Creative Zen X-Fi2 im Test: guter Klang, hakelige Bedienung

von Kelvin Low und Stefan Möllenhoff am , 10:06 Uhr

Pro
  • gute Audioqualität
  • funktioniert mit Linux dank MSC-Fähigkeit
  • microSD-Slot
  • TV-Ausgang
  • FLAC-Unterstützung
Con
  • zähes Interface
  • kratzeranfälliges Display
  • Inhalte von microSD-Karte nicht in Mediensammlung integrierbar
Hersteller: Creative Labs Listenpreis: 110 Euro (8 GB), 150 Euro (16 GB), 185 Euro (32 GB)
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,6 von 10 Punkte
Fazit:

Der Creative Zen X-Fi2 überzeugt mit toller Audioqualität und großen Videomöglichkeiten. Allerdings könnte das Display eine bessere Auflösung bieten, und die Oberfläche reagiert teilweise sehr träge.

„Der MP3-Krieg hat begonnen, und ich bin derjenige, der ihn erklärt!“ Dieses Statement hat Creative-CEO Sim Wong Hoo 2004 von sich gegeben. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, und der Hersteller aus Singapur kratzt nicht einmal annähernd am großen Erfolg von Apple. Dennoch, schlecht sind dessen Player nicht. Wir haben Creatives neueste „Waffe“ im Kampf gegen Apple & Co., den Zen X-Fi2, bereits getestet.

Auf der IFA 2009 waren wir überrascht: Creative hat seinen ersten Touchscreen-Player vorgestellt – wenn man einmal von dem Android-Konzept Zii EGG [1] absieht. Der Zen X-Fi2 kommt wahlweise mit 8, 16 oder 32 GByte Speicherkapazität. Die drei Modelle wechseln für 110, 150 und 185 Euro den Besitzer und siedeln sich preislich knapp unterhalb der neuesten Nanos von Apple [2] an.

Design

Imitation oder die ehrlichste Form von Lob? Wie dem auch sei, der Zen X-Fi2 sieht dem iPod Touch [3] erstaunlich ähnlich, misst aber deutlich hosentaschenfreundlichere 10,2 mal 5,7 Zentimeter und ist lediglich 11,6 Millimeter dick.


Mechanische Tasten für die Lautstärkeregelung gibt es nicht. Ärgerlich, denn der Touchscreen reagiert etwas zäh.

Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff und ist von einem metallisch-glänzenden Rahmen eingefasst. Während die Front glänzt, setzt der Hersteller auf eine kratzerunempfindlichere, matte Rückseite. Der reflektierende Kunststoff um das Display herum zieht Fingerabdrücke und Schmutz magisch an.

Auf dem Zen XFi2 gibt es lediglich drei Tasten. Oben auf dem Gehäuse verbaut Creative einen Power/Hold-Schieber, die Front bietet einen Home- und einen Reset-Knopf. Der microSD-Kartenleser befindet sich neben dem An/Aus-Schalter auf der Oberseite des Geräts. Rechts am MP3-Player sitzen ein Mini-USB-Port sowie eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, die auch als TV-Ausgang herhält. Direkt unterhalb der Home-Taste liegt ein Lautsprecherausgang.


Auf der rechten Seite des Players befinden sich USB-Port und 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse.

Ausstattung

Die glänzende Bildschirmbeschichtung reflektiert stark. In hellen Umgebungungen ist der Displayinhalt dennoch lesbar. Direkt von vorne betrachtet sieht die Anzeige erstaunlich gut aus – für einen resistiven Touchscreen. Die Darstellung ist hell und kontrastreich. Beim seitlichen Blick lässt die Qualität allerdings deutlich nach.


Das Hauptmenü des X-Fi2 ist übersichtlich aufgebaut. Creatitve verzichtet auf Schnörkel und Spielereien.

Das 3 Zoll große WQVGA-Display löst 400 mal 240 Pixel auf und wirkt dadurch ordentlich scharf. Leider stellt die Anzeige nur 262.000 Farben dar. Zum Vergleich: Der Zen schafft 16,7 Millionen Farben. Dadurch kommt es bei der Betrachtung von Fotos und Videos zu unschönen Farbbalken.

An der Bedienung hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht großartig verändert. Die einzigen Neuerungen betreffen die Integration der Touchscreen-Oberfläche. Das Blättern durch die Musikdatenbank geht recht übersichtlich vonstatten – der X-Fi2 sortiert die Alben alphabetisch.

Dafür steht ein A-Z-Icon im Musik-Browser zur Verfügung, das die Sammlung wahlweise vollständig alphabetisch darstellt, oder in Ordner mit dem jeweiligen Anfangsbuchstaben gruppiert. Alternativ lassen sich auch alle Lieder auf einen Schlag anzeigen.

Das Scrollen klappt nicht sonderlich flüssig – es tritt eine spürbare Verzögerung beim Blättern durch Lieder- oder Albenlisten auf. Einen „echten“ Dateibrowser bietet der Zen X-Fi2 leider nicht. Dafür gibt es die Möglichkeit unterwegs Playlisten zusammenzustellen und Lieder von dem Player zu löschen – ganz ohne PC.


Hier zeigt der X-Fi2 die Musiksammlung gerade alphabetisch sortiert nach Alben an.

Beim Anstecken an einen Rechner erkennt dieser den Player als USB-Massenspeicher. Dank des eingesetzten MSC-Protokolls bei der USB-Verbindung arbeitet der Creative auch problemlos mit OS X und Linux zusammen. Außerdem läst sich der X-Fi2 auf, während er am Computer hängt. Nach 2,5 Stunden ist ein völlig leerer Stromspeicher wieder voll.

Laut Hersteller soll der MP3-Player 25 Stunden bei der Musik- und 5 Stunden bei der Videowiedergabe durchhalten. Im Test kommen wir im Audiomodus auf 20 Stunden. Beim Ansehen von Videos schafft unser Testgerät 4,5 Stunden. Allerdings setzen wir nicht immer Kopfhörer, sondern teilweise auch den integrierten Lautsprecher für den Sound ein.

Bei der Formatvielfalt ist der X-Fi2 gut aufgestellt: Er kommt mit MP3-, WMA-, WAV-, Audible4-, AAC- und FLAC-Dateien bei der Musikwiedergabe sowie WMV-, MPEG-4-, DivX- und XviD-Videos zurecht. Die Auflösung der Videos ist auf 640 mal 480 Bildpunkte beschränkt.

Ist die eigene Musiksammlung langweilig geworden, hält der MP3-Player außerdem einen UKW-Empfänger bereit. Es stehen 32 Senderspeicher und eine Aufnahmefunktion zur Verfügung. Dank integriertem Mikrofon auf der Oberseite des Gehäuses dient der X-Fi2 auch als Diktiergerät. Sehr praktisch: Alle auf der eingelegten microSD-Karte gespeicherten Daten lassen sich mit einem Knopfdruck auf das Gerät übertragen.

Leistung

Einer der Punkte, mit dem Creative seine Zen-Player bewirbt, ist der klangverbessernde X-Fi-Technologie. Beim X-Fi2 funktioniert das Soundtuning auch bei Videos und UKW-Radio. Der einstellbare X-Fi Crystalizer beispielsweise soll bei der Komprimierung in verlustbehaftete Formate verlorengegangene Feinheiten wiederherstellen. Und tatsächlich: Ist das Feature aktiviert, so wirkt der Ton deutlich klarer und schärfer. Allerdings geht der Player nicht mit allen Stilrichtungen gleich um. Elektronische Titel beispielsweise wirken recht rau, Popmusik hingegen klingt ausgezeichnet.

Um den Fokus auf die Klangqualität zu unterstreichen, legt Creative ein Paar vergleichsweise guter In-Ear-Kopfhörer in den Karton. Die EP-630 klingen sehr klar und hell, lassen aber den gewünschten Druck bei den Bässen vermissen. Bei unserem Sound-Test deaktivieren wir alle Klangverbesserer.


Das Frequenzdiagramm zeigt, dass der Zen X-Fi die Höhen etwas verstärkt und dafür in den Mitten und dem Bass etwas einbricht. Ausgleichend stehen viele Funktionen zur Klangverbesserung zur Verfügung.

Leider reagiert das Touchscreen-Interface ziemlich hakelig. Es ist weit von den schicken Oberflächen entfernt, wie sie Sonys X-Serie oder der iPod Touch bieten. Wie bereits erwähnt, ist ein Durchstöbern der Musiksammlung nach Ordnern nicht möglich. Erfreulicherweise lässt sich der TV-Ausgang dafür auch während der Videowiedergabe aktivieren – ein Druck auf das entsprechende Icon genügt. Während der Player Filme und Fotos an einen Bildschirm schickt, stellt er auf dem Display nur eine Reihe Bedienelementen dar.

Nachdem Creative den Kopfhörer- und den Videoausgang miteinander kombiniert, ist es nicht möglich, während dem Betrachten von Clips auf dem Fernseher Klangschalen für den Sound zu nutzen. Das dürfte allerdings nur sehr wenige potenzielle Käufer stören. Gravierender ist die Tatsache, dass im Lieferumfang kein Videokabel enthalten ist.

Der winzige integrierte Lautsprecher eignet sich bestenfalls für eine Folge Simpsons im Bett. Für ernsthaften Musikgenuss oder in lauten Umgebungen ist die winzige Box nicht zu gebrauchen.

Der Zen X-Fi2 unterstützt RSS-Feeds. Zum Synchronisieren ist allerdings die mitgelieferte Software Creative Centrale erforderlich. Darüber hinaus bietet der Player Weckfunktion, Kalender, To-Do-Liste und Adressbuch. Das Abgleichen der Daten funktioniert jedoch auch hier nur mit dem beigelegten Creative-Programm.

Immerhin: Die Creative Centrale leistet gute Dienste beim Übertragen und Konvertieren von Audio- und Videodateien. Wir vermissen lediglich ein paar erweiterte Möglichkeiten zum Feintuning von Clips. Die Installationsdateien der Software befinden sich übrigens auf dem internen Speicher des Players.

Fazit

Für Creatives ersten Touchscreen-Player ist der Zen X-Fi2 erstaunlich gut gelungen. Unser größter Kritikpunkt an dem Gerät ist allerdings die etwas zäh reagierende Oberfläche. Jede Eingabe braucht einfach deutlich mehr Zeit als bei der Konkurrenz. Dafür überzeugt das Gerät mit einer ausgezeichneten Audioqualität und einer Vielzahl von unterstützten Formaten. Zudem bietet der Creative Zen X-Fi2 einen microSD-Kartenleser und arbeitet auch mit Macs zusammen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Android-Konzept Zii EGG: https://www.cnet.de/blogs/mobile/android/41207870/creative+zii+egg+mit+android_betriebssystem+unerwartete+konkurrenz.htm

[2] neuesten Nanos von Apple: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/galerie/41502527/apple+ipod+nano+5g+neuer+mini_player+mit+kamera+und+ukw_radio.htm

[3] iPod Touch: https://www.cnet.de/tests/mp3/41502849/testbericht/immer+schneller+apple+ipod+touch+3_+generation+_64+gbyte.htm