Canon Legria HF S11: Full-HD-Camcorder mit gutem Bildstabilisator

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 12:09 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • reagiert sehr flott
  • intuitive Bedienung
  • Akku lädt schnell
Con
  • kein Sucher
  • Linsenabdeckung klappert im geschlossenen Zustand
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Der Canon Legria HF S11 bietet eine fantastische Videoqualität sowie übersichtliche und intuitive Menüs. Auch der verbesserte Bildstabilisator überzeugt im Test. Einen elektronischen Sucher vermissen wir bei dem Full-HD-Camcorder allerdings schmerzlich.

Camcorder mit 1080p-Auflösung und einem zweistelligen optischen Zoombereich gibt es bereits ab 400 Euro. Wieso sollte man also über 1000 Euro für den Canon Legria HF S11 auf den Tisch blättern? Was die kompakte Full-HD-Videokamera kann und ob sie ihr Geld wert ist, verrät dieser Test.

Canon hat derzeit drei aktuelle Modelle im Produktportfolio, die Videos mit 1920 mal 1080 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen: den 760 Euro teuren Legria HF S100 [1], den HF S10 für 880 Euro und den HF S11, der für gut 1000 Euro den Besitzer wechselt. Das an dieser Stelle getestete Topmodell bietet 64 GByte Flash-Speicher, eine Videoschnappschussfunktion sowie einen verbesserten Bildstabilisator.

Design

Trotz seines stattlichen Gewichts von knapp einem halben Kilogramm fühlt sich der Camcorder recht leicht an. Mit den Abmessungen von 13,6 mal 7,0 mal 6,9 Zentimetern passt er zudem noch bequem in jede größere Jackentasche. Das Gehäuse sieht hübsch aus, ist aber dennoch sehr funktional gehalten und überzeugt durch ein praktisches Layout. Der Legria HF S11 liegt ausgezeichnet in der Hand und lässt sich bequem bedienen.

Blickt man von vorne auf den Camcorder, fällt als Allererstes die etwas seltsame Linsenabdeckung auf. Sie erinnert eher an ein geschlossenes Auge als an den typischen Lamellenverschluss. An sich ist das ja nicht verkehrt, aber leider klappert das obere „Augenlid“ im geschlossenen Zustand gegen das untere. Allerdings beeinträchtigt das die Qualität der aufgenommenen Videos in keinster Weise – in geöffnetem Zustand scheppert hier nichts.


Der größte Teil der Bedienelemente sitzt auf dem Rahmen des Displays. Im Gegensatz zur Konkurrenz von Sony [2] und Panasonic ist die Anzeige nicht berührungsempfindlich.

Das Videolicht platziert Canon nicht, wie üblich, neben der Linse, sondern integriert es in den Aufklapp-Blitz. Rechts und links des Objektivs befinden sich die beiden Stereomikrofone. Dort sind sie zwar möglicherweise etwas anfälliger gegenüber Windgeräuschen, erlauben aber eine bessere Trennung der beiden Tonkanäle. Wer noch mehr Ansprüche an den Klang stellt, schließt einfach über den Zubehörschuh auf der Oberseite des HF S11 ein externes Mikrofon an. Alternativ dazu befindet sich auf der Seite des Camcorders eine 3,5-Millimeter-Mikrofonbuchse. Die weiteren Anschlüsse – USB, Component-Video und Mini-HDMI – befinden sich unter einer Klappe unterhalb des Handgriffs. Beim Verkabeln steht die Trageschlaufe etwas im Weg.

Schräg unterhalb der Linse gibt es ein Einstellrädchen, das genauso aussieht, funktioniert und sich ebenso anfühlt wie das Pendant von Sonys Prosumer-Camcordern. Ein Druck auf den Knopf aktiviert das Bedienelement. Anschließend stellt es den gewünschten Parameter ein – etwa Belichtung, Fokus, Hilfsfunktionen (beispielsweise Zebra), Mikrofonlevel, und Gain-Kontrolle. Das Rädchen leistet sowohl bei den Sony-Modellen als auch beim Canon Legria HF S11 ausgezeichnete Dienste.

Wie üblich befinden sich Zoomschieber und Fotoauslöser auf der Oberseite des Camcorders unterhalb des Zeigefingers. Das Modusrädchen sitzt dort, wo man eigentlich den elektronischen Sucher erwarten würde. Das Fehlen der Sehhilfe ist übrigens unser größter Kritikpunkt am HF S11. Netzkabelbuchse und AV-Anschluss flankieren den Drehschalter. Direkt unter dem Daumen gibt es schließlich eine der beiden Aufnahmetasten. Den etwas klein geratenen Ein/Aus-Knopf verbaut Canon links vom Zoomschieber.

Ausstattung

Der Großteil der Tasten für die Aufnahmeparameter befindet sich auf dem Rahmen des ausklappbaren Displays. Der Funktions-Button holt die wichtigsten Optionen auf den Schirm. Darunter finden sich neben den üblichen Verdächtigen Weißabgleich, Effekte, Videoqualität, Standbildgröße sowie Programm- und Szenenmodi auch Blenden- und Belichtungspriorität. Für die Verschlusszeit stehen Werte zwischen 1/8 und 1/2000 Sekunde zur Verfügung, der Blendenbereich reicht von F1.8 bis F8. Zudem gibt es in dem Menü auch einen Punkt, der in die tiefgreifenderen Einstellungen führt.

Tabelle anzeigen: Highend-Full-HD-Camcorder im Vergleich [3]

Highend-Full-HD-Camcorder im Vergleich [3]

Hersteller Sony Panasonic Canon
Modell Handycam CX520V HDC-HS300 Legria HF S11
Preis 980 Euro 1025 Euro 1035 Euro
Sensor 1/2,9-Zoll-Exmor-R-CMOS 3x 1/4,1-Zoll-CMOS 1/2,6-Zoll-CMOS
Auflösung 6 Megapixel 3 x 3 Megapixel 6 Megapixel
Max. Bitrate 16 MBit/s 17 MBit/s 24 MBit/s
Optischer Zoom 12-fach 12-fach 10-fach
Brennweitenbereich 39,0 – 456 mm 44,9 – 539 mm 43,5 – 435 mm
Lichtstärke F1,8 – F3,4 F1,8 – F2,8 F1,8 – F3,0
Bildstabilisator optisch optisch optisch
Integrierter Speicher 64 GByte (Flash) 120 GB (HDD) 64 GByte (Flash)
Display 3,0 Zoll; Touchscreen 2,7 Zoll; Touchscreen 2,7 Zoll
Sucher elektronisch elektronisch nein
Mikrofon-/Kopfhörerbuchse ja/ja ja/ja ja/ja
Zubehörschuh ja ja ja
Abmessungen 12,5 x 6,5 x 6,2 cm 14,1 x 7,2 x 6,0 cm 13,6 x 7,0 x 6,9 cm
Gewicht 370 g 460 g 450 g

Der HF S11 bietet zudem Canons Cine-Modus zum Anpassen von Farbe und Gamma sowie eine 25p-Progessive-Funktion. Allerdings zeichnet der Camcorder sowohl im 25p- als auch im 30p-Betrieb 60 Bilder pro Sekunde im Interlaced-Verfahren auf. Für die Standbildaufnahme stehen außerdem Belichtungsmessung und Serienbildaufnahme bereit. Weitere Highend-Features umfassen drei verschiedene variable oder konstante Zoomgeschwindigkeiten, x.v.Color-Modus, Farbbalken und Pegelton.

Das Design des Menüsystems an sich hat Canon ebenfalls etwas überarbeitet. Es sieht stimmiger aus, und zudem ist die Schriftgröße nun anpassbar. Auf dem etwas niedrig auflösenden 2,7-Zoll-Display sehen die kleineren Schriftarten verpixelt aus und sind nicht sonderlich gut lesbar. Bei direkter Sonneneinstrahlung schlägt sich die Anzeige allerdings überdurchschnittlich.

Ein Druck nach unten mit dem Joystick auf dem Displayrahmen holt eine Reihe von Schnelleinstellungen auf den Bildschirm. Hier stehen beispielsweise Videolicht, Digitaleffekte, Drei-Sekunden-Voraufnahme, Gegenlicht- und Belichtungsausgleich, manueller Fokus, Mikrofonpegel, Gesichtserkennung sowie digitaler Telekonverter zur Verfügung. Im Standbildmodus sieht der Dialog etwas anders aus. Anstelle von Mikrofonpegel und Telekonverter bietet der Camcorder zusätzlich eine Blitzfunktion an.

Zudem bringt Canon eine Reihe neuer Features unter, etwa die Videoschnappschuss-Funktion, die viersekündige Clips aufzeichnet. Die Idee ist zwar gut, doch an der Umsetzung hapert es. Der Modus lässt sich nur über eine etwas hakelige Taste in der Displaymulde aktivieren. Anschließend bleibt der Camcorder in diesem Betrieb, bis der Anwender wieder manuell zurückwechselt. Uns wäre hier eine separate Aufnahmetaste lieber gewesen. Positiv hingegen fällt das visuelle Feedback auf, das der Bildschirm bei der Aufzeichnung liefert. Eine vollständige Liste der Ausstattungsmerkmale hält das PDF-Handbuch des Herstellers bereit.

Leistung

In puncto Leistung und Bildqualität siedelt sich der Canon Legria HF S11 definitiv am oberen Ende der Skala an. Sowohl mit der maximalen Datenrate von 24 MBit/s als auch mit platzsparenderen 17 MBit/s sehen die Aufzeichnungen klasse aus. 1 Gigabyte reicht bei diesen beiden Einstellungen für 5,5 respektive 7,8 Minuten Videomaterial. Canon empfiehlt für die Speicherkarten übrigens Klasse 4 oder schneller.

Die Akkulaufzeit ist mit einer maximalen Aufnahmezeit von 105 Minuten durchschnittlich. Allerdings lädt der Stromspeicher erfreulich schnell: In nur zehn Minuten schöpft der Camcorder Kraft für einen halbstündigen Videodreh.


Der SD-Kartenslot befindet sich auf der Unterseite des Gehäuses hinter einer Klappe.

Der optische Bildstabilisator leistet bis zum oberen Ende des Brennweitenbereichs gute Dienste. Die zusätzliche Einstellung Dynamik macht insbesondere beim Filmen während dem Gehen einen deutlichen Unterschied. Die Videos wirken zwar etwas weicher, dafür aber auch deutlich weniger verwackelt. Artefakte treten nicht auf.

Aufgezeichnete Clips sehen ausgezeichnet aus. Sie sind messerscharf, bieten satte und lebendige Farben sowie eine sehr ausgewogene Belichtung mit wenigen überbelichteten Bildbereichen. Der Digic-DV-III-Bildprozessor macht einen guten Job bei der Maximierung des Dynamikbereichs. Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen gelingen ebenfalls zufriedenstellend. Zwar machen die Videos dann einen etwas weicheren Eindruck und weisen etwas Bildrauschen auf, doch das ist nicht ungewöhnlich. Der aufgezeichnete Ton ist glasklar.

Allerdings ist der HF S11 nicht ganz perfekt. An Übergängen mit hohen Kontrasten treten violette Farbsäume auf. Zudem stellen wir eine leichte Verschiebung von Blau und Rot fest. Wie die Standbildaufnahmen der meisten Camcorder wirken die Fotos des Legria etwas verzeichnet und weich. Außerdem verfälscht der Blitz die Farbsättigung recht stark. Schlecht sind die Schnappschüsse des HF S11 dennoch nicht.

Fazit

Der HF S11 eignet sich hervorragend für Hobbyfilmer oder für Profis, die nach einer handlichen Ergänzung zu ihren sperrigen Arbeitstieren suchen. Er erbringt eine deutlich bessere Leistung als die Einsteigermodelle mit Full-HD-Auflösung – so lange ein elektronischer Sucher nicht ganz oben auf dem Wunschzettel steht. Der Canon Legria HF S100 bietet mit Anschaffungskosten von rund 760 Euro vom Trio HF S100 [1], S10 und S11 allerdings das beste Preisleistungsverhältnis. Nur wer den besseren Bildstabilisator des Legria HF S11 benötigt, sollte zum derzeit gut 1000 Euro teuren Modell greifen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41515490/canon-legria-hf-s11-full-hd-camcorder-mit-gutem-bildstabilisator/

URLs in this post:

[1] Legria HF S100: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41003075/testbericht/canon+legria+hfs100+genialer+full_hd_camcorder+mit+profifunktionen.htm

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Tabelle anzeigen: Highend-Full-HD-Camcorder im Vergleich: #