Handy mit Games im Wii-Stil: Sony Ericsson Yari

von Daniel Schraeder und Flora Graham am , 16:00 Uhr

Pro
  • Apps für Facebook und Foto-Communitys vorinstalliert
  • große Funktionsvielfalt
  • UKW-Radio
  • umfangreiche Kameraeinstellungen
  • integriertes GPS
Con
  • flache Tastatur
  • zu kleines Display zum Spielen
  • Gestensteuerung für Games ist innovativ, aber praxisfremd
  • simpler Webbrowser
  • unübersichtliches User-Interface
  • kein WLAN
Hersteller: Sony Ericsson Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: AUSREICHEND 4,9 von 10 Punkte
Fazit:

Das Top-Herausstellungsmerkmal des Yari sollen die gestengesteuerten Spiele sein. In der Theorie sind sie das auch, in der Praxis klappt das aber nicht. Im Test freuen wir uns über die ansonsten umfangreiche Ausstattung. Aber unterm Strich überzeugt uns dieses Handy nicht - zumal es das W995 Walkman mit deutlich besserer Leistung inzwischen zum gleichen Preis gibt.

Wenn es nach Sony Ericsson geht, ist das Yari das Gaming-Handy der Zukunft. Die Steuerung der Spiele soll durch Bewegungen erfolgen, ganz wie bei der Nintendo Wii. Ob das funktioniert und wie die sonstigen Funktionen des Mobiltelefons mit Facebook-Anbindung überzeugen, verrät der Testbericht.

Wenn man das Yari in die Hand nimmt, wird aus dem eigenen Körper ein Joystick. Man wird ins Spiel gerissen, aus dem Handy wird quasi eine Nintendo Wii – so zumindest stellen wir uns das vor, wenn wir dieses Handy sehen. Das muss also sofort ausprobiert werden.

Bewegungen? Ja. Gesten? Nein.

Auf den ersten Blick ist das Yari fast schon eine Enttäuschung. Nicht, weil es schlecht aussieht – aber es ist eben „nur“ ein „normales“ Slider-Handy. Nicht freakig oder abgehoben, so, wie wir es von einem Gaming-Handy erwarten würden. Immerhin überzeugen die inneren Werte, zumindest auf dem Papier: Ein integrierter Beschleunigungsmesser erlaubt das Steuern von Spielen durch Bewegungen, und eine auf der Vorderseite montierte Kamera erkennt Bewegungen von Händen und Fingern, wenn ein Game mit Gestensteuerung läuft.

Vorinstalliert sind bereits ein paar Spiele, damit Käufer direkt loslegen können, wenn sie das Yari aus seiner Verpackung heben. Wenn das nicht ausreicht, hat der Sony [1]-Ericsson-eigene Store namens PlayNow weitere Games im Angebot. Wir haben das natürlich direkt ausprobiert – und sind tatsächlich angenehm überrascht: Bei Spielen wie LocoRoco arbeitet der Bewegungssensor hervorragend.

Nicht ganz so überzeugend sind hingegen die Spiele mit Gestensteuerung. Um sie nutzen zu können, dockt man das Handy in den mitgelieferten Standfuß und wedelt die Arme wie ein betrunkener Tintenfisch vor der Kamera herum, um virtuelle Tennisbälle zu treffen, oder springt mit dem gesamten Körper durchs Bild, um im Fitness-Spiel Erfolg zu haben. Es mangelt an der Präzision der Steuerung – und unterm Strich macht das so einfach keinen Spaß.

Foto-Profi?

Auf der Rückseite des Gehäuses findet sich die Linse der 5-Megapixel-Kamera. Beeindruckend ist die Anzahl der Foto-Optionen, die das Handy zu bieten hat – von der Lächelerkennung bis zum Selbstauslöser ist alles vorhanden, was wir uns bei einer Handykamera wünschen.

Bilder in hellen Umgebungen können sich sehen lassen. Lediglich der leicht pinke Stich stört, aber es gibt deutlich schlechtere Handy-Kameras. Wenn es dunkel wird um das Yari, hat die Kamera deutlich größere Probleme. Fotos sind körnig und verrauscht. Immerhin bringt eine Foto-LED etwas Licht in Bars und Nächte – besser, als keine Kamera. Die zweite Linse auf der Vorderseite ist primär fürs Spielen gedacht, allerdings sind auch Videotelefonate über UMTS möglich.

Nichts fürs Web

UMTS und der Downloadturbo HSUPA sind vorhanden, WLAN hingegen fehlt. Damit sind zumindest schon mal 50 Prozent der Mindestanforderungen für mobiles Internet gegeben – auf dem Datenblatt. In der Praxis taugt das Yari nämlich nicht für Ausflüge ins Netz, denn der vorinstallierte Webbrowser ist schwach.

Immerhin gibt es einen angenehm empfindlichen GPS-Empfänger, der in Kombination mit Google [2] Maps für die Orientierung im Großstadtdschungel sorgt. Dank Latitude ist auch das Auffinden von Freunden möglich.

Facebook-Fans können Statusmeldungen ihrer Freunde über eine eigene App lesen, statt den Browser zu benutzen. Das Programm ist ordentlicht. Es ersetzt natürlich nicht die komplette Facebook-Seite, aber es ist auch nicht leicht, alle Inhalte auf dem kleinen Display des Yari unterzubringen.

Die UMTS-Internetverbindung ist schnell genug, um Fotos direkt in Facebook, Flickr, Picasa oder Blogger hochladen zu können. Dafür sollte allerdings unbedingt ein entsprechend dimensionierter Datentarif vorhanden sein – sonst ist das schnell ein teures Vergnügen.

Alles, was man braucht

Sony Ericsson spart üblicherweise nicht bei der Ausstattung seiner Handys – und davon profitiert auch das Yari. Der Hersteller hat ein UKW-Radio eingebaut, einen Schrittzähler spendiert und die Musik-Identifikationssoftware TrackID vorinstalliert.

Außerdem gibt es eine Taschenlampen-Funktion, die die Foto-LED aktiviert. Im Notfall blinkt die Leuchte auf Wunsch auch im SOS-Morsecode. Diese Funktion wird man in der Praxis wohl eher nicht benötigen, wenn man sich nicht regelmäßig auf U-Booten oder Telegrafenmasten aufhält, aber sie schadet ja nicht. Benötigt man den SOS-Melder dann wirklich, ist es allerdings nicht so leicht, ihn auf Anhieb in den gut gefüllten Menüs zwischen Youtube-Client und Musik-Quiz zu finden.

Wer gerne in den Tiefen der Menüs verschwindet und sich jedes Mal wieder freut, wenn er eine neue Funktion entdeckt, freut sich sicherlich darüber. Wer das Gerät aber einfach nur benutzen möchte, fühlt sich von dieser großen Masse an Features wohl überwältigt.

Telefonieren? Nebensache!

In unseren Tests fällt das Yari leider ausgerechnet bei der Sprachqualität durch. Selbst bei voll aufgedrehter Lautstärke ist es kaum möglich, den Gesprächspartner zu hören – das führt natürlich zur Abwertung, denn in erster Linie ist das Gerät eben ein Handy und keine Spielekonsole.

Außerdem stört uns das flache Keyboard. Man kann die Tasten einfach nicht erfühlen, um schnell zu tippen. Immerhin ist der Druckpunkt noch gut zu spüren.

Fazit

Sony Ericsson stellt das Yari ganz klar in eine Nische: Es ist ein Handy mit abgefahrenen Gaming-Optionen. Speziell dafür ist das Display aber zu klein. Außerdem wirkt die Gestensteuerung irgendwie nicht so ganz fertig – und die Steuerung von Spielen mit Bewegungen gibt es auch auf anderen Handys.

Wer auf der Suche nach einem Slider von Sony Ericsson ist, sollte sich stattdessen lieber das W995 Walkman ansehen. Es ist zwar schon etwas älter, hat aber eine bessere Kamera und einen besseren MP3-Player an Bord und bietet ansonsten fast den gleichen Funktionsumfang wie das Yari. Und bei der Sprachqualität braucht es sich nicht zu verstecken. Außerdem kostet das W995 in etwa gleich viel.

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