Viele DSLR-Hersteller versuchen ihren Modellen die abschreckende Komplexität zu nehmen. Sony [6] hat beispielsweise sein neues Einsteiger-Trio A230 [7], A330 [8] und A380 [2] ebenfalls deutlich vereinfacht. Es stellt sich bloß die Frage, ob das nicht viele Einsteiger in die Welt der Spiegelreflexkameras davon abhält, sich eingehend mit den Einstellungen zu beschäftigen.

Leistung

Um zu starten und das erste Bild zu schießen, benötigt die D3000 lediglich eine Viertelsekunde. Damit ist sie zwar einen Tick langsamer als die D5000, für ein Einsteigermodell aber dennoch sehr flott. Die Auslöseverzögerung ist ebenfalls exzellent.

Im Serienbildmodus vergehen zwischen zwei Aufnahmen 0,35 Sekunden. Die Bildrate lässt erst nach dem neunten JPEG-Foto mit höchster Qualität in Folge nach.

Das gegenüber den Modellen D40 und D60 überarbeitete Autofokussystem reagiert zügig und liefert meistens die gewünschten Ergebnisse. Die Fokuspunkte sind gut im Sucher zu erkennen, ohne das Motiv selbst zu verdecken. Laut Hersteller reicht eine Akkuladung für 550 Fotos – damit schneidet die D3000 besser ab als ihre Kollegen, die einen Live-View-Modus bieten.

Bildqualität

Die D3000 legt bei der Bildqualität eine grundsolide Leistung hin – so lange ausreichend Licht vorhanden ist und keine hohen ISO-Empfindlichkeiten vonnöten sind. Dynamikbereich und automatischer Weißabgleich arbeiten ausgezeichnet. Farben sehen sehr lebendig aus, ohne übersättigt zu wirken.

Wer auf das aufwändige Bearbeiten von RAW-Fotos [9] verzichten möchte, freut sich über die ausgezeichneten JPEG-Bilder, die die D3000 mit der höchsten Qualitätseinstellung schießt. Bei RAW-Aufnahmen haben wir ebenfalls nichts zu bemängeln. Die mitgelieferte Software dient zum Betrachten und Umwandeln der NEF-Dateien. Für komplexere Funktionen führt allerdings kein Weg am Kauf des Programms Capture NX herum.

Der Miniatur-Modus der Nikon D3000 [10]

Die Miniatur-Funktion der Nikon D3000 lässt Landschaften winzig klein wirken. Derartige Effekte lassen sich sonst nur mit tausende Euro teuren Tilt-und-Shift-Objektiven erzielen (zum Vergrößern auf das Bild klicken, 2 MByte – Originalfoto).

Zudem bietet die D3000 eine Reihe von Effekten, etwa eine Funktion, die die Fotos wirken lässt, als wären sie mit einem tausende Euro teuren Tilt-und-Shift-Objektiv aufgenommen worden – fast zumindest. Die Ergebnisse sehen recht beeindruckend aus, weisen aber in den weichen Bereichen eine Menge auffälliges Farbrauschen auf. Dazu gibt es einen Stop-Movie-Effekt, mit dessen Hilfe sich eine Reihe von Aufnahmen zu einem Film zusammenflicken lassen. Die maximale Bildrate liegt bei 15 fps. Ein weiteres Gimmick verwandelt die geschossenen Fotos in eine Art Ausmalbild, das sich nur aus den Konturen zusammensetzt.

Der Empfindlichkeitsbereich endet bei ISO 1600. Fotografierende Nachteulen müssen also in eine schnelle, lichtempfindliche Optik investieren – oder Abstriche bei der Bildqualität machen. Die Kamera bietet zwar eine Hi-Einstellung, die ISO 3200 entspricht, aber bereits bei ISO 1600 lässt die Bildqualität drastisch nach. Mit ISO 100 geschossene Fotos sehen ausgezeichnet aus, und erst bei ISO 400 treten erste Flecken auf.

Das Rauschprofil der Nikon D3000 [12]

So sieht die Bildqualität der Nikon D3000 bei verschiedenen ISO-Empfindlichkeiten aus (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Die integrierte Rauschunterdrückung der Kamera lässt sich auf Wunsch deaktivieren. Sie vernichtet einiges an Rauschen, kostet aber auch viele Details.

Fazit

Wer von der rund 450 Euro teuren D3000 nicht die Leistung einer Prosumer-DSLR erwartet, wird von ihrer Geschwindigkeit und Bildqualität nicht enttäuscht sein. Sie eignet sich für Einsteiger und für Profis, die eine kompaktere Ergänzung zu ihrer Highend-DSLR suchen. Für Besitzer der D40 und D60 lohnt sich das Upgrade allerdings nicht. Die größte Veränderung ist hier der 11-Punkte-Autofokus.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41501672/nikon-d3000-guenstige-einsteiger-dslr-im-praxistest/

URLs in this post:

[1] Canons EOS 500D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003589/testbericht/dslr+fuer+full_hd_videos+canon+eos+500d+im+test.htm

[2] Sonys neues Spiegelreflex-Trio: https://www.cnet.de/tests/digicam/41006448/testbericht/sony+alpha+dslr_a380+im+test+teuer+und+kaum+neuerungen.htm

[3] Nikon D3000: Bilder der neuen Einsteiger-DSLR mit 10,2 Megapixeln: https://www.cnet.de/41500800/nikon-d3000-bilder-der-neuen-einsteiger-dslr-mit-10-2-megapixeln/?pid=1#sid=41501672

[4] D5000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003894/testbericht/nikon+d5000+hd_video_dslr+mit+schwenk_display+im+test.htm

[5] D90: https://www.cnet.de/tests/digicam/39199498/testbericht/nikon+d90+erste+dslr_+die+hd_videos+in+1280+x+720+aufnimmt.htm

[6] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[7] A230: https://www.cnet.de/tests/digicam/41500505/testbericht/sony+alpha+dslr_a230+flinke_+einfache+spiegelreflexkamera.htm

[8] A330: https://www.cnet.de/tests/digicam/41500632/testbericht/sony+alpha+dslr_a330+guenstige+spiegelreflex+mit+live_view.htm

[9] Bearbeiten von RAW-Fotos: https://www.cnet.de/praxis/specials/41501098/fotos+im+raw_format+das+digitale+negativ+rettet+verkorkste+aufnahmen.htm

[10] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2009/08/0908_nikon_d3000_tilt-und-shift_gr.jpg

[11] Beispielfotos: die Bildqualität der Nikon D3000: https://www.cnet.de/41501676/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-nikon-d3000/?pid=1#sid=41501672

[12] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2009/08/0908_nikon_d3000_rauschprofil_gr.jpg