Kodak OL7620: digitaler Bilderrahmen mit AMOLED-Display

von Stefan Möllenhoff am , 18:16 Uhr

Pro
  • grandioses AMOLED-Display
  • gute Ausstattung
  • schickes Design
  • gibt auch MP3s und Videos wieder
  • integriertes WLAN
Con
  • Probleme bei der drahtlosen Verbindung
  • niedrige Auflösung
  • Bildschirmrahmen anfällig für Fingerabdrücke
  • teuer
Hersteller: Kodak Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Der Kodak OLED Frame OL7620 überzeugt mit umwerfender Bildqualität und großzügiger Ausstattung. Allerdings trüben einige Macken bei der Bedienung und der Konnektivität den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck.

Ein digitaler Bilderrahmen, der 900 Euro kostet und zudem ein „nur“ 7,6 Zoll großes Display mitbringt? Der ist bestimmt mit Swarovski-Kristallen, Strass-Steinen oder anderem Bling-Bling übersät. Falsch: Der OLED Frame OL7620 ist so teuer, weil Kodak auf eine AMOLED-Anzeige anstelle eines herkömmlichen LCDs setzt. Was der digitale Bilderrahmen ansonsten kann, zeigt dieser Test.

Aller OLED-Euphorie zum Trotz sind größere Displays mit dieser Technologie noch nicht im Handel erhältlich, sondern nur hin und wieder auf Messen wie der IFA zu sehen. Die Speerspitzen stellen derzeit Sonys 3000 Euro teurer XEL-1 [1] mit 11 Zoll Bilddiagonale und der Kodak OLED Frame OL7620 mit 7,6 Zoll dar – dann kommt erst einmal lange nichts. Weit abgeschlagen folgen schließlich eine ganze Reihe von OLED-Smartphones Marke Samsung [2] und eine Handvoll MP3-Player von Cowon, Sony [3] & Co. mit Bilddiagonalen um die drei Zoll.

Erster Eindruck

Bereits vor dem ersten Einschalten fällt der Kodak OLED Frame OL7620 auf. Aus einem mattschwarzen, 17,5 mal 8,8 mal 2,2 Zentimeter großen Sockel wächst ein 7,6-Zoll-AMOLED-Display heraus, das in der Dicke lediglich fünf Millimeter misst. Auf der rechten Seite dieses Standfußes befindet sich ein 5-in-1-Kartenleser, gegenüber verbaut Kodak zwei Tasten zur Lautstärkeregelung und einen Ein/Aus-Schalter. Die Rückseite hält außerdem Netzanschluss, Audioein- und -ausgang sowie USB- und Mini-USB-Port bereit.


Das Display des Kodak OLED Frame OL7620 ist gerade einmal einen halben Zentimeter dick.

Beim Einschalten weicht die anfängliche leichte Euphorie, und Begeisterung macht sich breit. Der Kodak-Dalmatiner vor rotem Hintergrund scheint direkt aus dem Bildschirm zu springen. Das AMOLED-Display überzeugt mit überwältigenden Farben und unbegrenzten Blickwinkeln. Bei Betrachtung aus geringem Abstand macht sich allerdings die verhältnismäßig niedrige Auflösung der Anzeige bemerkbar. Mit nur 800 mal 480 Pixeln sind Treppeneffekte an schrägen Kanten sichtbar.

Ausstattung

Der digitale Bilderrahmen kommt mit einem ungewöhnlichen Umfang an Ausstattung. Er bringt 2 GByte integrierten Speicher und ein WLAN-Modul mit, das nach dem IEEE-Standard 802.11 b/g funkt. Ein Touchscreendisplay gibt es nicht – nach eigener Aussage verzichtet Kodak darauf, um Fingerabdrücke auf dem edlen Gerät zu vermeiden. Stattdessen verbaut der Hersteller zwei berührungsempfindliche Leisten rechts und unten im Rahmen um den Bildschirm. Allerdings ist die Umrandung stark glänzend und zieht Fingerabdrücke magnetisch an.


So sieht das Hauptmenü des OL7620 aus. Die weißen Punkte befinden sich auf dem Rahmen. Ein leichter Druck mit dem Finger wählt den dazugehörigen Menüpunkt aus.

Aber immerhin: Die beiden berührungssensitiven Leisten reagieren erstaunlich gut auf Fingereingaben und setzen diese recht präzise um. Beim Eintippen von langen WLAN-Passwörtern beispielsweise nervt die Umsetzung allerdings. Aber das Kennwort der Netzwerkverschlüsselung ändert man ja glücklicherweise nicht täglich.

Anfangs haben wir bei unserem Testgerät Probleme mit der Navigation durch die Menüs. Immer wieder hängt sich der OL7620 auf oder nervt mit minutenlangen Wartezeiten. Ein Update auf die aktuelle Firmware-Version sorgt für Vollgas: Die meisten Dialoge stehen nach weniger als einer Sekunde zur Verfügung. Lediglich, wenn der Kodak OLED Frame Daten aus dem Internet lädt, ist etwas Geduld erforderlich.

Heimnetzwerk, Internet

Mit WLAN nach 802.11 b/g kommuniziert der Kodak OL7620 mit der Außenwelt. So jedenfalls der Idealfall. Im Test haben wir leider etliche Schwierigkeiten, unser Testgerät ins Netzwerk einzubinden. Stellenweise bricht die Verbindung nach kurzer Zeit ab, und gelegentlich müssen wir den Rechner neustarten, bevor dieser den Bilderrahmen erkennt. Mit einem Cisco-Router können wir den OLED Frame überhaupt nicht zur Zusammenarbeit überreden, mit einer AVM FritzBox 7210 dagegen funktioniert die Kommunikation einwandfrei.

Klappt die Verbindung, stellt der Bilderrahmen Inhalte von im Heimnetzwerk verbundenen Rechnern dar. Allerdings ist hierfür die Installation eines Desktop-Programms, der Kodak EasyShare Software für die Digitalanzeige, erforderlich. Die HTML-basierten Menüdialoge in dem Tool laden stellenweise leider extrem langsam. Glücklicherweise richtet man den Bilderrahmen nicht jeden Tag neu ein.


Viele Einstellungen lassen sich nur mit der Desktop-Software treffen. Um sich in einen Framechannel- oder Flickr-Account einzuloggen, führt kein Weg am EasyShare-Tool vorbei.

Die Fotos lassen sich dann wahlweise kabellos auf dem OLED Frame anzeigen oder direkt auf den internen Speicher übertragen. Das funktioniert in beiden Fällen weitgehend problemlos – einzige Ausnahme sind sehr große Bilddateien. Bei unbearbeiteten 21-Megapixel-Aufnahmen von einer Canon 5D Mark II [4] kommt der Rahmen ins Schwimmen und stürzt gelegentlich ab.

Beim Heimnetzwerk macht der Kodak-Rahmen noch lange nicht Halt: Er bezieht Bildmaterial auch von Flickr, der Kodak Photo Gallery oder von RSS-Foto-Feeds. Der Kodak Frame Channel versorgt den digitalen Bilderrahmen zudem mit diversen Informationen – etwa Sportergebnissen, Wettervorhersagen, Blogbeiträgen und dergleichen.


Morgens Schlagzeilen, abends Sport: Framechannel bietet eine Reihe von Möglichkeiten, die Nachrichten zusammenzustellen.

Allerdings ist es notwendig, einen Account einzurichten, um einen der Services zu nutzen. Die Anzeige der online gespeicherten Bilder geht recht reibungslos vonstatten. Das Laden der Thumbnail-Übersicht eines Albums wird allerdings zur Geduldsprobe.


Neben der Nachrichtenagentur Reuters sind auch unsere Kollegen von Crave.CNET.com im Framechannel vertreten.

Abgesehen von im Netz gespeicherten Inhalten gibt der Bilderrahmen auch Bilder, Videos und Musikstücke von Speicherkarten (SD, SDHC, MMC, MS, xD) und USB-Sticks wieder. An Formaten stehen JPEG, MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, AVI, MOV, MJPEG, MP3 und PCM G.711 [5] zur Verfügung. Unsere Testdateien gibt der OL7620 ohne Murren wieder. Einzige Ausnahme: Das direkte Abspielen von Videos von einem Flip-Video-Camcorder [6] funktioniert nicht.

Fazit

Sicherlich, einen digitalen Bilderrahmen mit 7,6 Zoll Bilddiagonale gibt es bereits deutlich günstiger – sogar von Kodak, mit nahezu identischer Ausstattung. Allerdings bieten alle konkurrierenden Lösungen eine LCD- anstelle einer AMOLED-Anzeige – der Unterschied ist himmelweit. Mit Anschaffungskosten von rund 825 Euro ist der OLED Frame OL7620 jedoch alles andere als ein Schnäppchen. Doch wer Porsche fahren will, der muss eben auch Porsche bezahlen.

Spezifikationen

  • Peripherie-Typ - Bilderrahmen
  • Kommunikation - WLAN

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41515780/kodak-ol7620-digitaler-bilderrahmen-mit-amoled-display/

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[1] Sonys 3000 Euro teurer XEL-1: https://www.cnet.de/tests/tv/41002687/testbericht/sony+xel_1+teurer+oled_tv+mit+tollem+bild.htm

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[4] Canon 5D Mark II: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000767/testbericht/vollformat_dslr+mit+hd_videofunktion+canon+eos+5d+mark+ii.htm

[5] PCM G.711: http://de.wikipedia.org/wiki/G.711

[6] Flip-Video-Camcorder: https://www.cnet.de/tests/camcorder/39201872/testbericht/ultraflacher+hd_camcorder_winzling+flip+video+minohd.htm