Plasma versus LCD: Welche TV-Technologie ist die bessere?

von Pascal Poschenrieder am , 17:01 Uhr

Plasma oder LCD? Diese Frage stellt sich fast jeder, der die Anschaffung eines neuen Fernsehers plant. Die Antworten, die Verkäufer der Geiz-Märkte parat haben, sind vielfältig und oft vollkommen falsch. Wir vergleichen beide Displaytechnologien und zeigen ihre Vor- und Nachteile auf.

Wer für die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika endlich seinen alten Röhrenfernseher entsorgen und sich ein neues Gerät kaufen möchte, steht vor vielen großen Fragen. Schließlich ist ein HD-TV [1] nicht gerade ein Schnäppchen. Dementsprechend sollte der Kauf gut überlegt sein – man will an seinem neuen Fernseher ja lange Freude haben und sich nicht ständig über Macken und Schwächen ärgern.

Das wohl entscheidendste Merkmal, das aktuelle Modelle in zwei große Gruppen aufteilt, ist die Paneltechnologie. Zur Auswahl stehen Plasma [2] und LCD [3]. Doch welche ist nun die bessere? Berater in Elektronikmärkten wie Mediamarkt oder Saturn raten meist zu einem LCD-TV. Doch haben sie damit wirklich recht?

Plasma und LCD – wo liegt der Unterschied?

Rein äußerlich ist ein Plasma-Modell kaum von einem LCD-TV zu unterscheiden. Beide Technologien nutzen ein flaches Panel, das meist in einem schicken, klavierlackschwarzen Gehäuse untergebracht ist. Allerdings enden die Gemeinsamkeiten hier. Unter der Haube stecken nämlich zwei völlig unterschiedliche Ansätze zur Bilderzeugung.

Plasma-Screens [4] nutzten – wie der Name schon sagt – ein Plasma als Lichtquelle. Das Panel besteht aus lauter winzigen Gas-Zellen, die mittels einer hohen Spannung gezündet und zum Leuchten gebracht werden. Eine rote, eine grüne und eine blaue Kammer ergeben einen Pixel.


Bei einem Plasma-TV leuchtet jeder Pixel selbst und ist einzeln abschaltbar. Das verhilft der Technologie zu einem gigantischen Kontast.

LCD-Bildschirme [5] (Liquid Crystal Display) sind in mehreren Schichten aufgebaut. Oben befinden sich zwei Glasscheiben, zwischen denen sich Pixel aus Flüssigkristallen [6] befinden. Da die Bildpunkte im Gegensatz zu ihren Plasma-Pendants nicht selbst leuchten, befindet sich hinter den Glasplatten eine Hintergrundbeleuchtung als Lichtquelle. Je nach Höhe der an den Kristallen anliegenden Spannung lassen sie mehr oder weniger Licht durch. Die Grundfarben Rot, Grün und Blau werden durch Filter vor den einzelnen LC-Zellen erzeugt.

Warum der Röhrenfernseher ausgedient hat

Allerdings ist es für Käufer nicht sonderlich interessant, was im Inneren des Panels passiert. Vielmehr zählt die Bildqualität, die eine Technologie bietet. In diesem Belang produzieren sowohl Plasma- als auch LCD-Fernseher ein vorzügliches Bild – eines, mit dem kein CRT-Röhren [7]-TV mithalten kann. Es mag zwar immer noch einige Spezialisten und Gamer geben, die der Ansicht sind, dass CRT-Modelle das beste Gesamtergebnis liefern, für den normalen Einsatz ist diese Meinung aber überholt. Schließlich erreichen moderne Modelle deutlich höhere Auflösungen und kürzere Reaktionszeiten.

Dieselben Spezialisten sagen auch, dass sich Plasma-Fernseher für den Heimkinoeinsatz besser eignen als LCD-Modelle. Der Grund sind die akkurateren Schwarzwerte. Plasma-TVs können einzelne Pixel komplett abschalten. Bei LCD-Geräten leuchtet immer etwas Hintergrundbeleuchtung durch, was zu schlechteren Kontrastwerten und weniger Details in dunklen Bildbereichen führt. Allerdings haben neue LCD-Modelle dank besserer Panels und segmentweise dimmender Hintergrundbeleuchtung weit weniger mit diesem Problem zu kämpfen.

Was Plasma-Fernseher ihren LCD-Pendants voraus haben

Neben ihrem besseren Kontrast und ihren tieferen Schwarzwerten bieten Plasma-Fernseher in der Regel deutlich höhere maximale Blickwinkel [8] als LCDs. Der maximale Blickwinkel beschreibt, wie weit ein Display von der Seite betrachtet werden kann, bevor die Bildqualität in Mitleidenschaft gezogen wird. Wer einen LCD-TV zu weit von der Seite betrachtet, erkennt störende Veränderungen von Helligkeit und Farben, während Plasma-Screens auch bei sehr hohen Winkeln ein konstant gutes Bild zeigen. Jedoch holt die LCD-Fraktion in diesem Punkt mit großen Schritten auf. Mehr und mehr neue LCD-Modelle kommen bereits fast an ihre Plasma-Konkurrenz heran – aber eben nur fast.

Ein weiterer Vorteil von Plasmas sind ihre leuchtenden Farben. Der höhere Kontrast erlaubt eine deutlich feinere Farbabstufung. Zudem scheinen Farben generell etwas heller und mit besserer Sättigung, da kein Licht durch Filter verloren geht.

Plasma-Fans argumentieren häufig mit der Tendenz von LCD-Screens, besonders bei schnellen Bewegungen ein unscharfes Bild zu liefern. Das soll speziell bei Sportsendungen und Actionfilmen störend auffallen. Auf LCD-Bildschirme älterer Generationen trifft das auch tatsächlich zu. Allerdings haben die Hersteller viel dafür getan, um ihren neuen Modellen dieses Problem auszutreiben – mit Erfolg. Aktuelle LCD-Fernseher sind dank hoher Wiederholraten von 100 oder sogar 200 Hz [9] nahezu auf dem Niveau von Plasmas angekommen. Wer besonders viel Wert auf scharfe Bewegungen legt, sollte beim LCD-Kauf aber nicht nur auf die Wiederholrate achten. Auch schnelle Pixel-Reaktionszeiten sind wichtig. Diese sind fast immer im Datenblatt angegeben und meist auch recht verlässlich. Für ein gutes Bild sollten sie unter 5 Millisekunden liegen.


Panasonics neuer Plasma-Fernseher TX-P42V10E bietet ein fantastisches Bild. Außerdem hat der Hersteller die Nachteile der Technologie fast komplett in den Griff bekommen.

Traditionell ist und bleibt der größte Vorteil von Plasma-Fernsehern im Vergleich zu LCD-Modellen aber ihr Preis – besonders was sehr große Displays angeht. Abhängig von der Auflösung sind die Fernseher entweder deutlich günstiger oder bieten zumindest ein besseres Bild für das gleiche Geld. Der typische Plasma-TV weist eine Bilddiagonale zwischen 42 und 63 Zoll auf. Das günstigste Modell mit 42 Zoll und 1024 mal 768 Pixeln wechselt für schlappe 450 Euro den Besitzer. Selten finden sich auch 37-Zöller auf dem Markt, allerdings sind bei derart kleinen Geräten LCDs die bessere Lösung. Anders sieht es bei großen TVs mit Diagonalen um die 60 Zoll aus. Sie werden immer günstiger und liegen preislich deutlich unter LCDs derselben Größe. So kostet der günstige LG [10]-Plasma 60PS4000 mit Full-HD [1]-Auflösung rund 1650 Euro, während für einen 57 Zoll großen LCD mindestens 5500 Euro den Besitzer wechseln.

Generell sind derart große LCD-Modelle extrem selten. In der Regel ist bei 52 Zoll Schluss. Natürlich gibt es einige wenige Ausnahmen wie Sonys KDL-70X3500 mit 70 Zoll, diese sind aber mit fünfstelligen Preisen absolut unbezahlbar.

Wo LCD-Fernseher die Nase vorne haben

Während derart große LCD-Modelle deutlich teurer sind als ihre Plasma-Pendants, holen sie bei normaleren Bilddiagonalen schnell auf. Außerdem gibt es einige Bereiche, in denen sie ihren Konkurrenten klar überlegen sind. Sie bieten beispielsweise bei gleicher Bildgröße oft eine höhere native Auflösung. Allerdings ist das ein Bereich, in dem Plasmas in letzter Zeit flott an Land gewinnen.

Ein Vorteil, der nach wie vor ganz klar gilt, ist der geringere Stromverbrauch von LCDs. So benötigen einige der neuen ECO-LCDs mit Heißkathodenröhren- oder LED-Hintergrundbeleuchtungen weniger als die Hälfte der Energie eines gleich großen Plasmas. Allerdings ist dadurch bei vielen Geräten das Bild dunkler.

In Sachen Gewicht schlagen LCD-Fernseher ihre Konkurrenten ebenfalls. Sie sind deutlich leichter, was besonders bei der Wandmontage [11] von Vorteil ist. Das rührt daher, dass bei LCDs im Panel oft Plexiglas zum Einsatz kommt. Das ist bei Plasmas durch die hohen Temperaturen bei der Bilderzeugung nicht möglich.

Verfechter der LCD-Technologie führen oft die Lebensdauer als Pluspunkt an. Das mag zwar auf ältere Modelle zutreffen, deren Helligkeit nach mehr als 20.000 Betriebsstunden rasant abnimmt, bei modernen Geräten ist das aber nicht mehr so. Aktuelle Plasmas weisen Lebensdauern von 60.000 Stunden und mehr auf, womit sie mit ihrer Konkurrenz auf Augenhöhe liegen. Nur um einmal deutlich zu machen, was 60.000 Stunden bedeuten: Wer seinen Fernseher 24 Stunden am Tag laufen lässt, erreicht diesen Wert erst nach sieben Jahren.

Letztes Jahr haben LCD-Fernseher dank neuer Hintergrundbeleuchtungen besonders bei der Bildqualität stark aufgeholt. Anstatt das LC-Panel von hinten mit einer Leuchtstoffröhre zu erhellen, kommen nun häufig Leuchtdioden zum Einsatz. Dabei gibt es zwei verschiedene Ansätze namens Direct LED [12] und Edge LED [13]. Bei Modellen mit Direct-LED-Technik sitzen die Leuchtdioden direkt hinter dem Panel. Das hat den Vorteil, dass sie sich segmentweise abdunkeln lassen. So leuchtet in dunklen Bildbereichen kein Hintergrundlicht mehr durch, was den Kontrast deutlich erhöht. Allerdings erreichen LCDs auch mit diesem Trick noch nicht die Qualität von Plasmas. Schließlich ist bei letzteren ein Abschalten jedes einzelnen Pixels möglich, während bei Direct-LED-LCDs nur Pixelgruppen abgedunkelt werden können. Bei Edge-LED-Modellen sitzen die Leuchtdioden im Panelrahmen. Das Licht wird mittels kleiner Spiegel über das Display verteilt. Diese Art der Hintergrundbeleuchtung hat zwar keine positiven Auswirkungen auf den Kontrast, sie erlaubt aber deutlich schlankere Gehäuse. Die meisten ultraflachen Fernseher auf dem Markt nutzen die Technologie.


Dank im Bildschirmrahmen verbauter Hintergrundbeleuchtung ist Samsungs LED-TV UE46B7090 lediglich 3 Zentimeter dick.

Plasma-TVs wird oft nachgesagt, dass sich ihr Bild schnell einbrennt. Dieses Problem haben LCDs nicht. Das Einbrennen kommt zustande, wenn der Fernseher ein statisches Bild lange anzeigt. Dieses Bild liegt dann als „Geist“ ständig über den dargestellten Inhalten. Bei neueren Plasmas tritt das zwar dank Bildschirmschonern und anderen Tricks deutlich seltener auf, dennoch bleibt es ein Problem. Immerhin ist die Entwicklung so weit, dass eingebrannte Bilder zumindest nach einigen Wochen wieder verschwinden.

Muss es wirklich ein Full-HD-Fernseher sein?

Besonders günstige LCD- und Plasma-Fernseher weisen häufig nicht die Full-HD-Auflösung 1080p [1] auf. Anstatt 1920 mal 1080 Bildpunkte lösen sie nur 1366 mal 768 oder 1024 mal 768 Pixel auf. Wer ein TV-Gerät mit einer Bilddiagonale jenseits der 46 Zoll kauft, sollte unbedingt auf 1080p-Auflösung achten – auch wenn er derzeit noch kein HDTV empfängt und nur DVDs ansieht. Bei derart großen Screens wirken Filme sonst einfach zu verpixelt. Wer nun argumentiert, dass die hohe Auflösung bei SD-Material nichts nützt, hat die Rechnung ohne die in den TVs integrierten Upscaler [14] gemacht. Sie arbeiten bei aktuellen Modellen auf sehr hohem Niveau und sorgen dafür, dass auch SD-Material auf großen Screens noch gut aussieht.

Käufer kleinerer Fernseher können sich durch den Verzicht auf Full-HD viel Geld sparen. Das rentiert sich besonders dann, wenn die Anschaffung eine Blu-ray-Players [15] oder eines HDTV-Receivers [16] noch warten muss. Dank der kleinen Screens fällt der Unterschied zwischen SD und HD kaum auf.

Fazit: Welcher Fernseher ist nun der richtige?

Wer ein TV-Gerät mit großer Bilddiagonale – also 50 Zoll oder mehr – sucht, sollte einen Plasma kaufen. In diesem Segment bieten Plasmas einfach deutlich mehr fürs Geld. Während LCD-Modelle zwar teilweise über höhere Auflösungen verfügen, überzeugen Plasmas hier einfach durch ihre tollen Schwarzwerte und das leuchtende, gesättigte Bild. Allerdings sollten Käufer solcher Fernseher auf einen integrierten Digitaltuner achten, da analoges Fernseher bei derartigen Bilddiagonalen nicht genießbar ist.

Wer ein kleineres TV-Gerät von 17 bis 40 Zoll sucht, ist mit einem LCD besser beraten – besonders wenn er ein dünnes Modell für die Wandmontage möchte. Diese werden immer günstiger, sodass sie ihre etwas schlechtere Bildqualität durch geringe Anschaffungs- und Unterhaltskosten wieder wett machen. Auch Gamer sollten eher auf einen LCD-Fernseher setzen, da sich besonders statische Elemente von Strategie- oder Rollenspielen nicht einbrennen.

Ein letztes Entscheidungskriterium ist die Umgebung. Für dunkle Heimkinosäle eignen sich Plasmas mit ihren Glasfronten besser. Helle Wohnzimmer sollten Filmfans mit einem LCD-Modell mit matter Displayoberfläche ausstatten. Panasonics neue Plasma-Modelle [17] mit matter Screen-Oberfläche sind die idealen Allrounder.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524855/plasma-versus-lcd-welche-tv-technologie-ist-die-bessere/

URLs in this post:

[1] HD-TV: http://de.wikipedia.org/wiki/1080p

[2] Plasma: https://www.cnet.de/tests/tv/archiv/a4T1/

[3] LCD: https://www.cnet.de/tests/tv/archiv/a4T0/

[4] Plasma-Screens: http://de.wikipedia.org/wiki/Plasmabildschirm#Aufbau_des_Bildschirms

[5] LCD-Bildschirme: http://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigkristallbildschirm

[6] Flüssigkristallen: http://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigkristall

[7] CRT-Röhren: http://de.wikipedia.org/wiki/Kathodenstrahlr%C3%B6hre

[8] Blickwinkel: http://de.wikipedia.org/wiki/Blickwinkel#Flachbildschirm

[9] hoher Wiederholraten von 100 oder sogar 200 Hz: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41006296/uebersicht+aller+lcd_fernseher+mit+200+hz+was+die+hohe+bildrate+bringt.htm

[10] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[11] Wandmontage: https://www.cnet.de/praxis/insider/41003120/flachbild_tv+elegant+montieren+so+haengt+der+hd_fernseher+gerade.htm

[12] Direct LED: https://www.cnet.de/tests/tv/41522613/philips+46pfl9704h_12+fast+perfekter+led_tv.htm

[13] Edge LED: https://www.cnet.de/tests/tv/41001394/erster+blick+auf+den+superduennen+sony+bravia+zx1.htm

[14] Upscaler: http://de.wikipedia.org/wiki/Hochskalierung

[15] Blu-ray-Players: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41523855/so+guenstig+war+hd+noch+nie+neun+blu_ray_player+fuer+weniger+als+150+euro.htm

[16] HDTV-Receivers: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/specials/41000890/dvb_s2_receiver+mit+hdmi_+ethernet+und+festplatte+unter+500+euro.htm

[17] Panasonics neue Plasma-Modelle: https://www.cnet.de/tests/tv/archiv/c10228/