Booklet 3G: das erste Netbook von Nokia

von Yvonne Göpfert am , 16:38 Uhr

Pro
  • satte Ausstattung
  • lange Akkulaufzeit
  • Einstecken von SIM-Karten für UMTS-Verbindungen im Betrieb möglich
  • HDMI-Anschluss
  • A-GPS
Con
  • stark spiegelndes Display
  • anfällig gegen Kratzer
  • kleine Tastatur
  • hoher Preis
Hersteller: Nokia Listenpreis:
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Fazit:

Mit dem Booklet 3G bringt Nokia sein erstes Netbook auf den Markt. Das Gerät kommt mit einer guten Ausstattung inklusive UMTS, GPS und 16-Zellen-Akku. Letzterer verhilft dem Netbook laut Hersteller zu Laufzeiten von bis zu 12 Stunden. Allerdings ist das Gerät mit 10,1-Zoll-Display und Intel-Atom CPU nicht gerade günstig. Käufer bezahlen satte 700 Euro für das Mini-Notebook.

Wer Nokia hört, denkt an Handys. Doch die Finnen möchten nun nicht mehr nur Telefone, sondern auch kleine Computer bauen. Mit dem Nokia Booklet 3G steigt der Hersteller in den Netbook-Markt ein. Wir haben uns das Gerät auf der Nokia World 2009 in Stuttgart genauer angesehen.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo hat auf der diesjährigen Nokia World in Stuttgart die neue Hardware-Strategie des Konzerns ausgerufen. In Zukunft will Nokia Mobiltelefone, Smartphones und Geräte für mobiles Computing herstellen. Den Begriff PC vermeidet der Finne dabei konsequent. In diesem Bereich hat Nokia schließlich keine Expertise vorzuweisen. Und so setzt man beim Booklet 3G, dem ersten Netbook [1] aus dem Hause Nokia, auf Microsoft [2] und Windows 7 [3]. Nokia hat sogar das ehrgeizige Ziel, als einer der ersten ein Netbok mit dem neuen Windows-Betriebssystem auf den Markt zu bringen. Für knapp 700 Euro soll das Booklet 3G Ende Oktober oder Anfang November in Deutschland auf den Markt kommen.

Stärken

Das Nokia Booklet 3G ist ein Hingucker. Das Gehäuse aus gebürstetem Aluminium sieht nach Understatement aus. Die wahlweise schwarze, weiße oder türkisfarbene Lackoberfläche des Deckels glänzt elegant. So wird das Netbook auch für viele Frauen interessant.

Mit 26 mal 19 mal 2 Zentimetern Größe passt es zudem in jedes Reisegepäck – oder sogar in die Handtasche. Die Gefahr von Kofferübergewicht und damit verbundenen teuren Zusatzkosten beim Check-In in den Urlaubsflieger besteht bei 1,3 Kilo nicht. Trotz Minigewicht soll das Netbook laut Nokia jedoch 12 Stunden Akkulaufzeit schaffen. Statt der üblichen 4- oder 8-Zell-Akkus hat Nokia nämlich ganze 16 Zellen verbaut. Sobald der Nutzer das integrierte UMTS [4], GPS [5], WLAN nach 802.11 b/g/n oder Bluetooth aktiviert, macht das Netbook schon früher schlapp. Da Nokia auf Intels stromsparende Atom-Prozessoren setzt, kommt das Gerät ohne Lüfter aus. Selbst nach mehreren Stunden im Dauerbetrieb ist es nicht mal handwarm. Inwieweit der 1,6-GHz-Prozessor und der Intel-Poulsbo-US15W-Chipsatz für flottes Arbeiten geeignet sind, muss der Test im Labor noch zeigen. Der Arbeitsspeicher beläuft sich auf 1 GByte DDR2-RAM. Die Festplatte bietet 120 GByte Kapazität.

Ein paar gute Ideen hat Nokia aus seine Erfahrungen im Handybereich mitgebracht: Integriertes UMTS ist bereits in einigen Netbooks zu finden. Doch während bei den meisten Notebooks ein Einstecken der SIM [7]-Karte nicht bei laufendem Betrieb möglich ist, stellt das für das Nokia Booklet 3G kein Problem dar. Der Steckplatz für die SIM liegt zudem gut zugänglich an der rechten Gehäuseseite, direkt neben dem Slot für eine microSD-Karte.

Auf dem Desktop hat Nokia ein Widget namens Social Hub vorinstalliert. Durch Anklicken des Widgets oder durch einen Druck auf eine Taste mit der Aufschrift Nokia poppen Facebook und Flickr auf. Der Anwender kann also mit einem Klick gleich nachsehen was sich in seinem Netzwerk so vor sich geht. Eigene soziale Netze darf er aber nicht integrieren. So müssen StudiVZ und Lokalisten derzeit draußen bleiben. Ferner hat der Nutzer die Möglichkeit, über den Social Hub eine SMS zu verschicken.

Ein weiteres Ausstattungs-Plus auf dem Nokia Booklet 3G ist das integrierte GPS-Modul inklusive A-GPS. Nokia hat ein Ovi-Maps-Widget auf dem Startbildschirm hinterlegt. Mit einem Klick lassen sich Nutzer orten und nutzen ortsbezogene Dienste. Bis der eigene Standort gefunden ist, sollen beim Warmstart im Auto laut Nokia 10 bis 15 Sekunden vergehen.

Interessant sind auch die Anschlüsse: Neben drei USB-Ports und einmal Audio-Out (3,5-Millimeter-Klinke) gibt es einen HDMI [8]-Ausgang. VGA [9] dagegen wird nur über einen Dongle (USB auf VGA) unterstützt.

Das Netbook ist mit einem Beschleunigungssensor ausgestattet. Befindet sich das Gerät im Schlafmodus, kann der Nutzer es mit einem zweimaligen Antippen auf die Fläche neben dem Mauspad wieder aufwecken. Das klassische Drücken der Einschalttaste funktioniert natürlich auch.

Ähnlich wie die Profile für Klingeltöne auf dem Handy lassen sich auch für das Netbook Profile für die Akkuleistung einstellen. Nokia hat diese Idee sozusagen bei sich selbst kopiert. An der rechten Gehäuseseite befindet sich ein Knopf für drei verschiedene Betriebsmodi. Das soll helfen, je nach Tätigkeit die Akkulaufzeit zu verlängern oder eine möglichst hohe Leistung zu erzielen. Zudem lässt sich das Netbook darüber in den Schlafmodus versetzen oder herunterfahren.

Schwächen

Das Display entspricht mit einer Größe von 10,1 Zoll und einer Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln dem Standard. Bei direktem Sonnenlicht wird es allerdings fast zum Totalausfall. Die maximal mögliche Helligkeit ist deutlich zu schwach. Hier muss Nokia dringend optimieren.

Wünschenswert wäre auch eine Schutzschicht auf dem Deckel des Netbooks. Denn dank Glanzlack ist jeder Fingerabdruck sofort zu sehen. Außer der Spurensicherung bei der Polizei dürfte niemand Freude an den deutlich sichtbaren, fettigen Spuren finden.

Die Tastatur bietet eher kleine Tasten. Dadurch funktioniert das Tippen längerer Texte eher schleppend. Immerhin steht eine zweizeilige Return-Taste zur Verfügung.

Der größte Knackpunkt des Nokia Booklets 3G ist sein Preis: Knapp 700 Euro für ein Netbook ist eine stolze Summe. Ähnlich ausgestattete Geräte der Konkurrenz aus Korea sind für 100 bis 150 Euro weniger zu haben. Nokia will daher auf seine guten Beziehungen zu den Netzbetreibern setzen und subventionierte Geräte anbieten. In Deutschland wird das Booklet bei O2 zu haben sein. Zu den Preisen mit Datenvertrag macht Nokia noch keine Angaben. Der Hersteller hofft aber, dass er das Gerät mit einem Zwei-Jahresvertrag für 200 bis 250 Euro anbieten kann.

Fazit

Der erste Eindruck vom Booklet 3G ist vielversprechend. Insbesondere die Ausstattung mit UMTS und gut zugänglichem SIM-Kartensteckplatz sowie A-GPS und HDMI-Ausgang überzeugt. Auch die Akkulaufzeit ist mit 12 Stunden ziemlich üppig. Damit kommen Anwender ganz gut durch einen Arbeitstag. Zudem stört kein lauter Lüfter das Arbeiten. Die Tasten reagieren gut auf Druck, mögen aber für viele Männerhände etwas klein sein.

Das Display überzeugt hingegen weniger. Nokia sollte die Helligkeit deutlich erhöhen und zwei Display-Varianten anbieten: glare und nonglare. Ob Käufer letztendlich bereit sind, knapp 700 Euro für das schicke Design und praktische Funktionen wie integriertes UMTS mit HSDPA zu bezahlen, muss sich erst noch zeigen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41502255/booklet-3g-das-erste-netbook-von-nokia/

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[1] Netbook: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/galerie/41003379/die+top+10+der+netbooks+was+die+besten+mini_notebooks+koennen.htm

[2] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[3] Windows 7: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/galerie/41500348/top+10+neue+funktionen+von+windows+7.htm

[4] UMTS: http://de.wikipedia.org/wiki/Umts

[5] GPS: http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System

[6] Finnisches Netbook: Nokia Booklet 3G mit großem Akku, UMTS und GPS: https://www.cnet.de/41502270/finnisches-netbook-nokia-booklet-3g-mit-grossem-akku-umts-und-gps/?pid=1#sid=41502255

[7] SIM: http://de.wikipedia.org/wiki/SIM-Karte

[8] HDMI: http://de.wikipedia.org/wiki/High_Definition_Multimedia_Interface

[9] VGA: http://de.wikipedia.org/wiki/Video_Graphics_Array

[10] Nokia Booklet 3G: Die Finnen zeigen ihr erstes Netbook: https://www.cnet.de/41501871/nokia-booklet-3g-die-finnen-zeigen-ihr-erstes-netbook/?pid=1#sid=41502255