Nokia 6700 Classic: unspektakuläres Handy mit guter Leistung

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 14:07 Uhr

Pro
  • hochauflösendes Display
  • HSPA für schnelle Internet-Verbindung
  • Micro-USB-Anschluss
  • einfache und attraktive Oberfläche
  • problemloser Datenabgleich mit PCs
Con
  • kein WLAN
  • zieht Fingerabdrücke an
  • keine Klinkenbuchse
  • kein Kopfhörer-Adapter im Lieferumfang
  • Synchronisierung mit Macs nicht möglich
Hersteller: Nokia Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das Nokia 6700 Classic ist nicht gerade der letzte Schrei in Sachen Handys - weder, was die Ausstattung angeht noch beim Design. Aber es hat alles, was man braucht, sieht gut aus und fühlt sich hochwertig an - ein typisches Nokia eben. Sein hervorragendes Display und die integrierte 5-Megapixel-Kamera setzen das 6700 an die Spitze der Mittelklasse-Mobiltelefone.

Das Nokia 6700 ist ein Handy für jeden, der auf der Suche nach einem soliden Begleiter ist. Es mag nicht so hip sein wie das iPhone, keine HD-Videos aufnehmen wie das i8910 von Samsung und keine 12-Megapixel-Kamera haben wie das Satio von Sony Ericsson. Aber alles, was es kann, macht es gut – und das ist Gold wert.

Das 6700 wirkt wie ein Rückblick in eine andere Zeit. In eine Zeit, in der das Leben einfach war, und ein Handy etwas ganz Besonders. Dieses Nokia ist ein ständiger Begleiter, der einen nicht im Stich lässt und von dem man keine bösen Überraschungen erwarten muss. Noch dazu wirkt es hochwertig und solide, liegt gut in der Hand und hinterlässt einen stabilen Eindruck.

Edler Glanz

Das 6700 strahlt förmlich. Unser Testgerät wirkt wie verchromt und glänzt stark genug, um im Notfall einen Rettungshubschrauber auf einen aufmerksam zu machen – nur durch Reflektion. Das schwere Gehäuse aus rostfreiem Stahl sieht durch seine sanften Kurven elegant aus. Damit liegt das Handy hervorragend in der Hand und fühlt sich einfach gut an. Wer einen Haken finden will, bemerkt, dass es Fingerabdrücke magnetisch anzieht.

Die flache, verchromte Tastatur nimmt mehr Fingerabdrücke auf als Horatio bei CSI Miami. Die Tasten sind nicht erhaben, aber leicht zu drücken und geben dabei einen eindeutigen Klick von sich. Allerdings reagieren die Knöpfe der untersten Reihe nicht ganz so gut wie die oberen. Am Anfang erwischt man deswegen durchaus mal die falsche Taste, aber man gewöhnt sich an das Keypad.


Die stark glänzende Oberfläche sieht zwar schick aus, ist aber schnell mit Fingerabdrücken übersät.

Auf dem 6700 kommt das vielleicht etwas in die Jahre gekommene, aber bewährte S40-Betriebssystem. Der Homescreen lässt sich mit Verknüpfungen zu häufig benutzten Anwendungen anpassen. Die gesamte Oberfläche ist einfach und intuitiv aufgebaut.

Natürlich gibt es auch hier ein paar merkwürdige Verhaltensweisen. So läuft beispielsweise die Fortschrittsleiste immer wieder von vorne nach hinten und zurück, anstatt den tatsächlichen Prozess anzuzeigen, wie wir es uns vorstellen. Außerdem gibt auch das 6700 Classic Nokia-typisch viele Meldungen wieder, die eigentlich unnötig sind – beispielsweise zeigt das Handy bei jedem Anruf an, dass die Rufweiterleitung aktiv ist. Dabei ist doch nur die Mailbox eingeschaltet. Aber keiner dieser Haken wäre so groß, dass er das gute Gesamtergebnis dieses Smartphones trüben könnte.

Hell und attraktiv

Das 2,2 Zoll große Display wirkt zu Zeiten gigantischer Touchscreens zwar etwas klein, ist aber gestochen scharf und hell. Fotos sehen realistisch aus, Icons sind perfekt zu erkennen, und Text ist klar zu lesen.

Außerdem beeindruckt uns die 5-Megapixel-Kamera. In hellen Umgebungen nimmt sie erstklassige Bilder auf. Im Vergleich zu einer Kompaktkamera wirken die Farben allerdings etwas ausgewaschen, außerdem verwackelt der Fotograf das Bild schnell. Doch das Nokia-Handy schlägt sich deutlich besser als der Durchschnitt. Auch die Auslöseverzögerung geht durchaus in Ordnung.

In dunklen Umgebungen hellt die Foto-LED das Bild auf – allerdings nur, wenn die Objekte oder Personen nicht zu weit weg sind. Üblich ist das entstehende Rauschen bei Bildern in schummrigen Bars oder bei Nacht. Aber auch hier gilt: Das 6700 Classic schlägt sich deutlich besser als der Durchschnitt.


Auf der Rückseite des Nokia 6700 Classic befindet sich die Linse der 5-Megapixel-Kamera.

Etwas frustrierend ist allerdings der Auslöser auf der rechten Seite. Er ist zu winzig, um leicht gedrückt zu werden. Glücklicherweise arbeitet die OK-Taste inmitten der Vierwege-Navigationsknöpfe auf der Vorderseite ebenfalls als Auslöser – sie ist angenehm leicht zu drücken. Das gleiche Problem wie der eigentliche Auslöser haben die Tasten zu Lautstärkeregelung. Außerdem sind sie nicht sonderlich gut zu erreichen.

App Store für Nokia?

Klasse: Mit dem 6700 Classic ist der Zugriff auf den Nokia-Content-Shop OVI möglich. Zwar ist die dafür nötige Applikation auf unserem Testgerät nicht vorinstalliert, doch der Download klappt problemlos und auf Anhieb.

Leider gibt es immer noch nur eine Handvoll wirklich guter Programme in OVI. Einige davon sind die Installation aber wirklich wert. So ist beispielsweise die Facebook-Applikation deutlich besser als die ohnehin vorhandene Verknüpfung auf die Social-Network-Seite. Obwohl das Programm nicht ganz so gut ausgestattet und sexy ist wie seine Touchscreen-Pendants für Android [1] oder iPhone, bietet es alle notwendigen Features.

Google [2] Maps ist bereits vorinstalliert, und der integrierte GPS-Empfänger zeigt dem Nutzer schnell und problemlos seine aktuelle Position.

Funk & Co.

Der erste Blick auf das Datenblatt mag den einen oder anderen Onliner enttäuschen – WLAN ist nicht an Bord. Doch immerhin gibt es UMTS und den Datenturbo HSPA für schnelle Up- und Downloads.

Wie üblich setzt Nokia auf seinen Minimap-Browser, der beim Navigieren über große Webseiten eine verkleinerte Karte der Seite anzeigt. Positiv überrascht uns, dass Nokia den alternativen Browser Opera vorinstalliert. Er wurde offensichtlich angepasst, um große Webpräsenzen auf so einem kleinen Display anzuzeigen. Wer häufig RSS-Feeds abonniert, wird damit sicherlich glücklich – denn diese Funktion ist erstklassig implementiert.

Sound? Ja, mit Einschränkungen

Der Mediaplayer sieht gut aus und ist einfach zu bedienen. Leider verfügt das Handy aber nicht über eine Standard-Klinkenbuchse. Auch ein Adapter ist nicht im Lieferumfang enthalten – man muss sich also mit den mitgelieferten Kopfhörern anfreunden.

Das Headset wird in die Micro-USB-Buchse gesteckt. Das ist immerhin schon ein Fortschritt im Vergleich zur bisherigen klobigen Anschlussleiste, die zu Wackelkontakten neigt. Auch das mitgelieferte Ladegerät verbindet sich mit dieser Buchse. Dementsprechend lädt der Akku auch über USB bei Anschluss an Computer oder Notebook [3].

Das Synchronisieren der Musik klappt hervorragend über die bekannte PC Suite von Nokia. Auch der Datenabgleich über Bluetooth funktioniert problemlos. Das Programm ist vielleicht nicht das schönste, aber es gibt regelmäßige Updates und ein paar erstklassige Funktionen. So tippt der Nutzer SMS-Nachrichten auf Wunsch auf seiner großen Computer-Tastatur, versendet sie aber über sein Handy. Auch das Übertragen von Daten, Kontakten und so weiter ist möglich. Mac-Nutzer bleiben aber außen vor: Die PC Suite arbeitet nur mit Windows zusammen.

Damit dem Nutzer der Speicher nicht ausgeht, ist eine 1-GByte-microSD-Karte im Lieferumfang enthalten. Wenn das nicht reicht, nimmt das Handy entsprechende Karten mit bis zu 8 GByte Kapazität auf. Sollte auch das nicht genügen, sorgt das UKW-Radio unterwegs für Kurzweil.

Hörst Du mich?

Nokia wirbt beim 6700 mit aktiver Geräuschunterdrückung. Wir haben das Gerät in unserem Labor ausprobiert, umgeben von Lüftern, Telefonen, sprechenden Menschen und Hintergrundlärm. Unterm Strich besteht kein gravierender Unterschied zu einem Handy ohne diese Technik, aber das Mikrofon ist empfindlich und der Gesprächspartner ist klar zu verstehen.

Fazit

Wen Touchscreen-Smartphones kalt lassen, der sollte sich das 6700 unbedingt näher ansehen. Dem einen oder anderen mag das glänzende Chrom etwas zu viel des Guten sein, aber das Metallgehäuse sorgt für einen qualitativ hochwertigen Gesamteindruck.

Das Nokia kommt mit allen wichtigen Aufgaben problemlos zurecht, hat eine hervorragende Sprachqualität zu bieten und verfügt über eine attraktive, logische und einfache Oberfläche. Ein paar nette Extras bringen Sympathiepunkte – etwa die gute Kamera, der anpassbare Home-Screen und der OVI-Store. Noch dazu ist das Gerät vergleichsweise günstig. Was will man mehr?

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41501902/nokia-6700-classic-unspektakulaeres-handy-mit-guter-leistung/

URLs in this post:

[1] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/