Arcade-Automat im Eigenbau: Pacman, Paperboy & Co.

Der erste Kontakt

Die Anlaufstelle Nummer eins auf unserer Suche nach einem Spielautomaten – oder auch nur dessen Gehäuse, dem sogenannten Cabinet – ist eBay. Im Online-Auktionshaus gibt es tatsächlich dutzende Angebote von Automaten zu teilweise fairen Preisen. Viele davon sind aber nicht nur heruntergekommen, sondern auch noch außerordentlich hässlich – und entsprechend schlicht nicht dem, was wir uns vorgestellt haben. Noch dazu stehen die Kästen quer durch die Republik verteilt und bringen nicht nur locker 100 Kilo auf die Waage, sondern sind auch mal eben 1,70 Meter hoch und mindestens 60 Zentimeter breit und tief – nichts für einen günstigen Versand per Päckchen, da muss dann schon eine Spedition herhalten.

Arcadeautomat im Eigenbau
Kaum zu glauben, aber unter dieser Staubschicht verbirgt sich ein Arcadeautomat.

Der nächste Versuch ist die Rubrik der Automatenaufsteller im Branchenbuch. Irgendjemand muss doch so einen Kasten noch haben! Wir telefonieren uns die Ohren heiß, und tatsächlich: Nach diversen Anrufen bei Kaffee- und Warenautomatenaufstellern sowie bei den gesuchten Anbietern von Geldspielautomaten und Flippern finden wir einen netten Herren, der sein kleines Unternehmen gute 50 Kilometer von uns entfernt betreibt. In seinem Lager finden sich tatsächlich noch zwei Videospielkisten, eingestaubt im Laufe der Jahre. Einer davon funktioniert – 100 Euro soll er kosten, der andere hat beim Test nach unserem Anruf eine Rauchwolke geworfen – 50 Euro. Den nehmen wir, denn für die durchgeschmorte Elektronik haben wir ohnehin keine Verwendung.

Dabei handelt es sich um keinen speziellen Automaten, der extra für ein Spiel erbaut wurde, sondern um ein Universalgerät vom Hersteller ADP. TV Ideal Standard heißt es, und abgesehen vom unglaublich hässlichen Äußeren in Mahagoni-Funier-Optik entspricht er genau dem, was wir uns vorgestellt haben. Zwei Joysticks sind am Start, drei Ballerknöpfe pro Spieler – alles da. Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg …

… und sehen, was uns erwartet. Dass der Kasten grausam aussieht, wissen wir ja schon – aber was uns einen Strich durch die Rechnung macht, ist auch der ansonsten miese Zustand. Kratzer und Abplatzungen rundum, gebrochenes Plastik an den Kanten, gesplitterter Kunststoff unter den Joysticks. Aber gut, der Apparat hat über 20 Jahre auf dem Buckel, stand vermutlich drei Viertel seiner Zeit in irgendwelchen Spielhöllen oder Kneipen und kostet nur 50 Euro. Wir laden ihn ein.

Ausschlachten ist angesagt

Und dann wieder aus. Ein Kraftakt – zwei ausgewachsene Männer haben ihre wahre Mühe, den Automaten abzuladen und zu schleppen. Immerhin gibt es zwei Räder auf der Unterseite, die zumindest auf geraden Flächen ein halbwegs angenehmes Ziehen ermöglichen.

Nun wird es Zeit für einen Putzeimer, um den Ideal Standard in seiner gesamten Hässlichkeit, pardon, Pracht, bewundern zu können. Ein Putzeimer? Schön wär’s, bereits nach den ersten drei Lappen-Auswring-Aktionen ist das Wasser schwarz wie Kohle. Wir putzen und schrubben, bis der Schmutz herunter ist.

Wir öffnen die Fronttür und werfen einen ersten Blick auf das Innenleben. So hat Technik also einmal ausgesehen, vor langer, langer Zeit. Recht rudimentär alles, sehr schmutzig vor allem, und der kleine Kabelbrand von letzter Woche hat durchaus seine Spuren hinterlassen.

Arcadeautomat im Eigenbau: ADP TV Ideal Standard Innenleben
Ein Häufchen Elend: Die Rauchentwicklung im Inneren unseres TV Ideal Standard hat Spuren hinterlassen.

Egal – alles muss raus. Wenigstens ist der Kasten servicefreundlich aufgebaut. Die meisten Komponenten lassen sich mit ein paar gezielten Handgriffen herausnehmen, nur gelegentlich müssen wir ein paar vereinzelte Schrauben lösen – und die meisten davon sind auch noch komfortable Flügelschrauben, die sich ohne Werkzeug und große Mühe herausdrehen lassen.

Nach einer guten Stunde haben wir den Automaten im Team entkernt. Nun steht es da, das Gehäuse – das kann ja jetzt nicht mehr so schwer sein? Aber Pustekuchen. Allein die Pressspanplatten, aus denen der Hersteller ADP das Gerät seinerzeit montiert hat, machen gefühlt drei viertel des Gesamtgewichts aus.

Neueste Kommentare 

4 Kommentare zu Arcade-Automat im Eigenbau: Pacman, Paperboy & Co.

  • Am 15. März 2014 um 16:42 von Scylla

    Hahaha das ding sieht ultra scheisse aus !!!
    Als wenns ein 10jähriger gmacht hätte LOOOOOL !!!

    • Am 28. Februar 2016 um 13:53 von niemand

      Du bist so ein richtiger Vollidiot, machs doch selber.
      Der Automat ist ihnen doch gut gelungen!

  • Am 23. Juni 2015 um 09:04 von Thorsten

    Hallo. Schönes Projekt. Hat Spaß gemacht, das zu Lesen. Direkt einmal eine Frage: Was für einen Monitor habt ihr da rein gesetzt? Überlege im Moment, ob ich meinen TV Ideal Twinline ausschlachten soll. Eigentlich funktioniert er zwar noch, aber die Technik frisst ja Strom ohne Ende, und ewig wird die Röhre auch nicht mehr halten. Was meint ihr?

  • Am 19. August 2016 um 21:28 von Paul

    Klasse Sache; heutzutage würde ich das aber mit nem Raspi 2 B oder 3 machen. Weniger Fummelarbeit und man kann dann in Ruhe sich um das äußere Kümmern.

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