Logitech Harmony 700: gute, aber zu teure Fernbedienung

von Alex Kidman und Pascal Poschenrieder am , 17:02 Uhr

Pro
  • kennt selbst seltene Hardware
  • einfaches, webbasiertes Setup
  • robuste Tasten
  • arbeitet zuverlässig
Con
  • kontrolliert nur sechs Geräte auf einmal
  • hakeliges Anlernen neuer Fernbedienungen
  • kein Lade-Dock
  • bessere Harmony-Fernbedienungen kosten gleich viel
Hersteller: Logitech Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,2 von 10 Punkte
Fazit:

Die Harmony 700 von Logitech ist eine gute Universalfernbedienung. Sie ist robust, zuverlässig und einfach zu konfigurieren. Allerdings bieten ältere Modelle des Herstellers für das gleiche Geld deutlich mehr Funktionen.

Mit der Harmony 700 hat Logitech seine neueste Universalfernbedienung vorgestellt. Sie kommt mit Farbdisplay und soll bis zu 250.000 Geräte unterstützen. Wir haben das neue Modell mit diversen Fernsehern, Blu-ray-Playern und anderen AV-Komponenten ausprobiert.

Wer mehr AV-Komponenten als nur einen Fernseher im Wohnzimmer stehen hat, wird sich sicher auch schon einmal über die vielen notwendigen Fernbedienungen geärgert haben. Entweder versteckt sich genau die gerade benötigte Zappe in der Couchritze, oder die Batterie ist mal wieder leer. Die Lösung sollen Universalfernbedienungen darstellen – wie die Modelle aus Logitechs Harmony-Baureihe. Wir haben uns die neuste Harmony namens 700 genauer angesehen.

Design

Normalerweise sind wir keine Fans von überladenen Fernbedienungen. Viele Knöpfe erschweren die Bedienung. Bis dann der Richtige gefunden ist, vergeht schlichtweg zu viel Zeit. Noch dazu ist es oft so, dass viele der Tasten bei den meisten Anwendern nie zum Einsatz kommen – und somit schlichtweg nutzlos und verwirrend sind. Natürlich ist die Universalfernbedienung Logitech Harmony 700 auch von diesem Problem betroffen. Allerdings sehen wir in diesem Fall darüber hinweg. Schließlich steuert sie nicht nur ein Gerät, sondern viele. So vergeht zwar vielleicht etwas Zeit, bis die richtige Taste gefunden ist, dafür entfällt die Suche nach der richtigen Fernbedienung.

Rein optisch ähnelt das neuste Modell Harmony 700 der bereits von uns getesteten Harmony One [1]. Oben an der Vorderseite sitzt ein 1 Zoll großes LC-Display. Allerdings handelt es sich im Gegensatz zur One nicht um einen Touchscreen. Über dem Bildschirm finden sich dedizierte Knöpfe für TV, Movie und Musik. Außerdem gibt es eine Taste namens More Activities, die wie der Activities-Knopf auf älteren Harmony-Modellen eine Liste mit Favoriten anzeigt.

Ausstattung

Logitechs normale Harmony-Fernbedienungen haben bei CNET immer recht gut abgeschnitten. Für die Touchscreen-Modelle [2] wie die Harmony 1100i gilt das nicht ganz, da sie einfach viel zu teuer sind und ihre Vorteile so etwas fragwürdig wirken. Bei der Harmony 700 kommt das gleiche webbasierte Konfigurationssystem zum Einsatz, das der Hersteller bei all seinen Universalfernbedienungen nutzt. Laut Logitech kennt die Datenbank der Lösung die Infrarot-Codes für rund 225.000 Geräte [3]. Zudem ist es möglich, unbekannte Modelle mittels deren Originalfernbedienung anzulernen.

Die Software der Harmony 700 mag zwar gleich sein, allerdings kommt uns das neue Modell etwas wie eine abgespeckte Version älterer Harmony-Fernbedienungen vor. Es ist lediglich in der Lage, sechs Geräte gleichzeitig zu bedienen. Bei der One oder der 785 waren es satte 15. Natürlich hat nicht jeder mehr als sechs AV-Geräte zu Hause. Dennoch stört uns diese Begrenzung. Sie wird besonders Käufer an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen, die sich die Harmony 700 kaufen und dann ein siebtes AV-Gerät wie einen Blu-ray-Player anschaffen. In so einem Fall liegen schließlich doch wieder mehrere Fernbedienungen auf dem Sofa und in dessen Ritzen.

Im Gegensatz zu anderen von uns getesteten Harmony-Baureihen integriert Logitech in die 700 wiederaufladbare AA-Batterien anstatt eines Lithium-Ionen-Akkus. Das hat den Vorteil, dass sich die Stromspeicher durch gewöhnliche Batterien ersetzen lassen, wenn sie einmal zu einem unpassenden Zeitpunkt leer sind. Allerdings müssen Käufer der Harmony die mitgelieferten Akkus dafür via Micro-USB-Kabel aufladen, anstatt einfach die Fernbedienung ins Dock zu stellen.

Leistung

Die Konfiguration der Harmony 700 funktioniert recht einfach. Der Prozess gleicht der anderer Modelle des Herstellers. Als erstes installieren Käufer die Harmony-Software auf ihrem PC oder Mac und richten einen Logitech-Account für ihre Fernbedienung ein. Leider ist es immer noch nicht möglich, mehrere Universalfernbedienungen ein und dem selben Account hinzuzufügen und die Informationen zu vorhandenen AV-Geräten zwischen ihnen zu tauschen.

Nach dem Setup testen wir, wie aktuell die Gerätedatenbank der Harmony ist. Das einzige Modell, das sie nicht kennt, ist Toshibas Fernseher 22DV615DG. Das ist die ideale Gelegenheit, das Anlernen von Codes auszuprobieren. Dieser Prozess kostet uns fast den letzten Nerv. Wir haben ja schon viele Harmony-Modelle angelernt, aber so penibel wie die 700 war bis jetzt keines. Erst nachdem wir die Fernbedienung mit der Oberseite nach unten halten, funktioniert die Erkennung der IR-Codes richtig. Vermutlich ist der IR-Sensor also etwas zu weit nach unten gerichtet.

Die Harmony 700 zeigt lediglich zwei Aktivitäten gleichzeitig an. Allerdings erlaubt es die Fernbedienung, vom Hauptbildschirm zu einem anderen zu wechseln. Es kostet uns jedoch einige Zeit, bis wir verstehen, welcher Knopf zu einer Aktivität wechselt, und welcher sie startet. Schließlich begreifen wir das Prinzip aber: Die seitlich vom Display angebrachten Tasten starten Aktivitäten, die unter dem Screen dienen dem Wechsel.


Die Tasten der Logitech Harmony 700 sind aus Gummi und deutlich weicher als die Plasik-Knöpfe älterer Modelle.

Die Gummiknöpfe der Harmony 700 geben etwas nach. Einigen wird das gefallen, da die Rückmeldung so besser ist. Andere wird es stören, dass sie im Vergleich zu den bisherigen Plastiktasten nun stärker drücken müssen.

Fazit

Im Prinzip ist an der Harmony 700 nichts falsch. Dennoch können wir ihr keine besonders hohe Bewertung geben. Der Grund: Es gibt schlichtweg andere Modelle auf dem Markt, die weniger kosten und dennoch das Gleiche leisten. Die Harmony 785 kann im Prinzip genauso viel wie die 700, steuert aber bis zu 15 Geräte und kostet etwa 40 Euro weniger. Und selbst Logitechs deutlich besser ausgestattete Harmony One mit Touchscreen listen Preisvergleichsdienste im Internet für nur 10 Euro mehr.

Spezifikationen

  • Peripherie-Typ - Fernbedienung
  • Kommunikation - Infrarot

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524120/logitech-harmony-700-gute-aber-zu-teure-fernbedienung/

URLs in this post:

[1] Harmony One: https://www.cnet.de/tests/peripherie/39188911/handliche+schaltzentrale+logitech+harmony+one.htm

[2] Touchscreen-Modelle: https://www.cnet.de/tests/tv/39158055/luxurioese+steuerzentrale+fuers+heimkino+logitech+harmony+1000.htm

[3] rund 225.000 Geräte: http://myremotesetup.com/EasyZapper/New/Main.asp?WebProcessAction=Start&ReturnUrl=%2FEasyZapper%2F.%2FNew%2FProcSpice%2Flanding.asp&ClassId=PrSpice.ProcSpice&RelativePath=ProcSpice%2F