Sony Alpha DSLR-A550: schnelle DSLR für Live-View-Fans

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 16:08 Uhr

Pro
  • kurze Auslöseverzögerung
  • geringes Bildrauschen bei hohen Empfindlichkeiten
  • großes, schwenkbares Display
  • schneller Live-View-Autofokus
Con
  • unpräzise Farbwiedergabe
  • Live View deckt nur 90 Prozent des Bilds ab
  • unpraktischer optischer Sucher
  • keine Videofunktion
Hersteller: Sony Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,1 von 10 Punkte
Fazit:

Wer hauptsächlich im Live-View-Modus fotografiert und keinen gesteigerten Wert auf akkurate Farben legt, findet in Sonys Alpha DSLR-A550 dank der flotten Leistung und dem ausgezeichneten Rauschprofil eine preislich attraktive DSLR. Andernfalls hält der Markt jedoch bessere Alternativen bereit.

Irgendwo in der Mitte von Sonys dicht bevölkertem Spiegelreflex-Lineup sitzt die Alpha DSLR-A550. Das Gehäuse wechselt zusammen mit dem 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv für rund 670 Euro den Besitzer. Dank hochauflösenderem Sensor und Display sowie schnellerer Serienbildrate wirkt die DSLR interessanter als ihre kleine Schwester, die gut 70 Euro günstigere A500. Wir haben die A550 auf Herz und Nieren getestet.

Mit Anschaffungskosten von 620 Euro nur für das Gehäuse und 670 Euro für das Kit mit dem 18-bis-55-Millimeter ist die Sony [1] Alpha DSLR-A550 aggressiv auf dem Markt positioniert. Die Spitzenreiter in diesem Marktbereich sind bisher die Canon EOS 500D [2] und die in die Jahre gekommene EOS 50D sowie die Nikon D90 [3]. Mit der A550 schafft es Sony allerdings nicht, das Mittelklasse-Segment aufzuräumen. Dafür ist das Design noch zu unausgegoren, und in Sachen Farbwiedergabe hat der Hersteller noch einiges nachzuholen.

Design

Die Alpha DSLR-A550 ist zwar schwerer und sperriger als ihre kleinen Schwestern der 200er- und 300er-Serie, liegt dafür aber deutlich besser in der Hand. Die günstigeren Modelle von Sony kommen mit einem etwa ein Viertel kürzeren Handgriff, was für ein deutlich unsichereres Gefühl beim einhändigen Fotografieren sorgt. Verglichen mit der direkten Konkurrenz von Canon und Nikon ist die 550er übrigens ein ganzes Stück kleiner und leichter.

Das Gehäuse macht einen soliden und wertigen Eindruck. Beim Anfassen merkt man allerdings sofort, dass viel Kunststoff zum Einsatz kommt. Die Platzierung der Bedienelemente finden wir nicht optimal – zu viele Tasten und Beschriftungen übersäen die Kamera. Eine Taste für den Smart Teleconverter, den digitalen Zoom, hat auf einer Mittelklasse-DSLR nichts zu suchen. Der Knopf für den D-Range-Optimizer, der aus schattigen Bereichen mehr Details herausholt, ist ebenfalls überflüssig. Die ganzen Extra-Buttons erschweren das schnelle Auffinden der Bedienelemente für Aufnahmemodus, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungsausgleich et cetera, die sich leider alle sehr ähnlich anfühlen.


Die Tasten auf der Oberseite der Kamera sitzen zu weit hinten, als dass sie bequem mit dem Zeigefinger zu erreichen wären.

Die A550 scheint eher für Live-View-Fans denn für Anhänger des Suchers konzipiert zu sein. Zwar finden sich in der optischen Sehhilfe etliche außergewöhnliche Informationen, etwa der Fokusmodus oder die Chancen, ein unverwackeltes Bild zu schießen. Doch dafür fehlen traditionellere Werte wie Empfindlichkeit. Wer den ISO-Wert ändern möchte, muss die Kamera vom Auge nehmen und aufs Display blicken.

Auch die Qualität des optischen Suchers kann nicht völlig überzeugen. Die Fokuspunkte sind zwar erfreulich groß, doch dafür fällt die Sehhilfe generell klein aus und bietet einen recht niedrigen Vergrößerungsfaktor. Zudem steht das LCD etwas aus der Rückseite heraus, so dass man bei Nutzung des Suchers ständig mit der Wange daran anstößt und den Bildschirm verschmiert.

Für gewöhnlich sind die Bedienelemente bei DSLRs auf der Oberseite recht weit vorne platziert, so dass sie sich bequem mit dem Zeigefinger erreichen lassen. Sony positioniert sie bei der A550 ungewöhnlich weit hinten. Sie liegen weder in bequemer Reichweite des Daumens noch des Zeigefingers, wenn der Fotograf das Gehäuse vor dem Gesicht hält. In diesem Punkt gefällt uns das Design bei Sonys günstigeren Spiegelreflexkameras der 200er- und 300er-Serie besser.

Auf der Rückseite bringt Sony einen Fn-Knopf unter, der eine Reihe von Optionen aufs Display holt, darunter Blitz, Serienaufnahme, Autofokusmodus und -bereich, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungmessung, Blitzbelichtungskorrektur, Weißabgleich, DRO/Auto-HDR und Kreativmodi. Das Vier-Wege-Pad zum Navigieren durch die Einstellungen macht einen etwas flachen Eindruck und bietet nicht ausreichend taktiles Feedback – im Test drücken wir häufig versehentlich auf die mittig im Bedienelement platzierte Autofokus-Taste.


Das Vier-Wege-Pad neben dem schwenkbaren Display ist leider nicht so präzise, wie wir es uns wünschen würden.

Der Bildschirm bietet zwar nicht die Freiheit eines dreh- und schwenkbaren Displays, ermöglicht aber dank der kippbaren Aufhängung bequeme Aufnahmen über Kopf und aus der Hüfte. Abgesehen von der mechanischen Flexibilität ist der Bildschirm auf demselben Niveau wie die Anzeigen der Konkurrenz.

Wer zum Fotografieren primär das Display nutzt, wird sich über Sonys schnellen Live-View-Autofokus freuen. Auch der MF-Check-LV-Modus ist ein praktisches Extra für manuelle Scharfsteller. Ist die Funktion aktiv, vergrößert sie den Fokusbereich und passt zudem die Belichtung des Ausschnitts an, sodass der Fotograf auch sieht, was er mit dem Bild ansteht. Schade: Im Live-View-Modus zeigt das Display lediglich einen 90-prozentigen Bildausschnitt an – das ist sogar noch weniger als der optische Sucher zu bieten hat. Die erwähnte MF-Check-LV-Funktion hingegen bringt 100 Prozent aufs Display.

Ausstattung

Tabelle: Sony Alpha DSLR-A380, A500 und A550 im Vergleich

Hersteller Sony Sony Sony
Modell Alpha DSLR-A380 Alpha DSLR-A500 Alpha DSLR-A550
Preis (nur Gehäuse) 425 Euro 525 Euro 620 Euro
Bildsensor CCD (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm)
Auflösung 14,2 Megapixel 12,3 Megapixel 14,2 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 3200 ISO 200 – 12.800 ISO 200 – 12.800
Verschlusszeiten 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s
Autofokus 9 Punkte 9 Punkte 9 Punkte
Serienbildmodus 2,5 fps 5 fps 5 fps
Belichtungsmessung 40 Segmente 40 Segmente 40 Segmente
Videomodus nein nein nein
Display 2,7 Zoll (schwenkbar) 3,0 Zoll (schwenkbar) 3,0 Zoll (schwenkbar)
Live View ja ja ja
Sucherbildausschnitt 95 Prozent 95 Prozent 95 Prozent
Akkulaufzeit 500 Fotos 1000 Fotos 950 Fotos
Abmessungen 12,8 x 9,7 x 7,1 cm 13,7 x 10,4 x 8,4 cm 13,7 x 10,4 x 8,4 cm
Gewicht 490 g 597 g 599 g

Die Sony Alpha DSLR-A550 bietet ein paar interessante Features. Da wäre beispielsweise die Auto-HDR-Funktion, die zwei Fotos in schneller Folge mit unterschiedlichen Belichtungen schießt und sie in einem Bild kombiniert. Das Ergebnis ist ein „optimales“ Bild mit mehr Details in schattigen und hellen Bildbereichen. Leider bietet der Aufnahmemodus kaum Einstellungsmöglichkeiten. Lediglich der Belichtungsabstand der beiden Fotos lässt sich auf bis zu drei Blenden nach oben schrauben. Alternativ übernimmt die Kamera die Verantwortung. Erfreulich: Die Funktion arbeitet effektiver als Sonys DRO-Feature, und die vollautomatische Einstellung hält sich an die vom Nutzer getroffene ISO-Empfindlichkeit.

Leider speichert die DSLR die beiden Einzelbilder nicht ab. Zudem sind nicht mehr als zwei Fotos als Quelle für das HDR möglich. Außerdem ist das Ergebnis immer eine JPEG-Aufnahme, und die Kamera braucht ein paar Sekunden, um die Einzelbilder zu kombinieren.

Neben dem „gewöhnlichen“ Serienbildmodus mit fünf Aufnahmen pro Sekunde bietet die A550 eine sogenannte kontinuierliche Speed-Priority-Funktion. Das Feature passt Fokus und Belichtungszeit nach dem ersten geknipsten Foto nicht mehr an und ermöglicht so Geschwindigkeiten von bis zu sieben Bildern pro Sekunde. Auf dem Papier sticht die Sony-DSLR durch den beschleunigten Schnellschussmodus etliche Konkurrenten aus. Allerdings eignet sich das Feature nur für Motive, die sich parallel zum Fotografen oder hinter der „unendlich“-Einstellung der Linse bewegen und konsistent ausgeleuchtet sind.

Tabelle: Sony Alpha DSLR-A550, Nikon D90 und Canon EOS 50D im Vergleich

Hersteller Sony Nikon Canon
Modell Alpha DSLR-A550 D90 EOS 50D
Preis (nur Gehäuse) 620 Euro 635 Euro 740 Euro
Bildsensor CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (22,3 x 14,9 mm)
Auflösung 14,2 Megapixel 12,3 Megapixel 15,1 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 200 – 12.800 ISO 100 – 3200 ISO 100 – 12.800
Verschlusszeiten 1/4000 bis 30 s 1/4000 bis 30 s 1/8000 bis 30 s
Autofokus 9 Punkte 11 Punkte 9 Punkte
Serienbildmodus 5 fps 4,5 fps 6,3 fps
Belichtungsmessung 40 Segmente 420-Pixel-3D-Farbmatrix 35 Zonen
Videomodus nein 1280 x 720 @ 24 fps nein
Display 3,0 Zoll (schwenkbar) 3 Zoll (fest) 3 Zoll (fest)
Live View ja ja ja
Sucherbildausschnitt 95 Prozent 96 Prozent 95 Prozent
Akkulaufzeit 950 Fotos 850 Fotos 640 Fotos
Abmessungen 13,7 x 10,4 x 8,4 cm 13,2 x 10,3 x 7,7 cm 14,6 x 10,8 x 7,4 cm
Gewicht 599 g 620 g 730 g

Leistung

Im Praxistest legt die Alpha DSLR-A550 allerdings auch ohne das Geschwindigkeitsextra eine flotte Performance hin. Bis die Spiegelreflexkamera aus dem Tiefschlaf erwacht ist und das erste Foto geschossen hat, vergehen 0,4 Sekunden. Bei guten Lichtverhältnissen beträgt die Auslöseverzögerung 0,3 Sekunden, im Zwielicht verschlechtert sich der Wert auf immer noch recht zügige 0,7 Sekunden. Zwischen zwei Aufnahmen genehmigt sich die Kamera eine Auszeit von 0,7 Sekunden. Durch den Einsatz des Blitzes verlängert sich die Verschnaufpause auf 0,9 Sekunden. Im „normalen“ Serienbildmodus kommt unser Testgerät auf 4,3 Aufnahmen pro Sekunde.

Obwohl die A550 ebenso wie ihre kleine Schwester A380 einen 14,2-Megapixel-Chip bietet, liefert der Exmor-CMOS-Sensor der „Großen“ durch den gesamten Empfindlichkeitsbereich deutlich sauberere Aufnahmen. Bis einschließlich ISO 400 gelingen die Fotos gestochen scharf sowie praktisch rauschfrei und weisen eine ausgewogene Ausleuchtung auf. ISO-800-Bilder sehen ebenfalls noch sehr gut aus. Ab ISO 1600 beginnen die Details, etwas zu verschmieren. Größtenteils liefert allerdings auch die Einstellung ISO 3200 noch recht brauchbare Fotos.

Wie für diese Klasse üblich eignen sich die Empfindlichkeiten oberhalb von ISO 3200 nur noch für Notfälle. Dennoch, die Rauschunterdrückung der A550 leistet in diesen ISO-Bereichen erstaunlich gute Arbeit. ISO-6400-Fotos sehen beispielsweise deutlich sauberer aus als die Äquivalentaufnahmen der älteren Vollformatkamera A900. Auch mit ISO 12.800 geschossene Fotos stellen keine Katastrophe dar, eignen sich allerdings nur noch für kleine Ausdrucke oder fürs Internet.

An Bord der A550 finden sich eine ganze Reihe von verschiedenen Farbmodi. Die Voreinstellungen liefern allerdings allesamt unpräzise und unangenehm übersättigte Farben. Einen Natürlich-Modus gibt es leider nicht. In den Feineinstellungen der Presets sind die Regler für Kontrast, Sättigung und Schärfe dann auch noch auf „0“ gestellt, so dass viel Experimentieren notwendig ist, um eine akzeptable Einstellung herauszufinden.

Leider sehen die RAW-Aufnahmen in puncto Farben nicht sonderlich viel besser aus als die JPEG-Fotos. Im Test dachten wir zuerst, die Einstellungen von unserem Adobe Camera Raw wären verstellt. Allerdings sahen die Bilder in Sonys eigenem RAW-Entwickler Image Data Converter SR genauso aus. Es gibt leider keine Möglichkeit, die von der Kamera verwendeten Farbeinstellungen aus den Bildern zu entfernen. Die besten Ergebnisse erhalten wir noch, wenn wir als Farbraum AdobeRGB anstelle von sRGB in der Kamera wählen.

Fazit

Mit dem ausgezeichneten Rauschprofil und der überdurchschnittlichen Geschwindigkeit erfüllt die Alpha DSLR-A550 zwei der wichtigsten Kaufkriterien für eine digitale Spiegelreflexkamera. Umso frustrierender sind dafür auf der anderen Seite das unpraktische Design und die schlechte Farbwiedergabe. Wenn der Hersteller hier bei der nächsten Generation noch nachbessert, könnte Sony den Marktführern in diesem Segment etliche Hobbyfotografen abspenstig machen.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Fotos (RAW)   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Nikon D5000 [5]

0.2 
0.5 
0.7 
0.3 
Sony Alpha DSLR-A550

0.4 
0.8 
0.7 
0.3 
Canon EOS 50D

0.2 
0.3 
0.9 
0.4 
Sony Alpha DSLR-A380 [6]

0.5 
0.5 
0.6 
0.4 
Nikon D90 [3]

0.2 
0.6 
0.9 
0.4 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Canon EOS 50D

6 
Sony Alpha DSLR-A550

4.3 
Nikon D90 [3]

4 
Nikon D5000 [5]

4 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41528021/sony-alpha-dslr-a550-schnelle-dslr-fuer-live-view-fans/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Canon EOS 500D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003589/dslr+fuer+full_hd_videos+canon+eos+500d+im+test.htm

[3] Nikon D90: https://www.cnet.de/tests/digicam/39199498/nikon+d90+erste+dslr_+die+hd_videos+in+1280+x+720+aufnimmt.htm

[4] Beispielfotos: die Bildqualität der Sony Alpha DSLR-A550: https://www.cnet.de/41528028/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-sony-alpha-dslr-a550/?pid=1#sid=41528021

[5] Nikon D5000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003894/nikon+d5000+hd_video_dslr+mit+schwenk_display+im+test.htm

[6] Sony Alpha DSLR-A380: https://www.cnet.de/tests/digicam/41006448/sony+alpha+dslr_a380+im+test+teuer+und+kaum+neuerungen.htm