Schon getestet: HTC Google Nexus One – endlich ein iPhone-Killer?

von Daniel Schraeder und Kent German am , 06:20 Uhr

Pro
  • scharfes 3,7 Zoll AMOLED-Display
  • schlank
  • komplette Vollausstattung
  • Android 2.1 mit Zugang zum Market
  • Sprachsteuerung
  • schneller Prozessor
Con
  • derzeit nicht in Deutschland verfügbar
  • kein Multitouch
  • speichert Anwendungen nur auf dem internen, 512 MByte großen Speicher
  • kein Tethering
  • langsame Kamera
Hersteller: HTC Listenpreis: 530 Dollar (umgerechnet ca. 400 Euro)
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das Nexus One könnte sich als iPhone-Killer etablieren. Es ist deutlich günstiger, hat ein besseres Display und ist mindestens so gut ausgestattet wie das Apple-Smartphone. Obwohl einige Funktionen fehlen, überzeugt es mit guter Gesprächsqualität, toller Oberfläche und der coolen Sprachsteuerung.

Das Nexus One ist da – das Android-2.1-Smartphone mit riesigem, gestochen scharfen AMOLED-Display, mit UMTS, WLAN, GPS, Kompass und allen anderen leckeren Ausstattungsmerkmalen, die die Technik heute hergibt. In den USA kann man es ab sofort bestellen. Wir sind derzeit in Las Vegas auf der CES und halten unser Exemplar bereits in den Händen. Ob es das iPhone wirklich überflügelt, verrät der Test.

Die Gerüchteküche hatte recht: Google [1] bringt ein eigenes, neues Android [2]-Smartphone [3]. Nun ist es da, es heißt Nexus One und wird von HTC [4] gebaut, jenem Hersteller, der schon mit seinen eigenen Android-Geräten Magic [5] und Hero [6] überzeugt. Highlights gibt es auf der Software- wie auf der Hardwareseite. Zu den Top-Funktionen gehören die neue Sprachsteuerung, das große, gestochen scharfe AMOLED-Display, 3D-Unterstützung und eine Geräuschreduktion.

Design

Auf den ersten Blick sticht das Nexus One nicht gerade aus der Masse der Andriod-Smartphones heraus. Es sieht gut aus und ist schön schlank – aber es ist kein Highlight, bei dem einem fast die Augen aus dem Kopf fallen. Es misst 11,6 mal 6,0 Zentimeter und baut gerade einmal 12 Millimeter in die Höhe. Damit ist es etwa gleich groß wie das HTC Hero oder das iPhone 3G. Es bringt knappe 130 Gramm auf die Waage.

Farblich sind weder Google noch HTC hier irgendwelche Risiken eingegangen. Das Gehäuse ist zweifarbig, beziehungsweise zweigrauig – es gibt zwei unterschiedliche Grautöne. Das Gerät fühlt sich gummiert an und liegt gut in der Hand.

Google Nexus One
Nexus One und iPhone 3G sind nahezu gleich groß. Das Google-Smartphone ist etwas leichter.

Der prominente Star des Handys ist die 3,7 Zoll große AMOLED-Anzeige. Sie zeigt 16,7 Millionen Farben und 800 mal 480 Pixel an. Damit ist sie sogar größer und hochauflösender als das iPhone-Display und setzt auf die modernere Anzeigetechnik. Text, Webseiten, Fotos, Videos – alles wirkt gestochen scharf und sieht wirklich erstklassig aus.

Unterhalb der Anzeige finden sich die typischen Android-Tasten für Zurück, Menü, Home und Suche. Sie sind innerhalb der Display-Scheibe als Soft-Touch-Tasten ausgelegt. Darunter sitzt noch der von anderen HTC-Smartphones bekannte Trackball, der beim Eingang neuer Nachrichten weiß blinkt. Untypisch für ein Handy mit Google-Betriebssystem ist das Fehlen der Tasten für Rufannahme und Auflegen – sie werden per Software dargestellt.

Die Oberfläche ist uns neu. Leider kommt hier nicht das HTC-Sense-Interface zum Einsatz, das wir vom Hero kennen. Glücklicherweise gibt es aber auch nicht den Standard der ersten Android-Versionen mit drei Homescreens. Inzwischen gibt es fünf davon, wie gehabt sind sie frei konfigurierbar mit Widgets, Bildern, Verknüpfungen und so weiter. Die Bedienung hat sich im Vergleich zu früheren Versionen des Google-Betriebssystems leicht geändert – so zieht man das Hauptmenü nun nicht mehr von unten nach oben, stattdessen gibt es eine quadratische Taste auf dem Homescreen, die diese Aufgabe übernimmt.

An allen Ecken und Enden freuen wir uns nun über 3D-Effekte – so „rollen“ die Icons des Menüs jetzt beispielsweise nach hinten weg, statt einfach nach oben zu verschwinden, und auf dem Hintergrundbild schwimmen Blätter im Wasser – und das Wasser wirft Wellen, wenn wir mit dem Finger auf die Oberfläche tippen.

Auf der Oberseite finden sich die Ein-Aus-Taste und eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Standard-Kopfhörer und -Headsets. Wer das Handy aus dem Standbymodus holt, kann entsperrt es mit einem Slide von links nach rechts. Fährt man mit dem Finger in die andere Richtung über das Display, schaltet man es stumm. Am linken Rand gibt es einen dünnen Wippschalter zur Lautstärkeregelung, auf der Rückseite findet sich die Linse der 5-Megapixel-Kamera samt LED-Leuchte und es gibt Platz für eine persönliche Gravur, die – zumindest bei Bestellung in den USA – kostenlos ist. Auf der Unterseite findet sich eine Micro-USB-Buchse zur Datenübertragung und zum Laden des Akkus, und wer SIM- oder microSD-Speicherkarte austauschen will, muss den Deckel abheben.

Google Nexus One
Die Tasten sind nicht mechanisch, sondern reagieren auf Berührung. Haptisches Feedback per Vibration erleichtert die Bedienung.

Ausstattung

Auf dem Nexus One läuft Android 2.1 – und dementsprecht kann das Smartphone eigentlich alles, was man von ihm erwartet. Es synchronisiert Kontaktdaten, Kalender & Co. mit dem Google-Account und mit Exchange. Wir haben testweise beides ausprobiert. Die Einrichtung dauert nur wenige Sekunden, danach klappt alles flott und problemlos. Darüber hinaus ist auch der Abgleich von POP3- und IMAP-E-Mail-Fächern sowie von Facebook-Kontakten möglich. Nicht funktioniert hat beim Test allerdings das Abrufen von Yahoo-E-Mails – das Gerät war felsenfest davon überzeugt, dass wir falsche Benutzerdaten eingegeben haben. Wir haben Usernamen und Passwort mehrfach neu eingegeben, um sicherzustellen, dass das nicht der Fall war.

Der Datenabgleich mit dem Outlook-Kalender funktioniert ebenfalls nicht. Ein Update soll das Problem später beheben – wann genau es kommt, haben wir nicht herausfinden können. Die Synchronisation mit Terminen im Google-Kalender klappt hingegen problemlos.

Eine weitere Neuerung ist die Spracherkennung. In Englisch funktioniert sie erstaunlich gut. Das Anwählen von Kontakten ist ebenso möglich wie das Aktualisieren von Facebook, das Suchen von Programmen im Android Market oder das Schreiben von Kurznachrichten. Selbst in lauteren Umgebungen versteht die Software gesprochene Sätze erstaunlich gut. Der Nutzer muss seine Stimme übrigens nicht erst anlernen. Mit deutscher Sprache sieht es zumindest mit der derzeitigen Firmware-Version anders aus. Wer beispielsweise die Sprachwahl aktiviert bekommt einen Hinweis auf Deutsch, in dem Beispiele stehen, etwa „Karsten Müller zu Hause anrufen“. Wer soetwas sagt, erhält aber nur katastrophale Ergebnisse. Wer hingegen – trotz deutscher Spracheinstellung – „Call Karsten Müller at home“ sagt, kommt zum Ziel. Die sprachgesteuerte Suche funktioniert noch gar nicht: Eine Meldung informiert den Nutzer beim Start darüber, dass die eingestellte Sprache derzeit noch nicht unterstützt wird.

Die Kamera löst 5 Megapixel auf. Wer so viele Bildpunkte etwa für einen kurzen Wetter-Schnappschuss nicht benötigt, hat die Wahl zwischen vier Auflösungen und drei Qualitätsstufen. Außerdem kann der Nutzer Einfluss nehmen auf Weißabgleich, Farbeffekte und die Foto-LED, die als Blitz fungiert. Die Kamera-Oberfläche kennen wir schon von der Android-Version 1.6 – sie ist simpel und übersichtlich. Ein virtueller Schiebeschalter aktiviert die Videoaufnahme. Auf Wunsch nimmt das Gerät bis zu 30 Minuten lange Clips in 720 mal 480 Pixeln bei 20 Bildern pro Sekunde auf, Videos für MMS-Nachrichten werden nach 30 Sekunden gestoppt.

Die Qualität der Bilder ist zufriedenstellend. Farben sehen natürlich aus und es gibt verhältnismäßig wenig Bildrauschen, wobei die meisten Kamera-Handys bessere Ergebnisse liefern. Die Foto-LED erledigt ihren Job als Blitz ganz gut, nur in komplett dunklen Räumen hilft auch sie nicht weiter.

Nexus One Bildqualität
Die Fotos sind nicht überragend, können sich aber sehen lassen.

Während die Bilderansicht optisch aufgehübscht und um 3D-Effekte erweitert wurde, kann der Multimedia-Player im Vergleich zu dem anderer aktueller Smartphones nicht mithalten. Das soll nicht heißen, dass er schlecht wäre – aber er ist eben einfach nichts besonderes. Immerhin zeigt er Alben-Cover an, es gibt Wiederholungs- und Zufallsmodi sowie Playlisten.

Zur weiteren Ausstattung gehören eine Full-Duplex-Freisprecheinrichtung, A2DP für Stereo-Audio-Übertragung per Bluetooth, WLAN, GPS, Näherungs- und Beschleunigungssensor und so weiter. Softwareseitig sind quasi keine Grenzen gesetzt, da über den Android Market tausende von Applikationen und Spielen zur Verfügung stehen.

Leistung

Auf Anhieb gefällt uns die Sprachqualität. Selbst in den vollen Messehallen auf der CES [7] in Las Vegas verstehen sich beide Gesprächspartner klar und deutlich. Auch die integrierte Freisprecheinrichtung überzeugt – lediglich bei hoher Lautstärke wirkt sie etwas überfordert.

Surfen per UMTS klappt schnell und flott. Auch der Browser überzeugt, allerdings fällt uns spätestens hier das Fehlen von Multitouch auf – wer zoomen möchte, muss die altmodisch wirkenden Tasten mit Plus- und Minus-Zeichen nutzen. Dafür überzeugen uns die weiteren Funktionen wie Bookmarks, Copy & Paste oder Tabbed Browsing.

Auch der GPS-Empfang macht dem Gerät keinen Strich durch die Wertung. Die Positionsbestimmung erfolgt schnell und genau.

Besonders freuen wir uns über den 1 GHz schnellen Snapdragon-Prozessor. Wir können ohne Übertreibung behaupten, dass das Nexus One das schnellste Android-Phone ist, das wir jemals in den Fingern hatten. Das Starten von Anwendungen und das Wechseln zwischen ihnen erfolgt flott und verzögerungsfrei – so muss das sein.

Laut Hersteller soll der Akku im Standby gute 10 Tage durchhalten, beim Dauertelefonieren sind es etwa 7 Stunden. Bei aktiviertem UMTS, wohl gemerkt. Für ausführliche Tests hatten wir bislang noch nicht genug Zeit – die Ergebnisse reichen wir nach.

Fazit

Das Nexus One ist nicht perfekt. Wir würden uns beispielsweise ein UKW-Radio wünschen, die coole HTC-Sense-Oberfläche und Multitouch. Aber abgesehen davon gehört es zu den besten Smartphones, die es derzeit gibt. Wir hoffen, dass das Gerät auch bald nach Deutschland kommt. Die Zeichen sehen gut aus – laut Google soll das Handy im Frühling dieses Jahres bei Vodafone in Europa erhältlich sein.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[5] Magic: https://www.cnet.de/tests/handy/41003354/htc+magic+android_smartphone+von+vodafone+mit+vollausstattung.htm

[6] Hero: https://www.cnet.de/tests/handy/41005822/im+test+android_smartphone+htc+hero+_t_mobile+g2+touch_+mit+sense_oberflaeche.htm

[7] CES: http://www.cnet.de/themen/ces-2014/