Olympus E-P2 angetestet: EVIL-Pen-Kamera, die Zweite

von Leonard Goh und Stefan Möllenhoff am , 15:40 Uhr

Pro
  • hochauflösender und großer elektronischer Sucher (EVF)
  • interessante Art-Filter-Effekte
  • tolles Design
  • erweiterter Zubehörschuh
Con
  • sehr ähnlich zur E-P1
  • EVF braucht viel Strom
  • kein integrierter Blitz
  • langsamer Autofokus
Hersteller: Olympus Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: NICHT GETESTET 0,0 von 10 Punkte
Fazit:

Olympus' zweite Micro-Four-Thirds-Kamera begeistert durch ausgezeichnete Bildqualität und interessante Art Filter. Allerdings ist der Unterschied zum Vorgängermodell nicht sonderlich groß. Wer einen Einsteig in diese Klasse plant, sollte die Olympus E-P2 definitiv in Betracht ziehen.

Bildqualität wie eine DSLR, handlich wie eine Kompaktkamera – so preist Olympus seine Pen-Kameras mit Micro-Four-Thirds-Sensor an. Und tatsächlich, abgesehen von der Geschwindigkeit konnte die E-P1 den hohen Ansprüchen gerecht werden. Unsere Kollegen aus Singapur hatten bereits die Gelegenheit, den Nachfolger namens E-P2 auszuprobieren. Was sich in den fünf Monaten zwischen dem Vorgänger und dem aktuellen Modell getan hat, verrät dieses Preview.

Auf den ersten Blick gleichen sich E-P1 und E-P2 wie ein Ei dem anderen. Lediglich die Gehäusefarbe hat sich verändert – statt in Weiß und in Silber gibt es die neue Pen-Kamera nur noch in dezentem Schwarz.


E-P1 in Schwarz: Die Olympus E-P2 ist, was die Bedienung angeht, mit ihrem Vorgänger nahezu identisch.

Anstelle des optischen Suchers steht nun auch eine elektronische Sehhilfe mit hochauflösendem Mini-Display zur Verfügung. Fans von Olympus‘ Art-Filter-Effekten freuen sich über eine ganze Reihe von neuen Spielereien, die das Bild bereits in der Kamera verfremden. Wer mehr über die Bedienung und das Design der neuen Olympus wissen möchte, findet in unserem Testbericht der E-P1 zahlreiche Details. Wir konzentrieren uns an dieser Stelle auf die neu hinzugekommenen Features.

1,44-Megapixel-Sucher

Eines des Highlights der E-P2 ist der kleine Stecker unterhalb des Blitzschuhs, der eine breitere Unterstützung für aufsteckbares Zubehör ermöglicht. Der elektronische Sucher VF-2 EVF ist eines davon. Das kleine Display in der aufsteckbaren Sehhilfe löst 1,44 Megapixel auf und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt. Zum Vergleich: Panasonics Sucher für die GF1 löst lediglich 0,23 Megapixel auf. Damit macht Olympus ordentlich Boden gut.

In Panasonics größeren Micro-Four-Thirds-Modellen G1 und GH1 kommt übrigens ebenfalls ein 1,44-Megapixel-Sucher zum Einsatz. Allerdings gefällt uns die Olympus-Sehhilfe besser, da sie ein größeres Bildfeld bietet. Wir können auch ohne zusammengekniffene Augen noch etwas erkennen.

Die Bildwiederholrate ist ebenfalls ausgezeichnet, Ruckler treten praktisch nicht auf. Allerdings liegen die Farben etwas daneben: Im Sucher wirkt alles etwas wärmer als auf dem Bildschirm auf der Rückseite. In den meisten Situationen sollte das kein Problem darstellen. Einen akkuraten Weißabgleich bekommt man mit der Sehhilfe allerdings nicht hin.


Die Aufstecksucher von Olympus und Panasonic sind aufgrund verschiedener Stecker nicht untereinander austauschbar.

Der VF-2 von Olympus arbeitet übrigens nicht mit der GF1 zusammen. Die Anschlusse unterhalb des Zubehörschuhs unterscheiden sich bei Olympus und Panasonic. Im Gegensatz zu den Objektiven ist das Aufsteck-Zubehör somit nicht kompatibel zwischen den beiden Kameras.

Im Test fällt auf, dass der elektronische Sucher deutlich stärker am Akku nagt als das Display auf der Rückseite. Mit der aufsteckbaren Sehhilfe macht die Kamera nach rund 180 Bildern schlapp, setzen wir auf das Display, reicht eine Ladung für rund 270 Fotos.


Kompakte Micro-Four-Thirds-Modelle im Vergleich: Hier liegen Panasonic Lumix DMC-GF1, Olympus E-P1 und Olympus E-P2 nebeneinander.

Neue Art Filter, iEnhance und Autofokus-Tracking

Bei der E-P2 sind zwei neue Art Filter hinzugekommen. Wie die anderen Effekte begeistert auch dieses Duo insbesondere diejenigen, deren nachträgliche Bildbearbeitung am PC ein Gräuel ist. Der Modellbau-Filter liefert Aufnahmen im Stil von Tilt-und-Shift-Linsen. Dabei kommt eine selektive Unschärfe zum Einsatz, was dazu führt, dass die gesamte Szene winzig klein wirkt.


Keine Legomännchen, sondern ein Einkaufszentrum – mit dem Modellbau-Art-Filter sieht alles winzig klein aus.

Crossentwicklung dagegen wirkt sich auf die Farben aus. In den Zeiten der analogen Filmkameras erzielten Fotografen diesen Effekt durch den gezielten Einsatz von anderen Chemikalien beim Entwickeln des Films. Jetzt ist nur noch ein einziger Knopfdruck vonnöten.


Die Funktion Crossentwicklung verfälscht die Farben.

Erfreulicherweise lassen sich die Filter auch bei der Videoaufnahme einsetzen. Beim Modellbau-Effekt bricht die Bildrate zwar deutlich ein, doch dadurch wirken die resultierenden Clips wie Stop-Motion-Filme [1]. Ton zeichnet die E-P2 in diesem Modus allerdings nicht auf. Wer mit Crossentwicklung aufnimmt, erhält deutlich flüssigere und mit Audio untermalte Videos.

Der Modellbau-Filter heißt auf Englisch übrigens „Diorama“.

Der Crossentwicklung-Filter ist zwar weniger exotisch, bannt Videos dafür mit Ton und mehr Bildern pro Sekunde aufs digitale Band.

Neu bei der E-P2 ist außerdem das i-Enhance-Feature, das sich in die intelligente Automatik (i-Auto) integriert. Während die i-Auto Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit an das Motiv anpasst, sorgt i-Enhance für schönere Farben. Unsere Testfotos sehen mit der Funktion lebendiger und satter aus.


Links ist i-Enhance aktiviert, rechts deaktiviert. Das Feature sorgt für ansehnlichere Farben.

Im Gegensatz zur E-P1 bietet die E-P2 den Autofokus-Modus Tracking. Die Objektverfolgung funktioniert gut, zeigt allerdings auch den Geschwindigkeitsunterschied zwischen Olympus und Panasonic. Bewegt sich das Objekt der Begierde schnell durch das Sichtfeld, kommt der Autofokus gelegentlich etwas ins schwimmen.

Ausblick

In vielerlei Hinsicht ist die E-P2 das, was bereits die E-P1 hätte sein sollen. Mit dem zügigen Erscheinen des Nachfolgers verärgert Olympus etliche Käufer des ersten Modells, die sich jetzt wünschen, etwas gewartet zu haben. Der Hersteller rechtfertigt das schnelle Update damit, dass sich die E-P2 an eine fortgeschrittenere Käuferschaft richtet, die unter anderem den Videomodus kreativer nutzen möchten. Die Ankündigung des SEMA-1-Adapters, einer Schnittstelle zum Anschluss eines externen Mikrofons, untermauert diese Aussage.


Das Mikrofonmodul SEMA-1 richtet sich an anspruchsvolle Videofans.

Für E-P1-Besitzer lohnt sich das Upgrade wahrscheinlich nicht. Die E-P2 kostet im Kit mit dem 14-bis-42-Millimeter-Objektiv rund 900 Euro, während der Vorgänger für 570 Euro den Besitzer wechselt. Für die Preisdifferenz gibt es einen hochauflösenden elektronischen Sucher sowie zwei neue Art-Filter-Effekte und die Möglichkeit, diese auch im Videomodus einzusetzen. Als Alternative im kompakten Micro-Four-Thirds-Segment steht neben den Olympus-Modellen noch die etwas schneller fokussierende Panasonic Lumix DMC-GF1 in den Regalen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524835/olympus-e-p2-angetestet-evil-pen-kamera-die-zweite/

URLs in this post:

[1] Stop-Motion-Filme: http://de.wikipedia.org/wiki/Stop-Motion