Touchscreen-Handy als PS3-Fernbedienung: Sony Ericsson Aino

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 15:49 Uhr

Pro
  • hochwertiger Bluetooth-Headset-Adapter im Lieferumfang
  • cooles Cradle zum Aufladen und Synchronisieren
  • erstklassige Ausstattungsmerkmale
  • attraktives Design
Con
  • nerviges Touchscreen-Interface
  • beim Öffnen des Sliders deaktiviert sich der Touchscreen
  • Kamera überzeugt nicht
  • Funktionen sind teilweise schlecht implementiert
  • Streaming von der PlayStation 3 ist kompliziert
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,5 von 10 Punkte
Fazit:

Das Aino von Sony Ericsson wirkt etwas wie ein Prototyp. Es ist mit tollen Innovationen ausgestattet, etwa der PlayStation-3-Streaming-Funktion, bringt attraktive Extras wie ein Crade oder einen Bluetooth-Headset-Adapter mit und sieht gut aus. Leider ist es den Entwicklern aber nicht gelungen, all die Funktionen in einer einfachen Touchscreen-Oberfläche unter einen Hut zu bringen.

Sony Ericsson drängt in den Markt der Touchscreen-Handys: Mit dem Aino kommt nach dem Satio bereits das zweite Modell in wenigen Wochen auf den Markt, das sich über eine berührungsempfindliche Anzeige steuern lässt. Zu den Highlights gehört die Verknüpfung mit der Playstation 3: Das Aino dient als Fernbedienung, streamt Videos von der Konsole über WLAN und UMTS zu Hause und überall auf der Welt. Ob der kleine Begleiter auch im Alltagseinsatz überzeugt, verrät der Test.

Auf den ersten Blick läuft einem Technik-Fan beim Aino das Wasser im Munde zusammen. Es sieht gut aus und ist bis zum Anschlag vollgepackt mit spannenden und innovativen Ausstattungsmerkmalen, darunter eine Fernbedienung samt Streaming-Möglichkeit für die PlayStation 3. Das Aino ist bereits in Deutschland zu haben – Zeit für uns, das Gerät genau unter die Lupe zu nehmen.

Fernbedienung

Seit einiger Zeit gehen im Netz Gerüchte um, Sony [1] Ericsson würde an einem PSP-Phone arbeiten – also an einem Handy mit integrierter Spielekonsole à la PlayStation Portable. Zunächst die Enttäuschung – das Aino ist nicht das PSP-Phone. Aber immerhin, es kommuniziert mit der PS3: Man registriert die Konsole im Handy und es findet die Playstation. Von überall auf der Welt ist der Zugriff auf Audio- und Videoinhalte möglich. Sowohl über WLAN als auch über UMTS. Zocken ist zwar nicht möglich, aber immerhin lässt sich die PS3 ein- und ausschalten, egal wo man ist.

Wir haben die Wiedergabefunktion in zwei verschiedenen kabellosen Netzen ausprobiert. Ganz so innovativ und einfach, wie wir uns das vorgestellt haben, klappt das leider nicht. Es gibt eine Anleitung zur Konfiguration im Internet – aber um das Einrichten von Port-Forwarding im DSL-Router kommt man nicht herum. Und das ist genauso technisch, wie es sich anhört. Wer sich darum drücken möchte, hat unter Umständen eben keinen Zugriff auf die Konsole.

Alternativ verbindet sich das Handy auch direkt per WLAN mit der PS3, also ohne Umweg über das heimische Netzwerk. Auch das klappt leider nicht auf Anhieb. Wer es aber einmal eingerichtet hat, bekommt zur Belohnung ein echt cooles Feature.

Gucken, aber nicht anfassen

Das Aino wagt einen interessanten Spagat zwischen Touchscreen und Nicht-Touchscreen. Unterhalb des Displays befindet sich eine klassische Telefontastatur samt aller Knöpfe, die man bei einem „normalen“ Handy ohne berührungsempfindliche Anzeige so erwartet. Und sobald man den Slider öffnet, verhält sich das Sony-Ericsson auch wie ein Telefon ohne Touchscreen. Schiebt man es zusammen, ändert sich das komplette User-Interface, und viele der tollen Funktionen verschwinden – stattdessen verwandelt sich das Aino in einen Multimedia-Player, der per Fingerzeig den Zugriff auf Fotos, Videos und Musik ermöglicht.

Der Touchscreen selbst reagiert gut, und die Icons und Symbole der Oberfläche sehen hübsch aus. Die Oberfläche ist aber nicht das Gelbe vom Ei. Wer beispielsweise im MP3-Player-Modus ist, kann seine Songs nur nach Alben sortieren, aber nicht nach Künstler oder Genre. Man kann Playlisten zwar anhören, um sie zu editieren, muss man den Slider allerdings wieder öffnen und auf die Tastenbedienung zurückgreifen. Das ganze wirkt sehr eingeschränkt – vor allem im Vergleich zu einem „echten“ MP3-Player.

Außerdem bleibt es selbst nach längerer Nutzung ein Rätsel, wohin man tippen muss, damit etwas passiert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Versuch, eine Ebene zurückzugehen. Kleine Schönheitsfehler gibt es immer mal wieder in der Oberfläche: Der Video-Player etwa hat für ein und dieselbe Funktion mehrere virtuelle Tasten.

Wird das Handy aufgeschoben, ist sofort Schluss mit der Berührungsempfindlichkeit. Das nervt gelegentlich, etwa im Browser, da man Links nicht mit dem Finger antippen kann.

Was passt noch alles rein?

Wenn man sich über eine Sache nicht beschweren kann, dann über den Mangel an Programmen: Der Hersteller hat so ziemlich alles vorinstalliert, was möglich ist. Leider ist die Oberfläche aber nicht für die Flut an Funktionen ausgerichtet – wir haben immer mal wieder das Gefühl, die Menüs wären überfrachtet. Wer beispielsweise den Organizer startet, dessen Icon im Menü an eine Kalender-Seite erinnert, erwartet auch einen Kalender. Stattdessen bekommt der Nutzer eine Liste von 14 (!) weiteren Optionen zu sehen, darunter Icons für Video-Telefonie, für die Datenübertragung und sogar einen Ordner, der die aus dem Sony-Ericsson-eigenen App Store nachinstallierten Programme beinhaltet.

Natürlich ist es toll, dass der Hersteller so viele Features im Aino implementiert hat. Aber ohne eine dafür ausgerichtete Oberfläche, die das Auffinden und das Nutzen ermöglicht, bringt das schlicht nicht viel. Darüber hinaus gibt es nur eine spartanische Anleitung, die nicht wirklich hilft. Wer mehr Infos haben möchte, ist auf die Webseite des Herstellers angewiesen.

Technik-Fans, die kein Problem damit haben, schreckt das wohl nicht ab. Die Belohnung ist eine wirklich phänomenale Ausstattung. Neben den bereits erwähnten PS3-Connectivity-Funktionen gibt es beispielsweise ein UKW-Radio, einen automatischen Playlisten-Generator, der den Sound nach der Laune des Handy-Besitzers auswählt und GPS samt Geotagging-Optionen.

Für die Verbindung ins Internet stehen WLAN und UMTS inklusive Up- und Download-Turbo HSPA zur Verfügung. Der Browser ist nicht auf dem Niveau des iPhone-Safaris, aber vor allem für mobile Versionen von Nachrichtenseiten oder der Bahn-Fahrplanauskunft gut zu gebrauchen. Außerdem gibt es einen Youtube-Player. Die Videos sehen auf dem hellen Display übrigens gut aus.

Im Lieferumfang enthalten ist ein Cradle zum Aufladen und Synchronisieren des Ainos. Wer das Handy eindockt, hat das Display perfekt im Blick – ideal, um etwa Videos anzuschauen. Das Sony-Ericsson passt auch im aufgeschobenen Zustand in die Ladeschale. Damit hat der Nutzer Zugriff auf die Tasten, wenn er beispielsweise das PS3-Streaming nutzt.

Kabel ab

Außerdem findet sich ein Bluetooth-Adapter mit integriertem Mikrofon im Karton. Die mitgelieferten oder eigene Kopfhörer verbinden sich via 3,5-Millimeter-Klinke. Beim Test hat sich der Adapter sofort und problemlos mit Handy verbunden. Die Verbindung bleibt selbst dann bestehen, wenn man sich mehrere Meter vom Handy entfernt. Wirklich klein ist der Bluetooth-Dongle übrigens nicht – er entspricht von den Abmessungen her in etwa einem Finger. Dafür bringt er auch ein paar Tasten mit, die keine Fragen aufwerfen, und ist mit ein paar cool blinkenden LEDs ausgestattet.

Normalerweise würden wir eine fehlende Klinkenbuchse bei einem Multimedia-Handy wie dem Aino direkt auf die Negativliste setzen. Aber in diesem Fall drücken wir ein Auge zu, denn der Bluetooth-Adapter bringt noch einen zusätzlichen Mehrwert mit. Einziger Haken: Beim Anschluss eines Standard-Kopfhörers baumelt viel zu viel unnötige Kabelage an einem herab. Denn damit das Mikrofon in angemessenem Abstand zum Mund befestigt ist, bräuchten die Kopfhörerkabel nur wenige Zentimeter lang sein.

Wer über Bluetooth Musik hört, darf sich über eine ordentliche Soundqualität freuen. Im Vergleich zur kabelgebundenen Variante scheint zwar eine gewisse Detailtiefe verloren zu gehen, aber in der Praxis wirkt sich das kaum aus. Man wird schließlich nicht mit einem 1000-Euro-Kopfhörer im Wohnzimmer sitzen und dann das Aino anschließen.

Kamera? Vorhanden.

Während uns der MP3-Player des Handys samt Bluetooth-Adapter schon fast die Freudentränen ins Gesicht treibt, lässt uns die integrierte Kamera völlig kalt. 8,1 Megapixel lesen sich auf dem Papier zwar toll, aber die Bildqualität ist nur durchschnittlich. Farben wirken ebenso verwaschen wie Details im Bild.

Anstelle des von den Cyber-shot-Handys des gleichen Herstellers bekannten Xenon-Blitzes kommt hier eine LED-Leuchte zum Einsatz. Sie hellt dunkle Umgebungen nicht ausreichend auf – und selbst im Freien bei Tageslicht muss man das Aino noch sehr ruhig halten, um keine Verwackler auf die Speicherkarte zu bannen. Aber diese Punkte gelten schließlich für die meisten Mobiltelefone. Wer etwas besseres will, sollte sich nach einem „echten“ Kamerahandy umsehen oder besser gleich noch eine Kompakte mitnehmen.

Fazit

Sony Ericsson hat einen hervorragenden Job gemacht, was die Innovationen und die Anzahl der Features, die das Aino zu bieten hat, angeht. Dennoch überzeugt es uns nicht. Coole Ideen wie das Media-Streaming von der PlayStation 3 oder der Touchscreen-Mediaplayer klingen auf dem Papier ähnlich gut wie die hohe Foto-Auflösung, aber in der Praxis scheitert es schlicht an der nicht durchdachten Oberfläche und der inkonsistenten Bedienung. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt ein attraktives Handy mit erstklassiger Ausstattung und tollem Zubehör.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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