Arcade-Automat im Eigenbau: Pacman, Paperboy & Co.

von Daniel Schraeder am , 15:44 Uhr

Wir haben einen alten Arcade-Automaten restauriert und die Retro-Technik aus dem letzten Jahrtausend durch simple PC-Hardware ersetzt. Das Ergebnis ist eine kultige Zock-Maschine der Extraklasse, die fit ist, um die nächsten zehn Jahre Spieleklassiker wie Bomberman, Streetfighter oder Asteroids weiterleben zu lassen. Eine technische Zeitreise mit viel Arbeit, vielen Fehleinschätzungen und viel Spielspaß.

Wer vor 30 Jahren am Computer spielen wollte, musste in die Spielhalle ziehen – denn vor Playstation, Commodore 64 oder gar den heutigen High-End-Boliden, die die Nordschleife in Full-HD-Auflösung auf den Flachbildschirm holen, gab es in den eigenen vier Wänden keine Videogames.

In den Spielhallen hingegen, die die jüngeren unter uns zumindest noch von italienischen Campingplätzen kennen dürften, gab es sie: Arcadeautomaten. Große, schwere Kisten mit Monitoren, Joysticks und Münzeinwurf. Für ein paar Pfennig bis hin zu etlichen Mark erkaufen sich Spielwütige Credits oder Leben, um dann in Pixelgrafik mit Grundfarben an rudimentären Joysticks Zeitungen auszutragen, Punkte zu fressen oder vor Geistern zu fliehen.

Wer die Games heute neben Forza 2, World of Warcraft oder Counterstrike stellt und einen direkten Vergleich zieht, kann über die Videogames der 80er nur müde lächeln. Verständlich, denn die Spiele waren weder komplex noch realistisch. Aber sie haben einfach Spaß gemacht. Verdammt viel Spaß sogar, denn auch heute kann sich kaum einer verwehren, zum Joystick zu greifen, wenn Pac Man läuft – wenn auch nur für ein paar Runden. Theoretisch, denn spätestens, wenn die Highscore auf dem Monitor auftaucht, packt es einen: „Wer ist denn eigentlich TGA, und warum ist er vor mir?!“

Emulatoren lassen die Spiele weiterleben

Von den großen Klassikern wie eben Pac Man oder Dig Dug gibt es Portierungen für die modernsten Computer. Einige dieser Games laufen sogar als Flash- oder Java-Applet im Browser. Aber darunter sind längst nicht alle Kassiker vertreten, und außerdem sind viele der Portierungen aus rechtlichen Gründen nicht zu 100 Prozent dem Original nachempfunden, sondern in Nuancen verändert.

Wer eines der alten Kult-Games in seiner ganzen Retro-Pracht genießen möchte, kann die originalen Automatenausführungen mit einem Emulator auf seinen PC oder Mac holen. Zu den bekanntesten dieser Emulatoren gehört MAME. Das Programm ist kostenlos und für quasi alle Betriebssysteme zu haben. Es führt die ROMs der Arcade-Kästen direkt aus, also die Inhalte der Speicherbausteine, die anno dazumal mit Liebe von Hand auf Platinen gelötet wurden.

Diese Arbeit können sich die Nutzer von MAME & Co. sparen. Viele der alten ROMs stehen im Internet zum Download bereit. Etliche davon sind legal, weil sie von den Urhebern freigegeben wurden. Bei den meisten dürfte es sich allerdings um sogenannte Abandonware handeln. Dabei sind die Urheber entweder nicht mehr ermittelbar oder nicht zu erreichen – und Betreiber von ROM-Download-Seiten stellen die alten Spielchen „einfach mal“ so lang ins Netz, bis sich jemand beschwert. Rechtlich einwandfrei ist das sicherlich nicht, aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Möchte man sich wirklich ernsthaft mit Freunden virtuell bei Street Fighter prügeln, kommen die Emulatoren aber schnell an ihre Grenzen. Bei weitem nicht an technische – jeder moderne Computer verfügt über die hundert- bis tausendfache Rechenleistung wie die alten Zock-Kisten. Aber beim Einprügeln auf die Tastatur mag einfach eben nicht so eine tolle Stimmung aufkommen wie in der verrauchten Halle vor einem Schrank mit Bildschirm und stabilen Joysticks, mit denen sich auch Einbrecher vertreiben ließen.

Wir kaufen einen Arcadeautomat

Die Sache ist klar: Auf den blauen Dunst in der Luft können wir zwar verzichten, aber wir brauchen so einen Automaten! Einige Stunden Recherche später steht fest, welche Alternativen wir haben:

– Wir kaufen einen neuen Automaten
– Wir kaufen einen funktionstüchtigen Klassiker
– Wir kaufen einen defekten Klassiker und reparieren ihn
– Wir bauen einen Arcade-Automaten komplett selbst
– Wir kaufen einen defekten Klassiker und bauen ihn auf PC-Technik um

Die erste Möglichkeit verwerfen wir sofort wieder. Erstens wäre es doch viel zu einfach, einen funktionierenden Kasten zu kaufen – und zweitens ist das ziemlich teuer. Mit 2000 Euro wären wir dabei, nach oben hin sind alle Grenzen offen. Für das Geld gäbe es auch einen fetten Plasma-Fernseher mit 50 Zoll und Full-HD-Auflösung, eine Xbox 360 und eine Playstation 3 samt aller wichtigen Spiele.

Zumindest mal ein Stück billiger wäre es, einen funktionierenden, alten Automaten zu kaufen. Schon mit ein paar hundert Euro sind wir dabei, je nach Zustand – und je nach Spiel: Die Games sind nämlich nicht austauschbar, sondern auf Platinen untergebracht. Die müsste man alle einzeln kaufen, wenn man sie überhaupt noch bekommt. Möglichkeit zwei entfällt also auch.

Deutlich günstiger ist es, einen kaputten Kasten zu kaufen. Für unter hundert Euro ist die Auswahl bereits groß, doch die Defekte sind meist gravierend: Rauchentwicklung, kein Bild, Einbruchschaden, Spiele starten nicht. Selbst, wenn die Büchse wieder läuft, bleiben Fragen offen. Wie lange funktioniert das wohl? Wo bekomme ich die Spiele her? Und wo Ersatzteile? Diverse Foren befassen sich zwar ausführlich mit der 80er-Jahre-Technik im Inneren der Kästen, doch mit wenig Vorwissen ist für uns klar: Wir lassen die Finger davon.

Sympathischer ist uns da schon die PC-Technik. Warum nicht einfach selbst einen Arcadeautomaten bauen, Computer rein und ab geht die Post? Nach dem Studium diverser Bilder verschiedener Arcade-Kisten verwerfen wir auch diesen Plan. Wenn das richtig gut aussehen soll, ist das richtig viel Arbeit.

Es bleibt die letzte Variante – wir kaufen einen defekten Automaten, restaurieren ihn und bauen unseren PC ein. Das erscheint auf den ersten Blick am sinnvollsten.

Der erste Kontakt

Die Anlaufstelle Nummer eins auf unserer Suche nach einem Spielautomaten – oder auch nur dessen Gehäuse, dem sogenannten Cabinet – ist eBay. Im Online-Auktionshaus gibt es tatsächlich dutzende Angebote von Automaten zu teilweise fairen Preisen. Viele davon sind aber nicht nur heruntergekommen, sondern auch noch außerordentlich hässlich – und entsprechend schlicht nicht dem, was wir uns vorgestellt haben. Noch dazu stehen die Kästen quer durch die Republik verteilt und bringen nicht nur locker 100 Kilo auf die Waage, sondern sind auch mal eben 1,70 Meter hoch und mindestens 60 Zentimeter breit und tief – nichts für einen günstigen Versand per Päckchen, da muss dann schon eine Spedition herhalten.

Arcadeautomat im Eigenbau
Kaum zu glauben, aber unter dieser Staubschicht verbirgt sich ein Arcadeautomat.

Der nächste Versuch ist die Rubrik der Automatenaufsteller im Branchenbuch. Irgendjemand muss doch so einen Kasten noch haben! Wir telefonieren uns die Ohren heiß, und tatsächlich: Nach diversen Anrufen bei Kaffee- und Warenautomatenaufstellern sowie bei den gesuchten Anbietern von Geldspielautomaten und Flippern finden wir einen netten Herren, der sein kleines Unternehmen gute 50 Kilometer von uns entfernt betreibt. In seinem Lager finden sich tatsächlich noch zwei Videospielkisten, eingestaubt im Laufe der Jahre. Einer davon funktioniert – 100 Euro soll er kosten, der andere hat beim Test nach unserem Anruf eine Rauchwolke geworfen – 50 Euro. Den nehmen wir, denn für die durchgeschmorte Elektronik haben wir ohnehin keine Verwendung.

Dabei handelt es sich um keinen speziellen Automaten, der extra für ein Spiel erbaut wurde, sondern um ein Universalgerät vom Hersteller ADP. TV Ideal Standard heißt es, und abgesehen vom unglaublich hässlichen Äußeren in Mahagoni-Funier-Optik entspricht er genau dem, was wir uns vorgestellt haben. Zwei Joysticks sind am Start, drei Ballerknöpfe pro Spieler – alles da. Voller Vorfreude machen wir uns auf den Weg …

… und sehen, was uns erwartet. Dass der Kasten grausam aussieht, wissen wir ja schon – aber was uns einen Strich durch die Rechnung macht, ist auch der ansonsten miese Zustand. Kratzer und Abplatzungen rundum, gebrochenes Plastik an den Kanten, gesplitterter Kunststoff unter den Joysticks. Aber gut, der Apparat hat über 20 Jahre auf dem Buckel, stand vermutlich drei Viertel seiner Zeit in irgendwelchen Spielhöllen oder Kneipen und kostet nur 50 Euro. Wir laden ihn ein.

Ausschlachten ist angesagt

Und dann wieder aus. Ein Kraftakt – zwei ausgewachsene Männer haben ihre wahre Mühe, den Automaten abzuladen und zu schleppen. Immerhin gibt es zwei Räder auf der Unterseite, die zumindest auf geraden Flächen ein halbwegs angenehmes Ziehen ermöglichen.

Nun wird es Zeit für einen Putzeimer, um den Ideal Standard in seiner gesamten Hässlichkeit, pardon, Pracht, bewundern zu können. Ein Putzeimer? Schön wär’s, bereits nach den ersten drei Lappen-Auswring-Aktionen ist das Wasser schwarz wie Kohle. Wir putzen und schrubben, bis der Schmutz herunter ist.

Wir öffnen die Fronttür und werfen einen ersten Blick auf das Innenleben. So hat Technik also einmal ausgesehen, vor langer, langer Zeit. Recht rudimentär alles, sehr schmutzig vor allem, und der kleine Kabelbrand von letzter Woche hat durchaus seine Spuren hinterlassen.

Arcadeautomat im Eigenbau: ADP TV Ideal Standard Innenleben
Ein Häufchen Elend: Die Rauchentwicklung im Inneren unseres TV Ideal Standard hat Spuren hinterlassen.

Egal – alles muss raus. Wenigstens ist der Kasten servicefreundlich aufgebaut. Die meisten Komponenten lassen sich mit ein paar gezielten Handgriffen herausnehmen, nur gelegentlich müssen wir ein paar vereinzelte Schrauben lösen – und die meisten davon sind auch noch komfortable Flügelschrauben, die sich ohne Werkzeug und große Mühe herausdrehen lassen.

Nach einer guten Stunde haben wir den Automaten im Team entkernt. Nun steht es da, das Gehäuse – das kann ja jetzt nicht mehr so schwer sein? Aber Pustekuchen. Allein die Pressspanplatten, aus denen der Hersteller ADP das Gerät seinerzeit montiert hat, machen gefühlt drei viertel des Gesamtgewichts aus.

Wie fertig ist das Ding?

Nun wird es Zeit für einen Zustandsbericht, damit wir wissen, was zu tun ist. Das Gehäuse ist grundsätzlich gar nicht so übel – hinten fehlt die Kante über die Länge von etwa zehn Zentimetern, oben links ist das Plastik gebrochen, das die Ecke einfasst, links von den Joysticks fehlt die Kunststoffabdeckung über der Pressspankante. Ausgerechnet da. Außerdem hat der Vorbesitzer irgendwann mal irgendetwas angebracht – Schraubenlöcher an der Kassentür sowie an der rechten Seite sind die Zeugen davon.

Dazu gesellen sich hier und da ein paar mehr oder weniger Kratzer sowie ein paar Abplatzungen – fast wie Löcher, nur eben nicht durchgängig. Das geht ja noch.

Im Moment bereitet uns das Bedienpult fast noch größere Sorgen. Oben klebt dünnes, bedrucktes Plastik, das an allen Ecken und Enden massive Gebrauchsspuren aufzuweisen hat – und darunter ist es schwarz, massiv zerkratzt. Das kann so auf keinen Fall bleiben.

Arcadeautomat im Eigenbau
Trauriger Anblick: Ein gutes Dutzend Jahre im Kneipeneinsatz hat Spuren hinterlassen.

Renovieren – aber wie?

Wir beginnen mit dem Gehäuse – und da vor allem mit der gebrochenen Plastikleiste, die die Kanten überzieht. Die hätten wir gerne in neu. Also mal googeln – aber wie googelt man etwas, dessen Namen man nicht kennt? Eine längere Recherche später finden wir ein Forum rund um das Thema Arcadeautomat – und darin einen Thread, in dem eine Massenbestellung von eben dieser Plastikleiste ansteht. Die Beiträge sind leider von 2007, der Zeitpunkt dürfte also verpasst sein. Immerhin wissen wir jetzt: Das Plastik heißt T-Molding, weil es T-förmig aussieht und in einer Nut in der Kante hält.

Das Zeug hat mehrere Nachteile. Es ist nicht ganz billig, es ist nur schwer zu bekommen – und vor allem braucht es eine Nut an genau der richtigen Stelle. Das geht nur mit Spezialwerkzeug, das man natürlich direkt mit der Leiste bestellen kann – aber dadurch wird der Aufwand nicht geringer und der Preis nicht niedriger. Der Baumarkt wird doch Alternativen haben.

Hat er nicht. Fünf Baumärkte und etliche ratlose Gesichter von Beratern in den Heimwerkershops später steht fest: Hier kommen wir nicht weiter, soetwas ist nicht vorgesehen.

Also bleibt nur eine Reparatur der kaputten T-Moldings. Da ja auch das übrige Gehäuse ein paar „fertige“ Stellen aufzuweisen hat, machen wir uns auf die Suche nach einer Spachtelmasse. Schnell ist etwas gefunden, was perfekt aussieht: Holzspachtel von Moltofill, im Baumarkt liegt ein Beispiel einer perfekt reparierten Sperrholzplatte aus. Genau das brauchen wir.

Auffüllen von Löchern und Rissen

Gekauft – gespachtelt. Theoretisch zumindest, denn die Masse verhält sich in feuchter Form zumindest gewöhnungsbedürftig. Sie hält nicht und fällt wie nasser Sand auf den Boden. Wir drücken und spachteln, wie es die Anleitung angibt, und lassen unser vorläufiges Ergebnis erst einmal trocknen. Am nächsten Tag sind wir positiv überrascht: Das Zeug ist hart geworden und hält bombenfest. Wir machen weiter und spachteln, was zu spachteln ist.

Arcadeautomat im Eigenbau: T-Molding-Reparatur mit Spachtelmasse
Unsere ersten Spachtelversuche an unauffälliger Stelle auf der Rückseite sind noch recht krum und schief – aber in den nächsten Schritten wird’s schon ;-)

Etliche Spachtelstunden später sind tatsächlich alle Bereiche aufgefüllt, die T-Moldings nachgearbeitet und Kratzer überdeckt. Nur: Dieser Holzspachtel ist doch nicht ganz das Gelbe vom Ei – seine Oberfläche ist schlicht nicht glatt zu kriegen und erinnert im Gegensatz zu der Demonstration im Baumarkt eher an Rauputz als an Kunststoff. Wir fragen nach.

Einfach lackieren, sagt man uns – doch das können wir nicht so ganz glauben. Glücklicherweise, wie sich später herausstellt. Stattdessen schnappen wir uns Glasfaser-Polyesterspachtel und legen nochmal nach. Die schönen, gespachtelten Oberflächen sehen wieder aus wie Kraut und Rüben – es tut in der Seele weh. Nachdem die hellbraune Masse durchgetrocknet ist, schnappen wir uns den Schwingschleifer und machen alles wieder glatt. Gefühlte Stunden später ist klar: Dieser Schritt hat sich gelohnt. Die komplette Oberfläche des Automaten ist perfekt – inklusive der gebrochenen und fehlenden T-Moldings. Man spürt nichts mehr, wenn man mit dem Finger über die bearbeiteten Stellen streicht – nur die Farbe ist noch nicht astrein.

Arcadeautomat im Eigenbau: T-Molding mit Polyester-Spachtel repariert
Vom gebrochenen T-Molding is nun nichts mehr zu sehen und zu fühlen. Um die Farbe kümmern wir uns noch.

Nur schön muss er sein

Apropos – das Design und die Optik des Arcarde-Automaten dürfte der Punkt sein, der uns die meisten schlaflosen Nächte gekostet hat. So lassen, wie es ist, geht gar nicht. Nicht nur, weil der Mahagoni-Look mal überhaupt nicht unserem Geschmack entspricht – die gespachtelten Stellen fühlt man zwar nicht mehr, aber man sieht sie noch.

Der erste Gedanke ist eine Folie. Anlaufpunkt ist mal wieder der Baumarkt. Verschiedene Klebefolien, die etwa zum Überziehen von Küchenmöbeln verwendet werden, kommen in Frage. Und sie sehen sogar erstaunlich gut aus. Aber sie sind eben nur einfarbig und somit etwas langweilig. Aufkleber sind noch eine Alternative, aber damit können wir uns auch nicht anfreunden: Die Farbunterschiede bei den T-Moldings würden bleiben. Wir müssen also ohnehin malen – und dann können wir das ja auch großflächig. Wir entscheiden uns für eine schöne Lösung. Und damit für etliche Tage Mehraufwand und hohe Kosten, wie sich später herausstellen wird.

Ein befreundeter Künstler, Manuel Strauss, will sich der Sache annehmen. Der Aufwand ist vertretbar, sagt er. Noch. Wir fahren den Kasten zu ihm und kümmern uns nicht mehr darum. Vorerst.

Wie bedient man so einen Automaten?

Stattdessen brauchen wir einen Plan. Wie soll das denn alles überhaupt funktionieren? Ins Innere kommen PC und Monitor, soviel ist klar. Aber was machen wir mit den Joysticks?

Wir recherchieren und lesen Beiträge über Beiträge, betrachten Fotos und Videos. Viele Bastler setzen auf PC-Gamepads, die an Kabeln baumeln oder auf Standard-Joysticks, die auf der Oberfläche montiert werden. Aber das entspricht nicht unseren Vorstellungen – wir möchten die Tasten und Hebel weiternutzen, an denen man früher bei Pac Man & Co. auch gerissen hat.

Auf unserer Suche nach Lösungen finden wir verschiedene Ansätze. Die meisten davon haben eins gemeinsam: Sie setzen auf funktionierende Automatenplatinen. Aber die haben wir nicht, stattdessen nur etwas Rauch, der sich inzwischen verflüchtigt hat, ein paar verschmorte Kabel und das, was mal funktionierende Elektronik war.

Nach weiterer Recherche stolpern wir über Encoder. Das sind kleine Platinen, an die wir alle Tasten und Joysticks anschließen können. Auf der anderen Seite des Encoders kommt ein Kabel mit PS/2-Stecker heraus. Die Elektronik verhält sich also wie eine Tastatur. Statt Buchstaben gibt es hier aber Fire- und Jump-Knöpfe, Münzprüfer und Joysticks. Genau DAS brauchen wir – und bestellen uns mit InterfASD zielgerichtet die billigste Alternative für 24 Euro.

Arcadeautomat im Eigenbau: Encoder-Platine
Die Encoder-Platine verbindet die Bedienelemente mit dem PC.

Pimp my Control Panel

Bis die Platine eintrifft, müssen wir die Metallplatte, in der Hebel und Knöpfe untergebracht sind, aufhübschen. Denn die verkratzte Oberfläche brauchen wir ebensowenig wie das gebrochene Plastik. Wir bauen alles aus, was vorhanden ist, und greifen wieder zu unserem neuen Lieblingswerkzeug: dem Spachtel. Nach stundenlanger Kratzarbeit sind alle Spuren beseitigt. Beim Entfernen der Klebereste hilft uns Lackverdünner. Die Metallplatte glänzt nach dieser Behandlung wie fabrikneu.

Arcadeautomat im Eigenbau
Blankes Metall: Allein eine Stunde dauert es, die alten Folien- und Plastikreste abzukratzen.

Aber Edelstahl hat dort nichts zu suchen. Retro-Look muss her. Und dementsprechend geht die Suche weiter. Wir finden einen Anbieter, der uns eine dünne Plastikscheibe für die Oberseite nach unseren Vorstellungen bedruckt. Eine Alternative wäre eine dünne Plexiglasscheibe, unter der ein Ausdruck aufgeklebt wird. Problematisch bleiben Biegung und Vorderseite. Hier könnte wieder eine Folie zum Einsatz kommen, aber ob die so gut hält, um den harten Alltagseinsatz an dieser Stelle zu überleben?

Wir werden kreativ – und fahren zum Autosattler. Für 20 Euro in die Kaffeekasse gibt es dort einen Lederfetzen in Schwarz, der die richtigen Abmessungen hat – und für weitere 10 Euro hat unser geliebter Baumarkt Sprühkleber zu bieten. Gedacht, gekauft, geschnitten und geklebt – das sieht gut aus. Wir sind zufrieden und machen uns an den Einbau von Joysticks und Schaltern. Mit einem Teppichmesser schneiden wir die Löcher vor und schrauben die Elemente wieder an.

Arcadeautomat im Eigenbau: Echtleder statt Plastik sorgt für gutes Look & Feel.
Echtleder statt Plastik sorgt für gutes Look & Feel.

Das sieht sogar sehr gut aus. Nun geht es an die Verkabelung – und wir trauen unseren Augen nicht: Der Original-Stecker, der an den Elementen verbaut war, passt auf die inzwischen eingetroffene Encoder-Platine! Wir müssen lediglich ein bei der Umbauaktion abgerissenes Massekabel wieder anlöten und ein paar Kabel, die in dem flachen Stecker ohnehin nur gecrimpt sind, umsetzen. Funktionstest am PC – es geht!

Technik, die begeistert

Apropos PC – wir brauchen noch die Komponenten, die künftig im Inneren unseres TV Ideal Standard Leben in die Spiele hauchen. Ein halbwegs aktueller Rechner, vier Jahre alt, erfüllt diese Aufgabe vollkommen – und so einen haben wir noch. Windows XP ist noch drauf, dazu installieren wir den Emulator MAME.

Nun fehlt noch ein Monitor. Wer das echte Arcade-Feeling nicht missen möchte, kann mit einer speziellen Grafikkarte sogar einen Original-Monitor aus den alten Cabinets zum Laufen bringen – aber wir wollen lieber aktuelle Technik verbauen. Ein 19″-CRT-Monitor wäre perfekt. Wir haben noch einen alten Highscreen-Röhrenmonitor, aber leider ist sein Rahmen viel zu dick – er passt nicht ins Gehäuse.

Notgedrungen entscheiden wir uns für einen TFT. Damit geht zwar viel von dem alten Look & Feel verloren, aber dafür ist im Inneren des Automaten viel mehr Platz und er braucht weniger Strom. Wer einen Flachbildschirm ersteht, sollte unbedingt auf möglichst hohe Blickwinkel achten – denn schließlich gucken beim Zocken häufig Zuschauer von der Seite mit ins Bild. Wichtig ist bei unserem Cabinet auch ein hoher Blickwinkel von unten, da der Spieler nicht gerade auf den Schirm blickt.

Damit die Bedienung der MAME-Software auch über die Joysticks klappt und wir nicht jedes Mal eine Tastatur anschließen müssen, wenn ein neues Spiel geladen werden soll, suchen wir eine passende Oberfläche. Nach kurzer Recherche und etwas Herumprobieren entscheiden wir uns für Mala. Kurz installiert, fertig.

Farbe für 100 Euro

Unser Künstler Manuel Strauss ist inzwischen seit einer knappen Woche am Werk. Nachdem die ursprünglich für die Grundierung gedachte weiße Sprühfarbe sich als inkompatibel zu seinen Airbrush-Farben herausgestellt hat, hat er den kompletten Kasten in 6 Stunden Arbeit mit der feinen Srühpistole Weiß lackiert. Allein die weiße Flasche hat mit 60 Euro zu Buche geschlagen. Dass in der Zwischenzeit sogar der Kompressor den Geist aufgegeben hat, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Arcadeautomat im Eigenbau: weiße Grundierung
Jetzt wird er wirklich schön: Zunächst trägt Manuel eine weiße Grundierung auf.

Der ursprünglichen Idee, den Automaten mit Spielfiguren unterschiedlicher Kult-Games zu bemalen, fällt allerdings inzwischen aus Zeitgründen ins Wasser. Aber Manuel hat schon eine neue Idee: Der Automat soll so aussehen, als wäre er schon kurz vorm Platzen! Gedacht, gesprüht – und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Aus weiß wurde wieder schwarz und glutrote Lavaströme überziehen nun das Gehäuse. Sie fließen über die Seiten bis in die Front und bringen einen leichten 3D-Look ins Bild.

Arcadeautomat im Eigenbau: Airbrush-Design
Es wird: Vom grausamen Mahagoni-Funier ist nichts mehr zu sehen.

Auch die Fronttür sowie die Geldkassettenklappe im unteren Bereich der Front sind entsprechend lackiert. Wir sind begeistert!

Alles wieder zusammen

Wir packen unsere Komponenten in den Kofferraum und fahren ins Atelier. Zwei Stunden dauert es, Schlösser, Türen, Controller und so weiter wieder zu einem Automaten zusammenzumontieren. Im Baumarkt haben wir für 8 Euro noch eine neue Neonröhre für das Werbeschild im oberen Bereich des Kastens gekauft.

Arcadeautomat im Eigenbau: Neue Lampe
Neue Lampe: Sie kümmert sich um die Beleuchtung des Kopfes.

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein neuer Ausdruck zwischen die Plexiglasscheiben kommen, aber das ließ der Künstler nicht zu. Stattdessen gibt es nun das CNET-Logo im Pac-Man-Look und leichter Retro-Note mit Hintergrundbeleuchtung – direkt per Airbrush aufgetragen.

Im Inneren finden nun noch PC und Monitor ihren Platz. Wir schalten die Komponenten ein – und alles funktioniert!

Was noch fehlt

Spachteln, Lackieren, Beledern, Löten, Schrauben – all das hat viel länger gedauert als gedacht. Deswegen sind wir auch noch nicht so ganz fertig mit unserem Projekt, obwohl alles perfekt funktioniert. Nur zu genau sollte man nicht hinsehen, denn an einigen Ecken und Enden sind die Details noch nicht perfekt.

Die D-Mark-Münzprüfer werden wir noch durch Euro-Münzprüfer ersetzen, die es für wenig Geld bei eBay gibt. Die Mikroschalter geben ihre Signale dann über den InterfASD-Encoder an den MAME-Emulator weiter.

Dem Gehäuse fehlt noch ein schützender und veredelnder Überzug aus Klarlack, der für das letzte, perfekte Finish sorgt.

Im Inneren des Cabinets müssen wir die Komponenten noch fixieren – etwa mit Spanngurten aus dem Baumarkt, die wir im hinteren Bereich an das Gehäuse tackern und damit dann den PC einspannen.

Arcadeautomat im Eigenbau: Fast fertig
Fast fertig: Noch etwas Klarlack, ein paar Schrauben und c’est ca!

Fazit

Alles geht, alles sieht toll aus und unser CNET-Arcadeautomat holt die Klassiker aus den 70er und 80er Jahren zurück in die heutige Zeit. Der Spielspaß ist gigantisch, auch wenn Grafik und Sound mies sind, aber darum geht es ja gar nicht – unser Projekt zieht begeisterte und neidische Blicke auf sich. Doch unterm Strich war der Aufwand gigantisch. Wochenlang haben wir Abends geputzt, gebastelt, gelötet, geklebt, gespachtelt, gesprüht, gesurft und recherchiert.

Wer auf der Suche nach einem richtig coolen Projekt mit hoher Individualität und einer großen Herausforderung ist, die später direkt in Spielspaß übergeht, sollte sich am besten sofort bei Automatenaufstellern in seiner Nähe kundig machen. Und gleich doppelt so viel Zeit einplanen, wie eigentlich gedacht.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41524954/arcade-automat-im-eigenbau-pacman-paperboy-co/

URLs in this post:

[1] Wir restaurieren einen Arcadeautomaten: Schritte bis zur Perfektion: https://www.cnet.de/41524976/wir-restaurieren-einen-arcadeautomaten-schritte-bis-zur-perfektion/?pid=1#sid=41524954