Android-Smartphone als Navigationssystem: Navi-Software im Vergleich

von Daniel Schraeder am , 18:56 Uhr

Im letzten Sommer gab es mit CoPilot Live von ALK genau einen Routenführer für Handys mit dem Google-Betriebssystem Android – und auf dem deutschen Markt auch erst zwei entsprechende Smarpthones. Inzwischen ist das Angebot an Geräten und Programmen angewachsen. Es ist an der Zeit, zu vergleichen: Welche Navi-Software ist die Beste? Neben CoPilot treten Navigon, Ndrive und die kostenlose Alternative AndNav2 an.

Portable Navigationssysteme haben ein ähnlich gigantisches Wachstum im Markt hingelegt wie Handys ein Jahrzehnt zuvor. Kein Wunder, denn sie steigern den Komfort beim Autofahren im Vergleich zum guten, alten Falk-Plan schier ins unermessliche. Außerdem sind die Preise auf ein erträgliches Maß gefallen und die Geräte inzwischen ausgereift. Bedienung und Routenführung lassen keine Fragen mehr offen, Funktionsvielfalt wie Blitzer-Warner, Stauumfahrung oder Bluetooth-Freisprecheinrichtung sorgen für den gewissen Mehrwert – und unterm Strich werden unsere Straßen sicherer. Denn ein Navi lenkt weniger ab als eine Karte auf dem Lenkrad.

Allerdings dürfte das Wachstum in diesem Markt seinen Zenit erreicht haben. Nicht nur, weil quasi jeder inzwischen mit einem PND (Portable Navigation Device) ausgestattet ist – sondern auch, weil die Geräteklasse eigentlich schon obsolet ist. Jedes moderne Smartphone [1] bringt alle Ausstattungsmerkmale mit, die ein Navi braucht. Dementsprechend groß ist inzwischen auch die Auswahl an entsprechenden Programmen.

Besonders interessant sind derzeit Handys mit dem Android [2]-Betriebssystem von Google [3]. Samsung [4], HTC [5], Motorola und LG [6] haben bereits entsprechende Geräte im Angebot, zum Mobile World Congress [7]Mitte Februar folgt Sony [8] Ericsson. Die Auswahl an Hard- und Software ist also groß – und somit werfen wir einen Blick auf das Angebot: Welches Navi-Programm für Android ist das Beste?

Android-Navigation
Intelligente Eingabehilfe: Wer bei Navigon auf das „M“ tippt, bekommt als Ziel direkt München vorgeschlagen. Beim „B“ gibt es – natürlich – Berlin.

Das Testfeld

Wer im Android Market – dem App Store von Google – nach Navigation sucht, bekommt eine lange Liste von Programmen. Nicht alle davon taugen auch wirklich zur Routenführung. So gibt es ja bereits im kostenlosen Google Maps die Möglichkeit, sich eine Route berechnen zu lassen. Allerdings mangelt es an der sogenannten Turn-by-Turn-Technik: Im Gegensatz zu einem echten Navi sieht der Nutzer nur eine Straßenkarte und seine Position, bekommt aber keine Hinweise im Stil „In 300 Metern rechts abbiegen“ angesagt und angezeigt. Die Darstellung der Route ist statisch und berücksichtig nicht den aktuellen Ort des Fahrzeugs.

Unter den richtigen Navi-Programmen gibt es wiederum zwei Alternativen: On-Board- und Off-Board-Routenberechnung. Während das Kartenmaterial bei der On-Board-Variante auf dem Handy gespeichert ist und die Routenberechnung somit im Fahrzeug erfolgt, liegen die Daten bei der anderen Variante auf den Servern des Software-Anbieters. Die Berechnung und Übertragung erfolgt über das Internet. Dadurch ist die Off-Board-Lösung häufig auf den ersten Blick günstiger, und dem Nutzer stehen permanent die aktuellsten Karten zur Verfügung – allerdings klappt das Navigieren dann aufgrund hoher Roaming-Kosten nicht im Ausland und die Routenberechnung funktioniert nicht in schlecht versorgten Gebieten.

Auch deswegen haben wir uns für die deutlich transparenteren On-Board-Lösungen entschieden. Man kauft einmal ein Paket aus Kartenmaterial und Software und nutzt den Dienst ohne weitere Kosten. Derzeit hat der Market hier die Programme CoPilot Live von ALK sowie Ndrive zu bieten, noch im Februar bringt Navigon den Mobile Navigator in den Market. Von der Navigon-Lösung haben wir bereits eine Vorab-Version erhalten und ausführlich unter die Lupe genommen. Außer Konkurrenz fährt eine Off-Board-Lösung mit: AndNav2. Das Programm passt zwar eigentlich nicht ins Testfeld, hat aber einen unschlagbaren Vorteil: Es ist kostenlos.

Android-Navigation
Der Android-Market findet 134 Programme zum Thema „Navigation“ – es gibt aber nur drei „echte“ On-Board-Navigationslösungen.

Kosten

Wir bleiben direkt beim Thema. Einer der großen Kostentreiber bei Navis und Naviprogrammen ist das Kartenmaterial. Hier setzt die Gratislösung AndNav2 auf die Daten von OpenStreetmap, einem offenen Dienst, dem jeder Straßen und Routen hinzufügen kann. Der Nachteil: Einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es nicht. Wenn in einem schwach besiedelten Gebiet diverse Straßen und Wege noch nicht eingezeichnet wurden oder Umbaumaßnahmen nicht aktualisiert worden sind, stimmt die Route nicht. Das ist eben der Preis der Gratislösung.

Die anderen Programme setzen auf kommerzielles Kartenmaterial. Dementsprechend teuer sind sie – oder ihre Karten – auch. Als Schnäppchen im Vergleich entpuppt sich CoPilot Live. Mit Deutschland-Karte kostet die Lösung gut 30 Euro, die Europa-Version ist für knapp 70 Euro zu haben. Eine Demo-Version ist im Market nicht verfügbar.

Navigon soll zu einem Einführungspreis von knapp 75 Euro im Market zu bekommen sein. Mit Europa-Karte liegt es preislich auf dem gleichen Niveau wie CoPilot. Darüber hinaus wird es eine Demo-Version geben, die Interessenten kostenlos herunterladen und 30 Tage testen können.

Die reine Navigationssoftware von Ndrive hingegen ist kostenlos – allerdings ohne Kartenmaterial. Karten lassen sich eine Woche gratis ausprobieren, danach ist eine Lizenzierung nötig. Die Straßendaten von Deutschland, Österreich und der Schweiz sind für 45 Euro zu haben, die Europa-Version schlägt mit 70 Euro zu Buche.

AndNav2: 1 Punkt CoPilot Live: 0 Punkte Navigon: 0 Punkte Ndrive: 0 Punkte

Android-Navigation
AndNav2 ist komplett kostenlos. Leider wirkt die Optik nicht so professionell wie bei den Marktbegleitern.

Installation

In diesem Kapitel schlagen sich alle Anbieter tapfer. Die Programme finden sich auf Anhieb im Android Market und lassen sich per Fingertipp installieren. Danach erfolgt der Download des Kartenmaterials per WLAN oder über den PC. Das dauert – denn für eine Deutschlandkarte wandern mal eben 500 MByte durch den Äther, die Europakarte belegt über 2 GByte auf der Speicherkarte. Dieser Schritt entfällt natürlich bei der Off-Board-Lösung AndNav2.

AndNav2: 1 Punkt CoPilot Live: 1 Punkt Navigon: 1 Punkt Ndrive: 1 Punkt

Speicherplatzbedarf

Speziell bei Android-Smartphones ist es durchaus relevant, wie viel Speicher eine Applikation belegt. Denn auch wenn eine 16 GByte große microSD-Karte genügend Platz für Kartenmaterial, MP3-Sammlung, Fotos und TV-Serien bereitstellt, stehen für die Anwendungen selbst nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung – je nach Modell sind es etwa zwischen 100 und 200 MByte, in denen der Nutzer Spiele, Office-Programme, PDF-Reader, Location Based Services und eben auch Navigatoren unterbringen kann.

Die Unterschiede sind gewaltig: Während die kostenlose Stauwarner-App Verkehrsinformation mit 120 kByte auskommt, sind die Navis im Vergleich dazu verschwenderisch. AndNav2 ist mit 6 MByte schon fast noch vorbildlich (auch, wenn das Programm damit schon die Liste der Anwendungen nach Speicherbedarf des durchschnittlichen Android-Smartphones anführt). NDrive kommt mit guten 8 MByte aus, während CoPilot Live fast 19 MByte und Navigon sogar noch etwas mehr belegt.

Dazu kommt natürlich noch das Kartenmaterial, das aber auf SD-Karte ausgelagert wird und somit nicht zur Wertung beiträgt – denn die lässt sich, im Gegensatz zum Anwendungsspeicher, einfach austauschen.

AndNav2: 1 Punkt CoPilot Live: 0 Punkte Navigon: 0 Punkte Ndrive: 1 Punkt

Programmstart

Beim Start der Programme wird klar: Hier hat das Smartphone einiges zu tun. Zum Test setzen wir auf das Nexus One mit flotter 1-GHz-CPU. Android-Geräte mit langsamerem Prozessor benötigen durchaus etwas mehr Zeit, bis die Navis startklar sind. Interessanterweise ist nicht AndNav2 am schnellsten bereit, sondern Ndrive: Obwohl das Kartenmaterial auf dem Gerät liegt, präsentiert die Software bereits eine gute Sekunde nach dem Start ihre Kartenansicht. Danach folgt die kostenlose AndNav2-Lösung, die nach knapp 3 Sekunden das Hauptmenü zeigt. Navigon ist nach etwa 5 Sekunden fertig geladen, der CoPilot braucht noch etwas länger.

AndNav2: 1 Punkt CoPilot Live: 0 Punkte Navigon: 0 Punkte Ndrive: 1 Punkt

Die bisherigen Punkte in diesem Vergleich sind allesamt nicht so wichtig wie die Funktionen, mit denen man als Nutzer der Anwendungen täglich zu tun hat – Menüführung, Routenplanung und nicht zuletzt die Navigation als solches. Deswegen gibt es ab sofort für den oder die Sieger der jeweiligen Vergleiche die doppelte Punktzahl.

Android-Navigation
Das Menü des Mobile Navigators ist simpel und aufgeräumt.

Menüführung

An den Menüs der Programme kommt man unter keinen Umständen vorbei – wir werfen also einen näheren Blick auf die Bedienung. Auf Anhieb fällt AndNav2 direkt durch. Die Punkte im Hauptmenü wirken verspielt und unprofessionell. Die Schrift im Comic-Look liegt über den Logos, teilweise sind die Buchstaben versal, auf anderen Tasten wechseln sich Groß- und Kleinschreibung ab. Aber unabhängig von der etwas primitiv wirkenden Optik klappt die Bedienung dank großer Tasten und weniger Elemente bis hin zu den Einstellungsdetails hervorragend.

Deutlich professioneller ist da schon das Hauptmenü des CoPilot. Wirklich schön sind die Icons der Tasten zwar nicht anzusehen, außerdem sind die Buttons deutlich kleiner. Wenn man sich allerdings etwas mit den Eigenheiten der Bedienung auseinandergesetzt hat, klappt die Steuerung des Programms problemlos.

Android-Navigation
Verwirrend: Was meinen die Ndrive-Macher mit „Schablone“?

Navigon ist hier der Lichtblick im Vergleich. Die Oberfläche ist sexy, logisch aufgebaut, intuitiv zu verstehen und besteht aus großen, mit Logos und etwas zu kleinem Text beschrifteten Buttons. Favoriten und letzte Ziele gibt es in einer Leiste im unteren Bereich. Daran merkt man, dass das Unternehmen eben Erfahrung hat mit portablen Navigationssystemen – und deren Bedienung im Fahrzeug.

Ebenfalls hübsch anzusehen ist das Menü von Ndrive. Es gibt insgesamt sechs große, klar beschriftete Buttons. Allerdings sollte man sich nicht in die Tiefen der Menüstruktur vorwagen – spätestens in den Einstellungen hört jede Intuitivität und jede Fingerbedienbarkeit auf. So gibt es etwa unter dem Punkt Kartendarstellung die Option Schablonen. Wer den entsprechenden Button antippt, sieht Tag Schablone, darunter ausgewählt ist default. Ausgegraut ist Nacht Schablone mit der Einstellung night, und wer möchte, kann auch balanced wählen. Sicher – damit hat man nicht tagtäglich zu tun. Aber Navigon kann es eben besser.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 0 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 0 Punkte

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Nicht ganz so hübsch, dafür aber mit vielen Optionen: das Hauptmenü von CoPilot Live.

Adresseingabe

Bevor es losgehen kann, muss man natürlich das Ziel eintippen. AndNav2 fragt sinnvoll nach, ob man nach Postleitzahl oder Ort suchen möchte – und fällt danach durch. Die alphabetische Tastatur wird zur Hälfte von der Android-eigenen QWERTZ-Tastatur überdeckt, eine Auto-Vervollständigung gibt es nicht.

Der CoPilot kann es besser. Zwar stört uns hier auch die alphabetische Tastatur, aber immerhin ist sie vollständig zu sehen und nicht halb überdeckt. Außerdem schlägt das Programm bereits nach der Eingabe von MUN München als Ziel vor. Zum Ermitteln der möglichen Treffer braucht es etwas Zeit, die Zieleingabe geht leider nicht ganz flüssig von Statten – aber das ist durchaus zu verzeihen.

Navigon punktet wieder. Es zeigt die Standard-QWERTZ-Tastatur des Android-Handys an, schlägt direkt nach einem Druck auf M München vor oder Berlin bei B. Eine zeitliche Verzögerung gibt es nicht – man tippt einfach, und unterm Textfeld finden sich alle passenden Orts- oder Straßennahmen in einer scrollbaren Liste. So muss das sein.

Auch NDrive muss in dieser Kategorie Federn lassen. Über eine kleine, unpraktikable Flagge neben dem Textfeld wählt der Nutzer das gewünscht Land, bevor er über die alphabetisch geordnete Tastatur den Ortsnamen eingibt. Dabei kommt es teilweise zu starken Verzögerungen. Mehrmals im Test bleibt das Programm nach der Eingabe des ersten Buchstabens einige Sekunden stehen – meistens hält sich die Wartezeit aber in Grenzen. Auch hier gibt es eine scrollbare Liste, die aber nicht flüssig durchläuft – und beim Tipp auf die Liste verschwindet das Tastenfeld.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 2 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 0 Punkte

Android-Navigation
Unschöner Fehler: AndNav2 präsentiert gleich zwei Tastaturen bei der Adresseingabe.

Routenberechnung

Ist das Ziel eingegeben, sind die Algorithmen im Inneren der Programme gefragt, um den besten Weg zu ermitteln. Die angenehme Überraschung vorweg: Lange Wartezeiten gibt es hier bei keiner Lösung. Allerdings stellt der CoPilot die positive Ausnahme dar: Als einziges Lösung im Vergleich berechnet er die Route sofort und direkt nach der Eingabe. Die Mitbewerber starten mit dem Vorgang erst, wenn die Position via GPS bestimmt ist – und somit erst einige Zeit, nachdem man Parkhaus oder Garage verlassen hat. Der CoPilot beruft sich einfach auf seine zuletzt bekannte Position. In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut – meist liegt er in unserem Test richtig. Sollte sich dann doch ein anderer Ort per GPS herausstellen, kalkuliert er die Strecke flink neu.

Anders sieht es da schon aus, wenn der Fahrer sich nicht an die vorgeschlagene Strecke hält – etwa, weil er einen anderen Weg als sinnvoller betrachtet oder aufgrund von Baustellen oder Verkehrssituation nicht abbiegen kann. In dem Fall überzeugt uns der Mobile Navigator von Navigon: Nur Sekunden nach dem Verlassen der Route hat das Programm eine Alternative parat. Wer genau auf die Karte achtet, sieht, dass das Programm im Hintergrund noch weitere Möglichkeiten durchgeht und sich Sekunden oder Sekundenbruchteile später im weiteren Verlauf der Strecke für andere Routen entscheidet. Wirklich toll ist aber, dass die Navigon-Software auf die nervigen „Bitte-wenden“-Meldungen weitestgehend verzichtet und echte Alternativstrecken heraussucht.

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CoPilot Live: Warum bitte ist die Tastatur alphabetisch angeordnet?

Der CoPilot ist da schon hartnäckiger und fordert den Fahrer auf vermeintlich falschem Weg länger auf, zur eigentlich geplanten Strecke zurückzukehren – unterm Strich können wir uns hier aber nicht beschweren.

Da haben die beiden anderen Lösungen schon größere Macken. AndNav2 versagt in diesem Punkt fast völlig. Scheinbar benötigt die Routenberechnung mit dem nicht auf dem Gerät, sondern im Netz gespeicherten Kartenmaterial länger, als der Fahrer, um die nächste Kreuzung zu erreichen. Wer im Ort falsch fährt, bekommt über Minuten hinweg direkt nach einer Kreuzung den Hinweis, dass er an der letzten Querstraße hätte wenden sollen – das ist unbrauchbar.

Auch Ndrive hat Probleme, wenn man sich nicht an den vorgegebenen Weg hält. Im Ort werden aus normalen Kreuzungen für das Programm auf einmal Kreisverkehre, die gar nicht vorhanden sind – und der Fahrer erhält im Wohngebiet über Minuten hinweg die Hinweise „Bitte halten Sie sich rechts“ oder „Fahren Sie in den Kreisverkehr ein“. Dabei gibt es weder eine linke Spur noch einen Kreisel.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 2 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 0 Punkte

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Schön: Ndrive zeigt Gebäude in 3D. Leider gibt es diese Modelle bislang nur von wenigen Sehenswürdigkeiten – dementsprechend gering ist der Nutzwert in der Praxis.

Routenführung

Und wie sieht es aus, wenn man sich tatsächlich an die vom Navi berechnete Strecke hält? Nicht viel anders. Wie gehabt überzeugen Mobile Navigator und CoPilot Live mit sinnvoll gewählten Strecken und eindeutigen, rechtzeitigen Fahranweisungen. Solange alles glatt läuft, braucht sich auch Ndrive vor seinen Konkurrenten kaum zu verstecken. Gelegentlich gibt es unnötige Hinweise – etwa „Bitte links halten“ an einer geraden Bundesstraße, die rechts alternativ nur eine Parkbucht zu bieten hat.

Die größten Probleme hat hier die kostenlose AndNav2-Software – ihr mangelt es einfach am qualitativ hochwertigen Kartenmaterial. So hat die Lösung beispielsweise Probleme, Kreisverkehre und Kreuzungen zu erkennen. Geht es durch einen Kreisel geradeaus durch, gibt es keinen Hinweis im Stil von „Den Kreisverkehr geradeaus passieren“ oder „Den Kreisverkehr an der zweiten Ausfahrt verlassen“. Stattdessen heißt es kurz vorm Kreis „Bitte rechts abbiegen“ – und dann war’s das. Vorm falschen Abbiegen bewahrt einen da höchstens noch der Blick auf das Display. Auch an anderen Stellen hapert es. Wird etwa eine Bundesstraße von einer Eisenbahnbrücke gekreuzt, weist das Smartphone seinen Nutzer an, geradeaus weiter zu fahren. Alternativen gibt es aber ohnehin nicht.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 2 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 1 Punkt

Android-Navigation
Die 3D-Ansicht von CoPilot Live ist praktikabel, zeigt aber nicht so einen schönen Himmel wie die Konkurrenz aus dem Hause Navigon.

Darstellung

Was für die Menüs gilt, gilt in ähnlicher Form auch für die Optik der eigentlichen Navigation – der Mobile Navigator ist hübsch. Die Bird-View-Ansicht, also die Darstellung der Karte in 3D mit Blick von schräg oben, ist selbstverständlich – und im Hintergrund sorgen Wölkchen und blauer Himmel noch für das gewisse Extra fürs Auge. Wer wissen möchte, wie es auf der Route weitergeht, tippt einfach mit dem Finger auf Display. Sofort schaltet die Software um auf die klassische 2D-Ansicht und das freie Verschieben der Karte ist möglich. Leider hat die Software die Umgebung nicht vorgeladen – so ist das Display immer kurz schwarz, wenn man den Finger verschiebt, bis die fehlenden Teile auf der Anzeige erscheinen. Im oberen Displaybereich gibt es eine Leiste, die Zusatzinfos anzeigt – etwa die aktuelle Geschwindigkeit oder die voraussichtliche Ankunftszeit. Leider ist nur eine dieser Informationen zugleich zu sehen. Besonders auf Langstrecken ist der Fahrspurassistent praktisch. An Autobahnkreuzen oder -Abfahrten zeigt er die zur Verfügung stehenden Spuren samt der Hinweisschild-Brücken an und markiert deutlich, welche Spuren zum Ziel führen.

CoPilot Live wartet ebenfalls mit einer 3D-Ansicht auf. Wie auch bei den Menüs wirkt das hier alles nicht ganz so hübsch wie bei Navigon, aber die Orientierung klappt völlig problemlos. Das Verschieben der Karte funktioniert hier sogar im Bird-View-Modus. Das ist praktisch, wenn man mal einen kurzen Blick auf die weitere Route werfen möchte. Für eine Orientierung in weiterer Ferne sollte der Nutzer dann aber doch lieber in den 2D-Modus wechseln. Während der Navigation zeigt das Programm deutlich mehr Zusatzinfos an als die Navigon-Lösung. Wer das mag, fühlt sich hier wohl, wer hingegen auf eine simple Darstellung steht, ist beim CoPilot schneller überfordert als beim Mobile Navigator.

Android-Navigation
AndNav2 nutzt Karten von Open Street Map. Die Navigation ist also nur genau, wenn die Straßen in der Umgebung von Nutzern erfasst wurden.

Die Darstellung von Ndrive gefällt. Sie zeigt einige wenige Gebäude sogar komplett in 3D, darunter beispielsweise den Big Ben in London. Da nur wenige 3D-Modelle von Gebäuden vorliegen, ist das in der Praxis aber noch nicht wirklich hilfreich. Ansonsten sieht der Fahrer alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

And2Nav punktet in diesem Abschnitt wieder nicht: Es gibt keine 3D-Ansicht. Natürlich ist sie nicht zwingend nötig, aber sie sieht eben einfach gut aus und erlaubt, wenn sich der Fahrer daran gewöhnt hat, eine schnellere Orientierung auf der Strecke als eine flache Karte. Einen Fahrspur-Assistenten haben AndNav2 und Ndrive ebenfalls nicht zu bieten.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 2 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 2 Punkte

Sprachausgabe

Aber eigentlich sollte der Fahrer seinen Blick ja auch auf die Straße richten. Damit er das auch kann, sollte das Navi laut und deutlich per Sprachausgabe mitteilen, wohin der Weg führt. Insgesamt erledigen alle Programme diesen Job weitgehend gut. Die Ausnahme bleibt AndNav2. Dem Programm fehlt es, wie gesagt, schlicht am Kartenmaterial – dementsprechend fallen die Aussagen teilweise inkorrekt, an sinnlosen Stellen oder schlicht falsch aus. Dafür liest die Software aber Straßennamen per Text-2-Speech-Engine vor.

Die drei Alternativen sprechen ihre Hinweise zum richtigen Zeitpunkt und klar und deutlich aus. Am meisten überzeugt uns hier noch der Mobile Navigator – abhängig von der gerade gefahrenen Geschwindigkeit gibt es immer genügend Vorlaufzeit („In 2 Kilometern rechts abbiegen“) und kurz vor der Kreuzung noch einmal einen deutlichen Hinweis („Jetzt rechts abbiegen“). Bei der ersten Angabe erspart er dem Fahrer auch unnötige Meterangaben. Dass das Programm dabei grundsätzlich abrundet und so aus 6,9 Kilometern mal eben 6 werden, mag dem einen oder anderen auffallen – in der Praxis stört das aber nicht.

Android-Navigation
Die 3D-Ansicht des Navigon Mobile Navigators schaltet automatisch in den Nachtmodus.

Auf hohem Niveau spricht auch der CoPilot. Allerdings hilft direkt an der Kreuzung häufig nur ein kurzer Blick aufs Display, um herauszufinden, ob das Programm jetzt diese oder jene schmale Straße meint.

Ndrive spricht manchmal etwas zu viel. Die Anweisungen sind aber stets klar und gut zu verstehen.

AndNav2: 0 Punkte CoPilot Live: 2 Punkte Navigon: 2 Punkte Ndrive: 2 Punkte

Fazit

Am Ende dieses Vergleichs ist klar: Mit der richtigen Software navigieren Smartphones auf höchstem Niveau. Ein zusätzliches Navi ist gar nicht nötig. Unterm Strich geht die Navigon-Lösung als Sieger hervor: Sie sieht attraktiv aus, ist hervorragend zu bedienen und führt den Fahrer erstklassig zum Ziel. Ebenfalls auf hohem Niveau routet CoPilot Live von ALK. Die nicht ganz so hübsche Optik und die etwas kompliziertere Bedienung kosten das Programm den Sieg. Wer aber lieber mehr Informationen gleichzeitig auf dem Schirm hat, zieht diese Lösung vielleicht dennoch vor. Und wer Deutschland nicht verlässt, bekommt mit der 30-Euro-Version ein vollwertiges Navi zum Schnäppchenpreis.

Ndrive hingegen überzeugt uns nicht. Das Programm ist genau so teuer wie seine kommerziellen Konkurrenten, macht in der Praxis aber mehr Fehler, verwirrt mit komplexen Optionen und sieht nicht so gut aus.

Die kostenlose AndNav2-Software bekommt einen Sympathie-Bonus, da sie Open Source ist und offenes Kartenmaterial nutzt. Als echte Navi-Lösung ist sie derzeit aber nicht zu gebrauchen. Wer aber beispielsweise mit dem Fahrrad in gut erfassten Gebieten unterwegs ist, benötigt auch nicht mehr, als das Programm zu bieten hat.

AndNav2: 4 Punkte CoPilot Live: 11 Punkte Navigon: 13 Punkte Ndrive: 8 Punkte

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