Windows Mobile, Symbian, Android & Co: Handy-Betriebssysteme im Vergleich

von Daniel Schraeder am , 17:29 Uhr

Es ist noch gar nicht so lang her, da hat einen das Betriebssystem seines Handys nur wenig interessiert – die meisten der Geräte liefen mit der hauseigenen Software des Herstellers. Inzwischen, zu Zeiten von App-Store, Touchscreen-Bedienung & Co. wird es aber deutlich wichtiger, ob Apple, Google, Microsoft oder ein anderer Anbieter seine Finger im Spiel hat. Wir vergleichen die wichtigen Betriebssysteme für Smartphones mit berührungsempfindlichen Anzeigen.

Das iPhone. Man kann es schon fast nicht mehr hören, aber ja: Es hat den Markt der Handys und Smartphones verändert. In Bezug auf die Bedienung, auf die zur Verfügung stehenden Programme, auf die Gerätevielfalt und -auswahl, auf die Tarife der Provider und sogar auf die Art und Weise, wie wir täglich mit unseren kleinen, allgegenwärtigen, elektronischen Begleitern umgehen. Selbst jetzt, fast zweieinhalb Jahre nach der Einführung des ersten Apple [1]-Handys, ist die Konkurrenz noch nicht da angelangt, wo Apple ist. Oder? Es wird Zeit für einen Schlagabtausch – wir vergleichen das iPhone-Betriebssystem Mac OS X mit den bewährten, seit Jahren weiterentwickelten Smartphonesystemen Symbian und Windows Mobile sowie mit den Neueinsteigern Android [2] und Web OS.

Bedienung

Das wichtigste zuerst: Wie kann man mit den verschiedenen Systemen umgehen? Das iPhone hat Maßstäbe gesetzt – das hören, lesen und schreiben wir immer wieder. Und das hat mit mehr zu tun als damit, dass sich Touchscreens auf einmal mit zwei Fingern bedienen lassen. Sondern auch damit, dass sich Elemente und Schaltflächen da befinden, wo man sie erwartet – und wie flott das Handy auf Nutzereingaben reagiert. Denn: Warten nervt.

Android

Das Google [4]-Betriebssystem ist ähnlich flott wie das iPhone. Die Bedienung ist durchgängig und logisch, und modellabhängig funktioniert selbst Multitouch. Das Motorola Milestone oder der HTC [5] Hero sind zwei Beispiele dafür. Physikalische Tasten für Zurück, Homescreen und programmbezogene Optionen sorgen geräteübergreifend dafür, dass man sich jederzeit zurecht findet. Dafür gibt es einen Pluspunkt.

Mac OS X

Zum iPhone muss gibt es in Puncto Bedienung nicht viel zu sagen. Wer ein Bild öffnet, zoomt mit zwei Fingern hinein, tippt und hält einen Finger auf einen beliebigen Ausschnitt und bewegt das Handy um den Finger: Das Bild „klebt“ förmlich fest. Weniger Tasten gibt es nirgendwo, trotzdem zieht sich ein klares, einheitliches Konzept durch. Menüpunkte finden sich allesamt dort, wo man sie erwartet. Perfekt – und somit ein Pluspunkt.

Symbian

Auch Symbian hat Maßstäbe gesetzt, was die Bedienung angeht. Allerdings vor Jahren, zu Zeiten, in denen Smartphones noch Handys hießen und die Steuerung mittels Joystick oder Vierwege-Pad und Okay-Taste üblich war. Bei den Touchscreen-Geräten hängt Symbian gefühlt Welten hinter dem her, was beim iPhone üblich ist. Zwar lassen sich beispielsweise Bilder inzwischen genau so flott per Fingerzeig von links nach rechts schieben wie bei der Konkurrenz. Multitouch ist aber genauso ein Fremdwort wie durchgängige Bedienung, und vor allem daran hapert es: Man merkt Symbian einfach an, dass es eigentlich für die Tastenbedienung gedacht ist. Der Nutzer flippt problemlos und flott mit einer Fingerbewegung durchs Telefonbuch, ein Druck auf einen Eintrag markiert ihn aber nur – weil es eben „früher mal“ unterhalb des Displays zwei Tasten für weitere Optionen, beispielsweise „Anrufen“ und „Bearbeiten“ gab. Zum Anrufen tippt man doppelt. Das wäre ja nicht weiter schlimm, würden sich alle Optionen mit einem Doppeltipp öffnen – aber im Hauptmenü beispielsweise reicht ein einzelner Fingerdruck. Das ist kompliziert und schlicht nicht zeitgemäß.

Web OS

Dass Palm noch einmal mit einem eigenen Betriebssystem auf den Markt sticht, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Und dass die Web OS genannte Software begeistert, damit wohl auch nicht. Aber die Programmierer haben eine wahre Glanzleistung hingelegt, ein attraktives, logisches und durchdachtes System entwickelt, das perfekt auf Multitasking und Messaging ausgelegt ist. Optionen finden sich immer oben links, unterhalb der Anzeige gibt es einen berührungsempfindlichen Bereich, der zum Navigieren innerhalb der Anwendungen gedacht ist. Leider scheint die Hardware des bislang einzigen Web-OS-Handys Palm Pre etwas zu langsam zu sein – dementsprechend lange Wartezeiten treten gelegentlich auf.

Windows Mobile

Windows Mobile teilt ein ähnliches Schicksal wie Symbian. Kein Wunder, schließlich gehört es auch zu den „alten“ Betriebssystemen – zu denen, die aus eine anderen Zeit stammen und den Absprung in die Gegenwart schlicht noch nicht geschafft haben. Zwar war das Handy-Windows von Anfang an für die Bedienung per Touchscreen ausgelegt, allerdings noch mit dem Stift und nicht mit dem Finger. Dementsprechend filegran wirken die Menüs, und die Optik erinnert an das von frühen Windows-Versionen für den PC. Die Hersteller der Smartphones versuchen, mit eigenen Oberflächen gegenzusteuern. Bei HTC heißt das beispielsweise TouchFLO, bei Samsung [6] TouchWIZ und so weiter. Doch unterm Strich reicht das noch nicht. In den Tiefen der Menüs stolpert man immer wieder über altbackene Optionen und Dialoge, sei es bei den Netzwerkeinstellungen oder bei so profanen Sachen wie der Weckzeiteinstellung: Selbst bei neuesten Windows-Mobile-6.5-Geräten kommt der Anwender hier ohne Stift nicht weiter. Dazu gesellen sich nervige Kleinigkeiten. So wechselt der virtuelle Zurück- oder Abbrechen-Button von Programm zu Programm oder sogar von Dialog zu Dialog seine Position – das nervt. Microsoft [7] muss dringend seine Hausaufgaben machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
Bedienung          

Geräteauswahl

Die beste Software nützt nichts, wenn sie auf der falschen Hardware läuft. Wer viel tippt und unterwegs ständig seine E-Mails checkt, freut sich beispielsweise über eine mechanische Tastatur – doch in dieser Ausführung ist etwa das iPhone schlicht nicht zu haben. Genauso, wie es kein Android-Handy mit hochauflösender Kamera gibt oder keinen extrem flachen Palm. Wir werfen einen Blick auf die Modellauswahl.

Android

Etwa ein Jahr nach der Vorstellung des ersten Android-Handys G1 ist die Auswahl immer noch etwas eingeschränkt. Stand heute ist das G1 immer noch das einzige Smartphone [8] mit Google-Betriebssystem, das über eine echte Tastatur verfügt. Doch das soll sich noch vor Weihnachten ändern – weitere Modelle, unter anderem von Motorola, stehen in den Startlöchern. HTC hat inzwischen drei Geräte auf dem Markt, Samsung eines, Acer [9] und Motorola bringen in den nächsten Wochen welche in die Läden. Und selbst Sony [10] Ericsson plant mit dem X10 ein Google-Handy, das im ersten Quartal des nächsten Jahres herauskommen soll. Allesamt mit unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen, OLED-Display etwa, Tastatur oder hochauflösender Kamera. So muss das sein, denn so findet jeder das richtige Gerät.

Mac OS X

Die Auswahl der Handys mit OS X ist klein. Drei Modelle gibt es insgesamt – iPhone, iPhone 3G und iPhone 3GS – und davon befinden sich nur zwei im Verkauf. Wer Wert auf andere Ausstattungsmerkmale legt, etwa eine Tastatur, einen Blitz, eine hochauflösende Kamera oder ein OLED-Display, muss sich nach einem anderen Handy umsehen – und damit auch nach einem anderen Betriebssystem. Schade eigentlich.

Symbian

Symbian-Handys gibt es wie Sand am Meer. Die Auswahl an Geräten mit Touchscreen ist da schon deutlich eingeschränkter. Von Samsung gibt es mit dem i8910HD genau ein Modell, Sony Ericsson und Nokia haben noch ein paar weitere im Angebot. Ihnen gemein ist eine starke multimediale Ausrichtung – es geht um hochauflösende Kameras, MP3-Player und Videofunktionen.

Web OS

Zur Auswahl von Smartphones mit dem WebOS-Betriebssystem gibt es nichts zu sagen – es gibt, Stand heute, mit dem Palm Pre genau eines. Weitere Palms sollen folgen. Darauf warten wir gespannt, aber bis dahin gibt es an dieser Stelle leider nur ein Negativ-Zeichen.

Windows Mobile

Windows-Handys gibt es wie Sand am Meer. Groß, klein, mit und ohne Tastatur, mit verschiedenen Kamera- und Multimediaausstattungen und seit kurzem mit dem HD2 von HTC sogar mit kapazitivem Touchscreen-Display: Hier ist wirklich für jeden das richtige Modell dabei. Dafür heimst sich das tragbare Windows einen Pluspunkt ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
Geräteauswahl          

Oberfläche

Unterschiedliche Konzepte erfordern unterschiedliche Home-Screens. So zeigt etwa das iPhone auf oberster Ebene alle installierten Programme an, während Android ein komplett frei konfigurierbares Interface präsentiert, Web OS alle aktiven Programme zeigt und Windows Mobile einen Blick auf anstehende Termine. Welche Lösung ist die beste?

Android

Die Google-Software bietet standardmäßig einen dreiteiligen Homescreen. Praktisch und cool: Er lässt sich mit diversen Widgets an die eigenen Bedürfnisse anpassen, die der Nutzer aus dem App-Store-Pendant Market herunterladen und quasi beliebig positionieren kann. Darunter finden sich Wetterbericht, Uhren, Kurzwahlnummern, Comics, Nachrichten und so weiter – so stellen wir uns das vor. Darüber hinaus entwickeln die diversen Hersteller auch eigene Interfaces für ihre Geräte. Ein schönes Beispiel ist HTC mit seiner Sense getauften Oberfläche. Sie bietet sogar sieben Homescreens, die sich beliebig anpassen und sich in Szenen – etwa „Arbeit“ oder „Wochenende“. Sense bringt sogar eigene, zusätzlich Widgets mit. So sollte das aussehen, deswegen gibt’s einen Pluspunkt.

Mac OS X

Kaum zu glauben, aber auch das iPhone muss wiederholt Kritik einstecken. Einen echten Homescreen gibt es nicht, stattdessen „nur“ das Hauptmenü, aus dem sich die Applikationen starten lassen. Das sieht zwar gut aus, funktioniert hervorragend und ist nicht erklärungsbedürftig – aber die Funktion, coole Widgets ablegen zu können, fehlt uns. Nicht einmal das Einsehen von Kalendereinträge oder Aufgaben ist möglich, ohne das jeweilige Programm zu starten – deswegen setzt sich das Apple-Handybetriebssystem in diesem Punkt nicht gegen die Konkurrenz durch. Es hagelt ein Minus.

Symbian

Der Symbian-Homescreen hat sich in den letzten Jahren ebenso wenig verändert wie die Oberfläche und die Art, sie zu bedienen. Dementsprechend zeigen sich Satio, i8910HD, N97 & Co. so, wie wir das von Symbian-Handys erwarten. Die verschiedenen Hersteller setzen auf unterschiedliche Oberflächen – Nokia wie gehabt auf S60, von Sony Ericsson kennen wir bereits UIQ und Samsung hat das von seinen anderen Modellen bekannte TouchWIZ-Interface für Symbian nachgebaut. Anstehende Kalendereinträge & Co. sind auf Anhieb ersichtlich. Damit ist Symbian zwar nicht ganz so modern und anpassbar wie Android, erfüllt aber seinen Zweck. Also ein Pluspunkt.

Web OS

Das neue Palm-Betriebssystem ist multitaskingfähig – und das stellt es an allen Ecken und Enden zur Schau. Dementsprechend ist auch der Homescreen – abgesehen von einer Leiste mit konfigurierbaren Quick-Launch-Icons für die wichtigsten Applikationen – leer. Zumindest, solange keine Programme gestartet sind. Denn alle aktiven Anwendungen, darunter Browserfenster, E-Mail-Client, Kalender und so weiter, legen sich prominent als Karte auf dem Homescreen ab. So lassen sie sich blitzschnell wechseln und umsortieren. Ideal, wenn man Text von einer Webseite in eine E-Mail kopieren möchte, eine Routenbeschreibung sucht oder Kurznachrichten verschickt. So flexibel wie Android ist WebOS damit zwar nicht, dennoch hat Palm da eine ganz eigene Lösung gebaut. Sie funktioniert – nach kurzer Eingewöhnungsphase – hervorragend und sieht darüber hinaus noch attraktiv aus. Dafür gibt’s ein Plus.

Palm Pre Homescreen
Nackter Homescreen: Solange keine Applikationen laufen, ist bei Web OS nicht viel zu sehen.

Windows Mobile

Unter Windows Mobile vom Home Screen zu sprechen, ist etwas schwierig. Immerhin hat Microsoft die altertümliche „Heute“-Ansicht vor wenigen Wochen im Zuge der Einführung der neuen Version 6.5 grundlegend überarbeitet. In der freien Wildbahn – also auf einem der neuen Handys – haben wir sie aber noch nicht standardmäßig entdeckt. Kein Wunder, haben doch alle Hersteller in den letzten Jahren ihre eigenen Oberflächen gebaut, da der alte Homescreen bei weitem nicht mehr standesgemäß war. Und eben diese alternativen Interfaces setzen HTC (TouchFLO beziehungsweise Sense), Samsung (TouchWIZ) & Co. weiterhin ein. Dementsprechend lässt sich dieser Punkt auch nicht allgemein bewerten. Wichtiges, wie anstehende Termine, lassen sich bei den uns bekannten Oberflächen auf den ersten Blick erfassen, doch so anpassbar wie Android ist Windows Mobile bei weitem nicht. Die sogenannten Widgets sind nichts weiter als Mini-Programme. In diesem Punkt vergeben wir für Windows weder einen Plus- noch einen Minuspunkt.

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
Oberfläche          

App Store

Vom Novum bei Apple zur Selbstverständlichkeit: Wer heute ein Smartphone kauft, erwartet dudzende von Anwendungen, die sich per Fingertipp direkt auf dem Gerät installieren – ohne Internet-Recherche am PC, mühsame Downloads und Übertragung per USB-Kabel. Doch wie einfach klappt die Installation? Wie leicht sind die Apps zu finden, und wie groß ist deren Auswahl?

Android

Nutzer von Google-Smartphones installieren Programme über den Android Market. In ihm finden sich hunderte bis tausende von Apps, fein unterteilt nach Kategorien wie Produktivität, Internet oder Spiele, ergänzt um Wertungen und Kommentare der Nutzer. Die Installation von kostenlosen und kostenpflichtigen Programmen erfolgt per Fingertipp und läuft dann im Hintergrund ab. Das Handy meldet sich, sobald ein neues Programm installiert ist. Kurz: So muss das aussehen, dafür gibt’s ein Plus.

Mac OS X

Apple hat die Mutter aller App Stores – und damit auch den Markt für Zusatzprogramme erst richtig geschaffen. Dementsprechend problemlos verläuft die Nutzung auch auf dem iPhone. Nutzwerwertungen, säuberliche Sortierung und ein schier nicht enden wollendes Angebot an Programmen sorgen selbstverständlich für einen Pluspunkt.

Symbian

Symbian hat die Entwicklung – Stand heute – verschlafen. Einen herstellerübergreifenden App Store gibt es nicht. Nokia hat mit OVI und Sony Ericsson mit seiner Arena zwar Pendants im Angebot. Das ist zwar besser als nichts, aber die Zukunft liegt in einem herstellerübergreifenden Angebot. Da nützt es auch nicht viel, dass Symbian zu den ersten Smartphone-Betriebssystemen überhaupt gehört, die die Installation von Zusatzprogrammen ermöglicht haben – die Tools liegen wild verstreut im Internet, es gibt kein Portal auf dem Handy und keine zugesicherte Kompatibilität: Hat ein Symbian-Display eine höhere Auflösung als das, für dass das jeweilige Programm entwickelt wurde, passt es eben nicht. Und somit passt auch das Gesamtkonzept nicht – dafür können wir nur ein Minus vergeben.

Web OS

Palm hat alles richtig gemacht. Der Software-Marktplatz von Web OS findet sich prominent im Hauptmenü. Er sieht attraktiv aus, es gibt Nutzerwertungen und alles, was dazu gehört. Nur: Es sind schlicht viel zu wenig Programme verzeichnet. Natürlich, Web OS ist das jüngste Betriebssystem in dieser Runde. Das erste Handy, der Palm Pre, ist erst seit wenigen Wochen in Deutschland zu haben. Doch so ist das nichts – Palm muss sich dringend etwas einfallen lassen und Entwickler dazu animieren, Programme für das konzerneigene Betriebssystem herzustellen. Bis dahin gibt es leider nur ein Minus.

Windows Mobile

Seit Einführung der neuen Windows-Mobile-Version 6.5 gibt es nun auch bei Microsoft einen App Store – und zwar unter dem Namen Marketplace. Der hat grundsätzlich unter dem gleichen Problem zu leiden wie das Pendant von Web OS: Es gibt viel zu wenig Programme. Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass abgesehen von Microsoft-eigenen Erweiterungen und einer Facebook-Applikation alle Einträge im Marketplace kostenpflichtig sind. Und teuer: Für ein simples Vier-Gewinnt-Brettspiel auf dem Touchscreen-Display müssen Nutzer knapp 5 Euro auf den Tisch legen, wer ein Backup-Programm haben möchte, muss gleich 20 Euro zahlen. Bei Palm sind wenigstens fast alle Apps umsonst. Da nützt es auch nichts, dass sich hunderte oder gar tausende von Programmen im Internet tummeln, die sich unabhängig von App Store & Co. installieren lassen. Das war gestern, und somit hagelt es das nächste Minus.

Windows Marketplace
Tote Hose: Im Windows Marketplace gibt es nur wenige Programme, die meisten kosten Geld.

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
App Store          

Datenabgleich

Ein Smartphone lebt von Daten. Von Facebook-Statusupdates, von Terminkalendern, Adressen und ToDos. Entscheidend ist, wie der Abgleich funktioniert – denn niemand will von Hand gleich mehrere Kalender führen.

Android

Ist Google böse? Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Fakt ist: Inzwischen ist ein Google-Account nicht mehr zwingend nötig, wenn man ein Android-Handy nutzen will. Wer aber auf entscheidende Funktionen wie den Android Market nicht verzichten möchte, kommt um ein Konto nicht herum. Wer sich damit anfreunden kann, bekommt sofort Kontakte, Kalendereinträge und E-Mails per Push aufs Handy – vom Google-Account, versteht sich. Man muss also auch seine lokalen Kontkate auf den Servern des Suchgiganten speichern, wenn man den vollen Komfort genießen möchte. Eine Desktop-Synchronisierung gibt es von Haus aus ebensowenig wie Exchange-Unterstützung. Derartige Extras liefern beispielsweise die Sense-Oberfläche von HTC bei den Android-Smartphones Hero und Tattoo, oder Zusatzprogramme, die sich aus dem Marketplace nachinstallieren lassen. Wirklich überzeugend ist das nicht. Besser werden soll der Datenabgleich mit der künftigen Android-Version 2.0 – bis dahin gibt’s ein Minus.

Android WidgetsDie Android-Oberfläche lässt sich mit Widgets frei konfigurieren. Verschiedene Mini-Programme holen Facebook-Statusupdates, Telefonbucheinträge, Twitter-Nachrichten oder Flickr-Fotos auf den Hintergrund.

Mac OS X

Das iPhone synchronisiert mit iTunes. Über diesen Weg finden aber nicht nur Musikdateien, Bilder und Videos ihren Weg auf das Apple-Handy, sondern auch Kalendereinträge, Kontakte und Termine – direkt aus Outlook heraus. Oder, natürlich, aus den entsprechenden Programmen auf dem Mac. Auch direkt „over-the-air“, also über das Handynetz, klappt der Abgleich mit Exchange und anderen E-Mail-Konten. So muss das sein.

Symbian

Beim Datenabgleich lässt sich Symbian leider ebensowenig vergleichen wie beim App Store: Es gibt keine herstellerübergreifende Lösung. Sony Ericsson, Nokia und Samsung kochen jeweils ihr eigenes Süppchen, und je nach Gerät gibt es zusätzlich weitere Synchronisationsmöglichkeiten over-the-air. Dafür vergeben wir weder Plus noch Minus – es kommt schlicht drauf an, welches Gerät man nutzt.

Web OS

Kurz und knapp: Perfekt. Wenn sich Blackberry-Entwickler von Research in Motion ansehen, was Palm hier auf die Beine gestellt hat, bekommen sie sicherlich Albträume. Ab Werk synchronisiert das Gerät Kontakte, Kalender- und Termineinträge mit Exchange, diversen Online-Diensten wie Google oder Facebook und alle, was man sich sonst so vorstellt. Das ganze integriert sich dann auch noch perfekt in eine Oberfläche. Und noch dazu gibt sich ein Palm Pre, wenn man ihn mit einem PC oder Mac verbindet, als iPod aus – und gleicht Multimedia-Inhalte mit iTunes ab. Ob Palm das darf oder Apple das verhindern kann, müssen die Gerichte wohl noch klären. Aber bis dahin kassiert der amerikanische PDA-Pionier ein dickes Plus.

Windows Mobile

Windows Mobile kommt von Microsoft – so wie das Desktop-Betriebssystem Windows 7 oder der Exchange-Server. Dementsprechend unproblematisch klappt auch der Datenabgleich mit Windows-Computern über das Mobile Device Center, das Übertragen von Musik über den Media Player oder das Synchronisieren von Kontakten, Mails per Push und Kalendereinträgen über Exchange. Doch da, wo die Microsoft-Welt endet, stoppt auch der Datenabgleich ruckartig. Wer ein Windows Phone an einen Mac anschließt, kann damit nicht mehr machen als den Akku laden. Wer seine Facebook- oder Google-Kontakte importieren will, braucht Zusatzsoftware – ebenso wie für den Datenabgleich mit OS X. Wer so in seiner eigenen Welt lebt, kann kein Plus bekommen.

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
Datenabgleich          

Multimedia

Die Zeit, zu der Handys nur zum Telefonieren gedacht waren, ist längst vorbei. Heute ersetzen sie die Digicam, den MP3- und Videoplayer oder sogar den Fernseher. Wir werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Multimedia-Ansätze der Smartphonebetriebssysteme.

Android

Die Themen Rund um Multimedia behandeln die Google-Handys bislang eher stiefmütterlich. Es gibt keine Android-Geräte mit hochauflösenden Kameras, keine mit Xenon-Blitz, wir vermissen einen integrierten Musikshop und so weiter. Musik- und Videoplayer sind selbstverständlich mit an Bord, aber das reicht eben noch nicht.

Mac OS X

iPhone und Multimedia? Das klingt, als würde es perfekt zueinander gehören. iTunes-Datenabgleich inklusive Cover-Flow-Ansicht und automatischem Playlist-Generator Genius, Musik-Shop nicht nur per PC sondern direkt auf dem Handy und seit kurzem sogar eine auf dem Handy integrierte Videoschnittsoftware. Bravo, Apple. Aber halt, was ist mit der Kamera? 3,2 Megapixel, keine Foto-LED und erst recht kein Xenon-Blitz? Das kann die Konkurrenz aber besser. Doch unabhängig davon überzeugt die Integration von Videos, Musik und Fotos – und dafür gibt’s ein Plus.

Symbian

Hier schlägt die Domäne der Symbian-Smartphones. Satio und i8910HD prügeln sich um die Kamera-Krone mit hoher Auflösung, es gibt einen echten Xenon-Blitz und hochwertige Musik- und Videoplayer. Letztere sind allerdings wieder abhängig vom Handy-Hersteller – warum werden da wohl so viele Ressourcen verschwendet, die die Entwickler besser bei Oberfläche und App Store investieren sollten? Leider mangelt es ebenfalls an einer herstellerübergreifenden Musikplattform, aber immerhin gibt es von Anbieter zu Anbieter unterschiedliche Lösungsansätze. Unterm Strich überzeugt Symbian in diesem Bereich – dafür gibt’s wieder ein Plus.

Web OS

Der Palm Pre verhält sich am PC wie ein iPod – und synchronisiert sich dementsprechend auch mit iTunes. Songs dürfen allerdings nicht DRM-geschützt sein, sonst verweigern sie die Wiedergabe. An Bord des Handys selbst gibt es zwar einen Player, aber keinen Musikstore – und die Foto- und Videofunktionen sind vergleichsweise rudimentär. In diesem Bereich muss Palm noch nachlegen. Bis dahin gibt es leider nur ein Minus.

Windows Mobile

Windows Mobile und Multimedia? Vor ein paar Jahren war das noch ein Wiederspruch in sich. Inzwischen hat Microsoft einiges getan, etwa den Datenabgleich mit dem Mediaplayer geschaffen. Doch das reicht noch nicht – es gibt keinen Musikshop und keine Videoschnittlösung. Immerhin legen die Hersteller auch bei der Hardware nach: Die Netzbetreiber haben Geräte mit Kameras im Angebot, die mehr als doppelt so viele Pixel wie das iPhone unterscheiden. Aber auch das reicht noch nicht aus im Vergleich zur iTunes-Integration & Co. Mehr als ein Minus ist an dieser Stelle schlicht nicht drin.

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Multimedia          

Nicht dabei

Blackberry

Nicht mit im Vergleich ist das Blackberry-Betriebssystem. Derzeit gibt es nur ein Touchscreen-Gerät des Herstellers, nämlich den Storm, der kurz vor seiner Ablösung durch den Nachfolger steht. Wir sehen uns den Storm 2 an, sobald uns ein Muster vorliegt.

Linux Mobile (LiMo)

Künftig erwarten wir ein starkes Wachstum von Geräten, die mit Linux Mobile (LiMo) ausgeliefert werden – einem Handy-Betriebssystem, das Android ähnelt, aber komplett offen ist. Bislang gibt es noch keine große Auswahl an Geräten. Wir legen nach, sobald LiMo einen interessanten Marktanteil erreicht.

Windows Mobile 6.5 Homescreen
Selten zu sehen: So sieht der Homescreen von Windows Mobile 6.5 aus. Die meisten Handyhersteller ersetzen ihn aber durch eigene Oberflächen.

Fazit

Das perfekte Smartphonebetriebssystem ist… noch nicht entwickelt worden. Die verschieden Systeme haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, auf die die folgende Tabelle noch einmal im Detail eingeht. Unterm Strich fällt auf, dass vor allem die neuen Systeme OS X von Apple und Android von Google in der Praxis punkten können. Web OS von Palm fehlt es noch ein bisschen an Reife – hier ist Potential gegeben, aber es mangelt schlicht an verschiedenen Geräten und Programmen. Vor allem Symbian und Windows Mobile müssen aber dringend Gas geben, wollen sie nicht vollends von der Konkurrenz abgehängt werden. Hier mangelt es vor allem in den Bereichen Oberfläche und Bedienung. Zwei Punkte, die bei coolen, funktionalen Handys besonders wichtig sind.

  Android OS X Symbian Web OS Windows Mobile
Bedienung          
Geräteauswahl          
Oberfläche          
App Store          
Datenabgleich          
Multimedia          

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[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Windows Mobile 6.5: Microsofts neues Handy-Betriebssystem: https://www.cnet.de/41502220/windows-mobile-6-5-microsofts-neues-handy-betriebssystem/?pid=1#sid=41522674

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[6] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

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[8] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

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[11] Palm Pre mit Web-OS: die ersten Screenshots: https://www.cnet.de/39201421/palm-pre-mit-web-os-die-ersten-screenshots/?pid=1#sid=41522674

[12] Handy-Betriebssystem Google Android: Navigation, Internet und Telefonie: https://www.cnet.de/39191525/handy-betriebssystem-google-android-navigation-internet-und-telefonie/?pid=1#sid=41522674

[13] Windows Mobile 6.5: So sieht der Windows Marketplace for Mobile aus: https://www.cnet.de/41515487/windows-mobile-6-5-so-sieht-der-windows-marketplace-for-mobile-aus/?pid=1#sid=41522674

[14] Erster Blick auf Internet Explorer Mobile 6: neues Design, neue Funktionen: https://www.cnet.de/41515431/erster-blick-auf-internet-explorer-mobile-6-neues-design-neue-funktionen/?pid=1#sid=41522674

[15] Android-Screenshots: Was das Google-System auf dem T-Mobile G1 kann: https://www.cnet.de/39196950/android-screenshots-was-das-google-system-auf-dem-t-mobile-g1-kann/?pid=1#sid=41522674