Fahrender Hotspot: WLAN-Router mit UMTS im Auto

von Daniel Schraeder am , 17:03 Uhr

Wer mit iPod Touch, Netbook, Notebook oder Smartphone unterwegs ist, war sicherlich schon einmal auf der Suche nach einem Hotspot. Kurz E-Mails abrufen, einen Video-Clip bei Youtube einstellen, einen Termin nachlesen oder eine Adresse auf der Karte ansehen – ohne Internet ist man fast aufgeschmissen. Aber warum nimmt man seinen Hotspot nicht einfach mit? Wir bauen einen WLAN-Router mit UMTS ins Auto ein.

Zugegeben, die Zeit der Baggerseen und Biergärten ist für dieses Jahr schon wieder vorbei. Aber auch im farbenfrohen Herbst gibt es genügend Gründe, nochmal die Natur zu genießen: Pilze sammeln im Wald, ein Picknick im Kornfeld kurz vor der Ernte, Grillen auf dem Dauercampingplatz oder mit dem Sohnemann auf einem Hügel Drachen steigen lassen sind nur einige Beispiele. Und der nächste Sommer kommt bestimmt.

Die Kids können sich stundenlang mit einem bespannten Holzkreuz an einer Schnur beschäftigen. Damit den Erwachsenen nicht langweilig wird, suchen sie sich eine andere Beschäftigung. Sie beantworten in der Zwischenzeit ein paar E-Mails, lesen Nachrichten und Bastelanleitungen im Internet oder zocken ein kurzes Browser-Game. WLAN ist ja überall verfügbar – wenn man einen Hotspot im Auto hat.

Die Idee

Wofür benötigt man denn überhaupt einen Hotspot im Auto? Schließlich sind Smartphones und viele Netbooks bereits mit einem UMTS-Modem ausgestattet, und entsprechende USB-Sticks wechseln bereits für unter 100 Euro den Besitzer. Doch mit einem iPod Touch beispielsweise kommt man ohne WLAN nicht weiter – und vor allem nicht ins Internet. Außerdem können sich mehrere Nutzer einen Internetzugang teilen, wenn WLAN zum Einsatz kommt. Und sogar Spielen im Biergarten oder am Baggersee wäre möglich, wenn sich mehrere Notebooks in ein kabelloses Netzwerk einloggen.

Auf der Suche nach geeigneten Komponenten sind wir über verschiedene Lösungen gestolpert. Die meisten haben eines gemeinsam: Sie sind teuer. Gedacht für den Profi-Einsatz, für Messen, Kongresse und Veranstaltungen, für Tourbusse oder Ähnliches. Preise von mehreren hundert Euro sind kein Problem, dazu kommen dann noch die Einbaukosten. Dafür gibt es dann hochwertige Funktechnik, integrierte UMTS- und HSDPA-Module sowie externe Antennen, die eine möglichst hohe Reichweite für WLAN und einen möglichst hohen Datendurchsatz beim Breitbandinternet über das Mobilfunknetz versprechen. Aber diese Variante schießt über unser angepeiltes Ziel hinaus: Wir möchten eine günstige und simple Lösung.

Am anderen Ende der Fahnenstange finden sich komplett tragbare Hotspots. Die Geräte der MiFi-Serie von Novatel Wireless [1] beispielsweise entsprechen von den Abmessungen her einem Smartphone [2], verfügen aber weder über Display noch über Tastatur. Stattdessen befinden sich SIM-Karte samt HSPA-Modem sowie WLAN-Accesspoint und Speicherkartenslot im Inneren des kleinen Kästchens. Mit an Bord ist ein Akku, der den tragbaren Internetzugang für etwa vier Stunden mit Strom versorgen soll. Geladen wird per USB. Ein gutes Netbook hält mehr als doppelt so lang durch – vorausgetzt, man steckt keine externen Geräte an, um deren Akkus wieder zu betanken. Außerdem wechseln beim Kauf etwa 250 Euro den Besitzer. Zu teuer.

Novatel MiFi
Novatel MiFi: Die kleine Box enthält UMTS-Modem, WLAN-Router und Akku. Allerdings geht ihr nach 4 Stunden der Saft aus.

Die Lösung

Wir konzentrieren uns bei der Suche also auf den Privatkundensektor. Denn nur hier sehen wir die Möglichkeit, für vertretbares Geld an eine Lösung zu kommen. Der Netzwerkausstatter Netgear beispielsweise hat einen WLAN-Router im Programm, der den Internet-Zugang per UMTS statt DSL aufbaut. Das Modell hört auf den wenig einprägsamen Namen MBR624GU [3], aber uns ist die Funktionalität wichtiger als die Produktbezeichnung. Noch dazu passt das Gerät bestens in unser Budget: Preisvergleichsdienste listen den funkenden Kasten bereits für um die 70 Euro. Also: Her damit!

Netgear MBR624GU
Die Lösung unseres Problems: Der Netgear MBR624GU baut die Internet-Verbindung über einen angesteckten USB-UMTS-Stick auf und stellt es an vier Netzwerkports auf der Rückseite sowie via WLAN zur Verfügung.

Kaum ist das Paket hier, gehen wir die nächsten Schritte an. Einen SIM-Kartenslot hat der MBR624GU nicht – und demnach auch kein internes UMTS-Modem. Stattdessen findet sich eine USB-Buchse an der Rückseite, auf der Unterseite der Verpackung sowie im Internet listet der Hersteller kompatible UMTS-USB-Sticks [4] auf. Griffbereit haben wir einen Web’n’Walk Stick III von T-Mobile sowie eine SIM-Karte samt Datenflatrate von Vodafone – eine etwas unglücklich wirkende Kombination. Um so überraschter sind wir, als wir den Aufbau auf dem Schreibtisch testweise in Betrieb nehmen. Wir verbinden das Notebook [5] via Netzwerkkabel mit dem Router, greifen über den Standard-Namen des Netgears, www.routerlogin.com, auf das Web-Interface zu, wählen mit Vodafone den Provider aus, geben die SIM-PIN ein und konfigurieren das kabellose Netzwerk. Achtung: Verschlüsselung nicht vergessen, ansonsten wird’s schnell teuer. Auf Anhieb steht ein WLAN-Netz zur Verfügung – über HSDPA, versteht sich. Damit erreichen wir Download-Raten von knapp zwei Megabit pro Sekunde. Das ist immerhin auf dem Niveau langsamer DSL-Verbindungen und reicht problemlos aus, um zu surfen oder Youtube-Videos zu streamen. Ganz so flott wie über eine Kabelverbindung wirkt der Seitenaufbau zwar nicht, aber wir sind zufrieden.

Strom im Auto

Zwischen dem Schreibtisch im Büro und dem Handschuhfach im Auto gibt es nur noch einen gravierenden Unterschied: Hier haben wir eine Mehrfachsteckdose, in die das mitgelieferte Netzteil passt. Im Auto gibt es 12 statt 230 Volt – und eine Zigarettenanzünderbuchse statt Schuko.

Von einem unserer letzten Umbauten – wir haben einen HD-Projektor in einer G-Klasse montiert, um ein fahrbares Autokino zu erhalten [6] – haben wir noch einen Wechselrichter. Er transformiert die niedrige Batteriespannung des Fahrzeugs auf Haushaltsniveau und stellt eine normale Steckdose zur Verfügung. Für diesen Zweck ist er zwar eigentlich komplett überdimensioniert – stellt er doch eine Leistung von 1000 Watt zur Verfügung, die der Beamer samt Soundsystem benötigt. Unser Routerchen kommt aber bereits mit 7 bis 8 Watt aus, sagt das Messgerät. Noch dazu ist der große Trafo nicht für den spontanen Einsatz gedacht: Er wird nicht mit dem Zigarettenanzünder verbunden, sondern über dicke Kabel direkt mit der Batterie.

Spannungswandler
Spannungswandler: Er begnügt sich mit 12 Volt der Autobatterie und stellt eine normale Steckdose zum Anschluss beliebiger Geräte zur Verfügung.

Wir machen uns also auf die Suche nach einer kleineren Variante. Pearl beispielsweise hat ein 200-Watt-Modell für 30 Euro [7] im Angebot. Aber auch das ist noch viel zu viel, und es widerstrebt uns, 12 Volt auf 230 hochzutransformieren, um dann mit dem Netgear-Steckernetzteil wieder auf die Routerbetriebsspannung von ebenfalls 12 Volt zu kommen. Das muss doch auch einfacher gehen.

Kurzzeitig kommt uns in den Sinn, den Router einfach direkt an das Bordnetz des Autos anzuschließen. Aber die Idee verwerfen wir schnell – die Spannung im Fahrzeug ist nicht stabilisiert. Zwischen 11 und 14 Volt taucht alles auf, und Spannungsspitzen, etwa beim Anlassen des Motors, sind nicht auszuschließen. Wir machen uns also auf die Suche nach einem 12-Volt-Adapter. Das gestaltet sich tatsächlich schwieriger als gedacht, da beispielsweise Standard-Netzteile fürs Notebook höhere Spannungen ausgeben.

Diverse Modelle sind ab gut 20 Euro zu haben. Durch Zufall stolpern wir über die Information, dass Netgear selbst demnächst einen passenden Car-Adapter anbieten wird. Dessen Name – CARP1000-10000S – ist zwar nicht weniger kryptisch als der Name des Routers, aber mit einem Preis von 20 bis 30 Euro und der Garantie, dass die Spannung, Strom und Auslegung perfekt passen, überzeugt der Zweck. Stecker in den Zigarettenanzünder, WLAN-Router samt USB-Stick ins Handschuhfach, und fertig ist unser fahrender Hotspot. Und er funktioniert sogar!

Netgear Stromadapter CARP1000-10000S
Der Adapter passend zum Router: Netgears CARP1000 ist ab demnächst erhältlich. Wir rechnen mit Preisen um 20 bis 30 Euro.

Der richtige Tarif

Für den dauerhaften Einsatz im Auto wäre natürlich eine feste Verkabelung der Stromversorgung besser. Außerdem würden wir in dem Fall eine externe UMTS-Antenne sowie eine externe WLAN-Antenne empfehlen. Letztere lässt sich an unserem MBR624GU leider nicht anbringen – das ist eben der Preis für den fahrenden UMTS-Hotspot zum Schnäppchentarif.

In der Garage neben dem Haus und in der Tiefgarage unterm Büro benötigen wir das eigene WLAN aber ohnehin nicht – und unter dem Dauerbetrieb würde die Autobatterie leiden. So verschwindet also einfach das Stromkabel bei Nichtgebrauch im Handschuhfach. Ist WLAN nötig, stecken wir das Kabel einfach wieder ein – fertig.

Jetzt fehlt nur noch der richtige Tarif. Echte UMTS-Flatrates sind rar gesäht – ein maximales Datenvolumen von 5 GByte im Monat hat sich als Quasi-Standard etabliert. Das sollte auch ausreichen. Die Provider stellen für so einen Tarif zwischen 20 und 40 Euro monatlich in Rechnung. Eine Menge Holz, wenn man das Netz nur gelegentlich benötigt. Passender sind da schon Tagesflatrates. Bei Fonic [8] kostet ein Kalendertag ohne Zeit- oder Trafficbegrenzung 2,50 Euro. Wer nicht surft, muss auch nichts bezahlen. Der Anbieter hat auch gleich einen HSDPA-Stick für 60 Euro im Programm, der zu dem Netgear-Router kompatibel sein müsste.

Hotspot im Auto
Der Versuchsaufbau: Netgear-Router mit WLAN-Antenne, am Kabel hängt der UMTS-Stick. Ab in’s Handschuhfach damit – fertig ist der Hotspot im Auto.

Fazit

Aus unserem ambitionierten Selbstbauprojekt ist – nach einiger Recherche – eine simple Angelegenheit geworden. Wer die richtigen Produkte kennt, ist mit rund 160 Euro dabei. Dafür gibt es dann einen UMTS-Stick, der sich auch abseits des Access-Points nutzen lässt, einen WLAN-Router und die passende Stromversorgung für das Auto. Kabel verlegen, Antennen montieren und so weiter ist nicht einmal nötig.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41522402/fahrender-hotspot-wlan-router-mit-umts-im-auto/

URLs in this post:

[1] MiFi-Serie von Novatel Wireless: http://www.novatelwireless.com/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=75&Itemid=622

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] MBR624GU: http://www.netgear.de/Produkte/Router/Wireless/MBR624GU/index.html

[4] kompatible UMTS-USB-Sticks: http://www.netgear.com/3G_USB_Modems

[5] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[6] HD-Projektor in einer G-Klasse montiert, um ein fahrbares Autokino zu erhalten: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41500865/autokino+im+eigenbau+blockbuster+an+die+hauswand+beamen.htm

[7] 200-Watt-Modell für 30 Euro: http://www.pearl.de/a-PE5286-5440.shtml

[8] Fonic: http://www.fonic.de/html/surfen_vorteile.html