DLNA: So lösen Filmfans die Probleme beim Multimedia-Netzwerkstreaming

von Pascal Poschenrieder am , 17:30 Uhr

Fast alle modernen Fernseher schmücken sich mit dem DLNA-Logo. Die Hersteller versprechen, dass ihre Fernseher dank dieser Zertifizierung Filme, Fotos und Musik von Computern im Netzwerk einfach und problemlos wiedergeben. Die Realität sieht allerdings meist anders aus: Videos laufen teilweise überhaupt nicht und oft ruckelig. Wir erklären, wo es hakt, und wie Filmfans die Schwierigkeiten umgehen.

Viele Heimkinobesitzer speichern ihre Filme inzwischen auf Festplatten. Es ist schlicht deutlich praktischer und meist auch günstiger, einen Film von einem Online-Videoportal herunterzuladen, als die DVD- oder Blu-ray-Disc zu kaufen. Allerdings hat es auch Nachteile: Computer passen optisch nicht ins Wohnzimmer. Außerdem nerven laute, schnell drehende Lüfter – und niemand will während einem Actionfilm ständig von einem brummenden PC abgelenkt werden. Zum Glück gibt es ja das Heimnetzwerk, das die Daten auf Wunsch sogar kabellos vom Rechner im Arbeitszimmer auf den Fernseher im Wohnzimmer überträgt. Damit das reibungslos funktioniert, haben sich viele große Hersteller zusammengeschlossen und die Digital Living Network Alliance (DLNA [1]) gegründet. Die Organisation sorgt dafür, dass Komponenten wie Netzwerk-Festplatten, Computer und Fernseher zusammenarbeiten – und letztendlich dafür, dass Filme vom PC ohne Ruckeln und Probleme auf dem Fernseher laufen. Geräte, die dazu in der Lage sind, bekommen das DLNA-Logo.

Wer nun extra mehr Geld für einen Fernseher mit DLNA-Zertifizierung ausgegeben hat und auch bei dem Netzlaufwerk etliche Euros für das DLNA-Logo extra bezahlt hat, geht natürlich davon aus, dass er seine nachmittags frisch heruntergeladenen Filme abends gemütlich bei einem Glas Wein im Wohnzimmer ansehen kann. Die Realität sieht aber häufig anders aus: Teilweise finden sich DLNA-Geräte im Netzwerk nicht. Wenn doch, tauchen in der Medienliste auf dem Fernseher zwar alle Dateien auf, bei der Wiedergabe spuckt das Display aber nur zu oft eine Fehlermeldung aus. In solch einem Fall hilft dann nur noch das Leeren der ganzen Weinflasche über den Frust hinweg.

Die schöne neue DLNA-Welt

Die Theorie

Die Versprechen, die beispielsweise Fernseherhersteller zum Thema DLNA-Netzwerkstreaming machen, lassen Freude aufkommen. So preist Philips seine DLNA-TV-Modelle Aurea beispielsweise folgendermaßen an: „… Zusätzlich können Sie mit Ihrer Fernbedienung und der DLNA-zertifizierten PC-Netzwerkfunktion Videos ansehen oder auf Bilder zugreifen, die auf Ihrem Computer gespeichert sind.“ Panasonic beschreibt die DLNA-Funktion seiner TV-Gerät so: „Mit Hilfe von DLNA können Sie Bilder und Videos von Quellen in anderen Räumen sehen, wenn diese mit dem gleichen LAN-Netzwerk verbunden sind. So können Sie z.B. die auf einem PC im Arbeitszimmer gespeicherten Daten (JPEG, DIVX, MPEG 2) auf Ihren DLNA-fähigen VIERA Fernseher im Wohnzimmer abspielen.“ Samsung [2] sieht es ähnlich optimistisch und schreibt „DLNA bringt Entertainment bedienerfreundlich und ganz einfach auf Ihren Samsung Fernseher. Denn mit DLNA können Daten wie Videos, Fotos oder Musik auch über verschiedene Räume hinweg von einem Computer, Handy oder einer Festplatte auf einen oder mehrere Samsung Fernseher übertragen werden. Auch kabellos. … Dabei werden alle gängigen Video-, Foto- und Audioformate in HD-Qualität unterstützt.“


Laut Samsung-Website funktioniert das Streamen mit DLNA kinderleicht und problemlos mit allen Standardformaten.

Glaubt man den Herstellern, müssen Anwender ihren Videospeicher und ihren Fernseher also lediglich am Netzwerk anstecken oder sie via WLAN verbinden. Schon finden sie sich in einem völlig neuen Multimedia-Zeitalter wieder, in dem die räumlichen Grenzen nicht mehr existieren und alle heruntergeladenen, gerippten oder selbst gedrehten Filme wie von Geisterhand vom Rechner auf den Bildschirm wandern – egal, in welchem Format oder in welcher Auflösung sie vorliegen. Der Anwender wählt lediglich im Menü seines TVs ein Video aus, der Fernseher teilt dem Netzwerkgerät mit, welchen Stream es senden soll, und zeigt diesen dann an.

Die Realität

Leider ist all das nur in den Köpfen einiger Marketing-Experten so einfach. Die Praxis sieht ganz anders aus. Google [3] listet zu der Suche „DLNA Problem“ 143.000 Treffer, bei „DLNA Lösung“ hingegen nur schlappe 14.500. Das alleine zeigt schon, dass DLNA-Streaming in keinster Weise problemlos funktioniert. Genau das haben wir auch in unseren zahlreichen Tests mit DLNA-Zertifizierten Geräten festgestellt. Das Bild war mit fast allen Testgeräten das gleiche: Einige Filme in bestimmten Formaten laufen zwar wirklich hervorragend, die restlichen 80 Prozent der Dateien will der Fernseher aber einfach nicht fehlerfrei wiedergeben.


In unserem Test zeigt der Fernseher bei den meisten Filmen lediglich eine Fehlermeldung an.

Stattdessen bekommen wir Meldungen wie „Tonformat nicht unterstützt“, „falsche Auflösung“, „nicht unterstütztes Videoformat“ oder einfach nur „falsches Format“ zu sehen. Das ist wirklich frustrierend – und dabei haben uns die Hersteller ihre Geräte umsonst und leihweise zum Testen zur Verfügung gestellt. Wie müssen sich da erst Käufer fühlen, die gerade ihr mühsam Erspartes für ein Gerät mit DLNA-Logo auf den Tisch gelegt haben?

Gründe für das DLNA-Disaster

Die Antwort auf die Frage, warum DLNA-Zertifizierte Geräte versagen, ist eigentlich recht einfach. Die Formate, die ein Fernseher für das Erlangen des DLNA-Logos wiedergeben muss, sind lediglich JPEG [4] (Fotos), LPCM [5] (2-Kanal-Audio) und MPEG-2 [6] (Videos). Das ist vollkommen realitätsfremd. Wer ein Video aus dem Netz lädt oder eine Sicherheitskopie einer DVD anfertigt, hat Dateien in Formaten wie MKV [7], DivX [8], Xvid [9], H.264 [10] oder WMV9 [11] vorliegen. Musik speichert kein Mensch im LPCM-Format, sondern als WMA [12]– oder MP3 [13]-Datei. Lediglich bei Fotos trifft DLNA mit JPEG den Standard. Zwar gibt es optionale Formate in den DLNA-Richtlinien, diese sind aber eben nur optional und nicht Pflicht. Zudem fehlen auch hier wichtige Dinge wie AAC [14], DivX, Xvid oder MKV komplett. Die Folge: Die Hersteller von Fernsehern sparen sich teure Prozessoren für das aufwändige Dekodieren [15] dieser Dateien. Teilweise ist es sogar so, dass die TVs entsprechende Dateien zwar von USB-Speichermedien wiedergeben, der Stream im gleichen Format aber nicht läuft. Für unseren Test haben wir einen Samsung-Fernseher vom Typ 46B7000 [16] verwendet, der genau dieses Problem hat. Auf unsere Anfrage bezüglich DLNA-Streaming war der Hersteller nicht bereit, eine Stellungnahme abzugeben.

Medien vorgeschriebe Formate optionale Formate
Bilder JPEG GIF, TIFF, PNG
Audio LPCM (2-Kanal) MP3, WMA9, AC-3, AAC, ATRAC3plus
Video MPEG-2 MPEG-1, MPEG-4, WMV9

Die Lösung der Probleme

Es gibt allerdings eine Möglichkeit, alle Filme, Fotos und Musik doch noch mittels DLNA auf dem Fernseher wiederzugeben. Das Zauberwort hierfür heißt Transcoding [17]. Dabei wandelt eine Software auf dem Server die Dateien in Echtzeit in ein unterstütztes Format um und sendet dieses dann als DLNA-Stream an das Wiedergabegerät. Das funktioniert aber nur mit leistungsstarken Computern, da das Konvertieren in Echtzeit sehr aufwändig ist. Ohne Dual-Core-CPU sehen Filmfans ihre Videos nur ruckelig – besonders, wenn diese in HD-Auflösung vorliegen.


Der Prozessor der LinkStation Live ist zu schwach für das Konvertieren der Videos.

Mit Netzlaufwerken funktioniert ein Transcoding daher in der Regel nicht. Die Geräte sind auf einen energiesparenden und leisen Betrieb ausgelegt und verfügen deshalb nicht über die ausreichende Rechenleistung. In unserem DLNA-Streaming-Test hatten wir beispielsweise eine LinkStation Live [18] von Buffalo im Einsatz. Sie beherrscht DLNA-Streaming, eine Transkodierung ist aber nicht möglich. Helge Lichner, Product Specialist von Buffalo EU BV, erklärt die Sachlage folgendermaßen: „Warum kein NAS mit Transcoding? Vom Konzept her ist ein NAS ein Netzwerkspeicher mit zusätzlichen Funktionen, um den Nutzwert zu steigern. Dabei soll aber der Fokus nicht verloren gehen. Der ist, ein einfach zu bedienendes, stromsparendes und kostengünstiges Gerät zu haben, das im Netzwerk die wichtigsten Dienste bereitstellt. Dazu zählen beispielsweise ein Dateiserver für Windowsdateifreigaben und FTP und zusätzlich ein DLNA-fähiger Multimedia-Streamingserver. Die Hardwarevoraussetzungen für Transcoding würden diesen Rahmen eindeutig sprengen.“

So funktioniert DLNA-Streaming mit dem PS3 Media Server

Bis die Fernseherhersteller also den Codec-Support ihrer Geräte deutlich verbessern, bleibt Anwendern nur die Transkodierung mittels PC. Hierfür gibt es verschiedene Lösungen. Wir haben viele der zum Teil kostenpflichtigen Programme getestet. Darunter sind auch Neros MediaHome 4 für knapp 30 Euro und TwonkyMedia zum gleichen Preis sowie die kostenlose Software TVersity. Allerdings war der Erfolg mit diesen Applikationen eher mäßig. Viele Videos laufen nicht auf dem Fernseher, und die wenigen die funktionieren, ruckeln häufig oder weisen Bildfehler auf.

Die einzige Software mit Transcoding, die uns wirklich überzeugen konnte, ist der PS3 Media Server [19]. Das Programm ist komplett kostenlos, einfach zu installieren und zu konfigurieren, für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar und darüber hinaus sogar noch Open Source. Es ist eigentlich zum Streamen von Dateien zur Playstation 3 [20] gedacht, eignet sich aber auch wunderbar für jedes andere DLNA-Gerät, das wir getestet haben.

Installation des PS3 Media Server

Nach dem Download der EXE-Datei des Setups startet ein Doppelklick darauf die Installation. Nach zwei Mausklicks auf Next ist der Vorgang abgeschlossen. Nach einem Druck auf den Finish-Knopf startet der PS3 Media Server.


Über den Ausführen-Dialog gelangen Anwender in die Diensteverwaltung.

Nun sollten Filmfans sicherstellen, dass der Windows-Dienst Universeller Plug & Play-Gerätehost läuft. Dazu wählen sie in der Taskleiste Start und drücken anschließend auf Ausführen. Nun ist in das Textfeld services.msc einzugeben. Nach einem Klick auf OK öffnet sich die Diensteverwaltung. Dort suchen XP-Anwender den Eintrag Universeller Plug & Play-Gerätehost, Vista-User müssen den Dienst UPnP-Gerätehost ausfindig machen. Über einen Rechtsklick und den Kontext-Menüpunkt Eigenschaften gelangen Nutzer in die Optionen. Dort ist bei Starttyp die Option Automatisch zu wählen. Ein Druck auf OK schließt das Fenster wieder. Falls der Dienst noch nicht laufen sollte, ist er über einen Klick auf Starten in der linken Seitenleiste der Diensteübersicht zu starten.

Konfiguration des PS3 Media Server

Im PS3 Media Server geht es nun als erstes an das Auswählen der deutschen Sprache. Die Einstellung findet sich im Reiter Allgemeine Einstellungen. Nun kommt das Freigeben von Ordnern an die Reihe. Dazu klicken Filmfans im PS3 Media Server den Reiter Navigations-/Freigabeeinstellungen an. Im Bereich Freigegebene Ordner sind nun mittels des +-Knopfes die Verzeichnisse mit Filmen, Musik und Fotos auszuwählen.


Die freigegebenen Ordner tauchen später auf dem Fernseher auf.

Als letztes kommen die Transkodierungseinstellungen dran. Sie finden sich im Reiter Transkodierungseinstellungen. Im linken Bereich listet der PS3 Media Server die Transcoder. Es empfiehlt sich sie mittels der Hoch– und Runter-Pfeile wie im Bild unten anzuordnen. Jetzt wählen Nutzer den Reiter MEncoder im Bereich Videodatei-Engines. Dort haben sich die im Bild ersichtlichen Einstellungen als optimal erwiesen.

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So sollten die Transcoder-Einstellungen aussehen.

Als letztes beendet ein Klick auf Speichern und auf HTTP Server Neustart die Konfiguration.

Streamen mit PS3 Media Server

Wer nun mit seinem Fernseher den DLNA-Server PS3 Media Server wählt, bekommt seine freigegebenen Dateien zu sehen. Außerdem taucht nun in jedem Ordner ein Unterverzeichnis namens #–TRANSCODE–# auf.


Im virtuellen Ordner #–TRANSCODE–# liegen Links, die einen transkodierten Stream aufrufen.

In ihm liegen weitere Ordner – einer für jede Videodatei. Darin finden sind Links für die unterschiedlichen Transcoder vom PS3 Media Server. Wird dort der erste Eintrag ausgewählt, nutzt der PS3 Media Server den voreingestellten Standard-Transcoder. Läuft ein Film im Hauptordner nicht, wählt der User einfach den Link im Transcoding-Ordner.


Wer einen dieser Links wählt, bekommt seinen Film auf dem Fernseher zu sehen.

Nun beginnt PS3 Media Server mit der Umkonvertierung und startet den Stream. In unserem Test funktionieren so über 90 Prozent der getesteten Formate.


In unserem Test erweist sich der MEncoder als am besten geeignet.

Fazit

Mit dem PS3 Media Server funktioniert das Streamen von Filmen – sogar in HD-Auflösung – mit den von uns getesteten Fernsehern gut. Allerdings ist das Transcoding aufwändig und benötigt einen schnellen Rechner.

Damit DLNA irgendwann wirklich so funktioniert, wie es die Fernseherhersteller versprechen, ist noch viel zu tun. Der Transcoding-Trick löst zwar einige Probleme, mit Netzlaufwerken ist er aber beispielsweise nicht anwendbar. In erster Linie müssen die TV-Hersteller anfangen, in ihre Geräte mehr für DLNA nutzbare Dekoder für alle möglichen Medienformate zu integrieren. Das ist zwar teuer, ohne diesen Schritt wird DLNA aber nie richtig funktionieren. Idealerweise sollte das Konsortium für das Erlangen des Logos wirklich alle gängigen Formate zur Pflicht anstatt nur zur Kür machen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41515883/dlna-so-loesen-filmfans-die-probleme-beim-multimedia-netzwerkstreaming/

URLs in this post:

[1] DLNA: http://www.dlna.org/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] JPEG: http://de.wikipedia.org/wiki/JPEG

[5] LPCM: http://de.wikipedia.org/wiki/LPCM

[6] MPEG-2: http://de.wikipedia.org/wiki/MPEG2

[7] MKV: http://de.wikipedia.org/wiki/Matroska

[8] DivX: http://de.wikipedia.org/wiki/Divx

[9] Xvid: http://de.wikipedia.org/wiki/Xvid

[10] H.264: http://de.wikipedia.org/wiki/H.264

[11] WMV9: http://de.wikipedia.org/wiki/WMV9

[12] WMA: http://de.wikipedia.org/wiki/Windows_Media_Audio

[13] MP3: http://de.wikipedia.org/wiki/MP3

[14] AAC: http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Audio_Coding

[15] Dekodieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Dekoder

[16] 46B7000: https://www.cnet.de/videos/hardware/41515783/samsung+46b7000+2_9+zentimeter+flacher+46_zoll_led_fernseher.htm

[17] Transcoding: http://de.wikipedia.org/wiki/Transkodieren

[18] LinkStation Live: https://www.cnet.de/praxis/insider/39154346/linkstation+live+von+ueberall+auf+die+mp3_sammlung+zugreifen.htm

[19] PS3 Media Server: http://ps3mediaserver.blogspot.com/

[20] Playstation 3: https://www.cnet.de/tests/tv/41501733/sony+playstation+3+slim+neues+design_+alte+ausstattung.htm

[21] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41515883/0910_dlna-streaming_06.jpg