Schon im Test: BlackBerry Bold 9700 (Onyx)

von Mike Sixt und Yvonne Göpfert am , 18:12 Uhr

Pro
  • gut reagierendes Trackpad zur Menüsteuerung
  • HSDPA, WLAN, GPS
  • vollwertige Tastatur
  • helles Display
Con
  • kleines Display
  • Kamera könnte noch besser sein
  • mitgelieferter Kopfhörer verursacht leises Pfeifen
Hersteller: RIM Listenpreis: steht noch nicht fest
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,4 von 10 Punkte
Fazit:

Das BlackBerry Bold 9700 ist ein gelungener Kompromiss im Hinblick auf die Abmessungen. Die Leistung hat sich gegenüber dem Bold 9000 verbessert, das Display wirkt brillanter. Auch die Kamera leistet mehr. Nur der Mediaplayer bekommt aufgrund eines leichten Begleitgeräusches schlechte Noten. Begeisternd ist die Akkulaufzeit - da kommt kaum ein anderes Smartphone mit. Doch wer dicke Finger hat, sollte vor einer Kaufentscheidung auch den Bold 9000 ausprobieren – auf seiner Tastatur lässt es sich besser tippen.

Das BlackBerry Bold 9700 ist nicht etwa der Nachfolger des Bold 9000, sondern eine Ergänzung im Sortiment. Käufer dürfen sich über ein schlankeres Gehäuse, eine höher auflösende Kamera und einen flotteren Prozessor freuen. Ob das neue Modell auch in der Praxis überzeugt, verrät der Test.

Vor etwa einem Jahr hat Research In Motion [1] (RIM) sein Top-Modell für Geschäftsleute in den Handel gebracht: das Bold 9000 [2]. Jetzt legt der Smartphone [3]-Hersteller mit dem Bold 9700 nach. Das in Deutschland entwickelte Gerät bietet mit 256 MByte internem Speicher die doppelte Kapazität des älteren Bruders. Außerdem wirkt der Bildschirm brillanter, da die schützende Glasscheibe direkt auf dem Display aufgebracht ist, anstatt mit etwas Abstand darüber zu schweben – ein Novum im Handymarkt. Die aufgepeppte Kamera nimmt Bilder nun mit 3,2 statt 2,0 Megapixeln auf.

Für den neuen Bold entwickelte Forschungsabteilung des Herstellers in Deutschland einen eigenen 3G Protocol Stack [4], der die Datenübertragung verbessern soll. Außerdem wurde an der Akustik, am Mediaplayer und am Browser gearbeitet. Beim Surfen soll der neue Bold um bis zu 50 Prozent schneller sein als sein Vorgänger. Als Betriebssystem kommt BlackBerry OS 5.0 zum Einsatz, das wir ansonsten bisher nur vom BlackBerry Storm [5] kennen.

Die Tasten sind im Vergleich zum Bold 9000 kleiner geworden. Hier liegt ein wichtiger Punkt für die Entscheidungsfindung: Wer sich für einen BlackBerry interessiert, will eine gute QWERTZ-Tastatur. Und in diesem Punkt gibt es zwei Lager. Die einen legen Wert auf eine große und dadurch auch komfortabel zu bedienende Tastatur, nehmen dafür aber ein größeres Gerät in Kauf. Die anderen bestehen auf ein kleines Smartphone und arrangieren sich mit einer engeren, aber nicht unbedingt schlechter zu bedienenden Tastatur. RIM bietet mit dem Bold 9000 und dem Bold 9700 nun Varianten für beide Gruppen an.

Design und Benutzerfreundlichkeit

Das Bold 9700 fällt mit Abmessungen von 10,9 mal 6,0 Zentimetern bei einer Bauhöhe von 1,4 Zentimetern um 5 Millimeter schmaler, um 6 Millimeter kürzer und um knapp einen Millimeter dünner aus als das Bold 9000. Auf der Waage machen sich die schlankeren Maße mit 16 Gramm weniger bemerkbar. Das Smartphone wiegt aber immer noch 122 Gramm und ist damit ein rechter Brocken. Das hohe Gewicht ist auf die solide Verarbeitung und das Glasdisplay zurückzuführen. Immerhin unterschreitet das neue Modell die magische 135-Gramm-Grenze: So viel wiegt das iPhone 3GS.

Die rückseitige Abdeckung hat der Hersteller wie beim Bold 9000 mit Leder beklebt. Das sieht schick aus, und so liegt das Mobiltelefon während eines Gesprächs auch gut und sicher in der Hand.

Das Display des neuen Blackberry Bold ist mit 2,4 Zoll in der Diagonalen 0,2 Zoll kleiner als das des ersten Bold. Dafür hat Research In Motion die Auflösung auf 480 mal 360 Pixel erhöht (vorher: 480 mal 320). Das Display stellt zwar nur 65.000 Farben dar, dennoch ist es kontrastreich und schön hell. Die Folge: Nicht nur langweilige Business-E-Mails, sondern auch spannende Serien und Videoclips geben ein gutes Bild ab.

Am unteren Bildschirmrand finden sich die üblichen Schnellzugriffe auf Funktionen wie Mail, Adressbuch und Kalender. Neu ist der direkte Zugang zu den Profilen als eigenes Icon oben links im Display direkt unter dem Akkustandanzeiger. Die Icons lassen sich nicht auf dem Desktop verschieben wie bei Mobiltelefonen von Samsung [6], LG [7] oder dem iPhone – dafür muss man in das Menü gehen. Außerdem sind die Möglichkeiten zur Personalisierung minimal. Schade eigentlich – der Trend geht nämlich zu dynamischen Widgets. Beim alten wie beim neuen Bold gibt es lediglich zwei programmierbare Tasten an der Gehäuseseite, die Schnellzugriff auf diverse Funktionen oder Programme ermöglichen. Ab Werk sind hier Sprachwahl respektive Kamera voreingestellt.

Per optischem Trackpad scrollt der Nutzer von einem Symbol zum nächsten. Das Trackpad, das wir schon vom BlackBerry Curve 8520 [8] her kennen, reagiert sehr gut und sollte weniger schmutz- und fehleranfällig sein als der Trackball, den es ersetzt.

Unter dem Display hat RIM wieder eine hervorragende QWERTZ-Tastatur verbaut. Sie ist allerdings etwas kleiner als beim Bold 9000, und das spüren selbst Anwender mit kleinen Fingern deutlich. Der Druckpunkt ist relativ weich, dennoch kommt es in der Praxis selten zu Tippfehlern. Das liegt an der geschickt abgeschrägten Form der Tasten. Das vereinfacht auch blindes Tippen, da sie gut zu erfühlen sind.

Oberhalb der QWERTZ-Tastatur liegen Tasten zum Annehmen und Beenden von Gesprächen. Dazwischen befinden sich die Zurück-Taste und die Menü-Taste zum Aufrufen von weiteren Menüpunkten oder Programmbefehlen. Für langjährige BlackBerry-Nutzer ist die Bedienung des Bold 9700 also keine Überraschung.

Hinzu kommen ein Wippschalter für die Lautstärkeregelung an der rechten Geräteseite und links ein Mini-USB-Anschluss zum Aufladen und zur Datenübertragung mit einem PC. Lobenswert ist die 3,5-Millimeter-Buchse zum Anschuss von Standard-Kopfhörern. Zum Lieferumfang des Bold 9000 gehören Ladegerät, kabelgebundenes Stereo-Headset, USB-Kabel, Gebrauchsanleitung und Software-CD.

Ausstattung

Das Datenblatt listet alles auf, was man von einem modernen Smartphone erwarten darf. Das Bold 9700 unterstützt HSPA und somit schnelle Daten-Up- und Downloads über das UMTS-Netz. Für Verbindungen mit einem Hotspot steht WLAN nach 802.11b und g zur Verfügung. Außerdem unterstützt der Bold 9700 diverse Bluetooth-Profile, darunter A2DP für die darhtlose Audio-Übertragung in Stereo und das SIM-Access-Profile zum Verbinden mit einer Freisprechanlage im Auto.

Das Quad-Band-Smartphone verfügt außerdem über einen GPS-Empfänger. Eine geeignete Turn-by-Turn-Navigationssoftware mit Sprachansagen ist nicht vorinstalliert. Zur Orientierung steht immerhin Blackberry Maps, das Pendant zu Google [9] Maps zur Verfügung. Als weitere mitgelieferte Anwendung gibt es Documents To Go zum Bearbeiten von Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumenten.

Sollte der integrierte, 256 MByte große Flash-Speicher nicht ausreichen, lässt sich die Kapazität per Micro-SD-Karte erweitern. Der Steckplatz befindet sich allerdings unter dem Akkudeckel. Der Bold 9000 trägt ihn an der Seite des Gehäuses.

Zum Abrufen von E-Mails unterstützt das Smartphone Blackberry Enterprise Server für IBM Lotus Domino, Microsoft [10] Exchange und Novell Groupwise sowie die Blackberry Professional Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Zudem können Privatanwender oder Freiberufler bei den Netzbetreibern den Blackberry Internet Service buchen. Damit besteht die Möglichkeit, bis zu zehn persönliche E-Mail-Konten zu verwalten und neue Nachrichten via Push-Mail in Echtzeit auf das Smartphone zu bekommen.

Der Blackberry ist multitaskingfähig. Über das gleichzeitige Drücken der Alt- und Zurück-Taste links neben der Auflegen-Taste kann der Nutzer jederzeit von einer laufenden Anwendung zu einer anderen wechseln. Um Strom zu sparen, ist es jedoch ratsam, Programme zu schließen, wenn sie nicht mehr benötigt werden.

Die 3,2-Megapixel-Kamera kommt mit Blitz, Autofokus und Videoaufnahmefunktion. Ungewöhnlich für diese Pixelklasse: Ein digitaler Bildstabilisator sorgt dafür, dass leichte Verwackler im Bild scharf gerechnet werden. Die Bildqualität ist übrigens durchschnittlich. Die Farben leuchten, aber die Detailzeichnung lässt häufig zu wünschen übrig. Die mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommenen Videos mit einer Auflösung von 480 mal 352 Pixeln können sich sehen lassen. Vor allem auf dem Display des Smartphones wirken sie hervorragend.

Seit Anfang Juli 2009 hat Research In Motion mit der App World [11] einen Software-Shop nach dem Vorbild des App Store im iPhone eröffnet. Der Nutzer findet bei Blackberry etwa 2000 Programme zum Download. Die Software ist teilweise gratis, in manchen Fällen kostet sie bis zu 100 Euro. Bezahlt wird per Paypal. Das Stöbern im Online-Shop gestaltet sich benutzerfreundlich, die Installation der Programme unkompliziert. Allerdings legt der Bold die Tools nur im internen Speicher ab und nicht auf der Speicherkarte. Das ist eine unverständliche Limitierung. Der Hersteller ist übrigens der Meinung, dass der Speicherplatz reicht – die Programme seien insgesamt sehr klein.

Leistung

E-Mail-Accounts lassen sich schnell einrichten, und die Post kommt „in Echtzeit“ – also ziemlich prompt – aufs Handy. Auch mit Office-Anhängen gibt es auf dem Blackbery Bold 9700 keine Probleme.

Die Datensynchronisation erfolgt über die mitgelieferte Blackberry-Desktop-Software, die erstmals auch mit Macs kommuniziert. Personal-Information-Management-Daten (PIM) wie Kontakte, Kalendereinträge und E-Mails lassen sich damit ebenso gut abgleichen wie Multimediadateien und heruntergeladene Anwendungen.

Der Browser zeigt Internetseiten vor allem per WLAN relativ schnell an. Das Ansteuern von Links klappt ordentlich, da sich der Cursor wie ein Mauszeiger verhält und sich per Touchpad präzise steuern lässt. Gut gefällt uns, dass der Nutzer eine Spaltenansicht wählen kann, in der die Texte auf die Breite des Displays angepasst werden. Lästiges horizontales Scrollen entfällt somit. Dabei ist es jedoch nicht möglich, die Schrift beliebig groß einzustellen – auch wenn die Auswahl Schriftgröße in den Optionen das suggeriert. De facto gibt es nur zwei Zoomstufen. Und so ist längeres Surfen im Internet für das Auge durchaus anstrengend. Youtube-Videos stellt der Browser zwar dar, die Qualität überzeugt jedoch nicht: Eine stark pixelige Darstellung verleidet dem Nutzer schnell das Vergnügen. An der Unterstützung anderer Flash-Seiten hapert es noch.

Ein Manko stellt der mitgelieferte Kopfhörer dar. Mit ihm hört man bei geringer Lautstärke im Hintergrund ständig einen leichten Fiepton. Es empfiehlt sich höherwertige Ohrhörer zu kaufen, dann kann man auch den relativ guten Klang des Musikplayers genießen.

Die Akkulaufzeit ist sehr gut. RIM gibt sie mit 6 Stunden Gesprächszeit im GSM- und im UMTS-Modus an. Die Standby-Zeit soll bei 19 Tagen im GSM-Betrieb respektive 15 Tagen im UMTS-Netz liegen. Im Test reicht eine Ladung für bis zu vier Betriebstage, einschließlich mobiler E-Mail-, Internet- und WLAN-Nutzung. Das ist ein sehr guter Wert. Selbst bei exzessiver Nutzung sind zwei Tage Laufzeit möglich.

Fazit

Wem der Blackberry Bold 9000 eine Nummer zu groß war, der bekommt mit dem Bold 9700 eine gute Alternative. Die Tasten der QWERTZ-Tastatur sind zwar kleiner als beim großen Bruder, dafür entschädigen die kompakten Maße. E-Mails schreiben und surfen im Netz gehen gut von der Hand. Der Arbeitsspeicher ist von 128 auf 256 MByte aufgestockt worden, und der Prozessor arbeitet mit 624 MHz recht flott. Alles in allem ist der Bold 9700 ein überzeugendes Smartphone.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41522025/schon-im-test-blackberry-bold-9700-onyx/

URLs in this post:

[1] Research In Motion: http://www.rim.com/

[2] Bold 9000: https://www.cnet.de/tests/handy/39195024/schon+getestet+blackberry+bold+9000+mit+gps_+hsdpa+und+wlan.htm

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] 3G Protocol Stack: http://en.wikipedia.org/wiki/Protocol_stack

[5] BlackBerry Storm: https://www.cnet.de/tests/handy/39197345/endlich+verfuegbar+blackberry+storm+das+ueber_iphone.htm

[6] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[7] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[8] BlackBerry Curve 8520: https://www.cnet.de/tests/handy/41501154/rim+blackberry+curve+8520+tolles+business_smartphone.htm

[9] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[10] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/

[11] App World: https://www.cnet.dewww.blackberry.com/appworld