Canon IXUS 200 IS: erste Canon-Kamera mit Touchscreen

von Alexandra Savvides und Stefan Möllenhoff am , 12:08 Uhr

Pro
  • reaktionsfreudiger Touchscreen
  • intuitives Interface
  • gute Bildqualität und schöne Farben
Con
  • vergleichsweise langsam
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,8 von 10 Punkte
Fazit:

Die Canon IXUS 200 IS ist eine ausgezeichnete Kamera mit einem erstaunlich, guten berührungsempfindlichen Display. Zusätzlich zur Touchscreen-Navigation lässt sich die Kamera auch vollständig mittels physikalischer Tasten bedienen. Lediglich bei der Geschwindigkeit wünschen wir uns noch ein paar Verbesserungen.

Bei den Kompaktkameras mit Touchscreen-Interface gehört Canon zu den Nachzüglern. Hersteller wie Nikon, Panasonic, Sony und Samsung bieten schon seit Jahren Modelle mit berührungsempfindlichen Displays an. Wir haben getestet, ob die Ixus 200 IS hier mit Neuerungen aufwartet und in puncto Geschwindigkeit und Bildqualität überzeugt.

Selbst eingefleischten Canon-Fans fällt es derzeit schwer, die verschiedenen IXUS-Modelle auseinanderzuhalten. Die 100 IS und 120 IS beispielsweise gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Nach den beiden brachte der Hersteller die 110 IS [1] auf den Markt, die mit ihrem etwas in die Länge gezogenen Gehäuse scheinbar auch auf die Ixus 200 IS abfärbt. Gehen den Designern des japanischen Konzerns langsam die Ideen aus?

Design

Wenn wir nur aufs Äußere schauen, sieht es beinahe so aus. Auf der Oberseite der Ixus 200 IS finden sich dieselben Bedienelemente wie auf der 110 IS: Ein/Aus-Schalter, Auslöser mit Zoom-Ring sowie Modusschieber zum Wechseln zwischen Videofunktion und Programm- sowie Automatikmodus.

Auf der Rückseite befindet sich ein 3 Zoll großes, berührungsempfindliches Display. Zu unserer Verwunderung gibt es hier auch eine Reihe von Tasten. Eine Touchscreen-Kamera mit haufenweise Knöpfen? Neben dem Bildschirm befinden sich ein Wiedergabe- und ein Menü-Button sowie ein Vier-Wege-Pad mit Scrollrädchen. Das Drehelement ist frei rotierbar und fühlt sich ein ganzes Stück besser an als das früherer Ixus-Kameras.


Die Oberfläche sieht sehr ansprechend aus. Rechts neben dem Display bringt die Ixus 200 IS für eine Touchscreenkamera erstaunlich viele Tasten mit.

Wie alle Ixus-Modelle kommt die 200 IS in einem soliden Gehäuse aus gebürstetem Metall. Die meisten Bedienelemente sind gut platziert und lassen sich einfach erreichen. Eines haben wir allerdings zu bemängeln: Es gibt keine ergonomische Position für den Daumen. Beim einhändigen Fotografieren ist es nicht ganz einfach, die Kamera zu halten, ohne versehentlich eine Taste zu erwischen. Beim Einsatz beider Hände dagegen verdeckt man den Blitz leicht mit den Fingern. Davor warnt übrigens auch das Handbuch.

Zurück zum Bildschirm: Canon überzieht den Touchscreen mit einer Schicht, die das Display vor spitzen Gegenständen schützten soll. Die Anzeige der Ixus 200 IS wirkt auf jeden Fall robuster als die von Sonys Cyber-shot T900 [2]. Auf der rechten Seite der Kompaktkamera befindet sich ein HDMI-Ausgang. Wie üblich ist jedoch kein Kabel im Lieferumfang enthalten.

Ausstattung

Bei Samsung [3] sind 24 Millimeter Weitwinkel schon fast Standard, und jetzt erschließt auch Canon derart niedrige Brennweiten. Das fünffach zoomende Weitwinkelobjektiv sorgt dafür, dass auch aus geringer Entfernung zum Motiv alles aufs Bild passt. Die maximale Blendenöffnung ist mit F2,8 ebenfalls recht hoch – das wird insbesondere fotografiebegeisterte Nachteulen freuen. Allerdings bietet die Canon Ixus 200 IS keine manuellen Einstellungsmöglichkeiten. Wer sich von der niedrigen Blendenzahl also Fotos mit ordentlicher Tiefenschärfe erwartet, muss auf die Unterstützung der intelligenten Automatik hoffen. Glücklicherweise wählt die Kompakte im Portrait-Modus tendenziell größere Blendenöffnungen.

Darüber hinaus bietet die Kamera Myriaden an Szenenprogrammen, etwa Feuerwerk, Aquarium sowie Kinder und Haustiere. Ein eher außergewöhnlicher Modus ist Creative Light Effect. Hier lassen sich Lichter durch beliebige Formen ersetzen. Der Bildsensor löst übrigens 12,1 Megapixel auf. Im Videomodus stemmt die Ixus 200 IS Auflösungen von bis zu 1280 mal 720 Pixeln.


Der Creative Light Effekt verwandelt die Lichter auf dem Foto in lauter kleine Sternchen, Herzchen oder dergleichen.

Beim Touchscreen-Interface hat sich Canon ein paar Details beim iPhone [4] abgeguckt. Per Fingerwischen quer über das Display scrollt der Anwender durch die Fotos. Ein Tippen an eine bestimmte Stelle vergrößert den anvisierten Ausschnitt. Zudem gibt es eine Tap-to-Focus-Funktion: Ein Druck auf eine bestimmte Stelle des Motivs genügt, und schon fokussiert die Kamera den gewünschten Bereich. Gesten mit mehreren Fingern à la Apple [5] sucht man allerdings vergebens.

Die allermeisten Kommandos setzt der Touchscreen recht fix um. Allerdings gibt es auch die eine oder andere Ausnahme: Beim Betrachten der Fotos holt ein Streichen mit dem Finger von oben nach unten ein Kontextmenü auf das Display. Diese Geste funktioniert allerdings nicht immer zuverlässig.


Wie beim iPhone browsen Anwender per Fingergeste durch die geschossenen Fotos. Ganz so flüssig wie beim Apple-Handy klappt das allerdings nicht.

Abgesehen von der Kamera befinden sich Trageschlaufe, Ladegerät, Netzkabel, Software sowie Mini-USB- und AV-Kabel im Lieferumfang. Ein gedrucktes Handbuch gibt es leider nicht.

Leistung

Bis die Ixus 200 IS gestartet und das erste Bild aufgenommen hat, vergehen 1,9 Sekunden. Das ist nicht sonderlich beeindruckend. Generell überzeugt uns die kompakte Canon nicht gerade bei der Geschwindigkeit. Selbst bei vorheriger Fokussierung beträgt die Auslöseverzögerung immer noch 0,15 Sekunden. Der Serienbildmodus bricht mit 0,8 Fotos in der Sekunde auch nicht gerade Rekorde.

Die Touch-to-Focus-Funktion funktioniert dafür erstaunlich gut. Setzt der Anwender den Fokus auf ein sich bewegendes Motiv, so verfolgt es die Kamera zuverlässig. Sobald sich das Objekt der Begierde aus dem Sichtfeld bewegt, spuckt die Ixus 200 IS eine Fehlermeldung aus.

Neben dem physikalischen Auslöser auf der Oberseite gibt es auch einen entsprechenden Button auf dem Touchscreen. Er erscheint auf der rechten Seite des Displays. Es ist zwar praktisch, die Schaltfläche in unmittelbarer Reichweite zu haben, doch verglichen mit dem „echten“ Knopf auf der Oberseite der Kamera verlängert sich beim Einsatz des Touchscreens die Auslöseverzögerung deutlich. Zudem verschwindet die Schaltfläche seltsamerweise manchmal vom Schirm.

Bildqualität

Die Canon Ixus 200 IS liefert ausgezeichnete Fotos mit ausgewogener Belichtung. Bei voller Vergrößerung wirken die Fotos einen Tick verzeichnet, was sich hauptsächlich bei Außenaufnahmen bemerkbar macht. Für Fotos bei Gegenlicht hält der Touchscreen eine Belichtungskorrektur bereit.

Das Rauschprofil der Canon Ixus 200 IS macht einen soliden Eindruck. [6]

Das Rauschprofil der Canon Ixus 200 IS macht einen soliden Eindruck (zum Vergrößern auf das Bild klicken).

Farben wirken ansehnlich, natürlich und nicht mehr so übertrieben, wie es bei etlichen älteren Ixus-Kameras der Fall war. Das Breitbildformat des Bildschirms ist in der Praxis nützlicher als erwartet. Das Festlegen des Bildausschnitts fällt durch die zusätzlich angezeigten Ränder ein ganzes Stück leichter.

Die Linse der Canon Ixus 200 IS bringt sowohl im Weitwinkel- als auch im Telebereich erfreulich wenige Verzerrungen aufs Bild. Mit sehr kontrastreichen Motiven hat die Optik ebenfalls kaum Probleme: Es treten sehr wenige Farbsäume auf den Fotos auf.

Beim direkten Vergleich mit einer Panasonic Lumix FX60 fällt auf, dass die Canon etwas schönere Farben liefert, während die Panasonic-Kamera einen höheren Dynamikbereich bietet.


Ein und dasselbe Motiv mit der Canon Ixus 200 IS (oben) und der Panasonic FX60

Im Vergleich mit der Sony [7] Cyber-shot T90 liefert die Canon schönere Farben. Bei der Ixus 200 IS sehen sie unter schwierigen Lichtverhältnissen nicht gar so verwaschen aus.


Stofftiere im Visier: einmal mit der Canon Ixus 200 IS (links) und einmal mit der Sony Cyber-shot T90

Die Qualität der 720p-Clips ist ausgezeichnet. Dass der optische Zoom während der Aufnahme nicht funktioniert, enttäuscht allerdings. Ebensowenig klappt hier das Fokussieren per Fingertipp auf dem Touchscreen. Erfreulich dagegen ist jegliches Fehlen von Artefakten in den MOV-Filmchen. Das Mikrofon zeichnet leider verhältnismäßig viel vom Umgebungslärm auf.

Fazit

Canons erste Touchscreenkamera sorgt bei uns für Verwunderung. Aufgrund der Tatsache, dass sie sich auch komplett ohne berührungsempfindlichem Display bedienen lässt, wirkt sie etwas halbherzig. Andererseits gehört das Interface der Ixus 200 IS zu den besten, das wir bislang bei einer Digicam mit Touchscreen gesehen haben. Zudem bietet die Kamera einen 12-Megapixel-Sensor, einen 24-Millimeter-Weitwinkel, eine HD-Videofunktion und nicht zuletzt eine ausgezeichnete Bildqualität. Lediglich bei der Geschwindigkeit könnte die Ixus einen Zahn zulegen.

Wir empfehlen die Canon Ixus 200 IS denjenigen, die auf eine hohe Geschwindigkeit verzichten können und sich nicht sicher sind, ob die neue Kompaktkamera einen Touchscreen haben soll oder nicht.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41502373/canon-ixus-200-is-erste-canon-kamera-mit-touchscreen/

URLs in this post:

[1] 110 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41004685/testbericht/canon+ixus+110+is+haessliches+kamera_entlein+fuer+tolle+fotos.htm

[2] Sonys Cyber-shot T900: https://www.cnet.de/tests/digicam/41006166/testbericht/sony+cybershot+dsc_t900+schick_+leicht_+etwas+teuer.htm

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] iPhone: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/testbericht/page/4/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[5] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[6] Image: https://www.cnet.de/i/c/products/2009/09/0909_canon_ixus_200_is_rauschprofil_gr.jpg

[7] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/