Grado PS1000: spektakulärer Highend-Kopfhörer im Test

von Stefan Möllenhoff und Steve Guttenberg am , 18:17 Uhr

Pro
  • großartige Verarbeitungsqualität
  • mitgelieferter 3,5-Millimeter-Adapter
  • fantastischer Klang sowohl am MP3-Player als auch am Verstärker
Con
  • extrem teuer
  • kein Transportbehälter im Lieferumfang
Hersteller: Grado Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Auch wenn er so viel kostet, wie ein großer Plasma-Fernseher, lohnt sich die Investition: Der PS1000 ist der beste Grado-Kopfhörer, den wir jemals getestet haben. Nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in der Liga der außergewöhnlichen Kopfhörer spielt er ganz weit oben mit.

Mit weit jenseits der 1000-Euro-Schallmauer liegenden Anschaffungskosten stellt der PS1000 das Flaggschiff von Grados Professional Series dar. Damit spielt der Kopfhörer in einer Liga mit dem erst kürzlich von uns getesteten Sennheiser HD 800 und dem Edition 8 von Ultrasone. Wie sich der PS1000 gegen die hochkarätige Konkurrenz schlägt, verrät dieser Testbericht.

Grado ist einer der ältesten amerikanischen Hifi-Hersteller. In den 50er Jahren machte sich der Hersteller mit Plattenspielern, Tonabnehmern und Lautsprechern einen Namen. Während der Konzern immer noch in diesen Bereichen aktiv ist, kennt man ihn heutzutage am ehesten für seine Kopfhörer. Vom 60 Euro teuren iGrado bis hin zum gut 1400 Euro teuren PS1000 ist alles geboten.

Design und Ausstattung

Sämtliche High-End-Kopfhörer aus dem Hause Grado bringen entweder aus Holz oder aus Metall gefertigte Ohrhörer mit. Der PS1000 setzt hier eine Kombination aus Hold und Metall. Die Treiber sind an einer Mahagoniaufhängung und diese Wiederrum an einem Metallaufnahme befestigt. Diese Kombination der beiden Materialien ist ungewöhnlich, scheint aber – verglichen mit früheren Grado-Modellen – für einen besseren Klang zu sorgen. Die Kopfhörer fühlen sich bemerkenswert solide an.

Die Treiber selbst unterscheiden sich optisch nicht sonderlich von denen früherer Grado-Beschaller. Laut Hersteller wurden sie allerdings vollständig neu konzipiert. Bedingt durch die offene Konstruktion nimmt der Zuhörer seine Umgebung jederzeit klar und deutlich wahr. Nachdem die Klangschalen primär für den Hausgebrauch entwickelt sind, ist das nicht negativ zu bewerten.


Die Ohrpolster des PS1000 lassen sich einfach und umkompliziert wechseln.

Der lederbeschichte Kopfbügel rundet die Optik ab. Obwohl der PS1000 vergleichsweise schwer ist, bekommen wir höchstens angesichts des Preisschilds Kopfschmerzen. Die Ohrpolster bestehen aus Schaumstoff und lassen sich einfach austauschen. Bei diesem Modell handelt es sich um die bequemsten Grado-Kopfhörer, denen wir jemals begegnet sind.

Das 1,5 Meter lange Kabel ist etwas dicker und flexibler als das der PS1000-Vorgänger. Von der Y-Strippe führt auf der einen Seite zu jedem Treiber ein separates Kabel, auf der anderen Seite sitzt ein goldbeschichteter 6,3-Millimeter-Stecker. Im Lieferumfang befinden sich außerdem ein 4,5 Meter langes Verlängerungskabel sowie ein 3,5-Millimeter-Adapter. Das 6,3-auf-3,5-Millimeter-Passstück ist zwar etwas sperrig, erfüllt seinen Zweck allerdings ausgezeichnet, wenn wir den Grado beispielsweise mit dem iPod verbinden.

Leistung

Alle Grado-Kopfhörer zeichnet ein besonderer Sound aus. Sie klingen aufregend und extrem dynamisch – wie ein Grado eben. Der PS1000 bringt diese Qualitäten ebenfalls mit, wirkt allerdings feiner, stimmiger und anspruchsvoller designt.

Nachdem der PS1000 in Brooklyn gefertigt wird, beginnen wir unseren Testlauf mit einer Band aus dem New Yorker Stadtbezirk: Oakley Hall. Das Album I’ll Follow You klingt großartig und ist von einem vollen, dynamischen Schwung erfüllt, den man bei zeitgenössischer Rockmusik selten hört. Die Stimmen von Patrick Sullivan und Rachel Cox schallen klar und natürlich in unseren Gehörgang.

Der etwa 800 Euro teure RS-1i hat bei uns eine lange Tradition als Referenzmodell – wir fühlen uns bei dem Kopfhörer wie zu Hause. Zwischen dem RS-1i und dem PS1000 liegen Welten. Sicherlich, die älteren Klangschalen liefern immer noch einen großartigen Sound, der sich allerdings mehr im Kopf als drumherum abspielt. Der PS1000 bietet ein deutlich erweitertes Stereo-Klangfeld und fühlt sich ein ganzes Stück offener an. Zudem liefert das 1400-Euro-Modell einen um ganze Ligen eindrucksvolleren Bass, der auch in puncto Qualität, Tiefe und Feinheit neue Maßstäbe setzt. Bei akustischem Jazz treten die Bassinstrumente beispielsweise deutlich stärker ans Licht.

Die Höhen begeistern ebenfalls: Sie wirken gut aufgelöst und klar. Insbesondere beim Becken des Schlagzeugs fällt die verstärkte Präsenz auf. Allerdings machen nicht die Besonderheiten der einzelnen Frequenzbereiche, sondern die Gesamtheit des Klangs den großen Schritt aus, den Grado mit dem PS1000 nach vorne macht.

Auch DVDs und Blu-rays klingen mit dem Kopfhörer fantastisch. Wir hören den PS1000 am Onkyo-Receiver TX-SR805. Die Trommelszene [1] aus House of Flying Daggers macht einen gigantischen Eindruck. Jeder einzelne Trommelschlag ist extrem präzise definiert. Hier hängt der Grado-Kopfhörer Sennheisers Flaggschiff HD 800 eindeutig ab. Um mit Lautsprechern eine derartige Qualität zu erreichen, muss mindestens fünfmal so viel Geld den Besitzer wechseln wie für den PS1000.


Der Grado PS1000 beeindruckt durch seine bombastische Dynamik.

CDs und SACDs hören wir am Kopfhörerverstärker WA6 Special Edition von Woo Audio Probe. Eine gut aufgenommene SACD wie Synphonic Dances, bei der Keith Lockhart das Utah Symphony Orchestra leitet, zeigt das Potenzial des PS1000. Das riesige Orchester füllt bei intensiven Passagen unser Hörzentrum bis zum Anschlag, während wir bei ruhigeren Sequenzen spüren können, wie sich die Abravanel Hall in Salt Lake City selbst mit dem Klang erfüllt. Die Streichinstrumente bieten die perfekte Kombination aus warm und klar. Beginnt das Orchester mit West Side Story, beweist der PS1000, dass er in puncto Dynamik derzeit absolute Spitze ist.

Dieselbe Aufnahme klingt mit dem Edition 8 von Ultrasone deutlich anders. Die geschlossenen Kopfhörer liefern ein weniger ausgeprägtes Stereoklangfeld, bieten dafür kräftigere und tiefere Bässe. Diese Kopfhörer kommen vom Trio Edition 8, HD 800 und PS1000 in puncto Klang am ehesten an vollwertige Lautsprechertürme heran. Bei West Side Story sorgen sie für einen durchschlagenderen Eindruck als die beiden anderen Konkurrenten. Im Vergleich zum HD 800 liefert der PS1000 einen etwas tieferen Bass, aber eine deutlich stärkere Präsenz. Der Sennheiser-Kopfhörer bietet allerdings einen noch stärkeren Raumklang als der Grado.

Zu guter Letzt verbinden wir den PS1000 mit einem iPod und hören verlustfrei abgespeicherte Songs. Wir haben Musik selten in einer derartigen Qualität von einem Apple [2]-Player genossen.

Fazit

Der PS1000 ist vielleicht nicht in jedem Punkt der beste Kopfhörer, dennoch handelt es sich bei den Klangschalen um das beste Modell, das jemals Grados Werk verlassen hat. Sennheisers HD 800 [3] beispielsweise ist bequemer und liefert einen präziseren, wenn auch etwas weniger spektakulären Klang.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524072/grado-ps1000-spektakulaerer-highend-kopfhoerer-im-test/

URLs in this post:

[1] Trommelszene: http://www.youtube.com/watch?v=2NVpK8Vh_h8

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] Sennheisers HD 800: https://www.cnet.de/tests/mp3/41523733/testbericht/sennheiser+hd+800+bombastischer+highend_kopfhoerer+fuer+1000+euro.htm