Günstiges AMOLED-Handy für Musiker: Samsung M7600 Beat DJ

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 11:07 Uhr

Pro
  • helles AMOLED-Display
  • Speicherkartenslot
  • innovative Oberfläche zum Mixen von Musik
  • anpassbarer Home-Screen
  • 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Standard-Kopfhörer
Con
  • innovative Oberfläche zieht sich nicht durch
  • viele Nutzer können mit der DJ-Funktion wenig anfangen
  • kein WLAN
  • nur durchschnittliche Audioqualität
Hersteller: Samsung Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das Beat DJ verfügt über einige spannende und hervorragend implementierte Funktionen. Leider zieht sich die coole Oberfläche aber nicht durch, und die Qualität der Musikwiedergabe ist nicht auf dem Niveau, das wir bei so einem Gerät erwarten. Pluspunkte sammelt das M7600 mit seinem für ein günstiges Touchscreen-Handy untypischen OLED-Display.

Auf den ersten Blick ist das Beat DJ von Samsung ein absolutes Schulhofhandy und der Albtraum aller Berufspendler, die sich ihr Abteil in S- und U-Bahn mit den Schülern teilen müssen: Das Handy erlaubt das Mixen von Musik, das Einbauen von Effekten – und natürlich das Wiedergeben der aufgenommenen Sounds in voller Lautstärke. Wir haben getestet, wie gut das funktioniert und was das Beat DJ noch kann.

Handyhersteller haben es schwer. An allen Ecken und Enden hagelt es förmlich Touchscreen-Geräte in unterschiedlichen Preisklassen in den Markt. Wie also kann man ein Alleinstellungsmerkmal finden, das Käufer an ein bestimmtes Modell bindet?

Scheinbar haben sich die Entwickler von Samsung [1] genau diese Frage gestellt. Dabei herausgekommen ist das M7600 Beat DJ – ein Touchscreen-Handy ohne Business-Funktionalitäten, dafür aber mit einem wirklich einzigartigen Extra: einem Mischpult. Das soll das Mixen und Scratchen von Musik ermöglichen. Klingt nach einem Muss für echte Musiker. Aber auch ansonsten dürfte das Samsung seine Fans finden: Sein Design ist abgefahren, das OLED-Display in dieser Preisklasse ein Alleinstellungsmerkmal, und nicht zuletzt wartet das User-Interface mit ein paar spannenden Neuerungen auf.

Rundes Design-Highlight

In puncto Optik trumpft das M7600 locker auf. Es ist ein Designstück, oben und unten komplett rund, ohne eine einzige Ecke im Gehäuse. Wer von oben auf das Gerät blickt, sieht einen silbern glänzenden Rahmen aus Metall, der stolz eingraviert die Namen Samsung und Bang & Olufsen trägt. Alles andere, was aus dieser Perspektive zu sehen ist, ist schlicht schwarz. Wer genau hinsieht, erkennt das mittig eingebaute Display auch im ausgeschalteten Zustand.

Oberhalb der berührungsempfindlichen Anzeige gibt es einen ebenfalls runden Ausschnitt im Gehäuse, unter dem sich der Lautsprecher für Telefonate befindet. Unterhalb der Anzeige sitzen drei mechanische Tasten – Rufannahme, Zurück und Auflegen. Die drei Knöpfe sind ebenfalls halbrund gehalten und zumindest optisch nicht voneinander getrennt.

Musik? Nett.

Im Inneren des Beat DJs verbirgt sich Audio-Technik von Bang & Olufsen. Das klingt ja schon mal hervorragend – aber wir vertrauen lieber auf unser Gehör als auf Labels und Marken. Zu Recht, wie sich an diesem Beispiel zeigt. Die Soundqualität entspricht nicht dem, was der Name verspricht. Im Vergleich mit einem SanDisk Sansa Fuze und anständigen Kopfhörern von Sennheiser (CX300-II) fällt auf, dass dem integrierten MP3-Player die Tiefe und Vollkommenheit des Klangs fehlt. Der virtuelle 5.1-Sound, den das Beat DJ zu bieten hat, wirkt bei elektronischer Musik recht ordentlich. Instrumentale Stücke und Gesang leiden aber etwas unter der Technik. Unterm Strich ist der MP3-Player aber keine Katastrophe. Er klingt gut – aber eben nicht so gut, wie wir es von einem Musik-Handy mit Bang-&-Olufsen-Aufdruck erwarten.

Ein Lob verdienen die Koreaner für die Standard-Kopfhörerbuchse auf der Oberseite. Sinnvoll ist darüber hinaus der zweistufige Schalter auf der linken Seite: In der einen Richtung sperrt er die Tasten. Wer ihn über die Entsperren-Stellung hinaus schiebt, startet den MP3-Player. Dedizierte Tasten für die Musikwiedergabe wie Play, Pause, Vor und Zurück gibt es aber nicht. Außerdem wirkt die Oberfläche irgendwie nicht ganz fertig, obwohl sie eigentlich gut gedacht ist. So zieht der Nutzer seine Alben in Form von stilisierten CDs in die Playliste. Aber es ist nicht so leicht, einfach wieder einen Schritt zurück zu gehen, ohne wieder im Hauptmenü anzufangen. Außerdem ist das Spulen innerhalb von Songs nicht gerade einfach. Schade – zumal sich dafür die innovative Touchfläche eignen würde. Das Beat-DJ ist nämlich auch außerhalb seiner Anzeige berührungsempfindlich.

Zum Einsatz kommt dieser Bereich, wenn der Nutzer die DJ-Funktion startet. In der Mitte des Bildschirms setzt er seinen Finger auf, um den Song auf einer virtuellen Scheibe – wie eine Schallplatte – zu scratchen. Zum Blättern durch die Menüs und Effekte steht der berührungssensitive Bereich zur Verfügung, der wie ein Halbkreis aus dem Display „herauswächst“. Das klappt hervorragend und ist innovativ – eine Schande, dass Samsung diese Möglichkeit der Bedienung nicht in allen Applikationen implementiert hat.

Die eigentliche DJ-Funktionalität ist witzig und leicht zu bedienen. Es bedarf jedoch einiger Übung, um damit ansehnliche Ergebnisse zu erzielen. Profi-Equipment sieht natürlich anders aus, aber es ist ein netter Zeitvertreib. Allerdings muss es einem schon wirklich sehr langweilig sein, wenn man versucht, damit echte Songs zu gestalten.

Nur 50 MByte integrierter Speicher? Den hätten sich die Entwickler eigentlich gleich sparen können – denn da passt bei ansehnlicher Qualität nicht einmal ein Album in MP3-Format rein. Immerhin gibt es einen MicroSD-Kartenslot auf der Seite des Handys. Testweise haben wir Bilder, Videos und Musik auf die Speicherkarte kopiert – das Beat DJ hat alles problemlos erkannt.

Menüführung? Leider nur ein Rohdiamant

Wer in der Vergangenheit mit einem Nokia-Handy zu tun hatte, dürfte sich in den grundlegenden Optionen und Möglichkeiten des M7600 zu Hause fühlen. Schließlich setzt Samsung bei diesem Smartphone [2] auf das bewährte Symbian-Betriebssystem. Im direkten Vergleich sieht die Oberfläche von Samsung attraktiver aus, wirkt aber auch verspielter – Geschmackssache.

Der Touchscreen reagiert erfreulich gut und ist angenehm empfindlich. An die Qualität des iPhones kommt er aber nicht heran. Wer SMS-Nachrichten tippt, muss sich mit der virtuellen Zifferntastatur zufrieden geben – ein QWERTZ-Tastenfeld im Querformat gibt es leider nicht. Beim Tippen verschluckt das Handy gerne mal den einen oder anderen Buchstaben und die Texteingabehilfe kostet Zeit: Der Nutzer muss das gewünschte Wort immer aus einer Liste von Möglichkeiten auswählen.

Die TouchWiz-Oberfläche kennen wir schon von anderen Samsung-Handys mit berührungsempfindlichem Display. In einer Leiste am linken Bildschirmrand sitzen Widgets, die der stolze Beat-DJ-Besitzer auf den Homescreen ziehen kann. Wie bei allen Geräten mit diesem Interface gilt auch hier: Nett gemacht, schön bunt, aber teilweise etwas fummelig, und die Auswahl der zur Verfügung stehenden Mini-Programme ist nicht sonderlich groß.

Vom Homescreen ins Hauptmenü geht es mit einer Fingergeste. Wer den Finger in die andere Richtung über das Display zieht, sieht seine wichtigsten Kontakte. Anrufen klappt mit einem Tipp auf das Bild der Person – sofern es hinterlegt ist, versteht sich.

Die mechanischen Tasten des Beat DJ sind sinnvoll angeordnet und leicht zu drücken. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Lautstärkeregler: Im MP3-Player, der im Hochformat erscheint, regelt ein Druck auf die obere Taste die Lautstärke höher. In der DJ-Applikation im Querformat ist es umgekehrt. Das ist eines von vielen Beispielen, bei denen das grundsätzlich innovative Interface an seine Grenzen kommt und schlicht nicht sonderlich gut durchdacht wirkt.

Weitere Beispiele gefällig? Die meisten Programme – so auch der Foto-Viewer – schalten nicht zwischen Hoch- und Querformat um. Die Wiedergabe von Musik in Stereo über Bluetooth (A2DP) funktioniert nur beim MP3-Player, nicht aber bei der DJ-Funktion, und geht eine Datei via Bluetooth ein, informiert das Handy seinen Besitzer nicht, wenn die Tastensperre aktiv ist.

Wunderschönes Display

Fotos und Videos sehen auf dem Beat DJ hervorragend aus. „Schuld“ daran ist das 2,8 Zoll große AMOLED-Display. Farben sehen realistisch aus, die Blickwinkel sind perfekt, die Darstellung von Text gestochen scharf – und noch dazu nimmt die Anzeige trotz ihrer Helligkeit weniger Energie auf als die vergleichbare LCD-Technik. Ansonsten ist das M7600 aber ein rechter Stromfresser – bereits nach einem Tag will es zurück ans Netzteil.

Auf der Rückseite befindet sich die Linse der 3-Megapixel-Kamera. Sie eignet sich für spontane Schnappschüsse, arbeitet ansonsten aber eher durchschnittlich. Dank Foto-LED gelingen Aufnahmen sogar in etwas dunkleren Umgebungen, sofern die zu fotografierenden Personen und Objekte nicht zu weit weg sind. Nachsitzen sollten die Entwickler der Kameraapplikation dennoch: Zwischen dem ersten Druck auf den Auslöser und der tatsächlichen Aufnahme liegen 5 Sekunden. Das ist viel zu lang.

Fazit

Das Beat DJ profitiert von seinem einzigartigen Design, seinem hervorragenden Display und einer langen Liste interessanter Ausstattungsmerkmale. Die DJ-Applikation ist ein nettes Gimmick und hervorragend zu bedienen, doch leider nutzen die weiteren Anwendungen auf dem Samsung M7600 seine Möglichkeiten nicht aus – damit wirkt das ganze Gerät etwas undurchdacht. Auch von der Soundqualität hätten wir uns mehr erwartet.

Aber das Handy ist nicht teuer, wirkt hochwertig gefertigt und liegt gut in der Hand. Damit ist es ein abgefahrenes Gadget für jeden – und nicht nur für die, die auf die Musik-Funktionen spekulieren.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/