Schon getestet: Android-Smartphone Motorola Dext

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 15:46 Uhr

Pro
  • hervorragende QWERTZ-Tastatur
  • empfindliches Touchscreen-Display
  • Motoblur-Oberfläche verbindet Kontaktliste und Nachrichten
  • Online-Backup und Datenlöschung aus der Ferne
  • 3,5-mm-Klinkenbuchse
  • unterstützt Android Marketplace
Con
  • sieht nicht sonderlich attraktiv aus
  • fragwürdige Verarbeitungsqualität
  • Social-Network-Widgets sind manchmal unzuverlässig
  • Sprachqualität ist mäßig
  • keine Multitouch-Unterstützung
  • User-Interface wirkt an manchen Stellen nicht fertig
Hersteller: Motorola Listenpreis: steht noch nicht fest
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Motoroly Dext ist ein grundsolides Android-Smartphone mit einigen witzigen Social-Network-Funktionen, sieht aber etwas trist und altbacken aus. Doch das erstklassige Touchscreen-Display und die hervorragende Tastatur machen es zu einem perfekten Begleiter für jeden, der Facebook, Twitter, E-Mails & Co. noch vor dem Frühstück braucht.

Mit dem Dext hat Motorola ein Android-Smartphone mit mechanischer QWERTZ-Tastatur vorgestellt. Damit ist es nach dem G1 allein auf weiter Flur. Allerdings: Bislang hat der amerikanische Hersteller die Markteinführung in Deutschland noch nicht angekündigt. Unsere britischen Kollegen halten bereits ein Testgerät in der Hand. Wir haben uns angesehen, ob das Dext in der Praxis überzeugt – und ob es sich lohnt, auf dessen Start in Deutschland zu warten.

Motorola – den letzten großen Erfolg hatte der amerikanische Hersteller mit seinem Klapp-Handy Razr. Seitdem gibt es nicht mehr viele News – hier und da eine Gold-Edition oder das Luxus-Handy Aura [1], aber das wars. Doch das wird sich ändern, zumindest, wenn es nach Motorola geht: Android [2]-Smartphones sollen das Unternehmen wieder zu früherem Erfolg zurückführen – und das Dext macht den Anfang.

Auf den ersten Blick wird klar: Eine Schönheit haben die Amerikaner hier nicht geschaffen. Aber es ist mit allem ausgestattet, was man braucht, bringt etliche Zusatzfunktionen für diverse Social-Networks mit und eine vollwertige QWERTZ-Tastatur. Es gibt ein paar Haken, etwa die miese Sprachqualität oder verschiedene Widgets, die nicht so recht miteinander klarkommen wollen, aber das innovative Betriebssystem und der tolle Touchscreen machen die Haken wieder wett.

Derzeit ist das Dext noch nicht für den deutschen Markt angekündigt. Nach Europa kommt es aber definitiv: Der britische Netzbetreiber Orange wird es demnächst anbieten. Das lässt uns hoffen.

Sense von Motorola heißt Motoblur

Das Dext ist ein Slider-Handy. Unter dem 3,1 Zoll großen, kapazitiven Touchscreen-Display befindet sich eine mechanische QWERTZ-Tastatur. Nach dem bereits vor einem Jahr erschienenen T-Mobile G1 vom Hersteller HTC [3] ist es der zweite Android mit Tastenfeld. Damit zielt das Gerät klar auf die Masse der Social-Networking-Fans, die über Twitter, Facebook & Co. permanent mit ihrem Freundeskreis in Verbindung stehen. Zu diesem Zweck hat Motorola unter dem Namen Motoblur eine eigene Android-Oberfläche entwickelt. Sie soll die diversen Netze und Kontakte miteinander verknüpfen.

Motorola Dext mit Motoblur
Die Motoblur-Oberfläche bringt Widgets für verschiedene Social Networks mit. So ist der Nutzer immer auf den ersten Blick informiert, was die Freunde gerade treiben.

Wenn man sich beispielsweise bei Facebook, Twitter, Last.fm und MySpace einloggt, holt das Dext alle Kontaktdaten aus den diversen Netzwerken – inklusive Profilbildern, versteht sich – und fügt sie zu den Kontakten des Google [4]-Accounts hinzu. Damit landen sie sofort im Adressbuch des Handys und aktualisieren sich selbst. Das funktioniert hervorragend und ist eine praktikable Lösung, um endlich mal mit dem Kontakt-Verhau aufzuräumen. Das Sortieren der Kontakte ist selbstverständlich möglich. Ein paar Verbesserungen dürften hier aber schon noch sein. Wer beispielsweise einen Kontakt hat, der nur aus einem Firmennamen, aber keinem persönlichen Namen besteht, findet ihn im Adressbuch ganz oben – sortiert nur nach Telefonnummer und nicht nach Namen. Das ist der Übersicht nicht gerade zuträglich, wenn man viele solcher Firmenkontakte, Friseursalons, Pizzadienste & Co. gespeichert hat.

Wer einmal seine Zugangsdaten zu den verschiedenen Netzen eingegeben hat, kann sofort mit Statusupdates und Tweets beginnen. Um dem Ganzen noch etwas Leben einzuhauchen, hat Motorola ein paar Widgets für den Homescreen mit ins Paket gepackt. Sie zeigen den eigenen Status und die letzten Tweets, aber auch Nachrichten anderer Kontakte, Facebook-Messages, E-Mails und SMS. Dazu gibt es die Happenings, eine Zusammenfassung der letzten Statusänderungen und Nachrichten von Freunden.

Das alles zusammen ergibt unterm Strich ein nettes Bundle aus witzigen und sinnvollen Funktionen für jeden, der mit Facebook, Twitter & Co. lebt. Man muss nicht händisch bei den verschiedenen Anbietern nach News und Infos suchen, sondern bekommt sie direkt auf den ersten Blick präsentiert. Die Widgets selbst sind gut gemacht. Wir würden uns allerdings noch etwas mehr Platz für Text wünschen. Außerdem wirken die Informationen gelegentlich nicht richtig sortiert: Die chronologische Reihenfolge stimmt nicht immer. Ein Bug, den Motorola hoffentlich noch behebt.

Außerdem gibt es einen Onlinedienst im Stil von Apples MobileMe oder Ovi von Nokia. Ein webbasierter Service kümmert sich um Backups der verschiedenen Accounts und Nachrichten ohne Computeranschluss, direkt über das Handynetz. Und ist das Dext einmal weg, lässt es sich per GPS über ein Web-Interface problemlos orten. Im Notfall, wenn es in den Fingern böser Buben gelandet ist, gibt es sogar einen Remote-Wipe-Dienst: Ein Klick genügt, und alle persönlichen Daten verschwinden auf Nimmerwiedersehen vom Gerät. Egal, wo es sich gerade befindet.

Abenteuer Android

Abgesehen von den Verbesserungen beim Messaging und dem Adressbuch hat Motorola die Android-Oberfläche weitgehend in Ruhe gelassen. Das bedeutet unter anderem, dass es keine Multitouch-Unterstützung gibt, die beispielsweise HTC beim Hero [5] mit der Sense-Oberfläche integriert hat. Das ist schade, denn damit klappt das Zoomen von Webseiten mit der berühmten Zweifinger-Geste des iPhones nicht. Wer damit bislang noch nichts zu tun hatte, findet das wahrscheinlich nicht sonderlich schlimm. Wir haben uns allerdings inzwischen daran gewöhnt und es fehlt uns.

Unabhängig davon hat das Dext natürlich Zugang zum Android Market – dem App-Store-Pendant in der Google-Welt. Dort gibt es inzwischen unzählbar viele Programme, Widgets, Tools und Spiele für alle Lebenslagen. Man kann gezielt suchen, etwa nach Offline-Browsern, E-Mail-Clients, Skype oder Location-Based-Services, man kann durch verschiedene Kategorien stöbern oder sich Empfehlungen anderer Nutzer ansehen. Die Installation der Programme erfolgt mit einem Fingertipp. Die meisten Anwendungen sind sogar kostenlos. Zwar sehen viele nicht ganz so edel aus wie Apps auf dem iPhone, doch das gibt den Programmierern auch mehr Freiraum und erhöht die Kreativität.

Die Ausstattung des Dext entspricht dem Standard aktueller, hochwertiger Smartphones. Es gibt eine 5-Megapixel-Kamera, WLAN und HSDPA für schnelle Downloads aus dem Netz, eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuche zum Anschluss von Standard-Kopfhörern und einen MicroSD-Speicherkartenslot. Beim britischen Testgerät ist eine 2-GByte-Karte im Lieferumfang enthalten.

Echte oder virtuelle Tastatur?

Das mechanische Tastenfeld des Dext ist ein zweischneidiges Schwert. Die Tasten sind groß und erhaben, aber es gibt keinen Abstand zwischen ihnen. Dennoch ist es eine Leistung der Motorola-Entwickler, so viele Knöpfe auf so wenig Platz unterzubringen. Dafür tippt es sich auch erstaunlich gut: Textnachrichten und E-Mails schreiben sich schnell und unkompliziert. Darüber hinaus gibt es eine vergleichsweise gute virtuelle Tastatur: Sie reagiert ausgezeichnet. Allerdings fehlt uns die Verknüpfung zu Zahlen und Sonderzeichen, wie sie beispielsweise das HTC Hero [5] zu bieten hat.

Nachdem wir einige Zeit mit dem Dext verbracht haben, fällen wir unser Urteil für die mechanische Tastatur. Auf ihr tippt es sich einfach schneller und angenehmer, auch, wenn sie vielleicht noch besser sein könnte. Allerdings funktioniert sie logischerweise nur, wenn man das Smartphone [6] im Querformat bedient. Wer also nur mal kurz eine Postleitzahl oder einen Suchbegriff tippt und das Handy hochkant hält, wird für diesen Zweck wohl das Software-Tastenfeld benutzen.

Motorola Dext - Tastatur
Der Tastatur des Dext mangelt es an Abstand zwischen den Tasten. Trotzdem tippt es sich vergleichsweise gut. Für Eingaben im Hochformat steht ein virtuelles Keyboard auf dem Touchscreen-Display zur Verfügung.

Hässliches Entlein

Mit der Power der Android-Plattform, dem tollen Marketplace, dem hervorragenden Touchscreen-Display und den coolen Social-Network-Funktionalitäten klingt das Dext nach dem perfekten Smartphone. Es gibt aber noch einen großen Haken: Sexy ist anders. Es überrascht uns, dass sich ausgerechnet Motorola beim Design seines ersten Android-Smartphones mehr am klobigen Nokia N97 [7] orientiert als an seinen eigenen Designstücken wie den anfangs bereits erwähnten Razr- oder Aura-Modellen. Das Dext ist einfach ein Kasten. Das langweilige, schwarze Plastik wird lustlos von einer Chromleiste veredelt, und die weißen Beschriftungen der Tasten auf der Seite sehen aus wie Aufkleber, die man abziehen sollte. Kann man aber nicht.

Außerdem fühlt sich das Gerät irgendwie zu leicht an. Der Slider hinterlässt einen wackeligen Eindruck, und noch dazu hat die offensichtlich miese Fertigungsgenauigkeit einen schlechten Einfluss auf die Sprachqualität unseres Testgerätes: Der Lautsprecher scheint nicht sonderlich gut befestigt zu sein und sorgt so für ein leichtes Brummen beim Telefonieren. Wir wissen nicht, ob das bei allen Dext-Handys der Fall ist – das sollte man also besser ausprobieren.

Im direkten Vergleich zum N97 [7] fällt aber eine Sache auf: Das Dext ist das cleverere der beiden Smartphones. Es erfüllt alle Erwartungen, die wir an das Nokia-Handy gestellt haben – dank seines flotten, attraktiven kapazitiven Touchscreens und eines hervorragenden User-Interface. Dementsprechend höher fällt auch die Wertung aus, obwohl es an der Verarbeitungsqualität des N97 nichts auzusetzen gibt.

Fazit

Wer ohne permanente Updates in Twitter, Facebook, MySpace & Co. nicht mehr leben kann, sollte, nein, muss sich das Dext näher ansehen: Es könnte die Antwort auf alle Fragen sein und die Lösung für Probleme, die man vorher gar nicht hatte. Gerade mit seiner QWERTZ-Tastatur ist es perfekt für jeden, der Kontakt mehr schriftlich als fernmündlich hält. Dazu passt auch die vergleichsweise schlechte Sprachqualität.

Das hochwertige, berührungsempfindliche Display sowie das leistungsfähige und anpassbare Android-Betriebssystem helfen auch, über die optischen und verarbeitungstechnischen Schwächen hinwegzusehen. Unterm Strich bleibt ein gut ausgestattetes Smartphone mit tollen Eigenschaften, dass man sich durchaus näher ansehen sollte. Wenn es denn nach Deutschland kommt – ansonsten bleibt nur der Import.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41515360/schon-getestet-android-smartphone-motorola-dext/

URLs in this post:

[1] Luxus-Handy Aura: https://www.cnet.de/tests/handy/41002433/motorola+aura+elegantes+luxushandy+fuer+1250+euro.htm

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] T-Mobile G1 vom Hersteller HTC: https://www.cnet.de/tests/handy/39197626/schon+getestet+htc+touch+t_mobile+g1+mit+android.htm

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] HTC beim Hero: https://www.cnet.de/tests/handy/41005822/im+test+android_smartphone+htc+hero+_t_mobile+g2+touch_+mit+sense_oberflaeche.htm

[6] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[7] Nokia N97: https://www.cnet.de/tests/handy/41005077/endlich+da+und+schon+getestet+nokia+n97.htm