Scharfes Bild und klarer Ton: HD-Fernseher richtig verkabeln

von Pascal Poschenrieder am , 17:03 Uhr

Wer das Optimum aus seinem Heimkino herausholen möchte, benötigt nicht nur gute Komponenten. Ebenso wichtig ist die richtige Verkabelung. Allerdings verwirren die unübersichtlichen Anschlusspanels und die unterschiedlichen Standards. Wir erklären, worauf es bei den Anschlüssen ankommt und wie Käufer zu einem idealen Bild mit kristallklarem Ton kommen.

Wer seinen neuen HD-Fernseher [1] einfach anstelle seines alten Geräts an seine Heimkinoausrüstung anstöpselt, wird nach dem Einschalten eine Enttäuschung erleben. Anstelle des versprochenen, hochqualitativen Ergebnisses zeigt der Schirm ein genauso verpixeltes Bild wie vorher. Wenn das neue TV-Gerät dann auch noch ein größeres Panel besitzt, sehen Filme sogar schlechter aus als vorher.

Der Grund ist aber nicht etwa beim Fernseher zu suchen. Stattdessen sorgen alte Kabelstandards wie Scart [2] und Composite-Video [3] für das schlechte Bild. Die Übertragungsraten sind hier deutlich zu gering, um Videos in HD-Auflösung [4] zu transportieren.

Was Käufer von HD-Fernsehern wissen sollten

Wer seinen alten Fernseher gegen ein neues Modell tauschen möchte, sollte sich bereits vor dem Kauf über einige Punkte im Klaren sein. Denn ein hochauflösendes TV-Gerät alleine sorgt noch lange nicht für ein HD-Bild.


Wer unter den zahlreichen Anschlüssen eines HD-Fernsehers die falschen wählt, bekommt Bilder nicht in voller Auflösung zu sehen.

SD- versus HD-Fernsehen

Digitales Fernsehen wie DVB-T [5] oder DVB-S [6] bedeutet nicht automatisch HD-Qualität. Es heisst nur, dass das Signal nicht analog, sondern digital vom Sender zum Empfänger gelangt. In Deutschland wird zwar nahezu ausschließlich digital gesendet, es gibt aber fast keine HD-Programme. DVB-T-Fernsehen – also bei Empfang über eine Zimmer- oder Hausantenne – ist beispielsweise nur in SD-Auflösung verfügbar. Lediglich bei DVB-S (Satellit) und DVB-C (Kabel) gibt es einige Kanäle in HD-Auflösung. Allerdings sind diese nur mit passenden HD-Receivern und häufig nur mit passendem Pay-TV-Abo zu empfangen. Wer also in High Definition fernsehen möchte, sollte zum Kaufpreis des TV-Geräts auch den eines Receivers und eines Abos, beispielsweise von Sky, hinzurechnen.

Andere HD-Quellen

Auch das Bild von Videorekordern oder DVD-Playern [7] sorgt nicht für hohe Bildqualität. Wer Filme in HD genießen möchte, benötigt Blu-ray-Discs inklusive passendem Wiedergabegerät [8]. Blu-ray-Player sind bereits ab rund 120 Euro erhältlich.

Eine weitere Möglichkeit, in den Genuss des hochauflösenden Bildes zu kommen, sind Spielkonsolen. Playstation 3 [9] und Xbox 360 [10] sind in der Lage, Spiele mit Auflösungen bis 1080p, also Full-HD, auf den Schirm zu bringen. Die Playstation 3 fungiert gleichzeitig als Blu-ray-Player.

Wer keine Lust auf Neuanschaffungen hat, kann auch seinen Computer als HD-Quelle nutzen. PCs geben sowohl Spiele als auch Filme in Full-HD aus. Hier genügt dann beispielsweise ein Abo für einen On-Demand-Dienst wie Maxdome, der einige Videos in HD-Qualität über das Internet auf den eigenen Rechner streamt.

Die verschiedenen Video-Anschlüsse

Am Anschlusspanel eines modernen Fernsehers finden sich zahlreiche unterschiedliche Buchsen. Dadurch ist es kein großes Problem, alle vorhandenen AV-Komponenten anzuschließen. Allerdings ist die Übertragungsqualität je nach Verbindungsart besser oder schlechter. Wir fangen mit der bestmöglichen Übertragungsvariante an und arbeiten uns zur schlechtesten vor.


So sieht ein typisches Anschlusspanel eines Fernsehers aus. Der wichtigste Eingang für HD-Qualität ist der HDMI-Port.

HDMI
Das High Definition Multimedia Interface ist, wie sein Name schon sagt, für die digitale Übertragung in hoher Qualität geeignet. Es stellt die beste und einfachste Methode dar, HD-fähige Komponenten miteinander zu verkabeln. Der Standard überträgt Bilder in Auflösungen bis zu Full-HD (1080p), also der maximal möglichen Qualität. Zusätzlich transportiert er Mehrkanal-Audiosignale digital und unkomprimiert. Allerdings gibt es verschiedene HDMI-Versionen [11], die in der Praxis für Probleme sorgen.

DVI
PC-Besitzer kennen das Digital Video Interface von ihrem Monitor. Es überträgt Videosignale ebenfalls digital und in Full-HD-Auflösung, ist allerdings etwas überholt. Da es ein Vorgänger von HDMI ist, gibt es Adapter von HDMI auf DVI und umgekehrt. Allerdings kommt es auch hier aufgrund der unterschiedlichen HDMI-Versionen gelegentlich zu Schwierigkeiten. Darüber hinaus gibt es keine Audio-Übertragung.

IEEE 1394
Diese digitale Verbindung ist auch als FireWire (Apple [12]) und iLink (Sony [13]) bekannt. Sie transportiert sowohl HD-Video- als auch -Audiosignale. Im Gegensatz zu HDMI erlaubt IEEE 1394 außerdem ein Aufnahmen. Allerdings kommt dieser Standard bei modernen Heimkinokomponenten kaum noch zum Einsatz.

Component-Video
Wenn an einem Gerät kein HDMI- oder DVI-Anschluss vorhanden ist, stellt Component-Video die beste Möglichkeit für die Bildübertragung dar. Das Kabeltrio ist theoretisch in der Lage, Auflösungen bis 1080p zu übermitteln. Eine Tonübertragung gibt es nicht. Außerdem liegt die maximal mögliche Auflösung in der Praxis bei Geräten, die statt eines HDMI-Ports nur einen Component-Video-Anschluss an Bord haben, bei 1080i. Bei 1080i werden Halbbilder anstatt der von 1080p bekannten Vollbilder übertragen. Beim Zusammenfügen der Halbbilder kann es zu Problemen und Bildfehlern kommen.

S-Video
Der runde Stecker mit mehreren Pins transportiert SD-Videosignale analog. Im Gegensatz zu den bisher genannten Übertragungsverfahren kommt es dadurch zu einem Qualitätsverlust. Dennoch ist S-Video die beste Möglichkeit der analogen Übermittlung: Es separiert Helligkeits- und Farbanteile des Signals, wodurch die Verluste gering bleiben. Für das Anschließen von Nicht-HD-Komponenten eignet es sich ideal. Allerdings verschlechtert sich die Bildqualität bei Kabellängen von über zehn Metern rapide.

Composite-Video
Dieser meist gelbe Cinch-Stecker ist die Notlösung bei der analogen SD-Videoübertragung. Farb- und Helligkeitssignale gelangen zusammengemischt über nur ein Kabel von einem Gerät zum anderen, was ein verrauschtes, fehlerbehaftetes Bild zur Folge hat.

Scart
Der französische Standard Syndicat des Constructeurs d’Appareils Radiorécepteurs et Téléviseurs war lange Zeit die einfache Anschlussmöglichkeit. Heute ist er veraltet und kommt kaum noch vor. Der Anschluss überträgt SD-Video- und Stereo-Audiosignale analog. Je nach Gerät kommen dabei die Übertagungsmethoden von Composite-Video, S-Video oder Component-Video zum Einsatz. Allerdings verschlechtert sich die Qualität schon nach einer Kabellänge von rund drei Metern beträchtlich. Zudem ist der Stecker äußerst störungsanfällig. Daher raten wir von der Verwendung von Scart komplett ab.

Die Probleme von HDMI

HDMI ist die beste Methode, ein digitales HD-Signal von einem Gerät zu einem anderen zu schicken. Allerdings sorgen unterschiedliche Versionen und der integrierte Kopierschutz für Schwierigkeiten.


Obwohl der HDMI-Anschluss immer gleich aussieht, gibt es entscheidende Unterschiede, die zu großen Problemen führen können.

Hintergrund

HDMI ist ein von Hollywood anerkannter Standard. Er ist sicherer als IEEE 1394 und nicht für Aufnahmen geeignet. Der Grund: Filmstudios und Fernseherhersteller waren stark in die Entwicklung von HDMI involivert – und dem damit verbundenen Kopierschutz HDCP.

Kopierschutz

Sowohl HDMI als auch DVI unterstützen den HDCP-Kopierschutz. Bei HDCP findet ein Handshake zwischen Quelle und Wiedergabegerät statt. Ist nun ein Gerät in der Kette nicht HDCP-kompatibel, bleibt der Fernsehschirm schwarz. Deshalb kommt es oft bei älteren HDMI-Receivern zu Problemen, die die HDCP-Verschlüsselung zum Wiedergeben des Sounds zwar öffnen, sie aber danach nicht mehr richtig schließen. Bei aktuellen AV-Receivern passiert das aber nicht mehr. Dafür kommt es auch bei neuen DVI-Geräten teilweise wegen fehlender HDCP-Unterstützung zu Schwierigkeiten bei der Blu-ray-Wiedergabe. Käufer mit HD-Ambitionen sollten also immer zwingend auf eine volle HDCP-Kompatibilität achten.

Versionen

Alle Varianten von HDMI, angefangen bei 1.0, übertragen Videosignale und Stereo-Ton. Bei der Version 1.1 kommt das fast ausgestorbene DVD-Audio-Format hinzu. Die Version 1.2 unterstützt zusätzlich Super-Audio-CD. Die Variante 1.2a erweitert den Standard um Consumer Electronic Control (CEC [14]), was die Kommunikation einzelner Komponenten untereinander und somit deren Steuerung mit nur einer Fernbedienung ermöglicht. Erst Version 1.3 unterstützt das, was wir heute unter HDMI verstehen: Mit der Variante kommen erweiterte Farbpaletten und die verlustlosen HD-Audioformate hinzu.

Surround-Sound via HDMI

Wer einen Surround-Receiver via HDMI anschließen möchte, um die verlustlose Mehrkanal-Tonformate von Blu-rays wie Dolby TrueHD [15] oder DTS-HD [16] wiederzugeben, benötigt einen Receiver mit HDMI 1.3 und HDCP. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, auch ältere Receiver zur Wiedergabe der Formate zu bewegen: Einige Blu-ray-Player verfügen über einen analogen Audioausgang. Dann ist weder HDMI 1.3 noch HDCP notwendig.

Die unterschiedlichen Audioanschlüsse

Wer seinen AV-Receiver von hinten ansieht, findet neben den zahlreichen Video-Anschlüssen eine Schar von Audio-Ports. Auch hier variiert die Qualität.

HDMI
Wer die HD-Tonformate verlustfrei übertragen möchte, nutzt dafür am besten das HDMI-Kabel. Allerdings funktioniert das nur mit der neusten HDMI-Version 1.3.

IEEE 1394
Auch FireWire eignet sich für die Übertragung von HD-Tonformaten. Es ist allerdings sehr selten und an kaum einem Gerät zu finden.

S/PDIF
Das Sony/Philips Digital Interface ist als koaxiale und als optische Variante zu finden. Es überträgt Tonsignale verlustfrei und digital. Allerdings ist die Bandbreite für das Transportieren von HD-Audio zu gering. S/PDIF schafft nur 5.1 Kanäle und ist somit auf Dolby Digital und DTS begrenzt.

5.1- und 7.1-Analogübertragung
Auch ein älterer AV-Receiver ohne HDMI-Port eignet sich für die Wiedergabe von HD-Audio. Allerdings benötigt er dafür, genauso wie die Quelle, einen analogen 5.1- oder 7.1 Anschluss in Form von sechs oder acht Cinch-Buchsen.

Stereo-Cinch
Dieser Anschluss mit einer roten und einer weißen Buchse findet sich wohl an jedem AV-Gerät. Er überträgt aber nur Stereo-Ton – und zwar verlustbehaftet. Für Mehrkanal-Sound ist er nicht geeignet. Daher sollte er nur dann zum Einsatz kommen, wenn es überhaupt keine andere Möglichkeit gibt.

Lautsprecher
Die Verbindung zwischen AV-Receiver und Lautsprechern erfolgt mittels zweiadriger Kabel. Sie sollten möglichst dick sein, um bei hoher Leistung geringe Verluste aufzuweisen. Störungen spielen hier eine eher kleinere Rolle. Das Signal wird analog übertragen, ist aber verstärkt, wodurch sich Störungen nur schwach auswirken. Es gibt zwei übliche Anschlüsse für Lautsprecherkabel: Klemmen und Schraubverschlüsse. Klemmen sind anfälliger, da sie keine weniger zuverlässige Verbindung herstellen. Wer besonders guten Klang wünscht, sollte Kabel mit vergoldeten Schuhen nutzen, da diese nicht korrodieren.

Fazit

Wer aus seinem Heimkino die beste Qualität herausholen will, sollte um analoge Verbindungen wie Composite-Video oder Scart einen großen Bogen machen. Blu-ray-Player oder andere HD-Quellen sind mittels HDMI-Kabel anzuschließen. Hier ist neben dem Standard 1.3 unbedingt auf HDCP-Kompatibiltät zu achten. Der Lohn ist ein tolles Full-HD-Bild mit verlustfreiem 7.1-Surround-Sound. Für ältere Geräte stellen Component-Video, S-Video und S/PDIF die beste Möglichkeit zur Verkabelung dar. Alte Scart-Kabel und die am häufigsten verwendeten Composite-Video-Strippen mit ihren gelben Steckern gehören in den Mülleimer.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41522127/scharfes-bild-und-klarer-ton-hd-fernseher-richtig-verkabeln/

URLs in this post:

[1] HD-Fernseher: https://www.cnet.de/tests/tv/

[2] Scart: http://de.wikipedia.org/wiki/Scart

[3] Composite-Video: http://de.wikipedia.org/wiki/Composite_Video

[4] HD-Auflösung: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[5] DVB-T: http://de.wikipedia.org/wiki/DVB-T

[6] DVB-S: http://de.wikipedia.org/wiki/DVB-S

[7] DVD-Playern: https://www.cnet.de/tests/dvd/archiv/a3T0/

[8] Wiedergabegerät: https://www.cnet.de/tests/dvd/

[9] Playstation 3: https://www.cnet.de/tests/tv/41501733/sony+playstation+3+slim+neues+design_+alte+ausstattung.htm

[10] Xbox 360: https://www.cnet.de/tests/tv/39139068/erste+high_definition_konsole+microsoft+xbox+360.htm

[11] HDMI-Versionen: https://www.cnet.de/praxis/insider/39188615/verwirrspiel+hdmi+von+kopierschutz+und+versionen.htm

[12] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[13] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[14] CEC: http://de.wikipedia.org/wiki/Consumer_Electronics_Control

[15] Dolby TrueHD: http://de.wikipedia.org/wiki/Dolby_TrueHD

[16] DTS-HD: http://de.wikipedia.org/wiki/DTS-HD