So schlagen sich Ricoh GXR, Canon G11 und Olympus E-P1 im Extremtest

Runde vier: Widerstandskraft gegenüber Umwelteinflüssen

Eines voraus: Alle drei Kameras haben gewaltige Torturen überstanden. Luftfeuchtigkeiten von nahezu 100 Prozent bei 40 Grad im ecuatorianischen Regenwald, korrodierende Salzwassergischt von der chilenischen Magellanstraße, 24-stündiges Dauergeschüttel auf ungeteerten Straßen im paraguayanischen Hinterland, bitterkalte Nächte auf knapp 5000 Meter Höhe im bolivianischen Altiplano, vom Sturm gepeitschten Sand in der kolumbianischen Karibik und Röntgenorgien in venezuelanischen Polizei- und Militärkontrollen. Und alle Kameras funktionieren einwandfrei wie am ersten Tag – wir sind beeindruckt.


Die Kameras mussten unter anderem die eine oder andere Dusche überstehen – wie hier an den Wasserfällen in Foz do Iguaçu.

Auch die Olympus E-P1 mit ihrem Wechselobjektivsystem hat sich, was die Verschmutzung des Bildsensors angeht, erstaunlich in Grenzen gehalten. Objektivwechsel in der Wüste, am Strand und im Regenwald haben der Pen-Kamera nicht geschadet. Dank etwas Vorsicht und möglichst kurzen Expositionszeiten des sensiblen Innenlebens der Kamera sind auch nach einem siebenwöchigen Fotomarathon keine schwarzen Flecken und kein Dreck auf den Fotos zu sehen.

Runde fünf: verfügbares Zubehör

Bei Canons PowerShot G11 handelt es sich um ein weitgehend abgeschlossenes System. Objektiv- oder gar Bildsensorwechsel sind hier nicht möglich. Die Kompaktkamera bietet lediglich ein proprietäres Bajonett zum Anschluss eines Telekonverters und – wie ihre beiden anderen Konkurrentinnen auch – einen Blitzschuh.

Ricohs GXR-System ist erst im vergangenen Dezember gestartet – dementsprechend ist die Auswahl an Extras noch relativ gering. Es gibt die beiden Fotobausteine A12 und S10, einen elektronischen Aufstecksucher, einen externen Blitz sowie einen Weitwinkel- und einen Televorsatz für das S10-Aufnahmemodul.

In puncto erhältlichem Zubehör hat Olympus mit dem Micro-Four-Thirds-Standard eindeutig die Nase vorn. Für das System stehen, nicht zuletzt auch dank des MFT-Partners Panasonic, unzählige Objektive zur Verfügung.

Fazit: welche Kamera für was?

Mit Anschaffungskosten von etwa 430 Euro ist die Canon PowerShot G11 das günstigste Modell in unserem Vergleich. Die Kompaktkamera bietet auch ohne Zubehör eine ordentliche Flexibilität und beansprucht den geringsten Platz im notorisch knappen Reisestauraum. Bei guten Lichtverhältnissen hat sie keine Schwierigkeiten, mit ihren teureren Kollegen mitzuhalten. Bei schummriger Beleuchtung läuft die Digicam allerdings schnell in den Begrenzer und liefert mit hohen ISO-Empfindlichkeiten nur wenig brauchbare Fotos.

Die Olympus E-P1 kostet mit dem Kitobjektiv und der 17-Millimeter-Pancake-Optik rund 720 Euro. Für die gut eineinhalbfachen Anschaffungskosten der Canon PowerShot G11 gibt es hier deutlich mehr Spielraum bei schlechten Lichtverhältnissen und die Möglichkeit, das System um eines oder mehrere der zahlreichen verfügbaren Objektive zu erweitern.

Bei der Ricoh GXR handelt es sich um das teuerste der drei Systeme: Mit den beiden Aufnahmemodulen S12 und A10 reißt die Kamera ein 1500 Euro tiefes Loch in den Geldbeutel. Dafür gibt es eine fantastische 50-Millimeter-Festbrennweite, die die Konkurrenz in Sachen Bildqualität und Freiraum bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich hinter sich lässt. Auch das günstigere S12-Modul leistet angesichts des verhältnismäßig kleinen Bildsensors eine sehr ordentliche Leistung. Beim GXR-System vermissen wir allerdings ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv mit großem Bildsensor – etwa eine 34-Millimeter-Festbrennweite mit F2,0 und APS-C-Chip dahinter.

Derzeit ist die Olympus E-P1 unser Favorit des Trios – die Pen-Kamera überzeugt mit dem großen Four-Thirds-Sensor, der gigantischen Auswahl an verfügbarem Zubehör und vor allem mit dem im Vergleich zur GXR gemäßigten Preis. Wenn Ricoh beim Zubehör in den nächsten Monaten aufholt, könnte sich das allerdings schnell ändern. Canons PowerShot G11 ist für all diejenigen, die weniger Platz und Budget zur Verfügung haben und sich nicht in der Wüste mit Objektiv- oder Aufnahmewechseln quälen möchten, die beste Wahl.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu So schlagen sich Ricoh GXR, Canon G11 und Olympus E-P1 im Extremtest

  • Am 17. Februar 2010 um 20:43 von Manuel

    Toller Test!
    Grundsätzlich sehr interessanter test.
    mich hätte im zusammehnag auch die Sigma DP1s interessiert, da sie ja auch in die reihen dieser klasse gehört.

  • Am 17. August 2010 um 15:06 von Albert Graf

    Sensormagie
    Danke, danke, mir gingen die Augen weit auf! Die verklauslulierte Angabe von 1/1,7 Zoll kommt der Kameraindustrie sehr gelegen. Ich dachte immer, das hieße 1 Zoll mal 1,7 Zoll Fläche. Weit gefehlt. Kein Wunder, dass bei einer Fläche, die nur dem zwanzigstel des KB-Formats der SLRs entspricht, keine Wunder zu erwarten sind. Nun weiß ich, was ich bei meiner nächsten Cam beachten muss. 😉

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