Die beste kostenlose Videoschnitt-Software: Freeware für den Urlaubsfilm

von Stefan Möllenhoff am , 17:03 Uhr

Die Karibikreise ist zu Ende, der Jahresurlaub verbraten und der Camcorder voll mit Erinnerungen an Kuba – 13 Stunden Videomaterial. Aber mal ganz im Ernst: Niemand setzt sich an einem grauen Wintertag von morgens bis abends aufs Sofa und zieht sich das gedrehte Material am Stück rein. Wir zeigen, mit welchen kostenlosen Programmen sich aus dem gesammelten Material ein knackiger, leinwandreifer Film schneiden lässt.

Premiere und After Effects von Adobe – die Programme zum Bearbeiten von Videomaterial schlechthin. Allerdings kosten die Tools ähnlich viel wie ein kompletter Urlaub. Glücklicherweise gibt es so ziemlich in jeder Softwaresparte massig Freeware-Alternativen zu den kostenpflichtigen Profiwerkzeugen. Da macht der Bereich „Videobearbeitung“ keine Ausnahme. Wir zeigen, worauf es bei den Programmen ankommt und was die Gratis-Geschwister von Premiere und After Effects leisten.

Ein Tool, das sich auf jedem aktuellen Windows-Rechner findet, ist der Movie Maker. Allerdings bietet die Software nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten und ist für seine Instabilität berüchtigt. Zudem lässt die Microsoft [1]-Software mit seinen Standard-Effekten nicht gerade viel Spielraum für Kreativität.


Nicht gerade das Gelbe vom Ei: der Microsoft Windows Movie Maker

Worauf kommt es an?

Unter dem Filmchen von der Busfahrt soll eine kubanische Landkarte durchscheinen, Clips der verschiedenen Orte unterschiedliche Farbstiche aufweisen und von dem Full-HD-Schnipsel der Bootsfahrt lediglich der Ausschnitt zu sehen sein, in dem gerade ein Delphin aus dem Wasser springt? Mit derartigen Effekten sind simple Schnittprogramme hoffnungslos überfordert.

Eine anspruchsvolle Software zur Videobearbeitung bietet mehrere Videospuren, die sich übereinander legen lassen. So laufen beispielsweise zwei Clips oder ein Video und ein Foto mit Transparenzeffekt übereinander ab. Man spricht hierbei von nicht-linearen Programmen. Anstelle von bewegten Bildern sind auch mehrere Tonspuren möglich – etwa für karibische Klänge, Meeresrauschen und nachträglich eingesprochene Kommentare.

Ein weiteres Ausstattungsmerkmal, das sich nur in fortgeschrittenen Programmen findet, sind Keyframes. Sie erlauben eine sekundengenaue Anpassung der Intensität diverser Effekte. Damit lassen sich etwa Abspielgeschwindigkeit, Aus-, Ein- und Überblendungen sowie Farbeffekte exakt an die eigenen Vorstellungen anpassen.

Einsteigertauglich: Magix Video Deluxe Silver

Lust auf den ersten eigenen Actionfilm bekommen? Magix bietet auf seiner Webseite ein von der Bildzeitung gesponsortes und daher kostenloses Videobearbeitungsprogramm an. Video Deluxe Silver [2] ist eine leicht abgespeckte Version der ansonsten 100 Euro teuren Software. Das Programm ist einfach und übersichtlich aufgebaut. Links oben befindet sich ein Wiedergabefenster, rechts davon sitzen diverse Effekte und Einstellungen. Darunter liegen die Videospuren, die die Programmierer allerdings auf vier begrenzen. Angesichts der Tatsache, dass viele Effekte und auch der Ton einen eignenen Slot besetzen, ist das – jedenfalls für Special-Effects-Fans – deutlich zu wenig.


Einfach und unkompliziert, aber leider nur wenige Videospuren: Magix Video Deluxe Silver

Aber immerhin: Die Software läuft schnell und stabil, frisst alle von uns eingesetzten Dateiformate und lässt sich einfach bedienen. Zudem unterstützt das Programm Keyframes, so dass sich die Intensität der angewandten Effekte beliebig variieren lässt. Die Zahl der verfügbaren Special Effects ist allerdings stark begrenzt.

Pro: einfache Bedienung, ausführliche Hilfe, gute Performance, stabil

Contra: eingeschränkter Funktionsumfang, nur vier Spuren

Fazit: Dieses Programm stellt das ideale Gratis-Werkzeug für Einsteiger in die Welt der Videobearbeitung dar. Allerdings ist der Umfang an Features und Effekten begrenzt, und die Zahl der möglichen Videospuren auf vier beschränkt.

Mächtiger Effektehagel: Debugmode Wax

Während sich die Magix Video Deluxe Silver eher für Anfänger eignet, erschlägt Debugmode Wax [3] den Nutzer förmlich mit Einstellungen und Effekten. Sogar eine Keying-Funktion, mit dessen Hilfe sich beispielsweise Szenen vor einem Greenscreen realisieren lassen, ist an Bord. Derartige Features finden sich ansonsten nur in hunderte Euro teuren Programmen. Die Zahl der Videospuren ist unbegrenzt. Und das Beste: Die Software bietet trotz ihres gigantischen Funktionsumfangs ein recht übersichtliches Interface. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis man sich auf der Suche nach einem bestimmten Effekt durch die Myriaden an Features gekämpft hat.


Debugmode Wax bietet eine Vielzahl von fortgeschrittenen Effekten wie Keying und Partikelsimulation.

Die Performance ist erstaunlich gut. Obwohl wir fünf Videospuren übereinanderlegen, einen Keying- und einen 3D-Effekt einsetzen, läuft die Vorschau immer noch flüssig ab. Einen dicken Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Anzahl an Videocodecs, mit denen Debugmode Wax zurechtkommt, ist stark begrenzt. So ist vor dem Schneiden häufig ein Umkodieren der Dateien vonnöten. Hilfe beim Umwandeln der Videos finden unsere Leser in der Story Gratis-Software zum Konvertieren von Videos [4].

Pro: extrem viele Effekte und Features, ausgezeichnete Performance, übersichtliches Interface

Contra: eingeschränkte Unterstützung von Videoformaten, aufwändige Bedienung

Fazit: Debugmode Wax ist eine übersichtliche, aber sehr mächtige Videoschnittsoftware, die viel Freiraum für Kreativität lässt. Allerdings bietet sie derart viele Funktionen und Effekte, dass der Überblick schnell verloren geht. Leider unterstützt Wax nicht so viele verschiedene Codecs, wie wir es uns wünschen würden.

Open-Source Software für Videofreaks: Jahshaka

Wenn Magix Video Deluxe der VW Golf unter den Videoschnittprogrammen ist, dann stellen Debugmode Wax den aufgebohrte Porsche und Jahshaka [5] den Formel-1-Boliden dar. Allerdings ist das Interface von Jahshaka auch in puncto Komplexität mit dem eines Rennautos aus Maranello vergleichbar: Das „Cockpit“ ist voll von kleinen Schaltern, dessen Sinn sich nicht auf die Schnelle offenbart. Zwei entscheidende Vorteile hat das Programm allerdings gegenüber eines Ferrari F60: Es ist kostenlos, und bei einer Fehlbedienung landet niemand an der Wand.


Funktionsoverkill: Jahshaka kommt sogar mit 3D-Modellen zurecht.

Dennoch, bis man sich durch die vielen kleinen, teilweise unübersichtlichen Untermenüs gekämpft und vor allem, sie verstanden hat, vergehen Stunden. Dafür stehen Videofreaks dann aber auch alle Effekte und Features zur Verfügung, die man sich nur wünschen kann: An Ebenenfunktionen braucht sich die Software nicht hinter Adobes After Effects zu verstecken. Zudem kommt Jahshaka mit allen von uns durchprobierten Videocodecs und 3D-Objekten aus den verschiedensten Grafikprogrammen zurecht.

Pro: fantastische Ausstattung, breite Unterstützung von Videoformaten

Contra: extrem kompliziertes, unübersichtliches Interface

Fazit: Jahshaka eignet sich nicht für diejenigen, die mal eben schnell zwei Videos kürzen und aneinanderhängen möchten. Stattdessen richtet sich die Software an anspruchsvolle Profis und diejenigen, die es werden wollen.

Bei den drei hier vorgestellten Programmen sind in der Reihenfolge des Erwähnens zwei Tendenzen festzustellen: Sie bieten immer mehr Funktionen, immer mehr Effekte und immer mehr Freiheiten für Kreativität – dafür nimmt allerdings auch die Komplexität drastisch zu. Je nach Anspruch an das Endergebnis und der Bereitschaft, wenig oder viel Zeit zu investieren, empfehlen wir Magix Video Deluxe Silver für Einsteiger, Debugmode Wax für Fortgeschrittene und Jahshaka für kleine Spielbergs.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41502189/die-beste-kostenlose-videoschnitt-software-freeware-fuer-den-urlaubsfilm/

URLs in this post:

[1] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[2] Video Deluxe Silver: http://www.magix.com/de/video-deluxe/video-deluxe-silver/

[3] Debugmode Wax: http://www.debugmode.com/wax/

[4] Gratis-Software zum Konvertieren von Videos: https://www.cnet.de/praxis/insider/41003830/gratis_software+zum+video_konvertieren+endlich+auf+ipod+co_+filmchen+schauen.htm

[5] Jahshaka: http://jahshaka.org/