JooJoo angetestet: 12,1-Zoll-Tablet mit Linux

von Rafe Needleman und Stefan Möllenhoff am , 14:02 Uhr

Pro
  • tolles Display
  • kapazitiver Touchscreen
  • schneller Bootvorgang
  • intuitives Interface
Con
  • eingeschränkte Einsatzgebiete
  • zu teuer
Hersteller: Fusion Garage Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: NICHT GETESTET 0,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das JooJoo ist eine schicke Surfmaschine für gemütliche Abende auf der Couch oder im Bett. Allerdings ist der Preis angesichts der eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten deutlich zu hoch. Für den Kaufpreis von umgerechnet 340 Euro wechselt auch ein ordentliches Netbook den Besitzer.

Apple, Microsoft, Nokia und Archos treten derzeit eine amerikanisch-finnisch-französische Tablet-PC-Lawine los. Aber die vier genannten Hersteller sind nicht die einzigen, die flache Touchscreen-Rechner verkaufen beziehungsweise planen. Auch das singapurische Startup-Unternehmen Fusion Garage mischt kräftig mit. Erst sollte das Gerät CrunchPad heißen, nun hört es auf den Namen JooJoo. CNET hatte bereits die Gelegenheit, ein Vorserienmodell in die Finger zu bekommen.

Das JooJoo löst auf den ersten Blick ein Haben-Wollen-Gefühl aus. Mit dem gigantischen Touchscreen und dem flachen Gehäuse erinnert der Tablet-PC an einen überdimensionalen iPod Touch. Aber findet die Surf-Flunder ihren Platz zwischen Smartphones und Netbooks? Angesichts des mit 499 US-Dollar nicht gerade niedrigen Preises haben wir unsere Zweifel.

Design und Ausstattung

Das 12,1 Zoll große Display vereinnahmt praktisch die gesamte Front des JooJoo. Die Anzeige löst 1366 mal 768 Pixel auf und verlässt sich bei der Eingabe auf einen kapazitiven Touchscreen. An Videotelefonie denkt Fusion Garage offensichtlich auch: Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sind an Bord. Dazu gesellen sich ein USB-Port sowie ein Kartenleser.

Welcher Prozessor kommt zum Einsatz? Darauf erhalten wir vom Fusion-Garage-CEO Chandra Rathakrishnan leider keine Antwort. Wer den Touchscreen herstellt, wird ebenfalls nicht verraten. Immerhin erfahren wir, dass der JooJoo über 4 GByte Speicherkapazität verfügt.

Das Gehäuse ist sehr schlank und liegt mit der sanft abgerundeten Rückseite gut in der Hand. Die riesige Anzeige sieht toll aus. Abgesehen von dem An/Aus-Schalter gibt es auf dem Gerät, das übrigens dünner ist als das MacBook Air, keine mechanischen Bedienelemente.


Der Homescreen des JooJoo hält jede Menge Verknüpfungen aus den Bereichen „contact“, „have fun“ und „be informed“ bereit.

Auf dem JooJoo läuft ein proprietäres Betriebssystem, das auf Linux basiert und als einzige Anwendung einen Browser bietet. Die Surfsoftware basiert zwar auf Webkit, ist aber ebenfalls eine Eigenentwicklung. Der Browser unterstützt Flash und diverse Erweiterungen – andere Anwendungen laufen allerdings nicht. Skype? Fehlanzeige.

Was ebenfalls fehlt, sind Zugriff auf das Dateisystem sowie Unterstützung von Druckern. Wie gesagt: Webbrowser – das ist alles. Allerdings macht das JooJoo in dieser Hinsicht einen vielversprechenden Eindruck. Zwar läuft auf dem uns vorliegenden Gerät noch eine unfertige Software, doch trotzdem macht der Tablet einen stimmigen Eindruck. Das Interface ist übersichtlich strukturiert. Allerdings kann sich hier noch einiges ändern, wenn die fertige Software mit mehr Funktionen auf dem Gerät läuft.

Leistung

Nach dem lediglich neunsekündigen Bootvorgäng bekommt der Anwender eine Matrix mit seinen Bookmarks zu sehen. Das JooJoo bewegt sich mit WLAN durchs Internet. Andere Kommunikationsmöglichkeiten gibt es nicht. Dafür bauen sich über den Kurzstreckenfunk empfangene Seiten schnell auf.

Das Scrollen auf Webseiten erfolgt wie beim iPhone mit der Fingerspitze. Ein Zusammenschieben der Finger zoomt allerdings nicht heraus, sondern wechselt zurück zum Homescreen. Hier wiederum zeigt ein Spreizen der Fingerspitzen die derzeit geöffneten Seiten an. Bei unserem Vorserienmodell fehlen noch ein paar Gesten: Etwa Seite zurück mittels Zwei-Finger-Wisch, Bookmarken durch eine Fingerbewegung, die an Umblättern einer Seite erinnert, sowie spezielle Bewegungen, um ein Browserfenster zu schließen oder Inhalte zu vergrößern beziehungsweise zu verkleinern.

Auf dem Homescreen steht eine virtuelle Tastatur zur Verfügung. Eingetipptes lässt sich wahlweise direkt als URL oder für Google [1]-Text- oder Videosuche verwerten. Am komfortabelsten lässt sich das JooJoo wie ein Buch halten, wahlweise mit einer oder mit beiden Händen. Mit dem On-Screen-Keyboard können wir uns nicht so wirklich anfreunden, irgendwie ist es immer ungünstig positioniert. Allerdings wird der Hersteller einen optional erhältlichen Standfuß anbieten, und der Tablet-PC unterstützt USB- und Bluetooth-Tastaturen.

Neben dem Surfen im Internet ist die Darstellung von Videos einer der primären Einsatzzwecke. Leider ist das WLAN im Hotel nicht leistungsstark genug, um das Video flüssig wiederzugeben, das uns Rathakrishnan zeigen möchte. Die wenigen Sekunden, die sich erfolgreich durch den Äther zwängen, sehen allerdings fantastisch aus. JooJoo-Käufer sollten allerdings nicht erwarten, auf Reisen jederzeit in den Genuss von HD-Videos zu kommen – jedenfalls nicht im St. Regis in San Francisco.

Dem Fusion-Garage-CEO zufolge hat das Unternehmen keinerlei Marktforschung betrieben, um eine eventuelle Zielgruppe auszumachen. Allerdings wurde das Konzept von den Lesern des TechCrunch gut angenommen, so Chandra Rathakrishnan weiter. Allerdings bewegte sich der Preis damals noch im Bereich von 200 bis 300 Dollar. Ob der JooJoo außerhalb des TechCrunch-Universums und mit Anschaffungskosten von 500 Dollar ankommen wird, steht jedoch auf einem anderen Blatt.


Das JooJoo bietet eine dreimal größere Bilddiagonale als das iPhone.

Noch im Dezember sollen in den USA die ersten fertigen Testgeräte verfügbar sein. In acht bis zehn Wochen plant Fusion Garage, mit der Auslieferung an die Kunden zu beginnen.

Ausblick

Ist das JooJoo brauchbar? Definitiv. Allerdings haben wir unsere Zweifel, ob der Tablet mit seinen hohen Anschaffungskosten erfolgreich sein wird. Denn schließlich fällt er in puncto Vielseitigkeit hinter seinen Netbook-Kollegen zurück. Um im Bett oder auf der Couch im Internet zu surfen eignet er sich hervorragend, ist aber aufgrund der hohen Spezialisierung eher ein Luxus- als ein Gebrauchsgegenstand. Wer zu viel Geld übrig hat, bekommt mit dem JooJoo ein schönes Hightech-Spielzeug. Mehr Fotos vom Interface des Fusion-Garage-Tablets hält die folgende Bildergalerie bereit.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524166/joojoo-angetestet-12-1-zoll-tablet-mit-linux/

URLs in this post:

[1] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[2] Fusion Garage JooJoo: erste Eindrücke von der Webkit-Surfmaschine: https://www.cnet.de/41524168/fusion-garage-joojoo-erste-eindruecke-von-der-webkit-surfmaschine/?pid=1#sid=41524166