Sennheiser HD 800: bombastischer Highend-Kopfhörer für 1000 Euro

von Stefan Möllenhoff und Steve Guttenberg am , 15:17 Uhr

Pro
  • fantastische Verarbeitung
  • extrem präziser Klang
  • superbequemer Sitz
  • absteckbares Kabel
Con
  • kein 3,5-Millimeter-Adapter im Lieferumfang
  • sehr teuer
Hersteller: Sennheiser Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,3 von 10 Punkte
Fazit:

Der überragende Sennheiser HD 800 kommt in puncto Hörerlebnis näher an ausgewachsene Highend-Lautsprecher heran als jeder andere Kopfhörer, den wir bislang getestet haben.

Im oberen Bereich der Produktpalette gibt es bei Sennheiser nur selten Neuerungen. Das vormalige Flaggschiff HD 650 kam bereits 2003 in den Handel und bleibt weiterhin auf dem Markt. Sogar der Urahn aus dem letzten Jahrtausend namens HD 600 ist weiterhin erhältlich und erfreut sich großer Beliebtheit. Mit dem neuen HD 800 macht Sennheiser allerdings einen großen Schritt nach vorne, sowohl was Design und Klang als auch Preis angeht. Wir haben die Highend-Klangschalen getestet.

Bereits das Auspacken des HD 800 verwandelt Sennheiser in einen magischen Moment. Wie eine sündhaft teure Rolex, wie ein diamantenbesetztes Collier liegt der in Deutschland handgefertigte, silber-schwarze Kopfhörer in einem Bett aus fein glänzendem Samt. So überwältigend der Anblick auch ist, häufig bekommen wir ihn nicht zu Gesicht – denn sobald wir uns mit dem HD 800 in einem Raum befinden, sitzt er auf unserem Kopf.

Design und Ausstattung

Mit seiner futuristischen und bulligen Optik distanziert sich der HD 800 von sämtlicher Konkurrenz. Allerdings geht es dabei nicht nur ums Aussehen: Nur durch die massige Konstruktion ist es möglich, die Treiber weiter vom Ohr weg und zudem ein Stück nach vorne zu positionieren. Die Verarbeitung der Hörmuscheln, des Bügels und der Polsterung strahlt puren Luxus aus. Die Kopfhörer verteilen das Gewicht von 330 Gramm ideal auf dem Schädel. Auch der Andruck um die Ohren herum fühlt sich genau richtig an: federleicht und mit einem vertrauenserweckenden Nachdruck zugleich. Der Sennheiser ist extrem bequem.

Die donutförmigen Wandler messen 5,6 Zentimeter im Durchmesser – laut Sennheiser handelt es sich dabei um die größten, die jemals in einem Kopfhörer verbaut wurden. Interessanterweise vibrieren bei den Membranen nicht die ovalen Innenflächen, sondern der äußere Ring. Damit reduziert der Hersteller die Verzerrungen, die großflächige Membranen für gewöhnlich mitbringen, auf ein Minimum.


Perfekter Sitz: Kaum ein Kopfhörer, den wir bislang im Test hatten, stört auch nach stundenlangem Musikgenuss so wenig auf dem Schädel wie der HD 800.

Auch bei der Aufhängung der beiden Ohrmuscheln ist alles auf perfekten Klang ausgerichtet. Laut Sennheiser wurden alle Materialien auf akustische Verträglichkeit getestet. Gleiches gilt für die Treiber selbst: Der Hersteller vermisst sie vor Auslieferung. Wer also einmal in die Situation kommen sollte, eine der Ohrmuscheln tauschen zu lassen, erhält einen absolut exakten Austausch.

Das drei Meter lange, textilummantelte Y-Kabel verbindet den HD 800 mittels silberbeschichtetem, sauerstoffreiem Kupfer mit der Klangquelle. Für eine höhere Widerstandsfähigkeit sorgt außerdem eine Kevlarverstärkung. Die Strippe lässt sich außerdem am Kopfhörer selbst abstecken. Auch der hervorragend verarbeitete 6,3-Millimeter-Klinkenstecker passt zur soliden Fertigungsqualität. Wer den Sennheiser-Kopfhörer mit einer Audioquelle verbinden möchte, die eine 3,5-Millimeter-Buchse bietet, braucht einen zusätzlichen Adapter.

Leistung

Einen großartigen Kopfhörer zeichnen nicht nur mehr Bass, mehr Auflösung oder dergleichen aus. Es geht auch um Balance und Stimmigkeit. Und genau hier setzt sich der HD 800 von der Konkurrenz ab. In dem Moment, in dem wir auf Play drücken, verschwindet der Kopfhörer mehr als alle anderen dynamischen Modelle klanglich von unserem Schädel. Der Sennheiser stellt eine direkte Verbindung zur Musik her – stärker könnten wir uns nur mit einem direkten Anschluss im Rückenmark à la Matrix mit Pink Floyd & Co. verbunden fühlen.

Beim Hören fühlt es sich mehr an, als ständen eine ganze Sammlung von Highend-Lautsprechern um uns herum, als bei allen anderen Kopfhörern die wir seit dem längst vergangenen und extrem teuren AKG K1000 erlebt haben.

Die offene Bauweise verleiht dem Klang des HD 800 im Vergleich zu anderen Kopfhörern mehr Tiefe und mehr Raum. Abhängig von der Aufnahme könnte der Sound so manchem Audiophilen zu distanziert wirken. Wir lieben die Kulisse allerdings – sehr sogar.

Filme profitieren enorm von den räumlichen Fähigkeiten des Kopfhörers. Bei Stand der Dinge [1] versetzt uns der HD 800 direkt in die Redaktion – klingelnde Telefone, ratternde Tastaturen und diskutierende Journalisten inklusive. Auch hier rücken die Klangschalen schnell in den Hintergrund, und wir verlieren uns im Film. Dialoge kommen beim Sennheiser so klar und natürlich herüber wie bei keinem anderen dynamischen Kopfhörer, den wir jemals im Test hatten.


Die riesigen Klangschalen beherbergen die 56 Millimeter großen Treiber.

Auch bei knallharter Action macht der HD 800 eine sehr gute Figur. Allerdings vermissen wir den erschütternden Bass, den etwa die Grado PS1000 bieten, ein wenig. In der King-Kong-Szene mit den wildgewordenen Sauriern spüren wir mit dem PS1000 jeden Schritt der Urzeitgiganten in der Magengegend. Der HD 800 hält sich hier etwas zurück.

Für die Hollywood-Streifen haben wir die Kopfhörer mit einem Receiever vom Typ Onkyo TX-SR805 befeuert. Bei Musik greifen wir zum Kopfhörerverstärker Woo Audio WA6 Special Edition, der den Klang noch einmal ein ganzes Stück nach oben treibt. Insbesondere bei der Dynamik und den feinen Details spüren wir einen deutlichen Schritt nach vorne.

Im direkten Vergleich mit dem Grado PS1000 und dem Ultrasone Edition 8 klingt der HD 800 bei Musik extrem klar und etwas entspannter. Die Konkurrenten von Grado und Ultrasone bieten grellere Höhen und aggressivere Bässe. Allerdings fällt es uns mit dem Sennheiser leichter, den Gitarrenriffs des Sticky-Fingers-Albums von den Rolling‘ Stones zu folgen.

Von dem erwähnten Trio ist der HD 800 das präziseste Modell. Wer seinen Fokus darauf legt, kommt um den Sennheiser derzeit nicht herum. Wer dagegen auf etwas spektakuläreren Klang steht, sollte zum PS1000 greifen.

Zu guter Letzt probieren wir den HD 800 noch am iPod aus. Der Klang ist in jeder Hinsicht spektakulär, außer in einer: Die maximale Lautstärke ist eingeschränkt. Wer seine Musik am liebsten in tinnitusverdächtigen Sphären genießt, sollte zu einem anderen Modell greifen.

Fazit

Der HD 800 hat sich den Namen Referenz-Kopfhörer redlich verdient. Wer auf der Suche nach luxeriösen Highend-Klangschalen und rund 1000 Euro auszugeben bereit ist, sollte Sennheisers neuesten Streich definitiv auf seine Liste schreiben – wenn nicht gar an erste Stelle.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41523733/sennheiser-hd-800-bombastischer-highend-kopfhoerer-fuer-1000-euro/

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[1] Stand der Dinge: http://www.imdb.de/title/tt0473705/