Apple iPod Nano 5G: die fünfte Generation mit Videokamera im Test

von Stefan Möllenhoff am , 17:05 Uhr

Pro
  • hübsches Design und Interface
  • größeres Display als der Vorgänger
  • endlich mit UKW-Radio
  • integrierter Lautsprecher
  • kompatibel zur iTunes-Videothek
Con
  • Kamera schießt keine Standbilder
  • Videoaufnahme und Musikwiedergabe funktionieren nicht gleichzeitig
Hersteller: Apple Listenpreis: 8 GByte: 139 Euro; 16 GByte: 169 Euro
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,7 von 10 Punkte
Fazit:

Der iPod Nano der fünften Generation ist die bislang beste Version des schlanken MP3-Players. Er bringt noch mehr Funktionen mit als seine Vorgänger und bleibt trotzdem intuitiv bedienbar. Dennoch - der neueste Nano ist nicht perfekt, und wer nicht gerade unbedingt eine Videokamera und ein UKW-Radio braucht, kann ruhig bei der alten Ausführung oder einem vergleichbaren MP3-Player bleiben.

Der fünfte iPod Nano bringt Features mit, von denen wir vor einiger Zeit nie erwartet hätten, sie jemals in einem Apple-Player zu sehen – etwa ein UKW-Radio und eine Videokamera. Unser Test verrät, wie sich der vielfältigste Nano aller Zeiten in der Praxis schlägt.

Den neuesten Nano gibt es in insgesamt 18 Varianten: Für die beiden Speicherkapazitäten 8 und 16 GByte stehen jeweils neun knallige Farben zur Auswahl. Die „kleine“ Ausführung kostet 139 Euro, die 16-GByte-Version wechselt für 169 Euro den Besitzer.

Hardware-Turbo

Mit einer Dicke von gerade einmal sechs Millimetern gehört der Nano nach wie vor zu den flachsten Geräten auf dem Markt. Angesichts dieser nach wie vor schlanken Bauform ist es erstaunlich, dass der Hersteller auch noch eine Videokamera ins Gehäuse gequetscht hat. Zudem ist der LCD-Bildschirm auf 2,2 Zoll gewachsen. Mit 376 mal 240 Pixeln stellt er das größte und hochauflösendste Display dar, das jemals in einem iPod Nano verbaut wurde.

Dennoch, im direkten Vergleich zu den OLED-Displays, die beispielsweise Sony [1], Samsung [2] und Cowon in ihren aktuellen Playern einsetzen, hat die Anzeige keine Chance. Allerdings kosten die Geräte dann auch dementsprechend mehr.

Apple [3] macht kein Geheimnis daraus, dass die Hosentaschen-Camcorder von Flip Video als Inspiration für die integrierte Videokamera hergehalten haben. Allerdings ist die Positionierung der Linse mehr als gewöhnungsbedürftig. Sie befindet sich auf der anderen Seite des Click Wheels – also dort, wo die Hände die meiste Zeit verbringen. So verschmiert sie schnell, und wir brauchen etliche Eingewöhnungszeit, bis auf den Clips nicht mehr ständig unsere Finger zu sehen sind.


Für die Linse der integrierten Videokamera gibt es keinen ungünstigeren Platz.

Vermutlich war diese Stelle der einzige Ort im Gehäuse, wo die Entwickler einen Hauch von Platz entbehren konnten. Am besten funktioniert das Filmen, wenn wir den Nano im Querformat halten, mit dem Click Wheel auf der linken und dem Bildschirm auf der rechten Seite. So sitzt die Linse links unten und läuft am wenigsten Gefahr, von den Fingern verdeckt zu werden. Während der Videoaufnahme ist es übrigens nicht möglich, Musik zu hören. Schade.

Abgesehen von Displaygröße, Videokamera und einem deutlich glänzenderen Finish hat sich am Äußeren des Nano nichts verändert. Er ist ebenso einfach zu bedienen und federleicht wie seine Vorgänger. Das Click Wheel macht das Browsen durch große Musikbibliotheken deutlich komfortabler als es bei den meisten Konkurrenten ist.

Attraktive und einfache Oberfläche

Kein konkurrierender MP3-Player macht das Blättern durch die gespeicherte Musik zu so einem optischen Erlebnis wie der iPod Nano. Überall in den Menüs tauchen die Albencover auf und lassen das Feeling aufkommen, das Musikfreaks beim Stöbern in ihrer ausufernden CD-Sammlung haben. Das Highlight stellt der Cover-Flow-Modus dar. Er aktiviert sich automatisch, wenn der Anwender den Player ins Querformat dreht und ist eine intuitive und visuell ansprechende Möglichkeit, sich für die nächsten Lieder zu entscheiden. Apple bietet in iTunes übrigens kostenlos hochauflösende Albencover an.

Endlich gibt es auch ein UKW-Radio – der Nano G5 ist übrigens der erste iPod überhaupt, der einen Tuner mitbringt. Es ist nicht nur möglich, Antenne Bayern, FM4 & Co. live mitzuverfolgen, sondern auch bis zu 15 Minuten in den Radiosendungen zurückzuspulen. Das Interface sieht genauso schick aus, wie man es seit eh und je von Apple kennt. Nach dem Drücken der Pause-Taste zeichnet der Nano die aktuelle Station weiterhin auf. Ein weitere Betätigung des Pause-Knopfes setzt die Wiedergabe an exakt dieser Stelle fort. Auch ein Spulen durch die Aufnahme ist möglich. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten gibt es beim iPod Nano G5 jedoch keine Möglichkeit, die Aufzeichnungen als Datei zu speichern.


Den neuen iPod Nano bietet Apple in neun verschiedenen Farben an.

Der Nano unterstützt die Audioformate MP3, AAC, Apple Lossless und WAV. Dazu gesellen sich H.264 und MPEG-4 für Videos. Mit vom iTunes-Store heruntergeladenen Filmen kommt der Player ebenfalls zurecht – sogar samt Untertiteln. Ebenso einfach funktioniert das Abonnieren und Verwalten von Podcasts. Wer sich auf dem Rechner beispielsweise die ersten acht Minuten eines Podcasts anhört und auf dem synchronisierten iPod die Sendung auswählt, hört exakt an dieser Stelle weiter. Das Gleiche gilt für Hörbücher im Audible-Format.

Videomodus

Der iPod Nano speichert jeden aufgezeichneten Clip als einzelne Datei. Auf dem Mac lassen sich die Videos dann entweder mittels iPhoto betrachten oder, wenn der Player im Disk-Modus ist, mit dem Finder. Mac OS X Snow Leopards QuickTime X bringt außerdem eine Upload-Funktion für YouTube mit, die sich ebenfalls für die gedrehten Filmchen nutzen lässt. Mit Windows funktioniert die Übertragung über den Disk-Modus oder eben auch mittels iTunes.

Im Gegensatz zu den Mini-Camcordern, denen Apple nacheifert, schießt die Kamera des iPod Nano keine Fotos. Videos mit 640 mal 480 Pixeln – das ist alles. Vermutlich passt in das winzige Gehäuse einfach kein ordentlicher Sensor für Standbilder. Eine herbe Enttäuschung ist es trotzdem.

Sobald man einen Weg gefunden hat, den iPod zu halten ohne die Linse zu verdecken, kann es losgehen mit dem Filmen. Der Nano bietet keine Aufnahme- oder Qualitätseinstellungen. Er zeichnet alles Material mit 640 mal 480 Pixeln im H.264-Codec auf. Die Datenrate ist variabel und beträgt im Schnitt etwa 2,5 MBit/s. Eine Minute belegt also rund 20 MByte und eine Stunde 1,2 GByte an Speicherkapazität.

Allerdings sind die Linse und das Mikrofon so winzig, dass der Nano beim besten Willen mit keinem noch so schlechten dedizierten Camcorder mithalten kann. Er bewegt sich eher auf dem Niveau von sehr guten Kamerahandys. Damit eignet sich die Videokamera für Clips vom betrunkenen Hamster oder dem Freund, der im Einkaufswagen über den Gartenzaun fliegt, aber beim besten Willen nicht für ernsthafte Aufnahmen von der Hochzeit. Zumal die Farben – insbesondere bei Tageslicht – sehr verwaschen aussehen.

Nano-Camcorder oder Mini-MP3-Player?

Primär ist der iPod Nano auch in der fünften Generation noch ein MP3-Player. Und diesen Job erledigt er recht gut – jedenfalls sobald die grottenschlechten mitgelieferten Ohrhörer in der Mülltonne gelandet und durch ein hochwertiges Paar ersetzt sind. Der Sound ist sehr ordentlich, erreicht aber gerade beim Bass nicht das volle Klangbild der Sony-Walkman-Player. Für den Großteil der mobilen Musik-Genießer dürfte die Qualität aber absolut ausreichen.

Bei der Wiedergabe von Videos kommt der Nano natürlich nicht an den iPod Touch heran. Für seine Größe und seinen Preis liefert der Player dennoch eine ausgezeichnete Bildqualität. Die für einen 2,2-Zoll-Bildschirm recht hohe Auflösung von 376 mal 240 Pixeln sorgt für eine ausgezeichnete Schärfe. Zudem ist ein Lautsprecher an Bord. Sehr praktisch, um sich vorm Schlafengehen noch schnell einen Videopodcast im Bett anzusehen. Für eine zufriedenstellende Wiedergabe von Musik reicht die Qualität allerdings bei Weitem nicht aus.

Ein weiteres Ausstattungsmerkmal des Nano ist VoiceOver. Dabei liest der iPod sowohl Menüs als auch Liedtitel vor. Das Feature richtet sich insbesondere an Menschen mit Sehbehinderung. Darüber hinaus sind ein Schrittzähler, eine Diktiergerätfunktion sowie eine Handvoll durchaus unterhaltsamer Spiele an Bord. Was es allerdings immer noch nicht gibt, sind ein Mehr-Band-Equalizer und ein Speicherkartenslot.

Fazit

Ohne Frage, die fünfte Ausgabe der MP3-Flunder ist der beste iPod Nano, den es jemals gab. Insbesondere die 16-GByte-Version bietet ein ausgezeichnetes Preisleistungsverhältnis. Dennoch, perfekt ist der Player nicht. Und wen es nicht gerade übermäßig nach einer VGA-Videokamera und einem Radio dürstet, der braucht seinen alten Nano oder vergleichbaren Player nicht gegen das neue Modell zu ersetzen.

Unsere britischen Kollegen waren mit dem iPod Nano 5G auf Videotour. Das nachfolgende Filmchen zeigt, was dabei herausgekommen ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[4] Neue MP3-Player von Apple: iPod Shuffle, Nano, Classic und Touch: https://www.cnet.de/41502544/neue-mp3-player-von-apple-ipod-shuffle-nano-classic-und-touch/?pid=1#sid=41502819