Samsung ST550: innovative Kompaktkamera mit zwei Displays

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 15:31 Uhr

Pro
  • zahlreiche Automatikmodi
  • flott reagierende Touchscreenmenüs
  • zweites Display auf der Vorderseite
Con
  • Adapter für HDMI-Ausgang erforderlich
  • fummelige microSD-Karten als Speichermedium
  • 16:9-Display bei 4:3-Sensor
Hersteller: Samsung Listenpreis: 280 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die mit Hightech vollgestopfte Samsung ST550 stellt die ultimative Ultrakompakte für diejenigen dar, die lieber vor als hinter der Kamera stehen.

12-Megapixel-Bildsensor, 4,6-facher optischer Zoom, 27-Millimeter-Weitwinkel und HD-Videofunktion – Samsungs ST550 klingt nach einer ganz gewöhnlichen Kompaktkamera. Doch mit einem Merkmal setzt sich die 1,9 Zentimeter dünne Flunder von der Konkurrenz ab: Neben dem 3,5 Zoll großen Touchscreen auf der Rückseite bringt die Kompakte ein weiteres Display direkt neben dem Objektiv mit. Ob die flache Samsung in der Praxis überzeugt, verrät dieser Testbericht.

Der Unterschied zwischen Schnickschnack und Innovation besteht darin, ob die Neuerung tatsächlich ein bestehendes Problem löst. Mit ihrem zweiten Display auf der Vorderseite, dem reaktiven Touchscreen-Interface und den zahlreichen Automatikmodi packen wir die ST550 in die Innovationsschublade. Allerdings eignet sich die Kamera nicht für jeden. Wer sich selbst furchtbar unfotogen findet und eine Abneigung gegen berührungsempfindliche Displays hat, sollte die Samsung [1] besser weiträumig umschiffen.

Design

Abgesehen von dem Touchscreen, der bei Kameras sicherlich ein Hate-it-or-Love-it-Feature darstellt, gibt es am Design der ST550 kaum etwas, das man nicht mögen kann. Auf der Vorderseite befindet sich die 27-Millimeter-Weitwinkellinse mit 4,6-fachem Zoom. Direkt links daneben verbaut Samsung ein 1,5 Zoll großes LC-Display. Die mechanischen Bedienelemente beschränken sich auf Ein/Aus-Schalter, Auslöser, Zoomwippe und Play-Taste auf der Oberseite.


Aufgeräumt: Die einzigen mechanischen Bedienelemente der Samsung ST550 befinden sich auf ihrer Oberseite.

Der Zugriff auf alle weiteren Funktionen erfolgt über den außergewöhnlich hellen und hochauflösenden 3,5-Zoll-Touchscreen auf der Rückseite. Da das Display praktisch die gesamte Rückseite der Kamera vereinnahmt, bleibt kein Platz für eine Daumenablage. Damit ist einhändiges Fotografieren etwas schwierig.

Das berührungsempfindliche Interface gehört mit Sicherheit zu den reaktivsten, die wir bislang getestet haben. Zudem integriert Samsung ein haptisches Feedback: Die Kamera vibriert leicht, sobald es eine Eingabe registriert. Angesichts der endlos vielen Menüs und Einstellungen ist das Ansprechverhalten der Oberfläche sehr wichtig – sie sorgt definitiv für Lust statt Frust.

In der linken oberen Ecke zeigt das Display einen Knopf zur Auswahl des Aufnahmemodus an. Ein Druck holt die verfügbaren Optionen auf den Bildschirm. Darunter sitzen Buttons für Blitzeinstellungen, Makromodus, Selbstauslöser und Displaykonfiguration.

Mittig am unteren Bildschirmrand befindet sich ein kleines Tab – ein Fingerdruck bringt kontextabhängige Aufnahmeoptionen auf die Anzeige. Weiter rechts sitzt ein weiterer Reiter, der tiefgreifendere Einstellungen bereithält. Erwähnenswert ist hier die Navigationsmöglichkeit mittels Bewegungserkennung. Ist die Funktion aktiviert, startet beispielsweise ein Kippen der Kamera bei gedrückt gehaltenem Icon eine Slideshow oder wechselt den Aufnahmemodus.


Das Navigationskonzept der ST550 spart Platz auf dem Display fürs Motiv.

Zwar halten all diese Kniffe den Iconverhau auf dem Display weitgehend in Grenzen. Doch dass der Bildschirm im 16:9-Format gehalten ist, enttäuscht etwas. Die maximale Auflösung des Sensors beträgt 4000 mal 3000 Pixel – also 4:3. Dadurch kommt es zu schwarzen Balken am rechten und linken Rand der Anzeige. Immerhin: Die ST550 fotografiert auf Wunsch auch in 16:9, allerdings mit auf 9 Megapixel reduzierter Auflösung.

Der Bildschirm auf der Vorderseite warnt Fotomodels beispielsweise bei aktiviertem Blitz, informiert über Fokuseinstellungen oder zeigt ein Smiley an, sobald die Kamera bei halb gedrücktem Auslöser vorfokussiert. Ist das Minidisplay abgeschaltet, reicht ein Fingertipp, um es zu aktivieren. Es dient dann sofort als Sucher, die Kamera fokussiert automatisch auf Gesichter und schießt beim ersten Anzeichen eines Lächelns. Allein durch diese Funktion hat sich der zusätzliche Bildschirm gelohnt. Leider ist die Extra-Anzeige in direktem Sonnenlicht nicht sonderlich gut zu erkennen. Eine Möglichkeit, die Helligkeit einzustellen, gibt es nicht.

Die Verwendung von microSD-Karten als Speichermedium ist ein Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Laut Samsung sparen die schlankeren Karten Platz und ermöglichen ein kompakteres Gehäuse. Zudem sollen die Fotos ihren Weg dank dem micro-Format leichter ins Web finden – schließlich bieten praktisch alle aktuellen Highend-Handys einen entsprechenden Kartenslot.

Auf der anderen Seite bieten die meisten aktuellen Rechner zwar einen SD-, aber keinen microSD-Slot. Das bedeutet, dass zum Übertragen der Fotos ein USB-Kabel, ein Adapter oder ein spezieller Kartenleser erforderlich ist. Außerdem gehen die winzigen microSD-Medien deutlich leichter verloren als ihre größeren Brüder.

An der Unterseite der Kamera befindet sich ein proprietärer Anschluss für USB, Strom und AV-Ausgang. Ein USB-Kabel samt Netzadapter ist ebenso im Lieferumfang enthalten wie ein analoges Kabel zum Fernseher. Wer den HDMI-Ausgang nutzen möchte, muss allerdings weitere 40 Euro für einen Adapter auf den Tresen legen. Das ist zwar nicht ungewöhnlich, aber dennoch schade – insbesondere, da der HDMI-Anschluss ein Unterscheidungsmerkmal zur ST500 darstellt.

Ausstattung

Tabelle anzeigen: Samsung ST500 und ST550 im Vergleich [2]

Samsung ST500 und ST550 im Vergleich [2]

Kamera ST500 ST550
Preis (UVP) 349 Euro 399 Euro
Bildsensor 1/2,33-Zoll-CCD 1/2,33-Zoll-CCD
Auflösung 12 Megapixel 12 Megapixel
Optischer Zoom 4,6-fach 4,6-fach
Brennweitenbereich 27 – 124,2 mm 27 – 124,2 mm
Lichtstärke F3,5 – F5,9 F3,5 – F5,9
Bildstabilisator optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 3200 ISO 80 – 3200
Max. Fotoauflösung 4000 x 3000 Pixel 4000 x 3000 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel, 30 fps 1280 x 720 Pixel, 30 fps
Dateiformate JPEG (Foto), MP4 (Video) JPEG (Foto), MP4 (Video)
Erstes Display 3,0 Zoll; Touchscreen 3,5 Zoll; Touchscreen
Auflösung 640 x 360 Pixel 1440 x 800 Pixel
Zweites Display 1,5 Zoll 1,5 Zoll
Anschlüsse USB, AV USB, AV, HDMI
Speicherkartenleser microSD, microSDHC microSD, microSDHC
Abmessungen 10,0 x 6,0 x 1,9 cm 10,0 x 6,0 x 1,9 cm
Gewicht 149 g 168 g

Die ST550 bietet sehr weitreichende Aufnahmeoptionen, die dennoch auch Einsteiger nicht überfordern. Einzig im Motivprogramm Nacht ist eine direkte Kontrolle von Verschlusszeit und Blendenöffnung möglich. Die intelligente Automatik wählt aus elf verschiedenen Szenenmodi den fürs Motiv passendsten heraus. Alternativ überlässt die Kamera dem Fotografen die Qual der Wahl. Hier stehen dann 13 Programme zur Verfügung, darunter beispielsweise ein Kinder-Modus, bei dem das vorderseitige Display zeichentrickartige Animationen darstellt.

Wir bevorzugen den Programmmodus der ST550. Er gewährt relativ viele Freiheiten, erfordert allerdings auch etwas mehr Aufwand seitens des Anwenders. Es stehen eine Reihe von Fokusoptionen zur Auswahl, etwa eine Touch-to-Focus-Option wie sie auch das iPhone 3G S [3] bietet. Ein Druck auf einen Bildbereich genügt, und die Kamera stellt darauf scharf. Bei Gedrückthalten einer Stelle auf dem Display schießt die Kamera gleich das Foto. Daneben gibt es eine ganze Reihe von außergewöhnlichen Extras wie Gegenlichtausgleich, Belichtungsreihen und Fotoauslöser mittels Bewegungserkennung.

Obgleich wirklich jeder die Samsung-Kamera in die Hand nehmen und fotografieren kann, empfehlen wir dennoch ein Studium der Bedienungsanweisung. Auf der einen Seite entdecken ST550-Besitzer hier eine ganze Reihe neuer Features, auf der anderen Seite verschafft die Anleitung Klarheit über die Anhängigkeiten einzelner Funktionen. Abhängigkeiten im Sinne von: Ist die Gesichtserkennung aktiviert, so verschwinden eine Reihe von Funktionen sang- und klanglos aus den Menüs. Das sorgt insbesondere am Anfang für Verwirrung.

Leistung

Bei der Geschwindigkeit positioniert sich die ST550 im Mittelfeld der Kompaktkameras. Innerhalb von 1,5 Sekunden erwacht sie aus dem Tiefschlaf und schießt das erste Foto. Allerdings fällt die Verschaufpause zwischen zwei Aufnahmen mit 2,0 Sekunden recht lang aus. Mit zugeschaltetem Blitz verschlechtert sich dieser Wert auf 2,6 Sekunden. Bei guten Lichtverhältnissen beträgt die Auslöseverzögerung 0,5 Sekunden, im Zwielicht sind es 0,7 Sekunden.

Im Serienbildmodus schafft die Samsung ST550 nur mäßige 0,9 Fotos in der Sekunde. Hier stehen beispielsweise Sonys Cyber-shot DSC-WX1 [4] oder Casios Highspeed-Kameras [5] deutlich besser da. Übrigens stellen wir einen deutlichen Unterschied bei der Performance fest, wenn wir anstelle einer Marken-microSD-Karte einen Billigspeicher einsetzen.

Bildqualität

Die Bildqualität der ST550 ist im Großen und Ganzen ausgezeichnet, insbesondere bei ISO 200 und darunter. Mit ISO 400 wirken die Aufnahmen etwas weicher. Feine Details bleiben aufgrund der ausbalancierten Rauschunterdrückung aber noch gut erhalten. Auch bei ISO 800 schießt die Kompakte noch überdurchschnittlich gute Fotos. Zwar ist die Kamera in der Lage, auch bei ISO 1600 und 3200 noch mit voller Auflösung zu schießen, allerdings fallen hier schließlich die meisten Feinheiten der Kombination aus Weichzeichner und Bildrauschen zum Opfer. Zudem tritt hier eine Farbverschiebung nach Gelb auf.

Grundsätzlich wirken die Aufnahmen der ST550 sehr scharf – stellenweise sogar fast künstlich scharf. Glücklicherweise bietet die Kamera Feineinstellungen zu Schärfe, Kontrast und Sättigung, um die Ergebnisse an den persönlichen Geschmack anzupassen.

Bei einer Brennweite von 27 Millimetern im Kleinbildäquivalent weist das Objektiv keinerlei Tonnenverzerrung auf. Auch bei vollem Zoom ist praktisch keine kissenförmige Deformation feststellbar. Abgesehen von ein paar leichten Ungleichmäßigkeiten in den Ecken liefert die Linse eine sehr konsistente Bildqualität. Auch mit violetten Farbsäumen hat sie nicht zu kämpfen. Wir vermuten allerdings, dass eventuelle chromatische Aberrationen digital retuschiert werden, da kontrastreiche Übergänge bei 100-prozentiger Vergrößerung etwas ausgefranst wirken.

Die Farben sind generell sehr akkurat und wirken lebendig. Wer mit den Standardeinstellungen nicht zufrieden ist, findet eine ganze Reihe von Anpassungsmöglichkeiten. Der automatische Weißabgleich liefert im Test bessere Ergebnisse als die verschiedenen Voreinstellungen, die tendenziell für etwas zu kühle Resultate sorgen. Die Ausleuchtung der Fotos geht ebenfalls in Ordnung. Wie bei Kompaktkameras üblich neigen helle Bildbereiche allerdings zur Überbelichtung. Zudem hat die intelligente Automatik stellenweise mit kontrastarmen Fotos zu kämpfen. Sie sorgt bei Selbstportraits außerdem tendenziell für etwas zu weiche Gesichter, während der Rest der Aufnahme sehr scharf wirkt.


Wer mit den Farben seiner ST550 nicht zufrieden ist, freut sich über die zahlreichen Möglichkeiten zur Anpassung. Die RGB-Funktion bietet den meisten Freiraum.

Der Videomodus überrascht uns positiv. Während der Aufnahme funktionieren sowohl der Bildstabilisator als auch der optische Zoom. Allerdings schaltet die Kamera den Ton stumm, während sich die Linse bewegt. Vermutlich sollen so störende Geräusche der Mechanik vermieden werden. Die Videos sehen ausgezeichnet aus. Erfreulicherweise lassen sich auch diverse Farbeffekte bei der Aufnahme von Bewegtbildern anwenden.

Fazit

Die Samsung ST550 ist eine tolle kleine Kamera. Dennoch können wir sie nicht für jeden empfehlen. Wer lieber hinter als vor der Kamera steht, wird von dem zweiten Display nicht sonderlich viel haben. Außerdem ist der Touchscreen, so flott er auch reagiert, sicherlich nicht Jedermanns Geschmack. Die superkompakte Samsung sticht mit ihrem Design und ihrer Ausstattung aus der Masse heraus und bringt einen tatsächlichen Mehrwert mit – anstelle von sinnbefreitem Schnickschnack.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (mit Blitz)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (ohne Blitz)   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   

Canon IXUS 110 IS [7]

1.4 
3.8 
2.4 
0.6 
0.4 

Sony Cyber-shot DSC-T900 [8]

1.4 
2.2 
1.4 
0.7 
0.4 

Samsung ST550

1.5 
2.6 
2 
0.7 
0.5 

Canon IXUS 200 IS [9]

1.6 
4.5 
3.1 
0.8 
0.5 

Nikon Coolpix S70

2 
2.7 
2.1 
1 
0.6 

Serienbildgeschwindigkeit (in fps)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)

Canon IXUS 110 IS [7]

0.9 

Samsung ST550

0.9 

Canon IXUS 200 IS [9]

0.6 

Nikon Coolpix S70

0.4 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41516581/samsung-st550-innovative-kompaktkamera-mit-zwei-displays/

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[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] Tabelle anzeigen: Samsung ST500 und ST550 im Vergleich: #

[3] iPhone 3G S: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/testbericht/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[4] Sonys Cyber-shot DSC-WX1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41515258/testbericht/sony+cyber_shot+dsc_wx1+digicam+fuer+10+fotos+pro+sekunde.htm

[5] Casios Highspeed-Kameras: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41003703/casios+highspeed_knipsen+da+fliegt+dir_s+blech+weg_+aber+gaaanz+langsam.htm

[6] Beispielfotos: die Bildqualität der Samsung ST550: https://www.cnet.de/41516596/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-samsung-st550/?pid=1#sid=41516581

[7] Canon IXUS 110 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41004685/testbericht/canon+ixus+110+is+haessliches+kamera_entlein+fuer+tolle+fotos.htm

[8] Sony Cyber-shot DSC-T900: https://www.cnet.de/tests/digicam/41006166/testbericht/sony+cybershot+dsc_t900+schick_+leicht_+etwas+teuer.htm

[9] Canon IXUS 200 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41502373/testbericht/canon+ixus+200+is+erste+canon_kamera+mit+touchscreen.htm