Mobil im Netz: Welcher ist der beste Handy-Browser?

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 17:13 Uhr

Die Zeiten von schwarz-weißen WAP-Seiten auf pixeligen Handydisplays sind schon längst vorbei – und inzwischen auch die Zeiten, zu denen mobiles Surfen eine Qual war. Safari, Opera, Firefox Mobile & Co. stellen Webseiten dar, wie sie aussehen sollten. Zumindest in der Theorie. Wir werfen einen Blick auf den Stand der Dinge.

Mit dem Handy surfen? Man soll sich mit seinem gesamten Körpergewicht auf das zarte Stück Elektronik stellen, am besten noch im Wasser, um sich dann von Wind und Wellen tragen zu lassen? Bei weitem nicht. Früher mochte das Abrufen von Informationen mit Mobiltelefonen vielleicht noch diesem akrobatischen Akt entsprochen haben, aber inzwischen ist es mehr Spaß als Qual. Oder hilfreich, wenn es um das Abrufen von Fahrplänen, Verspätungsinformationen oder E-Mails geht.

Neben dem Handy beziehungsweise Smartphone [1] selbst ist ein Stück Software entscheidend, ob der Ausflug ins Netz Lust auf mehr macht. Ist der Browser anständig programmiert und an die Gegebenheiten des Mobiltelefons in puncto Display und Bedienung angepasst, reichen selbst die kleinen Anzeigen aus, um „große Seiten“ anständig dazustellen. Frustrierend hingegen ist es, wenn der mitgelieferte Browser nicht überzeugt. Oder nicht ausreichend. Immerhin haben Nutzer von Geräten mit manchen Betriebssystemen, darunter Symbian S60 oder Windows Mobile, die Möglichkeit, sich alternative Programme zur Anzeige von Webseiten zu installieren.

Das Testfeld

Wir haben uns die drei wichtigsten Alternativ-Browser geschnappt und gegen drei verbreitete Ab-Werk-Programme antreten lassen. Außerdem im haben wir uns Opera Mini angesehen, der auf allen Handys mit Java-Unterstützung läuft, sowie den Standard-Browser von Symbian. Im Vergleich zu den deutlich professionelleren Alternativen der „großen“ Smartphones sind aber so simpel und eingeschränkt, dass wir uns die ausführlichen Tests direkt gespart haben.

Die Herausforderer

Skyfire, erhältlich für Windows Mobile, Symbian S60
Opera Mobile, erhältlich für Windows Mobile, Symbian S60, Android [2] ist angekündigt
Fennec, erhältlich für Windosw Mobile, Maemo

Die Mitgelieferten

Safari, vorinstalliert auf dem iPhone
Internet Explorer, vorinstalliert auf Windows Mobile
BlackBerry Browser, vorinstalliert auf BlackBerry-Smartphones

Wie bei Tests von Browser-Programmen auf Desktop-Computern setzen wir auf Benchmarks, um die Leistung zu ermitteln. Bestandteil sind Acid3, der auf Kompatibilität zum Standard prüft, sowie SunSpider JavaScript Benchmark, der die Javascript-Fähigkeiten der jeweiligen Software ermittelt.

Außerdem haben wir die Geschwindigkeit und die Bedienbarkeit ermittelt – letzteres natürlich subjektiv. Wir haben zum Test ein Toshiba TG01 [3] mit 1-GHz-Snapdragon-Prozessor und Windows Mobile eingesetzt, darüber hinaus ein iPhone 3GS [4] und einen Blackberry Curve 8900 [5]. Vor jedem Test haben wir alle laufenden Programme und alle Verbindungen – inklusive Handynetz, Bluetooth und UMTS – abgeschaltet und zur besseren Vergleichbarkeit über unser eigenes WLAN-Netz gemessen.

Skyfire

Betriebssystem: Windows Mobile, Symbian S60
Getestete Version: 1.1.0.1305 unter Windows Mobile
Javascript Benchmark:14.659 ms
Acid3: 52/100
Download: m.skyfire.com [6]


Skyfire nutzt eigene Server, um die Webseiten zu berechnen und an die Größe der Handydisplays anzupassen, und überträgt die Informationen danach aufbereitet und optimiert auf das Handy. Das funktioniert dementsprechend flott. Leider hat das Programm im Kompatibilitätstest Acid3 nicht sonderlich gut abgeschnitten, überzeugt ansonsten aber sehr: Es ist einer der wenigen Browser, die auch komplizierte und aufwändige Webseiten auf dem Mobiltelefon so darstellen, wie sie auf dem Desktop-PC aussehen.

In unseren Tests sehen die abgerufenen Seiten gut, aber stark komprimiert aus. Sowohl Text als auch Bilder wirken wie zu stark verkleinerte JPEG-Bilddateien mit Schatten und Artefakten. Dementsprechend schwer ist der Text auch zu lesen. Dafür funktioniert sogar die Wiedergabe von Flash-Objekten und -Filmen. Beim Flash-Test gibt sich sich Skyfire als Flash-Player 10.0.12.36 für Windows Server aus. Leider wirken auch Videos etwas zu stark verkleinert, Vollbild ist nicht möglich, und die Synchronität zwischen Bild und Ton ist häufig nicht gegeben.

Außerdem sieht das Programm selbst auf unserem TG01 von Toshiba nicht sonderlich attraktiv aus. Knöpfe und Symbole wirken grau und ebenfalls zu stark komprimiert – und eben einfach nicht so sexy wie wir es von iPhone & Co. gewohnt sind. Dafür ist der Nutzwert aber wirklich hervorragend. Symbole sind beim Surfen nicht im Weg, und die Adressleiste verschwindet auf Wunsch aus dem Blickfeld, um bei Bedarf sofort wieder aufzutauchen.

Opera Mobile

Betriebssystem: Windows Mobile, Symbian S60
Getestete Version: 9.7 beta
Javascript Benchmark:40.249 ms
Acid3: 100/100 (Wow!)
Download: opera.com/mobile/download [7]


Der Opera Mobile schlägt sich hervorragend, wenn es darum geht, komplexe Webseiten wie die von CNET schnell aufzubauen – und so darzustellen, wie sie aussehen sollten. Allerdings gibt es keine Unterstützung von Flash. Videos, Banner, Clips und Animationen fehlen also.

An der Oberfläche gibt es nichts auszusetzen. Sie ist klar strukturiert und logisch aufgebaut. Besonders gut klappt auch das Öffnen mehrerer Webseiten zugleich, das Wechseln zwischen den Fenstern geschieht flott und einfach. Opera nennt diese Funktion Tabs, obwohl während des Surfens keine Tabs im eigentlichen Sinne zu sehen waren. Stattdessen zeigt ein Icon in der Menüleiste, wie viele Fenster derzeit geöffnet sind.

Integriert ist eine Google [8]-Suche zusätzlich zur Adressbar. So ist es selbst auf den kleinen Handy-Displays problemlos möglich, je nach Anforderung eine URL einzutippen oder direkt eine Google-Suche zu starten.

Unterm Strich ist der mobile Opera-Browser ein gutes, solides und kräftiges Arbeitstier, das wir ohne schlechtes Gewissen empfehlen können. Das unterstreicht auch die maximale Punktzahl im Acid3-Test: Webseiten stellt die Software genau so dar, wie sie aussehen sollten. Lediglich die Flash-Unterstützung vermissen wir.

Fennec (Firefox Mobile)

Betriebssystem: Windows Mobile (alpha), Maemo (beta)
Getestete Version: 1.0a3 unter Windows Mobile
Javascript Benchmark:11.391 ms
Acid3: 93/100
Download: wiki.mozilla.org/Fennec [9] unter Test Builds


Leider haben wir kein Nokia N900 im Büro. So bleibt uns ein Blick auf die aktuellere Maemo-Version des Firefox-Mobile-Browsers verwehrt. Stattdessen greifen wir auf die frühere Alpha-Version für Windows Mobile zurück. Aber auch in dieser Phase kann das Mozilla [10]-Projekt schon überzeugen und zeigt sein gigantisches Potential.

Allein die Oberfläche ist schon genial. Auf der einen Seite des Displays ist das Menü in Slider-Form untergebracht, auf der anderen Seite finden sich Vorschau-Bildchen aller geöffneten Webseiten. Vor allem im Querformat funktioniert das wirklich hervorragend.

Insbesondere beim Laden und Berechnen von komplexen Webseiten überzeugt Fennec. Er ist der schnellste Browser im Vergleich. Allerdings gibt es bislang kein Flash, und wir haben kein Problem, diese frühe Version der Software zum Absturz zu bringen – aber deswegen ist sie ja auch noch im Alpha-Stadium. Unabhängig davon würden wir jetzt schon den einen oder anderen Crash in Kauf nehmen, wenn wir dafür mit dem hervorragenden User-Interface und der schier unglaublichen Geschwindigkeit belohnt werden.

Safari

Betriebssystem: iPhone OS
Getestete Version: OS Version 3.1.2
Javascript Benchmark:15.499 ms
Acid3: 100/100


Nach den Tests der verschiedenen Handybrowser gefällt uns der Safari des iPhones immer besser – obwohl er auch einige Schwächen hat. So fehlt ihm beispielsweise die Flash-Unterstützung, und beim Tabbed Browsing lädt er gleichzeitig geöffnete Webseiten nicht simultan, sondern nacheinander. Aber dafür ist die Oberfläche einfach zu benutzen, flott und attraktiv. Dazu trägt zwar sicherlich auch der kapazitive Touchscreen des iPhones bei, dem die resistive Anzeige des TG01 nicht viel entgegenzusetzen hat. Unabhängig davon ist der Safari auf dem iPhone schnell und berechnet Webseiten so, wie sie aussehen sollten.

Es gibt im App Store zwar diverse alternative Surfprogramme, aber unter der Haube greifen sie allesamt auf den Safari zu. Dementsprechend gibt es Unterschiede hauptsächlich in puncto Bedienung, Optik sowie Voreinstellungen zu Privatsphäre und ähnlichem.

Internet Explorer

Betriebssystem: Windows Mobile
Getestete Version: 7
Javascript Benchmark:74.537 ms
Acid3: 5/100


Die neueste Version des Internet Explorers für Windows Mobile 6.5 ist eine gigantische Weiterentwicklung im Vergleich zu seinen Vorgängern, aber er ist immer noch zu nah an seinem Desktop-Bruder. Zwar sind die Menüs, Tasten und Icons schon deutlich größer und fingerfreundlicher, der Nutzer muss sich aber immer noch durch ein Labyrinth aus Menüs und Unterpunkten quälen, um sein Ziel zu erreichen.

Traditionell ist auch die neueste Version des Mobilbrowsers von Microsoft [11] lahm – in diesem Vergelich sogar der langsamste. Dafür kommt die Software am besten mit Flash zurecht. Alle Elemente im Test sind aufgetaucht, und sogar die Wiedergabe von Videos klappt problemlos. Ein Doppeltipp ins Bild öffnet sie im Fullscreen-Modus. Doch das scheint mehr Ressourcen zu verbrauchen, als sie selbst das Toshiba TG01 mit seinem Snapdragon-Prozessor zu bieten hat: Ton und Bild geraten gelegentlich asynchron. Aber wenn es um die Wiedergabe von Flash-Inhalten geht, bleibt der IE unser Favorit.

BlackBerry Browser

Betriebssystem: BlackBerry OS
Getestete Version: OS Version 4.6.1.199
Javascript Benchmark: ist abgebrochen
Acid3: 13/100


BlackBerrys sind bekannt für ihre Stärken, wenn es um E-Mails und Messaging geht. Der Browser hingegen kann nicht so überzeugen – zumindest, wenn es darum geht, das Surf-Erlebnis des PCs auf das Smartphone zu holen. Da überzeugt er schon eher als Handybrowser, um mobile Webseiten darzustellen. Das kann er ganz gut, während er weder mit Flash noch mit Tabbed Browsing zurechtkommt.

Zur Bedienung steht der Trackball zur Verfügung, mit dem wir einen kleinen Mauszeiger über die Webseiten steuern. Das funktioniert gut und ist erstklassig zu kontrollieren – aber das reicht leider nicht. Denn die Darstellung ist schlicht zu klein, um ohne zu Zoomen einen Link zu erwischen. Außerdem ist das BlackBerry-Programm unsagbar langsam, wenn es darum geht, komplexere Webseiten darzustellen. Die Smartphones des Herstellers Research in Motion haben viele Stärken und tolle Funktionen – aber Surfen gehört nicht dazu.

Fazit

Nach all den Tests verschaffen wir uns mit einer Tabelle eine Übersicht.

Mobilbrowser im Vergleich

Browser Kompatibilität JavaScript Geschwindigkeit Eignung
Skyfire 52/100 14659,0 ms hervorragend Flash-Webseiten und flotte Darstellung
Opera Mobile 100/100 40249,2 ms gut einfache Bedienung, Tabbed Browsing
Fennec 93/100 11391,2 ms hervorragend flott, attraktive Oberfläche, Tabbed Browsing
Safari 100/100 15499,2 ms hervorragend leicht zu bedienen, gute Darstellung
Internet Explorer 5/100 74537,6 ms mäßig Flash-Webseiten
BlackBerry 13/100 abgebrochen schwach ist auf BlackBerrys installiert

Nahezu alle Programme haben ihre Stärken und Schwächen. Einen echten Favoriten, quasi den Alleskönner unter den Smartphone-Browsern, gibt es nicht. Zumindest noch nicht, denn der Firefox Mobile (Fennec) hinterlässt einen sehr guten Eindruck und hat viel Potential. Ihm fehlt es vor allem noch an Stabilität und an der Unterstützung von Flash.

Doch selbst der perfekte Browser nützt nichts, wenn man nicht die Wahl hat. Je nach Smartphone, dessen Hersteller und Betriebssystem stehen unterschiedliche Programme zur Auswahl, unter denen sich der Nutzer das richtige Tool für den konkreten Einsatzzweck aussuchen kann.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41523443/mobil-im-netz-welcher-ist-der-beste-handy-browser/

URLs in this post:

[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Toshiba TG01: https://www.cnet.de/tests/handy/41005210/feedback/toshiba+tg01+schneller+prozessor_+tolles+display_+windows+mobile.htm

[4] iPhone 3GS: https://www.cnet.de/tests/handy/41005474/testbericht/neues+iphone+3g+s+im+test+schneller_+besser_+cooler.htm

[5] Blackberry Curve 8900: https://www.cnet.de/tests/handy/41515248/trackback/multimedia+statt+nur+e_mail+blackberry+curve+8900+im+test.htm

[6] m.skyfire.com: http://m.skyfire.com

[7] opera.com/mobile/download: http://opera.com/mobile/download

[8] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[9] wiki.mozilla.org/Fennec: https://wiki.mozilla.org/Fennec#Testing_Fennec

[10] Mozilla: http://www.cnet.de/unternehmen/mozilla/

[11] Microsoft: http://www.cnet.de/unternehmen/microsoft/