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DVB-T-Antennen im Eigenbau: bester Empfang dank Reflektor

Fragen und Antworten

Seitdem wir unsere erste Bauanleitung ins Netz gestellt haben, sind viele Fragen aufgetaucht. Deshalb klären wir hier noch einmal die wichtigsten Punkte.

Kupferdraht

Es kam immer wieder die Frage auf, ob die Dicke des Kupferdrahtes zwangsläufig 2,5 Quadratmillimeter betragen muss. In unseren diversen Tests hat sich diese Dicke als ideal erwiesen. Bei einem dünneren Draht wird die Konstruktion zu instabil. Bei größeren Querschnitten verschlechtert sich der Empfang, da sich mit zunehmender Kabeldicke die Impedanz erhöht. Verantwortlich dafür ist der Skin-Effekt, auch Stromverdrängung genannt.

Desweiteren hat sich gezeigt, dass die Isolierung des Drahtes, falls vorhanden, unbedingt entfernt wedern sollte. Viele unserer Leser hatten erst danach Empfang mit ihren Antennen. Zudem kommt immer wieder die Frage auf, ob sich auch versilberter Kupferdraht eignet. Bei unseren Versuchen mit versilbertem Draht konnten wir keine Empfangsverschlechterung oder -verbesserung feststellen. Allerdings oxidiert das Silber nach einer Zeit, wodruch sich die Antenne hässlich verfärbt.

Antennenkabel

Fast jeder hat noch ein altes Antennenkabel zu Hause. Wer sich das Geld für ein neues sparen möchte, kann dieses verwenden. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Kabel für Antennen-, Kabel- oder Satellitenempfang handelt. Es kommt lediglich auf die Impedanz des Kabels an. Sie ist auf dessen Isolierung angegeben und muss 75 Ohm betragen.

Kleine Antennen

Bei der Doppelquad-Antenne handelt es sich um eine Lambda-Viertel-Antenne. Das bedeutet, dass die Quadrat-Kantenlänge einem Viertel der Wellenlänge entspricht. Die Wellenlänge errechnet sich aus der Lichtgeschwindigkeit geteilt durch die Durchschnittsfrequenz der Sendefrequenzen. Da sich bei einigen Frequenzen so recht große Antennen ergeben, haben einige unserer Leser gefragt, ob auch Lambda-Achtel-Antennen funktionieren. Grundsätzlich funktioniert jede Antenne mit einer vielfachen Schenkellänge der Wellenlänge Lambda. Allerdings nimmt die Verstärkung ab, je kleiner die Antenne ist. Die beste Verstärkung würde man bei einem Empfänger erhalten, bei dem die Kantenlänge genau der Wellenlänge entspricht. Allerdings sind solche Antennen bei den DVB-T-Frequenzen sehr groß.

Positionierung und Ausrichtung

Die Antenne sollte immer genau in Richtung des Senders zeigen und möglichst hoch positioniert sein. Einige unserer Leser haben ihre Antennen deshalb im Dachstuhl montiert. Allerdings kam es dabei oft zu Problemen. Dächer sind häufig mit Aluminiumfolien isoliert, die einen Empfang erschweren. In so einem Fall empfiehlt sich die Außenmontage. Jedoch sollte die Antenne immer mindestens zwei Meter unterhalb des Blitzableiters angebracht werden. Vor der Endmontage der Antenne empfiehlt sich zudem ein Empfangstest. Je nach Polarisation des Senders bietet die Antenne horizontal oder vertikal montiert besseren Empfang. In der Praxis ist es zudem oft so, dass der Empfang am besten ist, wenn die Antenne komplett schief montiert ist. Daher gilt: Ein ausführlicher Test verbessert den Empfang beträchtlich.

Kein Empfang

Wer trotz einer perfekt angepassten und ausgerichteten Antenne noch keinen Empfang hat, kann es mit einem Antennenverstärker versuchen. Allerdings muss dazu zuerst eine Anpassung der Antenne vorgenommen werden. Um einen Kurzschluss des Verstärkers zu vermeiden, wird zwischen den Innenleiter des Antennekabels und die Antenne ein Keramikkondensator geschaltet. Er sollte eine Kapazität von 220 Pikofarad und eine Spannungsfestigkeit von 500 Volt besitzen. Einige Receiver sind ab Werk mit einem Verstärker ausgestattet. Dann ist die Anpassung der Antennen zwingend notwendig.

Zweckentfremdung

Einige unserer Leser waren vom guten Empfang der Eigenbauantenne so begeistert, dass sie ihre Garagentorempfänger oder andere Geräte mit einem Eigenbau ausstatten wollten. Das ist möglich, bedarf allerdings einer Anpassung der Antennengröße. Wer beispielsweise aus der Doppelquad-Antenne einen WLAN-Empfänger bauen will, gibt einfach im Berechnungstool anstatt der höchsten und der niedrigsten DVB-T-Frequenz zweimal die WLAN-Frequenz von 2400 MHz an. Heraus kommen die Werte für eine ideale WLAN-Antenne. Achtung: Bei einem Eigenbau solcher Antennen sind unbedingt die gesetzlichen Richtwerte zu beachten.

Fazit

Unsere Erfahrung mit selbstgebauten DVB-T-Antenne zeigt, dass es vollkommen unnötig ist, viel Geld für einen aktiven Empfänger auszugeben. Mit ein paar Euro und einer halben Stunde Zeit ist der Eigenbau für jeden zu bewerkstelligen, der schon einmal einen Lötkolben in der Hand hatte. Das Ergebnis ist eine Antenne, die alle anderen Lösungen weit in den Schatten stellt und sich zudem noch für viele anderen Einsatzzwecke eignet.

Update

Wer auch mit unseren Eigenbau-Antennen noch Empfangsprobleme hat, sollte sich unseren DVB-T-Antennenverstärker zum selberbauen ansehen. Er verstärkt das Signal und sorgt so für störungsfreies Fernsehen.

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CNET.de Redaktion

View Comments

  • Antennenverstärker Kondensator
    Hallo,

    muss der Kondensator beim Einsatz eines Antennenverstärkers parallel oder in Reihe mit dem Innenleiter geschaltet werden?

    • Es funktioniert! Bin begeistert!

      Im hügeligen Hegau westlich des Bodensees nahe der schweizer Grenze kann meine Selbstbau-Antenne mit Reflektor alle Programme recht gut empfangen, die von Sendern im Umkreis von geschätzten 30 km kommen. Das sind die Sender Donaueschingen und Raichsberg mit je 50 kW Sendeleistung, die ungefähr in der gleichen Richtung liegen. Als Reflektor musste das Seitenblech eines alte PC-Gehäuses herhalten. Es ist ein bisschen größer als die angegebene Mindestgröße und ich habe es an der Außenwand am Balkon angebracht, die ungefähr in Richtung der Sender liegt.

      Ohne Reflektor kam zunächst nur der naheliegendste Sender rein (3 km entfernt), der aber nur 5 schweizer Programme sendet, zwei davon obendrein in Fremdsprachen. Allerdings hatte ich dabei ncoh die Ausrichtung falsch gewählt: Bei horizontaler Polarisation sollte der Doppel-Quad anscheinend vertikal wie eine 8 zum Sender stehen, nicht etwa horizontal liegend wie ein unendlich-Zeichen.

      Die Signalqualität gemäß im Fernseher verbautem Tuner liegt jetzt für alle empfangbaren Kanäle bei 60-99%. Die Qualität schwankt anscheinend, liegt aber meistens über 90% und fällt kurzzeitig auch mal unter 70%, was aber nur selten merkliche Störungen bringt.

      Ein Problem habe ich trotzdem noch:

      Der Empfänger hat nur eine gemeinsame Antennenbuchse für Analogfernsehen, Digitalfernsehen und Kabelfernsehen. Wenn ich also direkt am Empfänger ein T-Stück einstecke und das Antennenkabel als einziges am T-Stück angeschlossen ist, dann kommt nur noch der schweizer DVB-T-Sender in direkter Nachbarschaft durch, aber mit etwas verminderter Signalqualität. Am T-Stück wollte zusätzlich noch Kabelfernsehen einspeisen, aber wenn ich das auch noch einstecke, gibt's gar keinen DVB-T-Empfang mehr.

      Daher 2 Fragen:

      1. Liegt der schwache Empfang über T-Stück nur daran, dass ich die Antenne ohne Kondensator gebaut habe?

      2. Falls ein Kondensator das Problem nicht lösen kann: Wie kann man die beiden Signalquellen korrekt anschließen, damit sowohl Kablefernsehen als auch DVB-T-Emfpang ungehindert möglich ist?

      Danke und Gruß,
      Jürgen

  • Re: Antennenverstärker Kondensator
    Hallo Alois,

    der Kondensator muss in Reihe geschaltet werden. Er soll die Leitung elektrisch trennen um einen Kurzschluss zu verhindern.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pascal Poschenrieder, CNET.de

  • Ausrichtung
    Liebes CNET.de-Team,

    ich hätte eine Frage zur Ausrichtung der Antenne. im Artikel steht: "Die Antenne sollte immer in Richtung des Senders zeigen", wie ist das gemeint?
    Soll die "Fläche" der zwei Quadrate oder eine Spitze oder die Seite (zwei Spitzen) in Richtung des Sendemasten zeigen?
    In meinem Fall steht bei der Ausrichtung der Antenne (lt. http://www.dvb-t.at/) noch "Horizontal", worauf muss ich da achten?

  • Re: Ausrichtung
    Hallo Ralf,

    in diesem Fall sollte der Sender die Antenne folgendermaßen sehen:

    Sie sollte also liegend mit der Fläche der Quadrate zum Sender hin montiert werden.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pascal Poschenrieder, CNET.de

  • ohne löten
    hi,
    da ich keinen lötkolben habe, hab ichs einfach ohne gemacht. Habe also die Drähte verwickelt. Habe nun auf den meistens frequenzen 80-100% und die anderen kann ich auch noch fehlerfrei gucken außer WDR :) Dabei habe ich die antenne unterm Tisch versteckt.

  • Kondensator
    liebes Cnet.de Team,

    mein LCD Fernseher hat schon einen integrierten dvb-t Empfänger. Brauche ich den Kondensator in der Antenne ?

    Grüße, Wolfgang

  • Reflektorgröße
    Moin Pascal,

    bin begeistert. Hatte mich mit Antennentechnik noch nicht weiter beschäftigt.
    Kann ich die Quads denn auch übereinander positionieren, um die Größe des Reflektors zu verkleinern? Ich bin dabei eine Multiquad zu bauen. In Dresden wird allerdings nur öffentl.-rechtl. gesendet, da wollte ich versuchen Berlin zu empfangen. Das ist ca. 170 km Luftlinie, allerdings manche Frequenzen nur mit 20 kw Leistung.

    PS: vielleicht könnte man die Bauanleitung noch verfeinern, Beispielbilder für die Positionierung (vert.-horiz.), die Montage des Kondensators. Habe bei anderen Kommentaren bemerkt, dass da viele Probleme haben.

    Wenn ich fertig bin (kann aber etwas dauern) melde ich mich wieder ob es funktioniert hat, bei Bedarf kann ich ja noch Bilder schicken.

    Danke für die gute Anleitung (und eine Antwort).

    Viele Grüße Peter
    (09629)

  • Re: Kondensator
    Hallo Wolfgang,

    das hängt davon ab, ob der Fernseher einen integrierten Antennenverstärker besitzt. Ich würde sicherheitshalber einen Kondensator einbauen. Er schadet nicht und schützt die Elektronik des TVs.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pascal Poschenrieder, CNET.de

    • AW: Re: Kondensator
      Hallo,

      ist das mit den 500 V bei dem Kondensator richtig oder ein Schreibfehler?
      Im örtlichen Laden in Karlsruhe bekomme ich nur welche mit 50 V Spannungsfestigkeit (oder mit 3 kV).
      Nun frage ich mich, wozu braucht man 500 V?

      Viele Grüße
      und vielen Dank
      Günther

      • AW: AW: Re: Kondensator
        Hallo,

        die 500 Volt beim Kondensator sind kein Schreibfehler. Der Wert ist frequenzabhängig und für DVB-T optimiert. Im Internet bekommt man derartige Kondensatoren problemlos.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Pascal Poschenrieder, CNET.de

    • AW: Re: Kondensator: zum Schutz der Antennenspeisespannung
      Hallo!
      Ich sehe denn Sinn einer Gleichspannungsentkopplung dann, wenn auch Gleichspannung auf der Leitung ist.
      Das ist bei manchen DVB-T immer der Fall, bei manchen kann man es abschalten.
      Es dient der Speisung von aktiven Antennen, also der Übertragung der Netzversorgung der Antenne gleich über das Antennenkabel. Macht auch Sinn, die Antenne, die uns ein netter Freund geschenkt hat, hat das nicht, sondern ein Netzteil, das gut und gerne 10W schluckt, 20€/Jahr.
      Wenn nun die Antennenleitung einen Kurzschluss erfährt, ist das nicht so gut, auch wenn die Speisespannung in der Regel kurzschlussfest ausgeführt sein sollte (Strombegrenzung), man weiß nie.

      Gruß!

      Andi

  • Re: Reflektorgröße
    Hallo Peter,

    es ist möglich, die Quads übereinander zu positionieren. Allerdings muss bei jedem Quad der Abstand zum Reflektor exakt stimmen.

    Wir planen bereits eine weitere Anleitung zum Bau eines Antennenverstärkers. Dort werden wir näher auf Dinge wie den Kondensator und die Ausrichtung eingehen.

    Über Bilder ihres Baus würden wir uns sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pascal Poschenrieder, CNET.de

  • Kondensator
    Hallo Wolfgang,

    ich habe ebenfalls den Empfänger integriert (Samsung LE 40A 789). Konnte nirgends nachlesen ob der Receiver / Tuner ein aktiver ist. Also habe ich ein Antennenkabel am Fernseher eingesteckt und am anderen Ende mit einem Messgerät die Spannung gemessen. Die war Null, also ist das ein Passiver. Ich denke, dass die Spannung 5 V sein müsste. Die sollte es dann doch anzeigen.

    Ohne Gewähr,

    Grüße Peter

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